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Was kann ein UN-Abkommen für Wirtschaft und Menschenrechte leisten? Ekuadorianische Kläger gegen Chevron berichten aus Genf, Quito, Den Haag

bewegung.taz.de - 18.10.2018
24.10.2018, 19:00 Uhr - 24.10.2018, 21:00 Uhr

In Genf wird im Oktober das UN-Abkommen zu Wirtschaft und Menschenrechten verhandelt. Einige EU-Staaten, auch Deutschland, sehen dies offenbar mit Skepsis.
Aus Ekuador kommen Justino Piaguage, Sprecher der Vereinigung der Betroffenen von Texacos Ölverschmutzung (UDAPT), und Pablo Fajardo, Anwalt der Betroffenen, über Genf direkt nach Berlin, um von den Verhandlungen zum UN-Abkommen zu berichten, und diese einem Realitätscheck zu unterziehen: Was könnte ein UN-Abkommen leisten? Wird es Fälle wie den von Chevron/Texaco verhindern können? Wird es effektive Rechtsmittel und Vollstreckung bieten? Das Verfassungsgericht in Ekudaor hat die Verurteilung Chevrons kürzlich bestätigt; das Urteil konnte bis heute in keinem Land der Welt vollstreckt werden. Nun hat der Internationale Schiedshof in den Haag auf Grundlage eines bilateralen Investitionsschutzabkommens Ecuador verurteilt, alle Rechtswirkungen des ekuadorianischen Urteils zu beseitigen.
Die Hoffnungen vieler Betroffener von Umwelt- und Menschenrechtsverbrechen weltweit liegen auf dem UN-Abkommen. Zu Recht?

Wir laden ein zu Diskussion und anschliessendem Umtrunk mit:
Justino Piaguage, indigener Sprecher und Vorstandsmitglied der UDAPT
Pablo Fajardo, Hauptanwalt der Betroffenen
Sarah Lincoln, Brot für die Welt
Christoph Strässer, Bundestagsabgeordnete und ehemals Menschenrechtsbeauftragter der Bundesregierung (tbc)
Claudia Müller-Hoff, ECCHR, Moderation

Die Veranstaltung wird spanisch-deutsch simultan übersetzt.

Eine gemeinsame Veranstaltung von ECCHR, Rosa-Luxemburg-Stiftung, FDCL, Friedrich-Ebert-Stiftung, dem Dachverband Kritische Aktionäre und attac Berlin 
mit freundlicher Unterstützung von: BMZ-LOGO LEZ-LOGO

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Aktionstraining für ENDE GELÄNDE

bewegung.taz.de - 16.10.2018
21.10.2018, 12:00 Uhr - 21.10.2018, 18:00 Uhr

BASIS-AKTIONSTRAININGS FÜR UND ENDE GELÄNDE

 

SONNTAG, 21. Oktober von 12 bis 18 Uhr im NewYork im Bethanien, 10997 Berlin Kreuzberg, Mariannenplatz 2a

https://www.facebook.com/events/2357448947628529/

 

Auch nach dem vorläufigen Rodungsstopp im Hambacher Forst ist dieser nicht endgültig gerettet. Es werden weiter Dörfer und Landschaften abgebaggert, um Braunkohle zu fördern. Der neueste IPCC Bericht hat wieder gezeigt, dass wir sofort aus der Kohle aussteigen müssen, um Kipppunkte des Klimas zu verhindern. Doch es geht um mehr als Kohle. Wir müssen das kapitalistische Wirtschaftssystem überwinden, das den Profit einzelner Konzerne über Mensch und Natur stellt. Kämpfe mit und für ein Klima der Gerechtigkeit!

 

Deshalb ruft ENDE GELÄNDE für 25.-29.10. wieder zu einer Massenaktionen des zivilen Ungehorsams im Rheinland am Hambacher Forst gegen den Braunkohleabbau und die Rodung des Hambacher Waldes auf.

 

https://www.ende-gelaende.org/

https://hambacherforst.org/ 

 

Aktionen des zivilen Ungehorsams funktionieren am besten, wenn wir uns

gut darauf vorbereiten. Deshalb wollen wir gemeinsam bei

Aktionstrainings üben. Das Training ist auch für aktionsunerfahrene

Menschen geeignet. Ziel ist, unsere gemeinsame Handlungsfähigkeit auf

der Straße bzw. auf dem Weg in die Grube, im Wald und auf die Schienen

zu erhöhen. Ihr könnt als Bezugsgruppe zum Training kommen oder vor Ort

eine Bezugsgruppe finden.  Das Aktionstraining findet in Kooperation mit

Skills for Action statt (https://skillsforaction.wordpress.com).

Grundlegende Inhalte des Trainings (inkl. Pause) sind: Überlegungen zu

zivilem Ungehorsam, Bezugsgruppen als Basis von Aktionen, verschiedene

Blockadetechniken, der Umgang mit Ängsten und eigenen Grenzen,

Entscheidungsfindung in Stresssituationen und ein kurzer

Erfahrungsaustausch zum Thema Repression. 

 

Nehmt euch bitte für die gesamte Dauer des Trainings Zeit. Ein späteres

Kommen oder früheres Gehen ist nicht sinnvoll! Das Aktionstraining ist

kostenlos und eine vorherige Anmeldung ist nicht erforderlich. Das

Training findet drinnen und draußen statt, daher versorgt Euch je nach

Wetter mit Regenschutz. Das Training findet auf Deutsch statt,

Flüsterübersetzung ist möglich.

 

Fragen gerne per E-Mail an berlin@ende-gelaende.org  

 

„Ende Gelände, Hambi bleibt - one struggle, one fight!" 

 

Wir freuen uns auf euch!  

 

Ende Gelände Berlin 

berlin@ende-gelaende.org 

http://endegelaendeberlin.blogsport.eu 

www.facebook.com/EndeGelaendeBerlin/ 

 

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Rote Zone: "Der Untertan"

bewegung.taz.de - 12.10.2018
25.10.2018, 17:00 Uhr - 25.10.2018, 20:00 Uhr

„Der Untertan“ (Wolfgang Staudte, DDR, 1951, 109 Min., DEFA, deutsch) - ein Film nach dem Buch von Heinrich Mann

Der Fabrikantensohn Diederich Heßling ist das Musterbeispiels eines autoritären Charakters. Beim Militär, in der Burschenschaft oder als Politiker buckelt er gegenüber den Autoritäten , um bei jeder sich bietenden Gelegenheit nach unten zu treten.

Die Romanvorlage zum Film schrieb Heinrich Mann zwischen 1906 und 1914. Dann begann der Erste Weltkrieg und das Buch fiel der Zensur zum Opfer. Nach dem Krieg wurde es zum Bestseller.
Heute könnte man sagen, dass Mann mit dem Buch einen satirischen Erklärungsansatz für den Rechtsruck der damaligen Gesellschaft liefern wollte.

1951 entstand der Film dicht an der Romanvorlage. Während der Film weltweit gefeiert wurde, reagierte die Bundesrepublik Deutschland auf ihn mit Zensur. Der Spiegel schrieb damals, der Film sei geeignet, „in der westlichen Welt Stimmung gegen Deutschland und damit gegen die Aufrüstung der Bundesrepublik zu machen.“

Wir zeigen den Film in einer Zeit eines neuen Rechtsentwicklung, denn es soll gelacht werden. Der Untertans Heßling tut dazu seinen Teil und mit einem Lachen werden wir gewinnen.

Ab 19 Uhr: Kneipe
Um 20 Uhr: Veranstaltungsbeginn

Eine Veranstaltung der Interventionistischen Linken Hannover.

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Im Fadenkreuz: Bewegungsforschung im Nahen Osten und Nordafrika

2018 startet das Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) eine eigene Rubrik im Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Unter der Überschrift „ipb beobachtet“ kommentieren Mitglieder des Instituts aktuelle Entwicklungen im Feld und in der Debatte über soziale Bewegungen. Der Titel der neuen Rubrik ist vor diesem Hintergrund bewusst mehrdeutig: Einerseits geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Umfeld des IPB ihre Beobachtungen zu aktuellen Forschungsdebatten wieder. Andererseits dient die Rubrik auch dazu, der vielfältigen Forschung unter dem Dach des IPB einen Raum zu geben, sprich diese genauer zu „beobachten“. Die Beiträge  der Rubrik sind nach der Veröffentlichung auch auf unserem Blog zu lesen.

Die Rubrik ist ein Produkt der engen Kooperation des Forschungsjournals Soziale Bewegungen und des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung. Verantwortliche Redakteure sind Jannis Grimm und Moritz Sommer, die neben ihrer Redaktionstätigkeit im Forschungsjournal beide im IPB organisiert sind.

Der folgende Text von Jannis Grimm erschien unter dem Titel “Das Ende des ‘Arabischen Frühlings’ der Bewegungsforschung’ im Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 30, Heft 3, S. 84-92. Jannis Grimm ist Mitglied des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb). Er promoviert an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies zu Protest-Repressions-Dynamiken in Nordafrika. Gemeinsam mit Kolleg*innen aus Berlin und Göteborg leitet er seit Anfang des Jahres das SAFEResearch Projekt zur Entwicklung eines sozialwissenschaftlichen Handbuchs für sichere Feldforschung. Kontakt: jj.grimm@fu-berlin.de

 

 

Der „Arabische Frühling“ und die Protestforschung

Mit den Massenprotesten von 2011 rückte der arabische Raum endlich auch in den Fokus der Bewegungsforschung. Angesichts der flächendeckenden Abwesenheit des Phänomens „neuer sozialer Bewegungen“ im arabischsprachigen Raum hatten sich bis dato lediglich einige wenige Autor*innen des theoretischen Vokabular der Bewegungs- und Protestforschung im Kontext des Nahen Ostens bedient – zumeist um hierüber (mit gemischtem Erfolg) islamistische Bewegungen jenseits von kulturalistischen und rein ideologiebezogenen Ansätzen fassbar zu machen (etwa Hafez 2003; Wiktorowicz 2004). Daneben hatte eine eher mikro-soziologisch inspirierte Forschungstradition zur „Staatsanalyse von unten“ alternative Mobilisierungspotenziale in den Blick genommen, die sich unterhalb der organisatorischen Schwelle von sozialen Bewegungen und Massenprotesten abspielten. Ihre politischen Effekte leiteten überdies keine demokratischen Transitionen ein, trugen jedoch graduell zur Transformation sozialer Verhältnisse in der Region bei (Bayat 2010; Harders 2009). Bis zu den Umbrüchen 2011 fand diese Forschung aber wenig Anklang in der europäischen Bewegungsforschung, die im Nahen Osten letztlich einer elitenzentrierten Regimeforschung das Feld überließ (Grimm 2015: 100). Selbige behandelte die Region vor allem unter dem Gesichtspunkt autoritärer Stabilität und versuchte zu erklären, wie es den dortigen Autokraten gelang, dem globalen Demokratisierungsdruck zu widerstehen, indem sie sich als partizipative Regime mit demokratischen Fassadeinstitutionen neu erfanden.

Der wissenschaftliche Fokus auf die Resilienz und Anpassungsstrategien autoritärer Regime (für einen Überblick siehe Bank 2009) erklärt wohl auch in Teilen die Überraschung über das Hereinbrechen des „Arabischen Frühlings“. Die Ideologie-übergreifenden revolutionären Koalitionen aus Jugendlichen, Arbeiterschaft und politischen Aktivist*innen zeigten einerseits, dass den Regimen die Repression oder Kooptation oppositioneller Gruppen offensichtlich nur oberflächlich gelungen war. Gleichzeitig offenbarte die Mobilisierung breiter, zuvor als phlegmatisch und apolitisch geltender Bevölkerungsschichten aber auch die Forschungslücke, welche die fehlende Bewegungsforschung über Jahrzehnte in den theoretischen Rahmenwerken der Nahostforschung hinterlassen hatte. Mit den Massenprotesten, die in Tunesien ihren Anfang nahmen und von dort auf die Nachbarschaft übergriffen, änderte sich nicht nur das Bild des arabischen Raums als letzter Bastion des Autoritarismus. Aufgrund des plötzlichen Bedarfs an wissenschaftlicher Expertise zu den beobachteten Mobilisierungsprozessen bewirkten sie auch in der Bewegungsforschung eine regelrechte Goldgräberstimmung.

Gepaart mit der Anknüpfungsfähigkeit zu damaligen Themenkonjunkturen, etwa zur Occupy-Bewegung und den Platzbesetzungen der Anti-Austeritäts-Proteste in Südeuropa, wurde der „Arabische Frühling“ auch zu einem Frühling für die Bewegungsforschung. Dies schlug sich beispielsweise in großzügigen Finanzierungsmöglichkeiten für Forschungsvorhaben zu sozialer Mobilisierung im arabischen Raum nieder. Einige dieser Projekte versuchten den Brückenschlag zur Eliten- und Regimeforschung (z. B. Asseburg/Wimmen 2017; della Porta 2014). Andere stießen hingegen neue Debatten zur Affektivität, der Räumlichkeit und der Performativität von Protestcamps an (z. B. McCurdy et al. 2016; Pearlman 2013; Volpi/Jasper 2018). Überdies fanden die Revolutionen unter vielen jungen Protestforscher*innen Anklang, die sich aufgrund der vertrauten Protestrepertoires (Besetzung und Aneignung öffentlicher Plätze), der heterogenen und inklusiven Zusammensetzung (Arbeiter und Akademiker, Säkulare und Religiöse, Frauen und Männer jeden Alters) und der emanzipatorischen Frames (Freiheit, Partizipation, soziale Gerechtigkeit) mit den arabischen Freiheitsbewegungen identifizieren konnten. Die Hochkonjunktur der „Arabellion“ unter Doktorand*innen mündete letztlich in einigen exzellenten Promotionen, welche die Nahostforschung aus ihrem Nischendasein ins Zentrum der Bewegungsforschung holten (z. B. Donker 2013; Ketchley 2017; Ritter 2014).

Die beteiligten Wissenschaftler*innen wirkten überdies als internationale Multiplikator*innen für die Forderungen der Protestakteure und trugen mit ihrer Forschung dazu bei, dass jene als legitime Adressat*innen wahrgenommen wurden: Zwischen 2011-2013 etablierte sich ein reger Austausch zwischen westlichen Entscheidungsträger*innen und arabischen Aktivist*innen und Menschenrechtsorganisationen.[i] Häufig stellten Protestforscher*innen dabei die Kontakte her, empfahlen passende Ansprechpartner*innen oder begleiteten öffentliche Veranstaltungen wissenschaftlich. Dadurch zementierten sie indes das im letzten Beitrag zu dieser Rubrik beschriebene Bild der Bewegungsforschung als politischer Wissenschaft, die ihrem Forschungsfeld im Kontext des „Arabischen Frühlings“ nicht nur „mit offener Sympathie“ gegenüber (Teune/Ullrich 2018: 418), sondern auch tatkräftig zur Seite stand. Verstärkt wurde dieser Eindruck dadurch, dass ein Großteil der Literatur über die Umbrüche aus der Feder von Autor*innen stammte, die über Nacht eine neue Region „für sich“ entdeckt hatten und über begrenzte Vorerfahrungen mit den lokalen Forschungskontexten verfügten.

Katerstimmung in der Nahostforschung

Im Zuge der „politischen Restauration von oben“ (Harders 2017: 328), die dem „Arabischen Frühling“ folgte, erfuhr das Umfeld für sozialwissenschaftliche Forschung schließlich dramatische Veränderungen. Vor den Umbrüchen von 2011 waren Wissenschaftler*innen als lästige Einmischung empfunden worden. Die meisten autoritären Machthaber – erpicht darauf, sich einen quasi-demokratischen Anstrich zu verleihen – hatten ihre Forschungstätigkeit aber als liberales Feigenblatt gegenüber der westlichen Gebergemeinschaft toleriert. Gegenüber den potenziellen Kosten einer Ausweisung oder Verhaftung kritischer westlicher Forscher*innen für die eigene internationale Legitimität war ihre Präsenz schlichtweg das kleinere Übel. Mit dieser Toleranzhaltung war es nach dem Intermezzo des „Arabischen Frühlings“ vorbei:

In einem Großteil der Transformationsstaaten und ihrer Nachbarschaft verengten sich die Möglichkeitsgrenzen vor allem für Projekte zu nicht-staatlichen Akteuren – Oppositionsparteien, kritischer Zivilgesellschaft oder sozialen Bewegungen – rapide. In Syrien, Libyen, Jemen und Irak verkomplizierten Krieg und Staatszerfall den Feldzugang. In Ägypten, Israel, am arabischen Golf, im Maghreb und in der Türkei wurden Forschende dagegen zur Zielscheibe staatlicher Repressionen. Ausschlaggebend für diese Trendwende war einerseits ihre oben beschriebene Vermittlerfunktion, aber auch ihre Rolle bei der Verbreitung von subalternem Wissen, welches die propagierten nationalistischen und versicherheitlichenden Narrative (Edel 2016) der neuen Autokraten in der Region als Propaganda entlarvte.[ii]

Bislang gibt es noch keine systematische internationale Dokumentation der Fälle, in denen Wissenschaftler*innen an ihrer Forschung gehindert, ihre Möglichkeit zu reisen unterbunden oder ihr Leib und Leben bedroht wurden.[iii] Betroffene Kolleg*innen haben aus nachvollziehbaren Gründen wenig Interesse, ihre Fälle öffentlich zu machen – einerseits, um sich den zukünftigen Feldzugang nicht durch mediale Aufmerksamkeit zu verbauen, andererseits, um ihre eigenen Kontakte vor Ort nicht zu gefährden. Aus denselben Gründen veröffentlichen auch die wenigen Nichtregierungsorganisationen, die Daten über die weltweite Einschränkung von Forschungstätigkeiten erheben, nur aggregierte Zahlen und selten Rohdaten, die Rückschlüsse auf Einzelschicksale zulassen. Dennoch zeichnen ihre Statistiken ein sehr deutliches Bild von der Lage im Nahen Osten und Nordafrika.

So erreichten die Hilfegesuche verfolgter Forscher*innen an das britische Council of At-Risk Academics 2016/2017 das höchste Niveau seit dem Zwangsexodus jüdischer Wissenschaftler*innen aus Europa in den 1930er Jahren.[iv] Verantwortlich für den massiven Anstieg auf 15-20 Anfragen pro Woche (von durchschnittlich 3-4 pro Woche vor den arabischen Umbrüchen) waren dabei vor allem die Verfolgung regimekritischer Wissenschaftler*innen in Syrien, die Inhaftierung von Akademiker*innen mit Verbindungen zur Muslimbruderschaft in Ägypten nach dem Militärputsch 2013 sowie die Suspendierung und Inhaftierung von Wissenschaftler*innen nach dem gescheiterten Militärputsch 2016 in der Türkei.

Der Ausschuss für Forschungsfreiheit der amerikanischen Fachvereinigung Middle East Studies Association versandte im selben Jahr etwa doppelt so viele monatliche Protestnoten wie in den Vorjahren gegen die Kriminalisierung von Forscher*innen durch Regime in der Region. Ähnliche Tendenzen lässt auch der Academic Freedom Monitor des Scholars-at-Risk Netzwerks erkennen, in dem regelmäßig Fälle von Verstößen gegen Wissenschaftsfreiheit publiziert werden. Der diesjährige Education under Attack-Bericht der Global Coalition to Protect Education from Attack benennt gleich neun Staaten der Region als Brennpunkte für wissenschaftliches Arbeiten (Ägypten, Irak, Israel, Jemen, Libyen, Palästina, Sudan, Syrien, Türkei).

Regenis Ermordung als politisches Signal

Brutale Gewalt gegen einzelne Wissenschaftler*innen, die auch im Westen Aufmerksamkeit erfahren, wie die Ermordung des Gewerkschaftsforschers Giulio Regeni in Ägypten (Roll/Brozus 2017), sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Am 25. Januar 2016, dem fünften Jahrestag der ägyptischen Revolution, verschwand der Doktorand in Kairo. In der darauffolgenden Woche wurde sein Leichnam gefunden. Die Foltermale auf dem Körper des 28-Jährigen trugen die Handschrift des ägyptischen Sicherheitsapparats, der bis heute die Aufklärung des Mordes torpediert. Das Bezeichnende an Regenis Entführung und Ermordung war indes nicht das Opfer selbst. Bezüglich seines Verhaltens im Feld, seiner institutionellen Affiliationen, oder seiner persönlichen Merkmale stach Giulio Regeni kaum aus der Masse an Bewegungsforscher*innen in Nahost heraus. Selbst sein Forschungsthema – Gewerkschaftsbildung unter Kairoer Straßenhändlern – schien zwar sensibel, jedoch weit weniger riskant als das von Kolleg*innen, die z.B. über die kriminalisierten islamistischen Bewegungen oder die Schattenwirtschaft des Militärs schrieben. Doch gerade auf der hohen Repräsentativität von Regeni für das gesamte Forschungsfeld die (vermutlich beabsichtigte) Signalwirkung seiner Ermordung begründete: Es kann Jede*n jederzeit unvermittelt treffen. Zwar gab es seitdem keine weiteren derartigen Todesfälle (zumindest unter ausländischen Wissenschaftler*innen). Doch löste der Mord einen regelrechten Rückzug kritischer Bewegungsforschung aus dem Land aus. Insgesamt ähneln die Reaktionen denen nach der Säuberungswelle der türkischen Regierung gegen angebliche Unterstützter*innen der Gülen-Bewegung ab Sommer 2016: Etablierte Wissenschaftler*innen verließen fluchtartig das Land, Doktorand*innen weltweit wechselten ihren Länderfokus (bald dürfte es eine Fülle an Dissertationen zu Marokko und Jordanien geben) und Graduiertenschulen nahmen zeitweilig keine Projekte mehr an, die Feldforschung in Ägypten involvierten. Überdies führte der Fall zu einem Vertrauensverlust zwischen Bewegungsforscher*innen und ihren Forschungssubjekten: Regeni war von einem Interviewpartner aus der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung denunziert worden, der es im Kontext eines grassierenden neuen ägyptischen Nationalismus als seine Bürgerpflicht verstanden hatte, die Sicherheitsbehörden über die Aktivitäten des Wissenschaftlers zu unterrichten.

Wer konnte den Bewegungsforscher*innen versichern, dass Feldkontakte in anderen sozialen Bewegungen nicht ebenso von ihrer Scharnierfunktion Gebrauch machen würden und sich, etwa im Gegenzug für einen Abbau von Restriktionen oder finanzielle Vorteile, als Informanten verdingen würden? Die Frage wiegt umso schwerer, da die Verfolgung von Oppositionellen im Land seit Regenis Tod vorangeschritten ist, und mittlerweile nahezu alle Gewerkschaften, Oppositionsparteien und sozialen Bewegungen, die nach 2011 im Fokus der Protestforschung standen, ins Visier des Sicherheitsstaats geraten sind.

Ernüchternd waren überdies die internationalen Reaktionen auf Regenis Tod: Der halbherzige Aufklärungsdruck seitens italienischer Diplomaten sowie eine Kampagne der konservativen italienischen Presse gegen seine Doktormutter Maha Abdelrahman, eine renommierte Nahost-Bewegungsforscherin der Universität Cambridge[v], trugen zum Verlust des Sicherheitsgefühls unter vielen Wissenschaftler*innen bei, die sich bis dato auf die Rückendeckung ihrer Heimatinstitute und diplomatischen Vertretungen verlassen hatten. Deren Reaktionen schienen indes das Gegenteil zu belegen: Nicht lange, da wurde aus dem Vorwurf, Abdelrahman habe bei Regenis Betreuung ihre Führsorgepflicht verletzt, ein Generalverdacht gegenüber allen, die im Nahen Osten und Nordafrika Politik von unten erforschten: Was hatten sie dort überhaupt verloren? Mit welchem Recht befassten sie sich mit denjenigen, von denen die arabischen Regime behaupteten, sie trieben Terrorismus und Staatszerfall voran?

Wachsende Verunsicherung

Es mutet besonders zynisch an, dass diese Vorwürfe (vermutlich unwissentlich) die Diktion arabischer Autokraten reproduzieren, wonach die Entsendung westlicher Forscher*innen in den arabischen Raum ohnehin nur eine Fortschreibung klassischer neo-kolonialer Asymmetrien darstellte, innerhalb derer der Globale Norden Herrschaftswissen über den Globalen Süden produzierte. Gepaart mit den in der kleinen Nahost-Forschungs-Community verbreiteten Anekdoten über weitere Repressalien im Feld [vi] entstand so ein Klima der Angst (oder zumindest der Unsicherheit), das bei der Protest- und Bewegungsforschung im Zeitraum nach dem „Arabischen Frühling“ letztlich einen massiven Konjunktureinbruch bewirkte.

Das Projekt SAFEResearch, das sich mit der Entwicklung eines Handbuchs für sichere Feldforschung befasst und an dem sich mehr als 30 Wissenschaftler*innen beteiligen (siehe unten), hat hierzu Erfahrungswerte gesammelt. Diese offenbaren vor allem drei Herausforderungen, mit denen Wissenschaftler*innen mit Interessensschwerpunkt auf zivilgesellschaftlichen Akteuren konfrontiert und bisweilen alleine gelassen werden. Neben Selbstschutz und angemessenen Vorbereitungen auf die Risiken von Feldforschung in einem sich ständig verändernden Nahen Osten, in dem die roten Linien – anders als vor 2011 – eben nicht länger klar sind, betreffen sie vor allem den Schutz von Informant*innen.

Eine offene und nicht zuletzt forschungsethische Frage ist hier, ob sich unter den gegenwärtigen Bedingungen größerer Aufmerksamkeit von Sicherheitsapparaten Kolleg*innen oder auch private Kontakte vor Ort noch angemessen schützen lassen. Ohnehin sind es vor allem lokal ansässige Forscher*innen, die am stärksten von Repression betroffen sind. Wie lässt sich das zusätzliche Augenmerk des Polizeistaats legitimieren, das der „akademische Tourismus“ (Abaza 2011) aus dem Globalen Norden für lokale Wissenschaftler*innen mit sich bringt? Zudem ist es ja nicht die Forschung, die am meisten von autoritären Unterdrückungsmaßnahmen betroffen ist. Weit gefehlt: Wenn schon Mitglieder deutscher und amerikanischer Universitäten um ihre physische und psychische Unversehrtheit fürchten, wie steht es dann um all die professionellen Bekanntschaften vor Ort, mit denen sie sich austauschen und die als Interviewpartner*innen, Fahrer*innen oder Vermittler*innen fungieren?

Sicher ist es schwierig abzuschätzen, inwieweit allein die zusätzliche wissenschaftliche Aufmerksamkeit Feldkontakte in Gefahr bringen kann. Doch bleibt die Frage zu diskutieren, ob es Forschungsvorhaben gibt, deren Durchführung im Kontext autoritärer Repression schlichtweg nicht mehr moralisch vertretbar ist. Diese Entscheidungen müssen nicht zuletzt auch auf institutioneller Ebene verhandelt werden, um Wissenschaftler*innen – von Promovierenden bis hin zur Projektleiter*innen – besser auf die erschwerten Kontextbedingungen für Feldforschung vorzubereiten. Der Nahe Osten und Nordafrika bieten hierfür nicht das einzige Beispiel, derzeit aber wohl das offensichtlichste.

Kontrolle statt Unterstützung

Damit kommen wir zur Gretchenfrage nach den bisherigen Reaktionen von Forschungseinrichtungen auf die Repression von Forscher*innen. Die Antwort ist größtenteils ernüchternd: Die Reaktion der großen europäischen und amerikanischen Universitäten und Think Tanks reichen von Ignoranz und einer strategischen Nichtbeachtung der veränderten Großwetterlage bis hin zur Rückkehr in die Komfortzonen aus der Zeit vor dem „Arabischen Frühling“. Damals beschäftigte sich der Großteil der Forschung mit statischen Regimetypen oder der Studie von Strukturvariablen auf der Makroebene. Der Vorteil hiervon: Wissenschaftler*innen müssen nicht mehr notwendigerweise vor Ort mit Bewegungsakteuren sprechen, sondern können eine ungefährlichere Außensicht auf die Nahostregime einnehmen. Die Crux: Genau diese Art von Forschung „aus der Vogelperspektive“ (Said 1978: 239) war über Jahrzehnte als neo-koloniale Form der Wissensgenerierung über „den Orient“ kritisiert worden.

Weitere Institutionen kontrollieren das Risiko, dass ihre Forschenden ins Visier des Sicherheitsstaats kommen könnten, dagegen durch mehr oder weniger formale Embargos für Feldforschungsaufenthalte in konfliktbehafteten Staaten. Prinzipiell ist diese Formalisierung kaum zu verurteilen, schließlich zeigt sie, dass sich die betroffenen Einrichtungen ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, wie sie ihr Personal wirksam schützen können. Reiseverbote oder Aufenthaltsbeschränkungen folgen meist der Einsicht, dass man als Universität wenig tun kann, um Studierenden und Wissenschaftler*innen in Notsituationen beizustehen. Sie sind somit vor allem Zeichen der Wahrnehmung einer institutionellen Sorgfaltspflicht. Dies gilt auch für Professor*innen, die sich – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen – nicht mehr in der Lage sehen, guten Gewissens noch Promotionsstudent*innen nach Libyen, Ägypten oder in die Türkei zu entsenden (umso weniger, wenn deren Arbeit auf Oppositionsakteure fokussiert) und daher individuell beschließen, solche nicht mehr zu betreuen.

Weitere renommierte Forschungseinrichtungen, darunter die School of African and Oriental Studies, die George Washington University oder das European University Institute, haben zwar von einem vollständigen Embargo abgesehen, dafür aber zuletzt die Genehmigungsprozeduren für Feldforschungsaufenthalte ihrer Mitglieder verschärft. Durch den prägenden Einfluss dieser Institutionen auf das Forschungsfeld fungieren sie dabei als Vorreiter einer Versicherheitlichung und Verrechtlichung von Feldforschung an anderen Universitäten. Der Grad der Bürokratisierung reicht dabei von der Pflicht zur Beantragung von Forschungsvisa (deren Erteilung z. B. im Falle Ägyptens für Forschung zu Protesten oder Zivilgesellschaft von vornherein ausgeschlossen ist) über den Abschluss von speziellen Risikoversicherungen für Konfliktgebiete (mit für öffentliche Universitäten nahezu unbezahlbaren Versicherungspolicen) bis hin zu hastig erarbeiten Antragsverfahren für Feldforschung. Letztere beinhalten zumeist Formblätter zur Bewertung von Sicherheitsrisiken, ohne dass aber den Antragsteller*innen gleichermaßen Kurse zur Aneignung sinnvoller Risikobewertungsstrategien gestellt werden. Mangels ausreichend informierter Fachgremien zur Bewertung der Anträge ist zudem abzusehen, dass es Antragssteller*innen meist gelingen dürfte, die Risiken im gewünschten Reiseland zu relativieren (hierfür schafft die Genehmigungspflicht letztlich einen nachvollziehbaren Anreiz). So bleibt Formalisierung von Feldforschungsprozeduren letztlich ein Feigenblatt, das trotz immensem strukturellen Aufwand kaum in der Lage ist, Forschende effektiv zu schützen.

Flächendeckend mangelt es weiterhin vor allem an verlässlichen Ressourcen, Informationsquellen und Weiterbildungsmöglichkeiten, durch die Forschende für Risiken von akademischer Feldforschung sensibilisiert oder in ihrem Umgang geschult werden. In Italien und Großbritannien (dem Heimatland bzw. dem Ausbildungsort von Giulio Regeni) sind zwar mittlerweile konzertierte Bemühungen zu erkennen, den wissenschaftlichen Nachwuchs an Universitäten besser auf die Unwägbarkeiten im Feld vorzubereiten. In Deutschland wird das Thema Forschungssicherheit dagegen – trotz medialer Aufmerksamkeit auf Einschränkungen akademischer Freiheit – bislang eher stiefmütterlich behandelt. Graduiertenschulen und Forschungsinstitute, die das Thema auf die Agenda gesetzt haben und ihren Mitgliedern ein spezielles Schulungsangebot anbieten, bilden die Ausnahme. Dass hierzu Institute wie die Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies, das Deutsche Institut für Wirtschaftspolitik, oder das Wissenschaftszentrum Berlin zählen, die in den letzten Monaten Sicherheitstrainings oder Seminare zur Feldvorbereitung abgehalten haben, ist kein Zufall: Es sind fast ausschließlich Einrichtungen, die entweder direkt oder indirekt über ihre Mitarbeiter*innen mit dem Fall Regeni zu tun hatten. Größtenteils eignen sich Nachwuchsforscher*innen ihr Wissen über potenzielle Risiken ihrer Arbeit jedoch weiterhin im Zuge ihrer Ausbildungserfahrung über die Ratschläge und Anekdoten von Kolleg*innen an. Dieser Erfahrungstransfer ist üblicherweise vertikal, d.h. von erfahreneren Mentor*innen zu jüngeren und unerfahrenen Forscher*innen. Horizontaler Austausch findet parallel aber auch zwischen Wissenschaftler*innen auf demselben Karrierelevel statt. Im besten Fall sind die so vermittelten Strategien nicht nur „felderprobt“, sondern auch noch nachhaltig wirksam und übertragbar. Im schlechtesten sind sie ineffektiv oder sogar kontraproduktiv (etwa weil sich der politische Kontext in einem Land seit der Felderfahrung einer Mentor*in verändert hat).

Perspektiven für die Bewegungsforschung im Nahen Osten und Nordafrika

Als Forschungsgemeinschaft sollten wir uns eingestehen, dass wir uns zu lange zu wenig und zu unsystematisch mit den potenziellen Risiken unserer Feldforschung auseinandergesetzt haben. Die gilt nicht nur für die Bewegungsforschung im arabischen Raum. Betroffen ist sie aber im besonderen Maße, weil ihr „Tun immer wieder als Politikum empfunden wird“ (Teune/Ullrich 2018: 418). Die verschlechterte Großwetterlage im Nahen Osten hat nicht nur Implikationen für disziplinäre Paradigmen (Pace/Cavatorta 2012), sondern auch praktische Konsequenzen für die Art von Forschung, die künftig noch in dieser Weltregion möglich ist: Für die Studie von Repression und autoritären Regimen mögen gerade wieder goldene Zeiten anbrechen und die Konfliktforschung ist seit der Internationalisierung der arabischen Bürgerkriege ebenfalls gut beschäftigt. Der Protest- und Bewegungsforschung im Nahen Osten dagegen steht eine Durststrecke bevor. Um diese zu überstehen, bedarf es einer Doppelstrategie: Einerseits erfordern die erschwerten Zugangsbedingungen eine Weiterentwicklung bestehender Methoden der Bewegungsforschung für den Nahen Osten und andere Konfliktregionen (Clark/ Cavatorta 2018). Jüngste Versuche von Politikwissenschaftler*innen der Universität Oxford, neue Verfahren der Datenerhebung für Protestevent-Kataloge sowie neue Ansätze zur Social Media-Analyse zu entwickeln, bieten hier bereits Ansatzpunkte (z.B. Barrie/Ketchley 2018; Kadivar/Ketchley 2018; Ketchley 2017). Gleichzeitig ist aber auch klar, dass der große Wert vieler Analysen, die im Nachgang der Massenproteste 2011 entstanden, vor allem in ihrer Detailtiefe lag und auf dem Zugang zu signifikanten Interviewpartner*innen und Primärquellen beruhte. Protesteventanalyse kann noch so weit ausgereift sein, sie wird nie alle relevanten Fragestellungen abdecken können.

Daher gilt es, zusätzliche Ressourcen anzubieten, auf die sich die Forschungsgemeinschaft stützen kann, die weiterhin zur Feldforschung in die Konfliktregionen Nordafrikas und des Nahen Ostens reist. Hier ist nicht zuletzt institutionelles Engagement gefragt: Auf der Mikroebene müssen Nahostwissenschaftler*innen selbst entscheiden, welche Risiken sie bereit sind einzugehen. Allerdings führt die mangelnde institutionelle Unterstützung dazu, dass sich derzeit viele von ihnen entweder anderen risikoärmeren Weltregionen oder anderen Forschungsthemen zuwenden. Individuell ist das angesichts der politischen Lage und der fehlenden Unterstützung nachvollziehbar. Für die Bewegungsforschung als Disziplin bedeute es nach einem kurzen Frühling aber unweigerlich die Entstehung neuer blinder Flecken im Nahen Osten. Strukturell gesehen ist das keine nachhaltige Lösung.

Anmerkungen

[i] Letztere hatten zwar nicht selbst politisch mobilisiert, trieben jedoch aktiv die Aufarbeitung von Repression und Polizeiverbrechen gegen oppositionelle Demonstrant*innen voran.

[ii] Der Begriff der Versicherheitlichung bezieht sich auf einen Prozess sprachlicher Bedeutungsprägung, durch den gewisse Themenfelder oder soziale Gruppen mit einer Bedrohung assoziiert werden. Bereits in den 1990er Jahren beschrieben Forscher der Universität von Kopenhagen, wie durch diesen Konstruktionsprozess (nicht nur in autoritären Regimen) verinnerlichte Normen und institutionalisierte Regeln des friedlichen Zusammenlebens transformiert werden. Im Namen der nationalen Sicherheit erscheinen plötzlich sicherheitspolitische Maßnahmen als legitim, die vorher undenkbar waren, so zum Beispiel der Einsatz von Soldaten gegen Demonstrierende in Ägypten. Für den deutschen Kontext haben Simon Teune und Peter Ullrich im letzten Beitrag zu dieser Rubrik den versicherheitlichenden Effekt des Extremismus-Paradigmas auf die Erforschung sozialer Bewegungen beschrieben.

[iii] Gemeinsam mit seinem Kollegen Ilyas Saliba arbeitet der Autor dieses Artikels derzeit an der Konzeption eines solchen Academic Freedom Index, um den Stand der Verstöße gegen die akademische Freiheit weltweit und staatliche Repressionen gegen Forschende und Studierende zu dokumentieren (siehe Grimm/Saliba 2017).

[iv] Abrufbar unter: http://www.cara.ngo/wp-content/uploads/2017/09/170912-CARA-AR-Final.pdf

[v] Eine Petition von fast 400 namhaften Nahostforscher*innen zur Unterstützung der Professorin gegen die Anfeindungen ist hier abrufbar.

[vi] Darunter kurzzeitige Festnahmen, Verleumdungskampagnen, Einreiseverbote, Hausarrests oder persönliche Drohungen gegen Familienangehörige oder Freunde.

 

Literatur

Abaza, Mona 2011: Academic Tourists Sight-Seeing the Arab Spring. http://www.jadaliyya.com/Details/24454/Academic-Tourists-Sight-Seeing-the-Arab-Spring [31.07.2018].

Asseburg, Murie/Wimmen, Heiko (Hg.) 2017: Dynamics of Transformation, Elite Change and New Social Mobilization: Egypt, Libya, Tunisia and Yemen. New York, NY: Routledge.

Bank, André 2009: Die Renaissance des Autoritarismus. Erkenntnisse und Grenzen neuer Beiträge der Comparative Politics und Nahostforschung. In: Hamburg Review of Social Science, Jg. 4, Heft 1, 10-41.

Barrie, Christopher/Ketchley, Neil 2018: Opportunity without Organization: Labour Mobilization in Egypt after the 25th January Revolution. In: Mobilization, Jg. 23, Heft 2, 181-202.

Bayat, Asef 2010: Life as Politics: How Ordinary People Change the Middle East. Stanford, CA: Stanford University Press.

Clark, Janine A./Cavatorta, Francesco (Hg.) 2018: Political Science Research in the Middle East and North Africa: Methodological and Ethical Challenges. New York, NY: Oxford University Press.

Donker, Teije Hidde 2013: Islamism & the Arab Spring: A Social Movements Approach. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades. Florenz: EUI.

Edel, Mirjam 2016: Sicherheit über alles? In: Zeitschrift für Politik, Jg. 63, Heft 3, 287-306.

Grimm, Jannis 2015: Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling: Die arabischen Umbrüche in der politikwissenschaftlichen Literatur. In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft, Jg. 9, Heft 1, 97–118.

Grimm, Jannis/Saliba, Ilyas 2017: Free Research in Fearful Times: Conceptualizing an Index to Monitor Academic Freedom. In: IdPS-Interdisciplinary Political Studies, Jg. 3, Heft 1, 41-75.

Hafez, Mohammed 2003: Why Muslims Rebel: Repression and Resistance in the Islamic World. Boulder, CO: Lynne Rienner.

Harders, Cilja 2009: Politik von unten – Perspektiven auf den autoritären Staat in Ägypten. In: Beck, Martin/Harders, Cilja/ Jünemann, Annette/Stetter, Stephan (Hg.): Der Nahe Osten im Umbruch. Wiesbaden: VS, 299-323.

Harders, Cilja 2017: Aufbruch von Unten und Restauration von Oben. Ägypten im Jahr sechs seiner postrevolutionären Dauerkrise. In: Demmelhuber, Thomas/Paul, Axel T./ Reinkowski, Maurus (Hg.): Arabellion. Vom Aufbruch zum Zerfall einer Region?. Baden-Baden: Nomos, 325-352.

Kadivar, Mohammad Ali/Ketchley, Neil 2018: Sticks, Stones, and Molotov Cocktails: Unarmed Collective Violence and Democratization. In: Socius, Jg. 4, Heft 1.

Ketchley, Neil 2017: Egypt in a Time of Revolution: Contentious Politics and the Arab Spring. Cambridge, UK: Cambridge University Press.

McCurdy, Patrick/Feigenbaum, Anna/ Frenzel, Fabian 2016: Protest Camps and Repertoires of Contention. In: Social Movement Studies, Jg. 15, Heft 1, 97-104.

Pace, Michelle/Cavatorta, Francesco 2012: The Arab Uprisings in Theoretical Perspective– An Introduction. In: Mediterranean Politics, Jg. 17, Heft 2, 125-138.

Pearlman, Wendy 2013: Emotions and the Microfoundations of the Arab Uprisings. In: Perspectives on Politics, Jg. 11, Heft 2, 387-409.

Della Porta, Donatella 2014: Mobilizing for Democracy. Comparing 1989 and 2011. Oxford, UK: Oxford University Press.

Ritter, Daniel 2014: The Iron Cage of Liberalism: International Politics and Unarmed Revolutions in the Middle East and North Africa. Oxford, New York: Oxford University Press.

Roll, Stephan/Brozus, Lars 2017: Repressionen gegen Wissenschaftler und Journalisten am Nil: Der Regeni-Mord und seine Folgen für die westliche Ägyptenpolitik. https://de.qantara.de/inhalt/repressionen-gegen-wissenschaftler-und-journalisten-am-nil-der-regeni-mord-und-seine-folgen [31.07.2018].

Said, Edward W 2003: Orientalism. London: Penguin.

Teune, Simon/Ullrich, Peter 2018: Protestforschung mit politischem Auftrag?. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 31, Heft 1–2, 418-424.

Volpi, Frédéric/Jasper, James M. (Hg.) 2018: Microfoundations of the Arab Uprisings: Mapping Interactions between Regimes and Protesters. Amsterdam: Amsterdam University Press.

Wiktorowicz, Quintan (Hg.) 2004: Islamic Activism: A Social Movement Theory Approach. Bloomington, IN: Indiana University Press.

 

SAFEResearch

Um den Risiken zu begegnen, denen sich Protest- und Zivilgesellschaftsforscher*innen in weiten Teilen des arabischen Raums, aber auch in immer mehr Staaten des globalen Südens ausgesetzt sehen, hat sich der Autor dieses Beitrags gemeinsam mit Kolleg*innen im internationalen Methodenprojekt SAFEResearch zusammengeschlossen. Das Projekt wird vom Riksbankens Jubileumsfond und dem Schwedischen Forschungsrat Vetenskapsrådet unterstützt und verfolgt das Ziel, ein interdisziplinäres Netzwerk zum wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch über sichere Methoden und Praktiken der Feldforschung in Konfliktgebieten und autoritären Kontexten zu etablieren. Bislang beteiligten sich hieran mehr als 30 Autor*innen, Reviewer*innen, Sicherheitstrainer*innen und Hilfskräfte. Koordiniert wurden deren Beiträge von Jannis Grimm (ipb/Freie Universität Berlin), Kevin Koehler (Universität Leiden), Ellen Lust (GLD/Universität Göteborg), Ilyas Saliba (Amnesty International/ Wissenschaftszentrum Berlin) und Isabelle Schierenbeck (Universität Göteborg), die das Projekt gemeinsam leiten.

In diesem Rahmen wird als erster Schritt hin zu mehr Austausch über Feldforschungsroutinen und zur Sensibilisierung für die wachsenden Risiken kritischer Wissenschaft derzeit ein Handbuch entwickelt, welches unter Rückgriff auf die Expertise von Bewegungs- und Konfliktforscher*innen, Journalist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und Cybersicherheits-Expert*innen „best practices“ für sichere Feldforschung systematisiert. Insgesamt 17 Autor*innen – darunter Nachwuchs-Forscher*innen ebenso wie etablierte Wissenschaftler*innen – bearbeiten in fünf zentralen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven die Frage nach methodischen und ethischen Standards zur Minimierung von Risiken für konfliktbehaftete wissenschaftliche Forschung. Der erste Handbuchteil thematisiert dabei sinnvolle Schritte zur Vorbereitung und Planung, sowie die Durchführung von Forschungsprojekten in eventuell risikoreichen Kontexten, zu risikobehafteten Themen, oder mit potenziell durch die Forschung gefährdeten Gruppen: Wie können sich Wissenschaftler*innen besser auf Forschungsaufenthalte vorbereiten und Risiken für sich und ihre Interviewpartner im Vorfeld verlässlich abschätzen? Welche finanzielle, logistische oder didaktische Hilfe sollten ihnen universitäre Einrichtungen, Kolleg*innen und Betreuer*innen zur Seite stellen? Und wie ist mit Unabwägbarkeiten im Feld konkret umzugehen? Weitere Kapitel befassen sich mit Prozeduren zum Krisenmanagement und dem Umgang mit Situationen, in denen Forscher*innen oder ihre Feldkontakte zur Zielscheibe werden, sowie mit der Phase nach der Durchführung der Forschung. Sie reflektieren die möglichen psychologischen Folgen traumatischer Erfahrungen im Feld, wie auch die Frage nach sinnvollen Prozeduren zur Anonymisierung von Rohdaten. Ein separates Kapitel ist zudem Aspekten von Datensicherheit sowie praktischen Hilfestellungen zum Selbstschutz vor digitaler Überwachung gewidmet.

Nähere Informationen zum Projekt finden sich unter: http://gld.gu.se/en/research-projects/saferesearch/

Informationen über die laufenden Aktivitäten verbreitet das SAFEResearch Team zudem auch über Twitter: https://twitter.com/SAFEResearchPro/

Öffentliche Informationsveranstaltung der Stadt Freiburg (Breisgau) zum AKW Fessenheim

bewegung.taz.de - 11.10.2018
16.10.2018, 17:30 Uhr - 16.10.2018, 21:30 Uhr

Das Regierungspräsidum Freiburg und die Stadt Freiburg setzen sich seit Jahren für die Stilllegung des AKW Fessenheim ein...

https://fukushimanievergessen.files.wordpress.com/2018/09/infotermin-fessenheim-16-10-18.pdf

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Kohle erSetzen! goes Ende Gelände

bewegung.taz.de - 11.10.2018
25.10.2018, 10:00 Uhr - 29.10.2018, 18:00 Uhr

Hallo liebe Kohle erSetzen!-Aktivist_innen und Interessierte, 

wir melden uns bei euch, weil es Neuigkeiten gibt. Und weil es im Moment dringender denn je ist, sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen. 

Seit einigen Wochen müssen wir dabei zusehen, wie die Besetzung im Hambacher Wald von der Polizei, zum Teil mit massiver Gewalt, geräumt wird. Dabei fallen Bäume, Menschen werden festgenommen, Hoffnungen zerstört. Gleichzeitig formiert sich ein immer breiterer Widerstand, der ganz deutlich zeigt, dass ein Großteil der Bevölkerung will, dass der Hambacher Wald bleibt. 

Vielleicht war die eine oder der andere von euch in den letzten Wochen schon im oder für den Wald aktiv. Vielleicht wart ihr bei einer Demo, habt ein Baumhaus gebaut, habt versucht, Räumungen durch Sitzblockaden zu verhindern oder habt eine Soliaktion in eurer Stadt organisiert. Vielleicht gibt es auch einige von euch, die sich ohnmächtig fühlen, angesichts dieser scheinbaren Übermacht von Polizei, RWE und der Landesregierung in NRW. Egal, ob ihr bisher schon aktiv wart oder ob ihr euch noch nicht getraut habt, egal, ob ihr Baumbesetzer_innen seid oder ob ihr die Geschehnisse im Wald „nur“ über Twitter verfolgt habt: Wir wollen euch mitnehmen. 

Wie ihr vielleicht schon wisst, findet Ende Oktober die Massenaktion Zivilen Ungehorsams „Ende Gelände“ statt. Dabei werden tausende Menschen sich der Braunkohleinfrastruktur entgegensetzen, die den Wald mehr und mehr verschlingen will. Damit sollen ein klares Zeichen für den Erhalt des Hambacher Waldes gesetzt und möglichst viele Menschen für Klimagerechtigkeit mobilisiert werden. Wir von Kohle erSetzen! wollen dabei sein. Wir wollen mit euch gemeinsam in Aktion gehen, aufeinander aufpassen und die Sachen, die wir in den letzten beiden Aktionen von Kohle erSetzen! gelernt haben, anwenden. 

In der Vergangenheit haben sich unsere Aktionen vor allem dadurch ausgezeichnet, dass wir versucht haben sie verhältnismäßig niedrigschwellig zu halten. Dazu gehörten zum Beispiel sehr geringe rechtliche Konsequenzen, eine intensive und ausführliche Vorbereitung und verhältnismäßig wenige Aktivist_innen (und dadurch eine übersichtlichere Aktion). Natürlich können wir das nicht eins zu eins auf Ende Gelände übertragen. Wir beteiligen uns dort an einer von Anderen vorbereiteten Aktion und haben Vertrauen in den Rahmen, der von Ende Gelände gesetzt wird. Und trotzdem wollen wir Elemente von Kohle erSetzen! mit in die Aktionen nehmen, die uns immer wichtig waren: Wir möchten Menschen, die noch nicht viel Erfahrung mit Aktionen Zivilen Ungehorsams haben, die Möglichkeit geben sich am Widerstand gegen RWE zu beteiligen. 

Wir werden Bezugsgruppen bilden, mit Menschen, die schon bei Kohle erSetzen! dabei waren oder sich Kohle erSetzen! verbunden fühlen. Dadurch werdet ihr sicherlich einige vertraute Gesichter sehen. Wir werden gemeinsam in das Abenteuer Ende Gelände starten!

Seid ihr dabei?

25.-29. Oktober

Rheinisches Braunkohlerevier

Mehr Infos: https://www.ende-gelaende.org/de/

In den kommenden Wochen werden sich unsere Pläne immer weiter konkretisieren und ihr bekommt wie immer Infos über den Newsletter, unsere Website und unsere Social Media Kanäle: 

Website: http://www.kohle-ersetzen.de/

Facebook: https://www.facebook.com/kohleersetzen/

Twitter: https://twitter.com/Kohle_erSetzen

Instagram: https://www.instagram.com/kohleersetzen/?hl=de

Bis bald im Wald!

Die Herbst-Crew von Kohle erSetzen!

http://www.kohle-ersetzen.de/category/allgemein/aktuelles/

 

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Grätzelhood - Globale Stadt lokal gestalten

bewegung.taz.de - 11.10.2018
24.10.2018, 10:37 Uhr - 28.10.2018, 20:00 Uhr

Grätzelhood - Globale Stadt lokal gestalten

urbanize! 2018 verbindet Grätzel und Hood zur Erkundung von lokaler Gestaltungsmacht in einer globalen Welt. Das Festival untersucht Nachbarschaft als Ausgangspunkt für Demokratisierung, Teilhabe und Empowerment, fragt nach Strukturen des Ermöglichens für eine kollaborative Stadtentwicklung in den Feldern Politik, Ökonomie und Planung, präsentiert internationale Good Practice aus Berlin, London, Zürich und Warschau, erforscht mit zahlreichen Stadterkundungen die Nachbarschaft, bringt Menschen und Wissen in zwei Vernetzungsforen zusammen und will mit der Workshop-Reihe "how to ... Change!" mithelfen, vom Reden ins Handeln zu kommen.

https://urbanize.at/

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Kurze Geschichte der Antisemitismusdebatte innerhalb der deutschen Linken“

bewegung.taz.de - 10.10.2018
22.10.2018, 19:00 Uhr - 22.10.2018, 22:00 Uhr

Peter Nowak wird angelehnt an sein gleichnamiges Buch einen
einsteigerfreundlichen Vortrag über die Antisemitismusdebatte seit den
1980er Jahren in Deutschland halten. Im Klappentext heißt es: „Das Buch
bietet den Leser*innen einen Überblick über die Geschichte des
Antisemitismusstreits und gibt ihnen so die Möglichkeit, sich eine
eigene Position in einer Auseinandersetzung zu bilden, die in den
letzten beiden Jahrzehnten die Linke aller Fraktionen und Strömungen
beschäftigt hat.“ Wir hoffen auf einen ausgewogenen und kritischen
Vortrag und auch auf eine solche (respektvolle) Diskussion danach. Im
Idealfall können Scheingefechte aufgedeckt, Kritikpunkte verfeinert und
neue Perspektiven ermöglicht werden.

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mkämpftes Wohnen – Neue Solidarität in den Städten

bewegung.taz.de - 10.10.2018
12.10.2018, 20:00 Uhr - 12.10.2018, 22:30 Uhr

Die Aufwertung ganzer Stadtteile und die Vertreibung von
einkommensschwachen Bevölkerungsteilen ist so alt wie der Kapitalismus, der Widerstand der betroffenen Mieter_innen ebenfalls. Nur wurde dieser Widerstand in der Geschichtsschreibung oft nicht erwähnt. Die heutige Mieter_innenbewegung und die Kämpfe gegen Zwangsräumungen, die seit einigen Jahren in verschiedenen Städten entstanden sind, stehen in dieser Traditionslinie. Dieser Widerstand richtet sich nicht nur gegen die Gentrifizierung, sondern auch gegen eine gezielte Verarmungspolitik,
die in Deutschland Namen wie Hartz IV und Niedriglohnsektor trägt. Auf der Veranstaltung wird der Journalist Peter Nowak auf diese Kämpfe eingehen. Er hat in den letzten fünf Jahren in der Edition Assemblage Bücher zum Widerstand von Erwerbslosen, Mieter_innen und prekär Beschäftigten herausgegeben. Zurzeit arbeitet er gemeinsam mit dem Filmemacher Matthias Coers an dem Buch „Umkämpftes Wohnen – neue Solidarität in den Städten“.

Veranstalterinnen: Interventionistische Linke Aschaffenburg & Edition Assemblage

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A-Radio-Soliparty - im Syndikat!

bewegung.taz.de - 10.10.2018
13.10.2018, 21:00 Uhr - 14.10.2018, 07:00 Uhr

Feiert am Samstag ab 21 Uhr mit uns mit - und unterstützt Radioprojekte in Lateinamerika!

Es gibt Musik, Live und aus der Konserve, Cocktails und mehr.
Und nebenbei könnt ihr auch eure Solidarität mit dem Syndikat zeigen, der Kiezkneipe in Neukölln, die uns die Party überhaupt erst ermöglicht und jetzt um ihr Überleben kämpft, nachdem sie ihre Kündigung zum 31.12.2018 erhielt. Nicht mit uns!!!

Am 12.10. um 18 Uhr gibt es eine Solidaritätskundgebung vor dem Syndikat! Mehr Infos hier: https://twitter.com/syndikat44/status/1049313989979787264.

Jedes Jahr organisieren wir eine große Soli-Party. Mit dem Geld unterstützen wir das internationale A-Radio-Netzwerk, das euch jeden 15. des Monats "Bad News" auf Englisch bringt, ebenso wie Radioprojekte in aller Welt. Dieses Mal legen wir unseren Fokus auf Projekte in Lateinamerika, die im Rahmen eines Karawanenprojekts weltweite Aufmerksamkeit auf die Situation und den Kampf der indigenen Mapuche in Chile und Argentinien legen wollen.

Das Line-Up:
* Luk
* Yuppiescheuche
* DJ*anes

** Tommy Baumann (Garage Soul Beat Punk)
**  - tbc

WANN: 13.10., ab 21:00
WO: Syndikat, Weisestr. 56 (Neukölln)
Eintritt: Spende!

Wir sehen und hören uns!

Mehr Infos und Audios: aradio.blogsport.de

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Der Kontext lokaler Proteste – Einladung zur ipb-Jahrestagung 2018

Große, überregionale oder sogar transnationale Protestereignisse wie zuletzt die G20-Proteste in Hamburg prägen das (mediale) Bild politischer Proteste und sozialer Bewegungen. Doch tatsächlich bleibt die vermutlich weit überwiegende Zahl politischer Proteste auf einen lokalen Rahmen beschränkt; in der Regel bilden lokale Ereignisse und Missstände den Ausgangspunkt für Proteste und auch die Mobilisierung erfasst meistens nur einen sehr begrenzten geographischen Raum einer Region, einer Stadt oder sogar nur eines Stadtteils. Dementsprechend haben lokale Gelegenheitsstrukturen, zu denen sowohl die Zusammensetzung lokaler politischer Entscheidungsgremien als auch die Struktur und Geschichte des lokalen Bewegungssektors zählen, einen wesentlichen Einfluss auf die Möglichkeit und den Verlauf vieler Proteste.

Gleichzeitig beeinflussen aber nicht nur lokale Gegebenheiten die Möglichkeiten und Grenzen lokalen Protests. Ähnlich gelagerte Proteste an anderen Orten, gesellschaftliche Themenkonjunkturen, Protestzyklen und -wellen oder die Existenz von Gegenbewegungen sind nur einige relevante Faktoren, die die Möglichkeiten und Entwicklungsdynamiken sozialer Bewegungen und Proteste auf lokaler Ebene ebenfalls strukturieren.

Bei der Jahrestagung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung geht es in diesem Jahr um diese lokalen und nicht-lokalen Bedingungen lokalen Protests:

  • Wie beeinflussen lokale Ereignisse und Strukturen das Auftreten und die Dynamik von Protest?
  • Welche Beziehungen bestehen zwischen lokalen und nicht-lokalen Protesten?
  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen lokalen Protesten an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeitpunkten?

Diese und andere Fragen stehen im Fokus der diesjährigen Jahrestagung, die am 09. & 10. November am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin stattfindet.

Das Tagungsprogramm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf der Tagungsseite.  Wir freuen uns auf Euer und Ihr Kommen!

Anerkennung von Kompetenzen – eine gesellschaftliche Aufgabe

bewegung.taz.de - 09.10.2018
25.10.2018, 10:00 Uhr - 25.10.2018

Seit Beginn der Migration nach Deutschland geht es auch immer um die Anerkennung von Lernleistungen und Erfahrungen. Auf Europaebene läuft es aktuell unter „Skills Validation“ als Chefsache der Kommission. Die komplizierten Wege zur Anerkennung werden spätestens seit Zeiten der Aussiedler_innen nur schrittweise weiterentwickelt. Es geht den Akteuren des Arbeitsmarktes und der Politik um konkrete Reformen und verbesserte Verfahren. Gesetzliche Grundlagen, wie das BQFG von 2012, müssen mit Leben gefüllt werden. Gesellschaftliche Öffnung beginnt hier beim Einzelfall, gewinnt jedoch Fahrt hin zu einer Anerkennungskultur für alle.

Gerade in den Betrieben sehen wir diese solidarische Kultur in der Zusammensetzung der Personal- und Betriebsräte. Gleichzeitig werden hier in der Arbeitswelt Ausgrenzung und eben Nicht-Anerkennung persönlich fühlbar. Die arbeitgeberseitige Diskussion zum Einwanderungsgesetz beispielsweise macht allgemeine Fragen konkret: Welchen Wert schenken wir den Menschen, die weit weg von ihrem Zuhause leben und arbeiten? Wie bemessen wir deren Qualifikation? Wie weit haben sich die Unternehmen auf die Herausforderungen des demographischen Wandels eingestellt? Wie vollständig nutzen wir die Arbeitswelt als Motor der gesellschaftlichen Solidarität? Und: Wie „sortieren“ wir Menschen nach Aufenthaltsstatus und Qualifizierungsstatus? Auf dieser Tagung diskutieren wir diese Fragen aus gesellschaftlicher Sicht und bringen die Arbeitnehmendenperspektive ein.  

 

Kosten 

Teilnahmebeiträge werden nicht erhoben.
Kosten für angebotene Verpflegung übernimmt der Veranstalter.
Reisekosten können entsprechend BRKG erstattet werden. 

Die Tagung findet im Rahmen des Projektes „ANERKANNT! - Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen in der Arbeitswelt durch Arbeitnehmendenvertretungen fördern“ statt.   

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Queer Lecture: Homophobie ohne Homophobe

bewegung.taz.de - 08.10.2018
15.10.2018, 19:00 Uhr - 15.10.2018, 22:00 Uhr

Vortrag und Diskussion mit​ Adrian Daub

+++ DIE VERANSTALTUNG FINDET IM TAZ KONFERENZRAUM (1. STOCK) STATT +++

Gender und Sexualität im internationalen Populismus

Innerhalb der Bewegungen der in Europa und den USA derzeit auftrumpfenden populistischen Internationalen sind Schwule und Lesben erstaunlich gut vertreten. Und offiziell haben viele der rechtsradikalen Parteien (insbesondere der Front National) kein Problem mit Homosexualität und Homosexuellen.

Aber gleichzeitig bedienen diese Parteien, gerade mit ihren Angriffen auf die angeblich grassierende „Gender-Ideologie“, hinlänglich bekannte homophobe Klischees. Dieser Vortrag geht den Ursprüngen und der langen Geschichte dieses scheinbaren Widerspruchs nach.
___________
Adrian Daub ist Professor für Germanistik und Vergleichende Literaturwissenschaften an der Stanford University, wo er das Programm für Genderstudien leitet. Er ist Autor mehrerer wissenschaftlicher Bücher (u.a. mit Charles Kronengold „The James Bond Songs: Pop Anthems of Late Capitalism”) und schreibt Artikel für deutschsprachige Medien und für „The New Republic“, „n+1“ und andere.
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Eine Veranstaltung der Initiative Queer Nations in Zusammenarbeit mit der taz. die tageszeitung.

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Die Türsteher Europas

bewegung.taz.de - 08.10.2018
22.10.2018, 19:30 Uhr - 22.10.2018

Zum ersten Mal wurde eine Recherche der taz für das ZDF und Arte verfilmt: 2,1 Millionen Menschen sahen im Sommer die Dokumentation "Türsteher Europas" über die EU-Migrationspolitik in Afrika. Die Deutsche Welle produzierte im September Fassungen in Arabisch und Englisch und strahlte den Film weltweit mehrfach aus. Auch im EU-Parlament wurde der Film bei einer Anhörung im Juni gezeigt.

Die 55-minütige Doku geht auf das taz-Rechercheprojekt Migration Control von 2016 und das daraus hervorgegangene Buch "Diktatoren als Türsteher" der taz-RedakteurInnen Simone Schlindwein und Christian Jakob zurück. Gemeinsam mit dem Regisseur Jan M. Schäfer drehten sie 2017/2018 in zwölf Ländern in Europa und Afrika. Die Kamera führte Thomas Schneider ("Das Kongo-Tribunal").

Sie erkundeten, wie Europa seine Außengrenzen in den afrikanischen Kontinent verschiebt. Die EU investiert Milliarden, um afrikanische Staaten als ihre neuen Grenzschützer aufzubauen. Sie unterstützt auch Diktaturen, die im Gegenzug Grenzen dicht machen. Profiteur dieser Politik ist die Rüstungsindustrie. Die EU bildet afrikanische Sicherheitsbehörden aus und liefert Material.

Nach der Vorführung gibt es ein Publikumsgespräch mit dem Regisseur Jan M. Schäfer und den Drehbuchautor*innen Simone Schlindwein und Christian Jakob.

Mit diesem Abend eröffnet die taz auch die Veranstaltungsräume des taz Cafés in ihrem neuen Haus in der Friedrichstraße 21.


Veranstaltungsinformationen
Wann: Mo., 22.10.2018, 19.30 Uhr
Wo: taz - Neubau, Friedrichstraße 21, 10969 Berlin
Eintritt frei
 
Veranstaltungen der taz unter: http://www.taz.de/!p4692/

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Vielleicht ist es ja auch krank, den Mund zu halten

bewegung.taz.de - 07.10.2018
19.10.2018, 17:00 Uhr - 19.10.2018, 19:30 Uhr

Alltagskämpfe bei der Solidarischen Aktion Neukölln (solA)

In unserer Veranstaltung tauschen wir uns zu Erfahrungen mit Stress und psychischer Belastung aus. Wir stellen euch vor, wie wir uns solidarisch miteinander organisieren und uns ganz praktisch im Alltag zur Seite stehen. Bei der Solidarischen Aktion Neukölln unterstützen wir uns gegenseitig bei Stress mit dem Vermieter, der Chefin und dem Jobcenter oder Grundsicherungsamt. Wir stressen zurück!

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Protestaktion A100 stoppen! Blockade der Kreuzung am S-Bahnhof Treptower Park

bewegung.taz.de - 06.10.2018
14.10.2018, 15:00 Uhr - 14.10.2018, 16:30 Uhr

Protestaktion am Sonntag 14.10.2018 um 15:00 Uhr
Kein Weiterbau der Autobahn durch Treptow, Friedrichshain & Lichtenberg!
Wir blockieren die Kreuzung Elsenstraße / Puschkinallee am S-Bahnhof Treptower Park

Sei dabei!

Mehr Infos zur Aktion auf www.a100stoppen.de/

Sollte die A100 bis zum Treptower Park fertig gestellt werden, wird uns eine riesige Blechlawine den Platz zum Leben und die Luft zum Atmen nehmen. Sollte die Autobahn weiter bis Friedrichshain und Lichtenberg gebaut werden, wird sich u.a. der Platz vor dem S‑Bahnhof Treptower Park in eine menschenfeindliche Betonwüste verwandeln.

Kommt um 15:00 Uhr zur Kreuzung Elsenstraße / Puschkinallee. Wartet auf dem Fußweg, bis die rote Posaune ertönt.

Wir werden uns dann auf der Kreuzung zu Fuß oder auf dem Fahrrad protestierend bewegen, den Verkehr zum Erliegen bringen und die Kreuzung in eine grüne Oase verwandeln. Bringt gerne Pflanzen mit.

Stoppen wir gemeinsam den Weiterbau der Stadtautobahn A100!

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Erdogame von taz gazete

bewegung.taz.de - 05.10.2018
10.10.2018, 20:00 Uhr - 10.10.2018

Zum Hintergrund:

Ende September ist das türkische Staatsoberhaupt in Berlin zu Besuch. Die Türkei und Deutschland werden wieder, ungeachtet massiver Proteste, gut miteinander auskommen. Der „Diktator“ wird wieder „unser wichtiger strategischer Partner“ und andersherum: „Die Nazis“ werden wieder „unser guter Freund“.

Sie fragen sich: Wer ist dieser Erdogan eigentlich? Oder besser noch, Sie wissen es schon. Dann haben Sie gute Chancen bei unserem Kneipenquiz richtig abzuräumen.
Die Veranstaltung:

Es erwartet Sie ein Quiz mit 20 Fragen rund um den türkischen Präsidenten und die deutsch-türkischen Beziehungen. Es gibt kleine Mezze Gerichte, Raki und gute Unterhaltung. Zudem gibt es viele tolle Preise. Mit etwas Glück gewinnen Sie sogar ein taz Rad.


Der Gute Zweck:

Dieser Abend ist eine Spendengala für unser Projekt taz gazete. Ziel ist es, 10.000 Euro Spenden zu sammeln. Die erste Hälfte auf der Gala und die zweite durch Ihre Anrufe und Überweisungen.

E-Mail: kneipenquiz@taz.de | Telefon: 030 - 25 90 29 99

Sie können auch direkt überweisen:

mit dem Verwendungszweck „Gazete Kneipenquiz“
taz Panter Stiftung | GLS-Bank Bochum
IBAN DE 9743 0609 6711 0371 5900 | BIC GENODEM1GLS

Oder im Onlineformular: taz.de/spenden


Veranstaltungsinformation
Wo: Villa Neukölln, Hermannstrasse 233, 12049 Berlin
Wann: 10.10.2018
19.00 Uhr Einlass | 20.00 Uhr Beginn

Eintritt: 8 Euro mit Anmeldung | 12 Euro Abendkasse
Anmeldung unter: kneipenquiz@taz.de

Moderation: Martin Kaul

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Ausstellung: «Grüß Gott! Da bin ich wieder!» Karl Marx in der Karikatur

bewegung.taz.de - 05.10.2018
05.10.2018, 18:30 Uhr - 30.10.2018, 19:00 Uhr

Die Ausstellung im Willi-Bleicher-Haus zeigt Karl Marx einmal von einer anderen Seite oder vielmehr von vielen Seiten - mal heiter, mal ernst, mal zum Lachen, mal zum Grübeln, aber immer mit Witz und Hintersinn. Die Karikaturen setzen sich mit Marx´ philosophischem Schaffen auseinander, der Rezeption seines Werkes, seiner Rolle in den sozialen Kämpfen, natürlich auch mit Marx privat. Da spiegeln sich Ablehnung und Befürwortung, Distanz und Zustimmung, kämpferische und bekennende Haltungen, ironisches Befragen. Neben den von den Klassenkämpfen geprägten Sichtweisen finden sich Anerkennung der geschichtlichen Leistung und Ablehnung oder Leugnung seiner politischen Wirksamkeit. Marx als glasklarer Analytiker der gesellschaftlichen Verhältnisse: «Tut mit leid, Jungs, war halt nur so ´ne Idee von mir!»; Marx als Revolutionstheoretiker: «Vorwärts und fast nichts vergessen!»; Marx als Begründer der materialistischen Geschichtsschreibung: «Das Sein verstimmt das Bewusstsein»; Marx als Theoretiker des Kommunismus: «Stellt Euch vor, es ist Sozialismus, und jeder will hin!»; Marx in der Rolle des Verlierers: «Proletarier aller Länder entschuldigt Euch!»

Die gezeigten Karikaturen spiegeln das weltweite Wirken des Marx´schen Denkens in den letzten 200 Jahren. Sie sind eine Auswahl aus den über 600 Darstellungen, die Rolf Hecker und Hans Hübner für ihr im März 2018 im Eulenspiegel-Verlag erscheinendes Buch «Grüß Gott! Da bin ich wieder! Karl Marx in der Karikatur» zusammengetragen haben.

Die Ausstellung wird im Foyer des Willi-Bleicher-Hauses gezeigt und kann zu den dortigen Öffnungszeiten sowie während der Belgeitveranstaltungen besichtigt werden.

Feierliche Eröffnung der Ausstellung mit Programm ist am 05.11.2018, 18:30 Uhr. Nähere Informationen hierzu finden Sie hier.

Die Ausstellung wird gezeigt bis einschließlich 30.11.2018.

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Grundzüge einer fairen Außen- und Wirtschaftspolitik

bewegung.taz.de - 05.10.2018
24.10.2018, 20:00 Uhr - 24.10.2018, 22:00 Uhr

Vortrag/Diskussion mit Wolfgang Gehrcke (ehem. MdB der Partei Die LINKE)

In den politischen und Wirtschaftsbeziehungen kapitalistischer Länder ist es üblich, daß der Stärkere dem Schwächeren die Bedingungen diktiert. In der Regel dient das den Macht- und Profitinteressen der stärkeren Seite. Beispiele dafür gibt es zahllose, z.B. die Bedingungen, die der IWF oder die WTO wirtschaftlich schwächelnden Ländern immer wieder oktroyiert, wie Privatisierung von öffentlichem Gut, Öffnung ihrer Märkte und Kürzung ihrer Sozialausgaben. Die Bevölkerungen der betroffenen Länder werden so gut wie nie gefragt. Diesem massiv auf Ausbeutung zielenden Politikmodell setzt die Linke ein Modell entgegen, das auf gegenseitiger Fairness beruht, den anderen als Partner sieht und ihn nicht aus einer Position der Überlegenheit heraus zu Dingen zwingt, die nicht zu erfüllen sind. Dieses Politikmodell muß und kann die Basis für eine friedlichere Zukunft sein.

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Der kurze Frühling der Räterepublik

bewegung.taz.de - 05.10.2018
25.10.2018, 18:30 Uhr - 25.10.2018, 21:30 Uhr

Vor hundert Jahren gelang einem behäbigen Völkchen am Rande der Alpen eine der wenigen erfolgreichen Revolutionen Deutschlands. Das Tagebuch der Bayerischen Räterepublik rekonstruiert das Geschehen anhand der Erlebnisse dreier revolutionärer Persönlichkeiten: Dem Anarchisten Erich Mühsam (Revolutionärer Arbeiterrat), der Kommunistin Hilde Kramer (KPD) und dem radikalen Sozialisten Ernst Toller (USPD).

Das Buch hebt sich in mehrerlei Hinsicht von der bisher zur Bayerischen Räterepublik erschienenen Literatur ab. Konzipiert als politische Dreierbiographie liefert es einen persönlichen Einblick in die Hoffnungen, Strategien und Fehlschläge der bayerischen Revolution. So gelingt es, den aktuellen Stand der Forschung mit einer packenden Erzählung zu vereinen. Systematisch räumt das Buch mit dem weit verbreiteten Mythos auf, es habe sich bei der Räterepublik hauptsächlich um die Phantasie einer Handvoll Literaten gehandelt. Dagegen wird das massenhafte Engagement der bayerischen Bevölkerung ins Zentrum gerückt. Gleichzeitig wird der bereits in der gängigen Bezeichnung »Münchner Räterepublik« implizierten Behauptung, die Revolution sei nur auf die Landeshauptstadt beschränkt gewesen, eine Darstellung der Räterepublik im bayerischen ›Hinterland‹ entgegengestellt.

Die Autorin Simone Schaupp liest aus ihrem aktuellen Buch zur Novemberrevolution in Bayern und zur bayerischen Räterepublik.

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Das Institut für Protest- und Bewegungsforschung hat eine ausführliche kommentierte Linkliste zur deutschen Bewegungsforschung zusammengestellt: http://protestinstitut.eu/uber-das-institut/ressourcen/

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