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Kritische Wissenschaft und rechte Bewegungen als Forschungsgegenstand

2018 startet das Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) eine eigene Rubrik im Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Unter der Überschrift „ipb beobachtet“ kommentieren Mitglieder des Instituts aktuelle Entwicklungen im Feld und in der Debatte über soziale Bewegungen. Der Titel der neuen Rubrik ist vor diesem Hintergrund bewusst mehrdeutig: Einerseits geben Wissenschaftler*innen aus dem Umfeld des ipb ihre Beobachtungen zu aktuellen Forschungsdebatten wieder. Andererseits dient die Rubrik auch dazu, der vielfältigen Forschung unter dem Dach des ipb einen Raum zu geben, sprich diese genauer zu „beobachten“. Die Beiträge  der Rubrik sind nach der Veröffentlichung auch auf unserem Blog zu lesen.

Bislang erschienen:

Der folgende Text von Aletta Diefenbach, Philipp Knopp, Piotr Kocyba und Sebastian Sommer erschien im Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 31, Heft 3. Die Autor*innen sind Mitglieder des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung und aktiv im Arbeitskreis Rechte Protestmobilisierungen.

In Anbetracht der gegenwärtigen gesellschaftspolitischen Entwicklungen besteht kaum ein Zweifel daran, dass wir rechte Proteste und Bewegungen wissenschaftlich untersuchen müssen. Wie dies geschehen soll, darüber besteht aber großer Klärungsbedarf. Derzeit entzünden sich innerhalb und außerhalb[1] der deutschsprachigen Sozial- und Kulturwissenschaften teils heftig geführte Diskussionen darüber, wie man den neueren rechten Entwicklungen wissenschaftlich am besten Rechnung trägt. Das ist wenig verwunderlich. Die Bewegungsforschung ist zwar reich an Debatten und Vorschlägen, wie Forschende insbesondere progressive Politiken und Praktiken erschließen können und sollen.[2] Durch ihren Fokus auf linke politische Mobilisierungen[3] fehlte aber bisher eine Auseinandersetzung darüber, wie man mit rechten Bewegungen umgehen soll. Die aktuelle Methodendebatte ist daher mehr als begrüßenswert.

Auffällig an den bisherigen deutschsprachigen Beiträgen ist jedoch, wie stark die Eignung qualitativer bzw. interaktionsnaher sozialwissenschaftlicher Erhebungsmethoden in Frage gestellt wird. Ein Beispiel ist das Anfang des Jahres 2019 veröffentlichte Statement des „Forschungsnetzwerks Frauen und Rechtsextremismus“. Ausgehend von einer ethnographischen Studie, in deren Verlauf die forschende Person ein Liebesverhältnis mit einem Aktivisten der „Identitären Bewegung“ einging,[4] ziehen die Autor*innen weitreichende methodologische Schlüsse, wonach ethnographische Methoden kaum als „adäquates Mittel“ der Wissensproduktion über rechte Phänomene gelten sollen (Forschungsnetzwerk 2019: 2). Ein anderes anschauliches Beispiel bietet Robert Feustel (2019), der in seinem polemisierenden Artikel schlussfolgert, Interviews mit rechten Aktivist*innen seien aus einer kritischen Perspektive ebenfalls abzulehnen, da sie nicht zu neuen Erkenntnissen über rechte Einstellungen beitragen könnten.

Vor dem Hintergrund unserer eigenen Forschungen, die auch teilnehmende Beobachtungen an rechten Protesten und qualitative Interviews einschließen, finden wir derartige Einschätzungen irreführend. Statt pauschaler Ablehnung einzelner Forschungsmethoden muss es doch vielmehr darum gehen, zu diskutieren, welchen Fallstricken auszuweichen ist und welche Hürden genommen werden müssen, um das Potential qualitativer Methoden für die Ergründung rechter Ideologien und Praktiken auszuschöpfen. Wir können und wollen in der gebotenen Kürze keinen „Königsweg” präsentieren, wie man emanzipatorisch orientiert Erkenntnisse über politische Bewegungen von rechts gewinnen soll – einen solchen gibt es wohl auch kaum. Doch plädieren wir in diesem zweifelsfrei hochkomplexen und von Widersprüchen durchzogenen Feld für mehr methodische Offenheit und für eine differenzierte Auseinandersetzung mit den Spannungen, die mit der Erforschung rechter Phänomene aus der Perspektive kritischer Wissenschaft, und speziell auch unter Rückgriff auf interaktionsnahe Methoden der Sozialforschung,[5] einhergehen.

Kritische Wissenschaft und rechte Bewegungen als Forschungsgegenstand – Ein Spannungsverhältnis

Um welche Spannungen geht es dabei? Die Wissenschaft hat über die Jahrhunderte spezifische Regeln der Wissensproduktion herausgearbeitet. Diese Regeln sind seit jeher umstritten. Insofern verdeutlichen auch die gegenwärtigen Debatten in der deutschsprachigen Soziologie,[6] dass die Diskussion über methodologische Kernfragen prinzipiell unabgeschlossen ist und fortwährend geführt werden muss; etwa mit Blick auf Ansprüche wie Objektivität und Werturteilsfreiheit oder auf das Erkenntnisinteresse von wissenschaftlicher Wissensproduktionen. Und das ist auch gut so!

Will man nicht in Relativismus und Beliebigkeit verfallen, dann gehört zu den in den Sozialwissenschaften weitestgehend anerkannten Erwägungen sicherlich die Idee, Erkenntnisse und theoretische Konzepte auf nachvollziehbare Weise zu konstruieren, sie mit einer bestimmbaren Reichweite zu generieren sowie dabei die eigene Standortgebundenheit zu reflektieren. Ähnlich, und dies ist insbesondere der qualitativen Sozialforschung eigen, verhält es sich mit dem Anspruch, eine größtmögliche Offenheit gegenüber dem betrachteten Phänomen zu bewahren, um es in seinen Ausprägungen und seiner Genese verstehen und erklären zu können. Gerade solch eine Offenheit ist die Stärke qualitativer Forschung, die vor allem neue Zusammenhänge und Komplexitäten aufzeigen will, anstatt deduktiv vorzugehen und Hypothesen quantitativ zu prüfen.

Insbesondere in der Protest- und Bewegungsforschung pflegen Wissenschaftler*innen häufig ein kritisches Selbstverständnis und verpflichten sich gegenüber demokratischen Werten wie Gleichheit und Freiheit, politischen Teilhaberechten von Marginalisierten sowie der Aufdeckung von Macht- und Herrschaftsverhältnissen (Teune/Ullrich 2018). Das politisch wie gesellschaftlich erstarkende rechts-konservative Spektrum, das im weitesten Sinne Ideologien der Ungleichwertigkeit mobilisiert, steht vielfach in Opposition zu einer dergestalt kritisch verstandenen Wissenschaft. Das Verhältnis zwischen der Subjektivität der kritisch Forschenden, den Ansprüchen an wissenschaftliches Arbeiten und den politischen Positionen der rechten Bewegungen bildet somit ein mehrdimensionales Spannungsverhältnis.

Es manifestiert sich in unseren Forschungsinteressen, aber auch in der Art, wie wir Fragen stellen, in der Wahl der Theorien und in dem Wissen um den Gebrauch einer Methode. Es schlägt sich schließlich in der Interpretation der Daten und auch in der Kommunikation der Ergebnisse nieder. Aus der politischen Differenz speist sich der Appell, nicht jede Interaktion mit der bewegungsförmigen Rechten ethisch für angemessen zu erachten und eine kritische Auseinandersetzung anzustreben. Jedoch birgt die in den oben angeführten Debattenbeiträgen vertretene Ablehnung interaktiver Forschung auch die Gefahr, systematisch blinde Flecken zu produzieren. So sollte ein forschungsethischer Appell nicht dazu führen, den generellen Anspruch qualitativer Forschung, die zu erforschende Wirklichkeit in ihrer Strukturiertheit möglichst offen zu rekonstruieren, pauschal fallen zu lassen. Damit wäre ihr Potential verschenkt.

Potentiale der interaktionsnahen Datengewinnung anerkennen

Die Herausforderungen, die sich aus der politischen Differenz für die Datengewinnung ergeben, sind nicht zu unterschätzen und bilden daher auch den Kerngegenstand der Kritik an qualitativen Methoden. Hier gibt es praktische Hürden sowie forschungsethisch relevante Bedenken. Insbesondere das Forschungsnetzwerk listet eine Vielzahl von Problemen der „methodischen Zugänge“ auf, die „direkte Kommunikation mit den beforschten Personen“ (Forschungsnetzwerk 2019: 2) im Feld des Rechtsextremismus einschließt. Sie lehnen zum Beispiel die teilnehmende Beobachtung von öffentlichen Aktionen des extrem-rechten Spektrums ab, vor allem, wenn sie verdeckt erfolgt, weil die Forschenden „damit an ihrer medialen Reproduktion (mitwirken)“ (ebd.: 3). An anderer Stelle kritisieren sie, dass „eine Datenerhebung und -analyse, die von (un-)bewussten Sympathien für die Beforschten begleitet ist, (…) ihre Ergebnisse (verfälschen) (sic!) und (sich) für einen weiteren wissenschaftlichen Diskurs (disqualifizieren)“ würde (ebd.: 4).

Mit dieser Skepsis gegenüber interaktionsnaher Forschung hinterfragt das Netzwerk aber auch eine ganze Reihe von bisherigen, auch mutigen, Studien, die mittels ethnographischer Methoden in diesem Milieu gearbeitet haben. Eine Vielzahl von Forschenden haben sich in dieser Hinsicht bewusst auf zeitintensive, nahe Auseinandersetzungen mit Rechten aus unterschiedlichen Spektren eingelassen, sich mitunter explizit methodisch für Empathie (Hochschild 2016), gar Freundschaft (Teitelbaum 2017) oder für eine Forschung mit verdeckter Identität entschieden (Shoshan 2016). Sie alle reflektieren auf die eine oder andere Weise Schwierigkeiten während der Feldforschung, diskutieren aber auch, wie sich politische Differenz und Nähe produktiv integrieren lassen (siehe auch Back 2002; Pilkington 2016). Natürlich sind diese Studien im Einzelnen kritikwürdig. Gemein ist ihnen jedoch, dass sie uns über einen offenen, nicht vorab klar definierten Weg der Annäherungen, der auch moralische Dilemmata bereithält, ein dichtes und detailreiches Bild der Akteure mit rechten Einstellungen und Praktiken sowie von ihren historischen oder biographischen Werdegängen geben. Sie zeigen, wie rassistische Weltbilder mit anderen sozialen Bezügen wie Geschlecht, Emotionen, Klasse, Kultur, etc. verwoben sind. Damit können sie über die sonst gängigen Erklärungsmuster (nationalistische Ideologien und ökonomische Deprivationserfahrungen) hinausgehend differenzierter aufzeigen, was die Sogkraft rechter Zusammenschlüsse ausmacht.

Wir leugnen nicht, dass interaktive Forschung auch an Grenzen stößt. Nach Demonstrationsbefragungen bei PEGDIA mussten Forschende aufgrund der aggressiven Haltung der Protestierenden ernüchtert ihre bisherigen Methoden hinterfragen (Daphi et al. 2015). Doch auch hier gibt es Möglichkeiten zur methodischen Weiterentwicklung. Wie weitere Befragungen rechter Demonstrationen zeigen, lassen sich gefährliche Situationen erheblich verringern, wenn Forschende unmittelbar und eindeutig in dieser Rolle, und nicht etwa als Journalist*innen, wahrgenommen werden und zu identifizieren sind. Erfahrungsgemäß führten – bei PEGIDA – solche Unsicherheiten trotz Klärungsversuche zu heftigen (teilweise auch physischen) Anfeindungen. Als Forschende jedoch anfingen, Warnwesten mit der Aufschrift „Befrager“ zu tragen und einem entsprechenden Ausweis vorzeigen konnten, nahmen derartige Aggressionen ab.

Darüber hinaus zeigen die Beobachtungserfahrungen im Kontext von PEGIDA das Potential von größeren und divers aufgestellten Beobachtungsgruppen, sodass nicht nur unterschiedliche Wahrnehmungen des Protestereignisses, sondern ebenso unterschiedliche Erfahrungen aufgrund der zugeschriebenen Identität (z.B. als weibliche oder „nicht-deutsche“ Forscher*in) abgebildet werden können (Geiges et al. 2015: 40ff.). Daneben liefern „mixed-method“-Ansätze als Verbindung unterschiedlicher Feldzugänge Möglichkeiten, um Perspektiven zu erweitern bzw. unterschiedliche Blickwinkel abzubilden, indem etwa Ergebnisse aus teilnehmenden Beobachtungen mit quantitativen Befragungen (Daphi et al. 2015) oder Fokusgruppen (Geiges et al. 2015) trianguliert werden-

Wege und Offenheit in der Interpretation von Daten

Pauschale Ablehnung erfahren interaktionsnahe Methoden auch, weil von den Teilnehmenden an Befragungen und Interviews a priori „strategische Kommunikation“ erwartet wird. Dabei wird angenommen, dass die Interviewten keine im engeren Sinne forschungsrelevanten Aussagen tätigen (wollen) und die Forschenden „ausnutzen“, wenn nicht gar „bewusst manipulieren“ (vgl. Forschungsnetzwerk 2019: 3; siehe auch Feustel 2019).

Dabei ist man einer strategischen Kommunikation mitnichten hilflos aufgeliefert. Nicht nur bergen auch die offensichtlich strategischen Interaktionen einen Erkenntniswert – sie geben u.a. Aufschluss darüber, was aus der Perspektive der Befragten öffentlich sagbar ist oder wie sie mit Stigmatisierung umgehen. Die qualitative Sozialforschung kennt auch Wege, wie Einflüsse politischer, aber auch sozialer, kultureller, geschlechtsspezifischer etc. Differenzen im Forschungs- und Interpretationsprozess aufgedeckt und möglicherweise abgebaut werden können. Insofern greift der Vorwurf der strategischen Kommunikation zu kurz. Unbeachtet bleibt dabei, dass Interaktion stets auf Darstellungspraktiken beruht, die sowohl von den habituellen als auch situativen wechselseitigen Erwartungen der Interaktionsbeteiligten beeinflusst werden. Die Interaktionssituationen und ihre Bedingungen sind in der Dateninterpretation daher immer zu rekonstruieren und dabei ist die Rolle der Forschenden und die Erwartungen, die den Beforschten gegenüber gestisch und verbal ausgedrückt werden, zu berücksichtigen. Kathleen M. Blee (2017) wertet etwa unterschiedliche Interaktionsdynamiken aus Interviewsituationen in Studien über Frauen in der US-amerikanischen extremen Rechten der 1980er und 1990er Jahre aus. Sie deckt auf, wie in den Interviews ethnische Zuschreibungen wirken oder wie die Interviewten taktisch vorgehen, indem sie einschüchtern oder Angst erzeugen. Weiterhin erörtert sie, wie biographische Interviews solche strategischen Züge eindämmen können. Auch Dorit Roer-Strier und Roberta Sands (2015) rekonstruieren die verschiedenen Phasen von Interviews, in welchen die politische Differenz zwischen beiden Parteien zum Thema wurde. Sie diskutieren, wie die wechselseitige Anerkennung der gegensätzlichen Position half, die „offizielle Geschichte“ der Interviewten aufzubrechen, und detailreiche Einblicke in deren Gedankenwelt und Handlungsorientierungen ermöglichte.

Ebenfalls können Interpretationsgruppen so zusammengesetzt werden, dass sie eine größtmögliche Diversität von sozialen und politischen Positionen einschließen (Krueger 2008: 128). Idealerweise können Leser*innen durch eine ausführliche Dokumentation der Forschungsarbeit nachvollziehen, wie die Interpretationen der Gruppe zustande kommen. In einer kritischen Bewegungsforschung hat diese multiperspektivische Interpretationsstrategie gleichsam epistemologische Grundlagen. Denn Interpretationsgruppen ermöglichen auch, einen pluralistischen Forschungsanspruch einzulösen, der vielfach situierte Lebenswelten und Sichtweisen auf die Welt berücksichtigen will. Die Ko-Interpretation mit marginalisierten Personen bietet so eine Möglichkeit der Dezentrierung des meist weißen, mittelschichtsangehörigen Erkenntnissubjekts „Wissenschaftler*in“. Positionsplurale Offenheit ist somit dezidiertes Mittel kritischer Erkenntnis.

Offenheit in der Darstellung von Ergebnissen

Gerade qualitative Studien öffnen den Blick für Komplexitäten, Widersprüche und Mehrdeutigkeiten sozialer Praxis. So darf auch die kritische Wissenschaftskommunikation als „aktiver Zug im Ringen um Emanzipation und gerechte Verhältnisse“ (Slaby 2018: 79) diese Komplexitäten nicht reduktionistisch unterschlagen.

Die Entscheidungen, wie die Forschungsergebnisse veröffentlicht werden, fangen bereits bei den subtileren Spielräumen der stilistischen Textproduktion an. Forscher*innen können ihre Ergebnisse in einem nüchternen, distanzierten und Objektivität oder Neutralität vermittelten Ton formulieren. Sie können Ergebnisse aber auch in Ästhetiken niederschreiben, welche bereits politische Orientierungen und andere Stimmungen mittransportieren. Arlie Hochschild (2016) etwa wählt einen zugewandten Schreibstil, um die Lebensrealitäten der von ihr untersuchten rechten Südstaatler*innen in den USA zu beschreiben. „Empathie“ ist in gewisser Weise also auch in ihren Text eingeschrieben. Sie stellt nicht allein ein „wissenschaftliches Phänomen“ dar, sondern die „Menschen“ in ihrer Komplexität; sicherlich auch mit der Idee, den Leser*innen Platz für ein eigenes Urteil einzuräumen. Ganz anders verhält es sich mit Claus Leggewies frühem Buch „Der Geist steht rechts“ (1987), dessen reichhaltige „Ausflüge“ in die „Denkfabrik der Wende“ mit satirisch spöttelnden Seitenhieben gegen den politischen Gegner gespickt sind. Seine eigene politische Haltung und Geringschätzung sind unüberlesbar.

Darüber hinaus gibt es weitere Strategien, die Komplexitäten von Forschungsergebnissen kritisch zu rahmen. Die historische Rassismusforschung ermöglicht es etwa, verschiedene Einstellungen und Praktiken gegenüber Minderheiten aufzuzeigen und dazugehörige ausschließende Mechanismen als Entwicklungen weit zurückreichender Rassismusdiskurse aufzudecken. Aletta Diefenbach (2019) rahmt zum Beispiel die sowohl nuancierte als auch widersprüchlich vorgetragene „Islamkritik“ ihrer Interviewpartner*innen als Teil des neuen kulturalistischen Rassismusdiskurses. Rhetorisch wird hierbei nicht über „Rasse“, sondern „Kultur“ bzw. Religion Differenz hergestellt. Zudem wird zwar immer wieder versucht, das „muslimische Andere“ nicht pauschal abzuwerten, in der Gesamtschau bleibt es jedoch bei einer skeptischen Haltung, die einen ausschließenden Diskurs gegenüber Muslim*innen bewirkt.

Ebenso ist es denkbar, ausgrenzenden Sichtweisen die Perspektive von Betroffenen dieser Ausgrenzung gegenüberzustellen oder durch Kontextfaktoren und Datenquellen kritisch zu ergänzen. Ein Beispiel hierfür sind die Untersuchungen von Michael Kimmel (2013), der den Zorn der von ihm interviewten „angry white men“ in den USA zwar anerkennt und abbildet, ihn jedoch mit gesellschaftspolitischen Betrachtungen kontrastiert, vor allem mit den sozio-ökonomischen Entwicklungen. Er legt auf diese Weise die vorgefundenen Welterfahrungen als widersprüchlich und in seinen Augen fehlgeleitet dar.

Sicherlich bleibt bei all diesen möglichen Darstellungen die Frage unbeantwortet, wie etwa mit Erkenntnissen umgegangen werden soll, welche die politische Gegenseite womöglich (argumentativ) stärken können oder deren Sichtweisen unter Umständen untermauern. Daher wird es auch hier nicht die eine und alleinig richtige Strategie geben. Eine gewisse Pluralität von gemäßigt-neutralen bis radikal-energischen Positionen der Wissenschaftskommunikation erscheint hierbei strategisch sinnvoll, um Rechte letztlich nicht in ihrer vermeintlichen Opferrolle zu bestätigen.

Was wäre überhaupt die Alternative?

Wer rechte Protestbewegungen erforschen will, bewegt sich in einem vielschichtigen Spannungsfeld. Wir meinen, dass sich kritische Wissenschaft auf diese Spannungen reflexiv einlassen sollte, anstatt ihrem Gegenstand mit einer voreiligen – und im Kern illusorischen – Strategie der Kommunikationsverweigerung gegenüberzutreten. Die jüngst angestoßene Methodendiskussion im Bereich rechter Bewegungen sollte daher an bereits existierende Beiträge anschließen, sowie im Kontext der allgemeinen sozial- und kulturwissenschaftlichen Methodendebatten geführt werden. Reflexivität bedeutet an dieser Stelle auch anzuerkennen, dass die aufgezeigten Spannungsmomente womöglich nicht ganz aufzulösen sind. Die jeweiligen Lösungsansätze können und sollten für andere sichtbar gemacht werden, um eine fruchtbare Diskussion über die Erkenntnisstrategien kritischer Wissensproduktion voranzutreiben.[7]

Gerade die qualitative Methodologie entfaltet ihr „produktives Moment“ (Hametner 2013: 140) mit etwas mehr Zurückhaltung gegenüber dem eigenen Vorwissen. Als „Mittel der Öffnung“ (ebd.) problematisiert sie Vermutungen und räumt durch den Blick auf die alltäglichen Relevanzsetzungen und Handlungen der Akteure die Möglichkeit ein, Neues zu entdecken. Natürlich bleibt diese Offenheit durch die gesellschaftliche Situiertheit der Forschenden bedingt (ebd.) und bedarf immer wieder erneut forschungsethischer Abwägungen. Beides lässt sich aber nicht immer schon vorab reflexiv einholen. Oft können Fragen von Positionalität und Moral auch erst im Verlauf der Forschung erkannt werden und lassen sich dann auch nur situationsabhängig und kontextspezifisch beantworten (auch Freikamp 2008).

An Offenheit festzuhalten, bedeutet auch, sie möglichst zu bewahren, wenn man im Forschungsfeld auf Ablehnung trifft. Denn es wäre für eine kritische Wissenschaft fatal, dem rechten Freund-Feind-Denken mit kategorischer Ablehnung ihrer empirischen und nahen Erforschung zu begegnen. Gleichzeitig bedeutet Offenheit aber nicht Werturteilsfreiheit im Sinne einer kritiklosen oder unkommentierten Aufnahme rechter Diskurse oder Positionen, die es viel eher zu beschreiben und kritisch und mit anderen Ansichten zu rahmen gilt. Auf diese Weise können rechte Welterfahrungen und ihre ideologischen Deutungen als das erscheinen, was sie sind, nämlich eine Art, die (Alltags-)Realität zu ordnen, die zwar (leider) von vielen Personen geteilt wird und deshalb untersucht werden muss, jedoch keineswegs einen alleinigen Geltungsanspruch besitzt.

Aus unserer Sicht kann kritische Forschung mit progressivem Anspruch nicht bedeuten, sich gegenüber einem politisch widerstreitenden und kontroversen Gegenstand auf die eine oder andere Weise zu verschließen, indem bspw. allein der Weg in den Elfenbeinturm der theoretischen Kritik gewählt wird. So erscheinen die Implikationen einer Schließung wenig wünschenswert, da dies unter Umständen bedeutet, dass progressive Forschende die Deutungen eines gesellschaftspolitisch wichtigen Feldes anderen überlassen.

Denn es braucht einen Gegenpol zu politisch komplizenhaften Forschungen, wie zum Beispiel den Befragungsstudien von Werner Patzelt (2016), welche die „Veredelung des empirisch vorfindbaren Volkswillens“ als Hauptziel definieren und die Dimensionen ausgrenzenden Verhaltens systematisch herunterspielen oder diskursiv zu verschleiern versuchen, zum Beispiel durch sehr enge Rassismus-Definitionen oder die Verwendung euphemistischer Begriffe wie „kulturell begründete Sorgen“ anstatt Rassismus. Demgegenüber hat es alternative Darstellungen zu den Forschungen Patzelts gegeben – in Form fundierter Methoden- und Begriffskritik (Kocyba 2016a) und auf Grundlage empirischen Datenmaterials, die einer verniedlichenden Darstellung der PEGIDA-Demonstranten als „besorgte Bürger“ vehement entgegentreten (Kocyba 2016b). Die Herangehensweisen kritischer Wissenschaft – Theoriearbeit, Methodenkritik und empirische Forschung – sollten sich somit idealerweise ergänzen.

Die Forschung in den oftmals feindseligen Umgebungen rechter Proteste und rechter Bewegungsmilieus ist für Wissenschaftler*innen oft anstrengend und emotional aufreibend. Solange keine massiven forschungsethischen oder -praktischen Verfehlungen vorliegen, bedeutet das Gebot der Offenheit, eine methodische Heterogenität in der kritischen Forschung unaufgeregt anzuerkennen. Für den Umgang mit den skizzierten Fallstricken lässt sich abschließend auch folgende Einsicht in Erinnerung rufen: Wissenschaftliche Erkenntnis lebt von der (Möglichkeit ihrer) Falsifikation. Ergebnisse sind also immer als vorläufig zu verstehen, sollen kritisiert und im Zweifelsfall revidiert werden. Jede*r Forscher*in ist daher eingeladen, ja aufgefordert, es besser zu machen.

 

[1]        Siehe für den angelsächsischen Raum u.a. Journal of Contemporary Ethnography (2/2007), Blee (2017), Teitelbaum (2019), Pasieka, (2019), Bangstad et al. (2019) uvm.

[2]        Vgl. frühere Beiträge in dieser Rubrik von Ullrich/Teune (2018) oder Zajak (2018).

[3]     Dieser Fokus schlägt sich z.B. anschaulich in der Gewichtung der Beiträge im Handbuch zu den „Sozialen Bewegungen in Deutschland ab 1945“ (Roth/Rucht 2008) nieder, wo es unter den 21 Kapiteln zu spezifischen Bewegungen nur einen einzigen Beitrag gibt, der sich nicht mit progressiven Bewegungen beschäftigt.

[4]     Nach Angaben des Netzwerks ist die betreffende Person zwar von ihren Funktionen innerhalb der „Identitären Bewegung“ zurückgetreten. An einer ideologischen Distanzierung bestehen jedoch Zweifel (Forschungsnetzwerk 2019: 1).

[5]        Siehe für die gleiche Stoßrichtung auch die Kommentare auf Feustel von Kühn/Lehn (2019) und Kumkar (2019).

[6]        Verwiesen sei an dieser Stelle auf die zahlreichen Beiträge in den Ausgaben der Zeitschrift „Soziologie“ der Jahrgänge 2018 und 2019.

[7]        An dieser Stelle sei noch einmal auf die lesenswerte Debatte in Teitelbaum (2019) hingewiesen, welche solche epistemologischen und moralischen Dilemmata innerhalb der anthropologischen Forschertradition verhandelt.

 

Literatur

Back, Les 2002: Guess Who’s Coming to Dinner? The Political Morality of Investigating Whiteness in the Gray Zone. In: Ware, Vron/Back, Les (Hg.): Out of Whiteness. Color, Politics, and Culture. Chicago: University of Chicago Press, 33-59.

Bangstad, Sindre/Bertelsen, Bjorn Enge/Henkel, Heiko 2019: The Politics of Affect. Perspectives on the Rise of the Far-Right and Right-Wing Populism in the West. In: Focaal, Heft 83, 98-113.

Blee, Kathleen M. 2017: Understanding Racist Activism. Theory, Methods and Research. London/New York: Routledge.

Daphi, Priska/Kocyba, Piotr/Neuber, Michael/Roose, Jochen/Rucht, Dieter/Scholl, Franziska/Sommer, Moritz/Stuppert, Wolfgang/Zajak, Sabrina 2015: Protestforschung am Limit. Eine soziologische Annäherung an PEGIDA. ipb working paper. https://protestinstitut.eu/wp-content/uploads/2015/03/protestforschung-am-limit_ipb-working-paper_web.pdf [28.05.2019].

Diefenbach, Aletta 2019: Hassen im Modus bürgerlicher Etikette? Wie Neurechte über den Islam reden. In: Brokoff, Jürgen/Walter-Jochum, Robert (Hg.): Hass/Literatur. Literatur- und kulturwissenschaftliche Beiträge zu einer Theorie- und Diskursgeschichte. Bielefeld: transcript, 167-188.

Feustel, Robert 2019: Substanz und Supplement. Mit Rechten reden, zu Rechten forschen? Eine Einladung zum Widerspruch. sub\urban. Zeitschrift für kritische Stadtforschung, Jg. 7, Heft 1-2, 137-145.

Forschungsnetzwerkes Frauen und Rechtsextremismus 2019: Warum Liebe kein Zufall ist und Rechtsextremismusforschung einer professionellen Distanz zu ihrem Gegenstand bedarf. http://frauen-und-rechtsextremismus.de/2019/01/31/warum-liebe-kein-zufall-ist-und-rechtsextremismusforschung-einer-professionellen-distanz-zu-ihrem-gegenstand-bedarf/ [21.05.2019].

Freikamp, Ulrike 2008: Bewertungskriterien für eine qualitative und kritisch emanzipatorische Sozialforschung. In: Freikamp, Ulrike/Leanza, Matthias/Mende, Janne/Müller, Stefan/Ullrich, Peter/Voß, Hans-Jürgen (Hg.): Kritik mit Methode. Forschungsmethoden und Gesellschaftskritik. Berlin: Dietz-Verlag, 215-232.

Geiges, Lars/Marg, Stine/Walter, Franz 2015: PEGIDA. Die schmutzige Seite der Zivilgesellschaft. Bielefeld: transcript.

Hametner, Katharina 2013: Wie kritisch ist die rekonstruktive Sozialforschung? Zum Umgang mit Machtverhältnissen und Subjektpositionen in der dokumentarischen Methode. In: Langer, Phil/Kühner, Angela/Schweder, Panja (Hg.): Reflexive Wissensproduktion. Anregungen zu einem kritischen Methodenverständnis in qualitativer Forschung. Wiesbaden: Springer VS, 135-146.

Hochschild, Arlie 2016: Strangers in Their Own Land. Anger and Mourning on the American Right. New York: New Press.

Kimmel, Michael 2013: Angry White Men. American Masculinity at the end of an Era. New York: Nation Books (Perseus Books Group).

Kocyba, Piotr 2016a: Über die ‚Veredelung des empirisch vorfindbaren Rassismus‘. Anmerkungen zu aktuellen Dresdner Studien über ‚Pegida‘. In: Klose, Joachim/Schmitz, Walter (Hg.): Freiheit, Angst und Provokation. Zum gesellschaftlichen Zusammenhalt in der postdiktatorischen Gesellschaft. Dresden: Thelem, 187-237.

Kocyba, Piotr 2016b: Wieso PEGIDA keine Bewegung harmloser, besorgter Bürger ist. In: Rehberg, Karl-Siegbert/Kunz, Franziska/Schlinzig, Tino (Hg.): PEGIDA – Rechtspopulismus zwischen Fremdenangst und ‚Wende‘-Enttäuschung? Analysen im Überblick. Bielefeld: transcript, 147-163.

Krueger, Antje 2008: Die ethnopsychoanalytische Deutungswerkstatt. In: Freikamp, Ulrike/Leanza, Matthias/Mende, Janne/Müller, Stefan/Ullrich, Peter/Voß, Hans-Jürgen (Hg.): Kritik mit Methode. Forschungsmethoden und Gesellschaftskritik. Berlin: Dietz, 127-146.

Kühn, Annekatrin/Lehn, Katrin 2019: Let´s talk about …? Warum und wie wir mit Rechten reden müssen! Kommentar zu Robert Feustels „Substanz und Supplement. Mit Rechten reden, zu Rechten forschen?“. sub\urban. Zeitschrift für kritische Stadtforschung, Jg. 7, Heft 1/2, 159-166.

Kumkar, Nils 2019: Die Faktizität des Postfaktischen. Kommentar zu Robert Feustels „Substanz und Supplement. Mit Rechten reden, zu Rechten forschen?“. sub\urban. Zeitschrift für kritische Stadtforschung, Jg. 7, Heft 1/2, 167-172.

Leggewie, Claus 1987: Der Geist steht rechts. Ausflüge in die Denkfabrik der Wende. Berlin: Rotbuch Verlag.

Pasieka, Agnieszka 2019: Anthropology of the far right. Anthropology Today, Jg. 35, Heft 1, 3-6.

Patzelt, Werner 2016: Wer sind und wie denken Pegidianer. In: Patzelt, Werner/Klose, Joachim (Hg.): PEGIDA. Warnsignale aus Dresden. Dresden: Thelem, 149-294.

Pilkington, Hilary 2016: Loud and Proud: Passions and Politics in the English Defense League. Manchester: Manchester University Press.

Roer-Strier, Dorit/Sands, Roberta G. 2015: Moving beyond the ‘official story’. When ‘others’ meet in a qualitative interview. In: Qualitative Research, Jg. 15, Heft 2, 251–268.

Roth, Roland/Rucht, Dieter (Hg.) 2008: Die Sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Ein Handbuch. Frankfurt am Main: Campus.

Shoshan, Nitzan 2016: The Management of Hate. Nation, Affect, and the Governance of Right-Wing Extremism in Germany. Princeton: Princeton University Press.

Slaby, Jan 2018: Drei Haltungen der Affect Studies. In: Pfaller, Larissa/Wiesse, Basil (Hg.): Stimmungen und Atmosphären. Zur Affektivität des Sozialen. Wiesbaden: Springer VS, 53-79.

Teitelbaum, Benjamin R. 2017: Lions of the North: Sounds of the New Nordic Radical Nationalism. Oxford: Oxford Univerity Press.

Teitelbaum, Benjamin R. 2019: Collaborating with the Radical Right. Scholar-Informant Solidarity and the Casae for an Immoral Anthropology. In: Current Anthropology, Jg. 60, Heft 3, 414-435.

Teune, Simon/Ullrich, Peter 2018. Protestforschung mit politischem Auftrag? Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 31, Heft 1–2, 418–425.

Zajak, Sabrina 2018: Engagiert, politisch, präfigurativ – Das Selbstexperiment als transformative Bewegungsforschung. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 31, Heft 4, 98-105.

 

Foto: Kalispera Dell – https://www.panoramio.com/photo/116227104, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38068798

Rezension: Fielitz/Thurston (Hg.) – Post-Digital Cultures of the Far Right

Auf unserem Blog stellen wir in unregelmäßigen Abständen Buchpublikationen von ipb-Mitgliedern vor. Bisher sind Rezensionen zu folgenden Büchern erschienen:

Ganz, Kathrin. 2018.  Die Netzbewegung. Subjektpositionen im politischen Diskurs der digitalen Gesellschaft (Verlag Barbara Budrich), rezensiert von Friederike Habermann.

Müller, Melanie. 2017Auswirkungen internationaler Konferenzen auf Soziale Bewegungen (Springer VS), rezensiert von Antje Daniel.

Roose, Jochen / Dietz, Hella (Hrsg.). 2016 Social Theory and Social Movements. Mutual Inspirations (Springer VS), rezensiert von Janna Vogl.

Zajak, Sabrina. 2016. Transnational Activism, Global Labor Governance, and China (Palgrave), rezensiert von Melanie Kryst.

Daphi, Priska/Deitelhoff, Nicole/Rucht, Dieter/Teune,Simon (Hg.) 2017: Protest in Bewegung? Zum Wandel von Bedingungen, Formen und Effekten politischen Protests (Leviathan Sonderheft, Nomos), rezensiert von Luca Tratschin. 

della Porta, Donatella (Hg.): 2018. Solidarity Mobilizations in the ‚Refugee Crisis‘ (Palgrave), rezensiert von Leslie Gauditz.

Daphi, Priska 2017: Becoming a Movement – Identity, Narrative and Memory in the European Global Justice Movement (Rowman & Littlefield), rezensiert von Johannes Diesing. 

Mullis, Daniel 2017: Krisenproteste in Athen und Frankfurt. Raumproduktionen der Politik zwischen Hegemonie und Moment (Westfälisches Dampfboot), rezensiert von Judith Vey.

Wiemann, Anna 2018: Networks and Mobilization Processes: The Case of the Japanese Anti-Nuclear Movement after Fukushima (Iudicium), rezensiert von Jan Niggemeier. 

Lessenich, Stephan 2018: Neben uns die Sintflut: Wie wir auf Kosten anderer Leben. München (Piper), sowie Brand, Ulrich/Wissen, Markus 2017: Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im Kapitalismus(oekom), rezensiert von Fabian Flues.

Grote, Jürgen R./Wagemann, Claudius 2019: Social Movements and Organized Labour (Routledge), rezensiert von Susanne Pernicka. 

 

Es folgt nun Tobias Fernholz mit einer Rezension zu Fielitz, Maik/Thurston, Nick (Hg.). 2018. Post-Digital Cultures of the Far Right: Online Actions and Offline Consequences in Europe and the US. Bielefeld: transcript. Die Rezension erschien ursprünglich unter dem Titel „Digitaler Kulturkampf von rechts außen“ in Heft 2/2019 des Forschungsjournals Soziale Bewegungen. 

In den vergangenen Jahren stieg das Interesse an digitalen Bewegungen, sowohl in wissenschaftlichen als auch journalistischen Formaten. Die Neuartigkeit digitaler Aktionsformen blieb dabei häufig ausgeklammert. Der vorliegende Sammelband, Post-Digital Cultures of the Far Right, herausgegeben von Maik Fielitz und Nick Thurston, nimmt nun gerade diese Neuartigkeit in einer Vielzahl von Fallstudien in den Blick. In den Beiträgen, die von der US-Amerikanischen „Alt-Tech“, einem Zweig der Technologie-Branche, der sich inhaltlich mit der Rechten der USA verbunden sieht (12), bis zu polnischen Fanzines reichen, werden mit Akribie neue Strategien und Aktionsformen dieser sozialen Bewegung von rechts beschrieben. Diese globale Perspektive ist mit Blick auf die grenzübergreifende Vernetzung der Akteure nur konsequent und bringt eine Vielzahl neuer Erkenntnisse mit sich.

Die Erfolge der Alt-Right

Der erste Beitrag des Buches spannt den geographischen Schirm des gesamten Sammelbandes und nimmt eine Kartografie von der erstarkenden Alt-Right der USA bis hin zu schwedischen Aktivist_innen der extremen Rechten vor. Der Fokus des Textes von May und Feldman liegt auf einer Entflechtung der Alt-Right und Alt-Light sowie deren internen Konflikten. Dabei wird deutlich, wie schwierig die Bildung einer kollektiven Identität für stark digitalisierte Bewegungen ist, die vor allen Dingen auf digitalen Interaktionen und tendenziell schwachen beziehungsweise unverbindlichen Interaktionen beruht. Ein bindendes Moment, das die von May und Feldman beschriebenen Konfliktlinien stets überwindet, ist die geteilte Freude an Transgression, den „Lulz“ (26), dem zynischen Pendant des im Internet verbreiteten „LoL“ (laughing out lout).

Tuters vertieft diese Beobachtung und beschreibt die transgressiven Aktionsformen als Larping. Gemeint ist damit die obszöne Überzeichnung der Realität, die in dem Moment, in dem sie zu konkreten Handlungen übersetzt wird, wieder zur Fiktion verklärt wird. Die permanente Grenzüberschreitung, die sich jeder Kritik entzieht, indem sie Kritiker_innen Verbohrtheit und fehlendes Verständnis von Ironie vorwirft, wird von Tuters als Kern der digitalen Ansprache der Alt-Right beschrieben.

Der dritte und letzte Beitrag, der die Alt-Right in den USA in den Fokus nimmt, stammt von Donovan, Lewis und Friedberg. Dabei geht es den Autor_innen, um die Innovationsfähigkeit der Alt-Right, die sich insbesondere nach den rassistischen Ausschreitungen in Charlottesville mit stärkeren Repressionen, durch Provider und Plattformen wie Facebook und Youtube, konfrontiert sahen. Als Antwort wich die Bewegung auf alternative digitale Angebote aus und schuf dadurch neue Allianzen mit Teilen der Tech-Industrie. Diese Allianzen brachten beispielsweise die Plattform ‚Gab‘ hervor, deren Betreiber_innen die Alt-Right hofierten. Dabei spielten sowohl die ideologischen Elemente der ‚Alt-Tech‘ und ihr „American-centric free speech absolutism“ (57), als auch das lukrative Geschäft durch neue Kunden für die Plattform eine Rolle. Die Autor_innen kommen abschließend zu der Erkenntnis, dass die digitale Infrastruktur keine Zuverlässigkeit für demokratische Prozesse bietet. Welche politischen Positionen von den Plattformen akzeptiert oder ausgeschlossen werden, bleibt die Entscheidung profitorientierter Unternehmen.

Der Blick nach Europa – zwischen Adaption und eigener Strategie       

Mit einer der derzeit drängendsten Fragen der Bewegungsforschung, nämlich der Wechselwirkung zwischen Online- und Offline-Mobilisierung, befasst sich der vierte Artikel dieses Bandes von Karl. Er untersucht die Normalisierung extrem rechter Inhalte durch online und offline Kampagnen der ungarischen Partei Jobbik. Karl beschreibt als wichtigen Faktor für den Erfolg der Jobbik eine Art von neuem „nationalist cool“ (74) etabliert zu haben, der abseits der politischen Sphäre in den Alltag der Menschen einfloss. Auf von der Jobbik mitorganisierten Festen kombinierte sie musikalische, nationalistische Folklore mit ihren extrem rechten Inhalten. Karl schließt mit der Erkenntnis, dass diese fortschreitende Normalisierung der extremen Rechten letztlich maßgeblich für das politische Klima ist, das die regierende Fidesz-Partei Viktor Orbans umgibt.

Im fünften Beitrag des Bandes befasst sich Berg mit der doppeldeutigen Inanspruchnahme von Sexismus durch die extreme Rechte in Deutschland. Dabei stellt sie die Gegensätze eines reaktionären Anti-Feminismus auf der einen, und dem rassistisch aufgeladenen ethnozentrierten Sexismus auf der anderen Seite dar. Berg geht dabei der Frage nach, welche Themen und in welcher Form diese Narrative verwendet werden und wie anti-feministische Positionen mit einer Betonung der Rechte von Frauen kombiniert werden. Sie stellt fest, dass diese Strategie das Ziel verfolgt Migrant_innen im Allgemeinen und Muslime im Speziellen als misogyn und gewalttätig zu beschreiben und damit Frauenfeindlichkeit in diese Fremdgruppen zu externalisieren. Dadurch werden in der Gesellschaft tief verankerte rassistische Narrative aktiviert und aktualisiert.

Froio und Ganesh befassen sich im sechsten Beitrag mit der Bedeutung und Inhalten rechter Netzwerke in West-Europa. Sie untersuchen dabei die (trans)nationale Kommunikation auf Twitter und die Bedeutung dieser Kommunikationsplattform insbesondere für Akteure, denen der Zugang zu breiten Öffentlichkeiten, beispielsweise durch Berichterstattung in Zeitungen und Fernsehen, fehlt. Neben der Identifikation verschiedener zentraler Narrative, wie „economic nativism“ (99) beobachteten die Autor_innen, dass Nationen-, und damit in der Regel auch sprachübergreifende Bezugnahme eher die Ausnahme darstellen. Während ihre Daten diese direkte Form der Vernetzung negieren, stellen die Autor_innen dennoch fest, dass auf einer inhaltlichen Ebene große Überschneidungen vorliegen. Insbesondere anti-muslimische Inhalte bilden einen „transnational glue“ (101) der diese Netzwerke verbindet.
Einen Bruch des Bandes stellt gewissermaßen der Beitrag von Marczewska dar, in dem die Fanzine-Szene Polens und ihre Bedeutung für die extreme Rechte beschrieben wird. Entgegen des Trends in anderen europäischen Staaten ist die extreme Rechte in Polen auch heute noch stark mit den self-made Printformaten der Fanzines verbunden. Marcezwska beschreibt in seinem Beitrag die Entwicklung dieses Formats von seinen Anfängen in der kommunistischen Diktatur, bis hin zur aktuellen Bedeutung in einem von der rechtspopulistischen PIS regierten Polen. Er hebt dabei vor allen Dingen den identitätsstiftenden Charakter der Fanzine-Community hervor und die Funktion als „space to manifest open and unconstrained expressions of the ideology they support“ (117).

Der achte Beitrag des Bandes nimmt die verschiedenen Codes der extremen Rechten in den Blick. Ausgangspunkt für Miller-Idris war ihre Erkenntnis aus Schüler_innen-Befragungen, dass die Codes der extremen Rechten nicht unbedingt als solche korrekt interpretiert werden, selbst dann, wenn den Schüler_innen die Zugehörigkeit der Codes bekannt waren. Grundsätzlich unterscheidet die Autorin dabei zwischen intendierten Codierungen, also jenen Codes, die bereits bei ihrer Schaffung als Codes gedacht waren, jenen, die erst durch Aneignung durch die extreme Rechte zu solchen wurden und solchen, die von Marken genutzt werden, um die Wirkung der Provokation auszunutzen. Abschließend widmet sich Miller-Idris Gegenreaktionen und der notwendigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Potenzialen des „counter protest“ (132).

Memes, Falschinformationen und toxische Narrative

Im neunten Beitrag befassen sich Bogerts und Fielitz mit einer der wichtigsten Handlungsformen der digitalen rechten Bewegung: den Memes. Sie befassen sich zu diesem Zweck mit der in Deutschland aktiven Bewegung Reconquista Germanica, einer auf der Kommunikationsplattform Discord organisierten extrem rechten Gruppierung. Eine ihrer wichtigsten Aktionsformen war der Einsatz von Memes, deren Inhalte in diesem Beitrag analysiert und kategorisiert werden. Die Ergebnisse der Autor_innen zeigen, wie die extreme Rechte in der Lage ist ihre nationalistischen, militaristischen und völkischen Inhalte mithilfe von transgressiven Bild-Text-Erzeugnissen, also Memes, zu ästhetisieren und zu normalisieren.
Eine weitere Strategie der extremen Rechten ist die gezielte Verbreitung von Falschinformationen. Darmstadt, Prinz und Saal befassen sich mit dieser Strategie am Fall der getöteten Keira aus Berlin. Die Polizei Berlins verweigerte nach Bekanntwerden der Tat die Weitergabe von Informationen. Grund dafür war eine unklare Sachlage und das Interesse Spekulationen um Tat, Täter und Herkunft des Täters keinen Nährboden zu geben. Stattdessen ist jedoch genau dies eingetreten. Akteure von der AfD, über Compact bis hin zu PEGIDA flochten die Tat in ihre rassistischen Narrative ein und verbreiteten haltlose Spekulationen über den vermeintlichen Täter. Dies gipfelte in der Veröffentlichung des Facebook-profils eines nicht mit der Tat in Verbindung stehenden Jugendlichen aus Berlin. Die Autor_innen zeichnen in diesem Beitrag die Entwicklung des Falls nach und heben die Funktion der „Toxic Narratives“ (159), sowie der „Targeted Misinformation“ (161) hervor. Abschließend verweisen die Autor_innen auf unterschiedliche Maßnahmen zur Bekämpfung ebensolcher Kampagnen und weisen darauf hin, dass die größte Aufgabe darin besteht, Kompetenzen im Umgang mit Medien aufzubauen und damit Resilienzen zu schaffen und zu stärken.

Der in rechten Online-Netzwerken beliebte Spruch: „Left can’t Meme“ (169) dient Ebner im elften Beitrag als Ausgangspunkt. Dabei geht es um die Behauptung, Linke seien nicht in der Lage witzige Memes zu erstellen, da sie durch ihre politische Korrektheit zu verbohrt seien. Ebner widerspricht dieser Behauptung und beginnt ihren Beitrag mit einer Analyse der Kommunikationsstrategie der Alt-Right. Sie kommt dabei zu dem Schluss, dass immer mehr extrem rechte Gruppen es verstehen unterschiedliche Zielgruppen kalkuliert, das heißt mit sehr spezifischem Inhalt, anzusprechen. Ebner stellt fest, dass das know-how dieser Akteure international verbreitet wird und insbesondere via Youtube eine effektive Weitergabe von Wissen und Fähigkeiten stattfindet. Dieser strategische Vorsprung müsse eingeholt werden. Ebner führt zu diesem Zweck abschließend vier Punkte aus, die für effektive Gegenmaßnahmen notwendig seien: „Prediticing the trends, understanding the audiences, building an anti-hate coalition and testing new intervention approaches“ (176)

Sholette widmet sich im zwölften Beitrag der grundsätzlichen Beobachtung, dass die Funktionsweise des Internets und der Plattformen der sozialen Medien sowohl reaktionären als auch emanzipatorischen Projekten nutzt. Sholette stellt also infrage, ob die Formen digitaler Kommunikation vor allen Dingen extrem Rechten in die Hände spielen. Letztlich sei dies kein einseitiger Effekt, sondern rührt aus einer grundsätzlichen Veränderung der Voraussetzungen für Sichtbarkeit im öffentlichen Raum, von dem marginalisierte Gruppen und Positionen profitieren können.

Im letzten Beitrag des Bandes stellt Thurston seine künstlerische Annäherung an Hate-speech vor. Das Vorgehen ist dadurch bestimmt, den Gegenstand genauer in den Blick zu nehmen, und zwar bewusst ohne eine analytische Sezierung. Die Inhalte werden dadurch erfahrbar und nachlesbar. Diese materielle Voraussetzung paart er mit den örtlichen Gegebenheiten von „public libaries“ (200) also Orten an dem gemeinsam über das Gelesene gesprochen werden kann und soll. Mit diesem Konzept schafft der Künstler eine Auseinandersetzung mit Hate-speech und zugleich eine Selbstversicherung der Besucher_innen über ihre eigene Haltung. Gleichzeitig ist die ‚hate library‘ eine Offenlegung dessen, was auf den online Plattformen der sozialen Netzwerke vor sich geht. Thurston stellt damit die Frage, ob wir damit einverstanden sind, dass diese Plattformen diese Inhalte öffentlich verbreiten also ‚publizieren‘.

Die von Fielitz und Thurston zusammengestellte Auswahl ist ein erster Beitrag zur Sichtbarkeit neuer, digitaler Strategien und Aktionsformen. Der Band schafft einen Einblick in diese Formen digitalen kollektiven Handelns und das damit wachsende Repertoire der sozialen Bewegung von rechts. Hierin liegt die Stärke von Post-Digital Cultures of the Far Right, das die unterschiedlichen Phänomene beschreibt und ohne in Alarmismus zu verfallen einordnet. Die weitere Analyse neuer und digitaler kollektiver Handlungsformen kann nun beginnen.

Photo by Markus Spiske on Unsplash

Call for Contributions: Workshop des Arbeitskreises Soziale Bewegungen und Polizei

Call for Contributions zum Workshop des Arbeitskreises Soziale Bewegungen und Polizei des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) am 21.02.2020 in Berlin

Police Materialities. Zu Interaktionsdynamiken zwischen der Polizei und ihren Objekten

Abstracts für Beiträge samt Titel zum Workshop (max. 250 Wörter) bitte bis zum 15.01.2020 per Mail an: stephanie.schmidt@uibk.ac.at und roman.thurn@soziologie.uni-muenchen.de

Objekte erhalten im Alltag der Polizei einen spezifischen Sinn: Die Bewaffnung des sogenannten polizeilichen Gegenübers beispielsweise – meistens mit einem Messer oder einen Stein – bildet einen zentralen Gegenstand unheilvoller Narrationen über den polizeilichen Alltag und rechtfertigt nicht zuletzt auch polizeiliche Maßnahmen. Dabei können Narrationen über die gefährlichen Objekte der anderen derart wirkmächtig sein, dass sie, wie bei den vermeintlich vorbereiteten Steinplatten beim G20-Gipfel in Hamburg 2017, eskalierende Situationsdynamiken begünstigen. Objekte und nicht zuletzt Waffen sind umgekehrt jedoch auch Einsatz- und Arbeitsmittel in der Polizei. Als Werkzeuge polizeilicher Arbeit dienen Wasserwerfer, Pfefferspray, Tonfa und co unter anderem dem policing von Demonstrations- und Protestereignissen und sind damit Teil von Interaktionsdynamiken zwischen Polizei und ihrem Gegenüber. Zwar ist die Bewaffnung der Polizist*innen als violence workers (Micol Seigel) zentral, zugleich jedoch kommt Objekten, wie Funkgeräten, Akten, Computern oder Uniformen eine grundlegende Bedeutung in der polizeilichen Arbeit zu. Neben ihren praktischen Funktionen, die den Arbeitsalltag strukturieren, sind ihnen auch kulturelle Bedeutungen eingeschrieben: Ausrüstungen verweisen auf die soziale Stellung (auch innerhalb der Organisation), durch Patches oder Sticker werden politische Positionierungen sichtbar oder affektionale Beziehungen zu den Objekten werden aufgebaut.Vor diesem Hintergrund wollen wir im Workshop Fragen über die Interaktionsdynamiken mit und ausgehend von Objekten im polizeilichen Arbeiten diskutieren.
Uns interessieren dabei im Wesentlichen drei Komplexe:

  1. Dingbedeutungen in der Interaktion: Welchen Sinn schreiben die an der Interaktion beteiligten einem materiellen Gegenstand zu? Wie haben sich Objekte polizeilichen Arbeitens hinsichtlich ihrer Ästhetik und Funktion entwickelt? Wie werden Objekte über ihre Funktionalität hinaus im Protestgeschehen genutzt
  2. Interaktionsdynamiken zwischen dem Einsatz von Arbeitsmittel der Polizei und dem Demonstrationsgeschehen: Welchen Einfluss hat der Einsatz verschiedener Objekte in der Arbeit der Polizei? Wie verändert sich hierdurch das Protestgeschehen (Stichwort: Videoüberwachung)?
  3. Narrationen über die „gefährlichen“ Objekte von Protestteilnehmer*innen und deren Rolle in der Interaktion: Wie werden die als gefährlich markierten Gegenstände, z.B. Fahnenstangen oder Pyrotechnik, von Protestteilnehmer*innen Gegenstand polizeilicher Maßnahmen. Und wie geht Protest damit um? (Stichwort: Klobürstenproteste von Hamburg 2014.

Relevant sind für uns auch Objekte und Arbeitsmittel, die nicht in erster Linie als Einsatzwaffen verwendet werden: Sperrgitter, Helme, Megafone, Handschellen, Videoüberwachung, Formulare etc. Ein Bezug zu Protest Policing ist wünschenswert, aber auch allgemeine (gern auch historische) Analysen zu Polizei und Objekten sind willkommen.

Link zum AK Soziale Bewegungen & Polizei: https://protestinstitut.eu/uber-das-institut/arbeitskreise/ak-soziale-bewegungen-und-polizei/

Photo by Tobias Zils on Unsplash

#decolonize_Bundestag

bewegung.taz.de - 10.12.2019
11.12.2019, 17:00 Uhr - 11.12.2019

Wann: Mittwoch, 11. Dezember 2019, 17 Uhr

Wo: Vor dem Deutschen Bundestag, Platz der Republik 1

 

Für den 11. Dezember hat die AfD den revisionistischen amerikanischen Professor Bruce Gilley in den Bundestag für einen Vortrag eingeladen. Wie die AfD teilt er die Ansicht, dass Deutschland sich für seine Kolonialzeit und die Verbrechen, die in dieser Zeit begangen wurden, nicht entschuldigen müsse. Im Gegenteil: Der deutsche Kolonialismus habe für Länder wie Tansania, Kamerun oder Togo eigentlich nur Vorteile gehabt. So weit, so rechtspopulistisch. Die AfD mag kein Porblem in diesem Kapitel deutscher Geschicte voller Ausbeutung, Grausamkeiten und Erniedrung sehen.

Dagegen wurde vor dem Bundestag unter dem Motto #decolonize_Bundestag ein Gegenprotest angemeldet. Im Aufruf dazu heißt es: "Die Partei kann einladen, wen sie möchte, aber wir müssen nicht passiv zuschauen, wie versucht wird, RASSISMUS & CHAUVINISMUS auf der HÖCHSTEN politischen Ebene SALONFÄHIG zu machen."

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Berichten über AfD & Co.

bewegung.taz.de - 09.12.2019
16.12.2019, 19:00 Uhr - 16.12.2019

Die Bedrohung von rechts, eine journalistische Herausforderung. Über den richtigen Umgang mit Rechtspopulist*innen.

Rechtspopulist*innen und Rechtsextremen sind Pressefreiheit und Medien ein Dorn im Auge. Wenn nicht in ihrem Sinne berichtet wird, wird reflexartig mit dem Vorwurf der „Lüge“ oder der „Systemmedien“ reagiert.

Journalist*innen stehen deshalb vor der Herausforderung: Wie sollen sie über die Bedrohung von rechts berichten? Was ist der richtige Umgang mit einer AfD, die offen nationalistisch, autoritär und rassistisch auftritt? Was können hier Selbstregulierung und Kontrollgremien leisten? Welche weiteren, neuen Regeln braucht es? Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di lädt ein zur Podiumsdiskussion.

Es diskutieren:

Farhad Dilmaghani, Vorsitzender DeutschPlus e.V., Staatssekretär a.D.

Tabea Grzeszyk, freie Journalistin, Mitbegründerin hostwriter.org

Tina Groll, Vorsitzende dju in ver.di

Uwe Grund, Verwaltungsrat NDR

Maria Fiedler, Der Tagesspiegel

Eine Veranstaltung der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di.

Eintritt frei.
Bild: Picture Alliance, Hendrik Schmidt

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Hotspot Nigeria

bewegung.taz.de - 09.12.2019
12.12.2019, 19:00 Uhr - 12.12.2019

Nigerianische Zukunftsvisionen im Kontext mit den Themen Wirtschaft, Klimawandel, Islamismus und Migration

Kaum ein Staat in Afrika verfügt über ähnliche Rohstoffvorkommen, kein Staat dieser Größe wächst so schnell wie Nigeria. Die Wirtschaft aber wächst nicht schnell genug mit.

Wie wird das in absehbarer Zeit bevölkerungsmäßig drittgrößte Land der Erde in Zukunft seine Einwohner ernähren können? Welche Rolle wird dabei Migration, welche der Klimawandel und welche der militante Islamismus spielen, der sich im Norden Nigerias verbreitet hat?

Die taz-Panter Stiftung hat in dieser Woche 12 Journalist*innen aus dem Land zu Gast, die mit Vertreter*innen der Zivilgesellschaft in Berlin zusammentreffen. Mit Expert*innen und taz-Nigeria-Korrespondentin Katrin Gänsler sprechen sie über die Zukunft von Afrikas künftiger Großmacht. Dabei sein wird auch der aus Nigeria geflüchtete Aktivist Sunny Omwenyeke, der heute in Bremen lebt und sich unter anderem damit befasst, wie die EU unerwünschte Nigerianer*innen fernzuhalten versucht. Die Veranstaltung wird moderiert von Christian Jakob, taz-Redakteur.

Bild: Andrew Esebio, picture alliance/dpa

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Schreiben für die taz

bewegung.taz.de - 09.12.2019
11.12.2019, 19:00 Uhr - 11.12.2019, 21:59 Uhr

Ein Abend mit den Autoren Michael Brumlik („Gott und die Welt“) und Henning Harnisch („Henningway“) zum Ende ihrer monatlichen Kolumnen.

Zwei hören auf, die anderen machen weiter: Die beiden Autoren des Kulturressorts Micha Brumlik („Gott und die Welt“) und Henning Harnisch („Henningway“) zum Ende ihrer Kolumnen im persönlichen Gespräch mit den taz-Redakteur*innen Tania Martini und Andreas Fanizadeh. Musikalisch untermalt durch Julian Weber.

Micha Brumlik, 1947 in Davos geboren, Erziehungswissenschaftler und Publizist ist eine der prominenten Stimmen unserer Zeitung. Er wird der taz als Autor auch weiterhin erhalten bleiben.

Henning Harnisch, geboren 1968 in Marburg, Basketball-Europameister und Vizepräsident von Alba Berlin, machte einst den Dunking in der Bundesliga bekannt. Für die taz schrieb er in den letzten Jahren monatlich über kulturelle Aspekte von Sport und Gesellschaft.

Bild: Oliver Behrendt(r.), Stephan Boness(l.) über imago

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Ware Wohnraum

bewegung.taz.de - 09.12.2019
10.12.2019, 18:00 Uhr - 10.12.2019, 20:00 Uhr

Kapitalanlagen und das Geschäft mit Immobilien boomen. Doch wie kann der Verdrängung von Mieter*Innen Einhalt geboten, und bezahlbarer Wohnraum gesichert werden?

Die Immobilienkrise spitzt sich weiter zu. In einigen Städten haben sich seit der Finanzkrise die Verkaufspreise von Eigentumswohnungen verdoppelt. Die durchschnittliche Mietkostenbelastung der Haushalte in Deutschland hat sich gleichzeitig deutlich erhöht, von 21 % (2010) auf aktuell 28 % des Einkommens, das für die Kaltmiete aufgewendet wird.

Es ist eine hitzige politische Debatte darüber entbrannt, mit welchen Mitteln der Mietpreis- und Verdrängungsspirale Einhalt geboten und bezahlbarer Wohnraum gesichert werden kann. Finanzmarktbasierte Immobilieninvestoren und Projektentwickler geraten immer stärker in den Fokus. Denn gerade im Zuge der Privatisierung des Wohnungsbestandes und der Deregulierung der Finanzmärkte sind Immobilien von einem Gebrauchsgut zu einem Finanzprodukt geworden.

Sinnbildlich dafür stehen börsennotierte Wohnungsunternehmen, wie Deutsche Wohnen und Vonovia, die mit steigenden Mieten und nicht bedarfsgerechten Modernisierungen die Renditeinteressen ihrer Anleger befriedigen. Sie sind aber längst nicht die einzigen Finanzmarktakteure, die mit direkten oder indirekten Investitionen in Immobilien Profit machen. Die Bandbreite reicht von institutionellen Investoren, wie Versicherungen oder Pensionsfonds, über Projektentwickler bis hin zu Family Offices, die das Vermögen von superreichen Privatpersonen und Familien verwalten.

Wie hat sich der Investmentmarkt für Wohnimmobilien infolge der Finanzkrise entwickelt? Welche Anlegertypen lassen sich unterscheiden? Welche Geschäftsstrategien verfolgen sie? Vor welche Herausforderungen stellen sie Mieterinnen und Mieter? Und vor allem: Wie lässt sich dem Geschäft mit der Ware Wohnraum  finanz-, steuer- und mietenpolitisch Einhalt gebieten?

Diskussion u.a. mit:

Dr. Anton Hofreiter MdB, Fraktionsvorsitzender,

Lisa Paus MdB, Sprecherin für Finanzpolitik und

Christian Kühn MdB, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik

Wir laden Sie herzlich ein, mit uns zu diskutieren.

Eine Veranstaltung der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen.

Bild: Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen

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Wir gehen Steil - Die Meute bleibt

bewegung.taz.de - 05.12.2019
07.12.2019, 15:00 Uhr - 07.12.2019

Wann: Samstag, 7. Dezember 2019, Demo: 16.30 Uhr

Wo: Görlitzer Park, Kreuzberg

Am 7. Dezember jagen Aktivist:innen der Meuterei unter dem Motto „Wir gehen steil“ Zeichen und Fratzen des Widerstandes über den Kreuzberger Himmel. Sie laden ein, im Görlitzer Park gemeinsam Drachen steigen zu lassen. Im Anschluss haben sie eine Demonstration durch den Bezirk organisiert, um im Vorfeld zum Räumungsprozess für den Fortbestand der Kneipe zu kämpfen 

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Testimonials from the Uterus | Film & Diskussion

bewegung.taz.de - 05.12.2019
18.12.2019, 20:00 Uhr - 18.12.2019, 22:00 Uhr

Wie steht es in Deutschland um das Recht auf Gesundheit? Zum Internationalen Tag der Migrant*innen wollen wir das in Bezug auf den Zugang geflüchteter Frauen zu Gesundheitsversorgung diskutieren. Women in Exile und die IPPNW laden Euch herzlich ein.

Wir zeigen den Film „Testimonials from the uterus“, ein Videoteil des Gesundheitsprojekts „Gesundheitsversorgung für alle ohne Diskriminierung“ von Women in Exile e.V. In dem Film berichten drei geflüchtete Frauen über ihre unterschiedlichen Erfahrungen mit ihren Gesundheitsproblemen und darüber, wie das Gesundheitssystem sie als Asylbewerberinnen* behandelt. Auch Fachleute, die Geflüchtete unterstützen, teilen ihre Überlegungen darüber, was ein*e Nicht-Staatsangehörige*r zu sein für den Zugang zum deutschen Gesundheitssystem bedeutet.

Nach dem Film gibt es eine Podiumsdiskussion. Mit dabei sind:

Daniellis Hernández Calderón (Regisseurin)
Halima Farah (Women in Exile)
Dr. med. Gabriele Halder (Fachärztin für Gynäkologie, Familienplanungszentrum Balance),  
Sabine Will (Fachärztin für Allgemeinmedizin, IPPNW)
Vera Macht (open.med, Ärzte der Welt).

Die Veranstaltung findet im Rahmen des Vorbereitungsprozesses für ein zivilgesellschaftliches Tribunal zum Menschenrecht auf Gesundheit und körperliche und seelische Unversehrtheit von Geflüchteten und Migrant*innen statt, das voraussichtlich im Oktober 2020 in Berlin ausgerichtet wird.

Der Eintritt ist kostenlos.
Film: Englische Fassung mit dt. Untertiteln, Diskussion auf Englisch.

 

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Interviewer*innen gesucht: Befragung bei der “Wir haben es satt” Demonstration

Zum zehnten Mal findet am 18. Januar 2020 die Demonstration „Wir haben es satt“ statt. Wir, eine Gruppe von Wissenschaftler*innen um das Institut für Protest- und Bewegungsforschung und das Forschungsprojekt Food for Justice am Lateinamerika-Institut der FU Berlin, wollen mehr über die Menschen erfahren, die an dieser Demonstration teilnehmen. Was treibt sie auf die Straße? Wie hängt die Forderung nach der Ernährungswende zusammen mit der Klimakrise? Wer engagiert sich hierzulande für Ernährungsgerechtigkeit im Vergleich mit thematisch verwandten Protesten in Brasilien?

Um diese Fragen zu beantworten, organisieren wir eine Demonstrationsbefragung. Dafür brauchen wir Unterstützung. Bei der Befragung wird es darum gehen, sowohl Handzettel für einen Onlinefragebogen zu verteilen als auch Kurzinterviews vor Ort durchzuführen. Die Details des Vorgehens werden am 16.1.2020 in einer ca. zweistündigen Schulung besprochen (12-14 Uhr). Weitere Details werden nach der Registrierung (siehe unten) bekannt gegeben. Die Aufwandsentschädigung beträgt 50 €. Für alle, die sehen wollen, wie Protestforschung aussehen kann, bietet die Teilnahme interessante Einblicke in die Praxis empirischer Sozialforschung.

In diesem Sinne würden wir uns sehr freuen, wenn Ihr Lust hättet, uns bei der Befragung zu unterstützen. Wegen des relativ kurzfristigen Planungszeitraums bitten wir Euch so bald wie möglich, aber bis spätestens zum 18. Dezember 2019 als Interviewer*in anzumelden. Die Anmeldung erfolgt per Mail an Kevin Kaisig (SHK Food for Justice): kevin.kaisig[at]fu-berlin.de.

Foto: Aktion Agrar (cc-by, via Flickr)

DirektKonsum trifft KO-Markt | Direkt und solidarisch wirtschaften

bewegung.taz.de - 05.12.2019
13.12.2019, 12:00 Uhr - 14.12.2019, 20:00 Uhr

Hast du keine Lust, mit deinem Einkauf zur Ausbeutung von Mensch und Natur beizutragen? Dann komm vorbei und erkunde den »DirektKonsum« - unseren temporären Markt für solidarischen Handel. Wir zeigen, dass anders Wirtschaften möglich ist. Und wie lecker das sein kann!

Am Samstag, den 14.12., trifft der DirektKonsum auf den KO-Markt, der monatlich stattfindende Kooperations-Markt im Haus der Statistik, eine Mischung aus Tag der offenen Tür, Wochenmarkt, Vorstellung der dortigen Pionieraktivitäten. Ab 17h gibt es das "Weihnachtskonzert ohne Weihnachtslieder" vom Chor der Statistik (geleitet von Bernadette LaHengst).
Weitere Infos zum KO-Markt und dem Haus der Statistik unter: www.hausderstatistik.org.

Im DirektKonsum findest Du Tee und Kaffee, Olivenöl, Nudeln und Tomatensauce, Aufstriche, Kekse, Schokolade,  Zitrusfrüchte, ökologische Reinigungsmittel – alles direkt von den Erzeuger*innen. 

Dieses Mal mit folgenden Direkthandelsinitiativen: Schnittstelle | SoLeKo | die Backstube | SoliOli | Orangen-Initiative Solimondo | SolidariTrade | Gemein & Nützlich Vertriebskollektiv | Flying Roasters

Weitere Infos unter: www.direktkonsum.de

 

PROGRAMM 

13.12. | 17h | Im Gespräch mit Flying Roasters: Wie kommt die Solidarität in den Handel?

Wie kann der Handel so gestaltet werden, dass er auf beiden Seiten der Lieferkette solidarische Strukturen stärkt? Und das nicht nur im regionalen Kontext, sondern auch transnational? Das Kollektiv Flying Roasters betreibt seit einigen Jahren eine Kaffeerösterei und einen Laden hier in Berlin und setzt genau auf eine solche direkte Zusammenarbeit mit den Erzeuger*innen. Kann so eine Partnerschaft dazu beitragen, die Abhängigkeit von Marktpreisen und Zwischenhandel aufzubrechen? Und wie kann trotz Abhängigkeiten zwischen Produzierenden und Vertreibenden eine gleichberechtige Zusammenarbeit gelingen?
An diesem Nachmittag stellen Flying Roasters ihr Projekt vor und diskutieren diese und andere Fragen mit Euch. Mit kleiner Kaffeerunde im Anschluss.


14.12. | Direktkonsum trifft KO-Markt (s.o.)


13. & 14. Dezember | Wandel-Kino mit Filmen rund um solidarisches Wirtschaften in Berlin und Brandenburg

Wie können wir anders - solidarischer und nachhaltiger - leben und wirtschaften? Welche Ansätze gibt es bereits vor Ort, vor unseren Türen? Das Kollektiv imWandel stellt in seinen Kurzfilmen Initiativen aus der Region vor - Projekte solidarischer Landwirtschaft, Direkthandelsinitiativen, Kollektivbetriebe u.v.m. 
 

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Hinter der Antifa-Doppelfahne

bewegung.taz.de - 04.12.2019
07.12.2019, 18:00 Uhr - 07.12.2019

Wann: Samstag, 7. Dezember 19, 18 Uhr

Wo: Horte, Peter-Göring-Str. 25, Strausberg

 

Die Antifa-Fahne hat in den letzten Jahren einen Siegeszug durch die Straßen der Republik erlebt. Spätestens seit dem NSU-Komplex, den Hetzjagden in Chemnitz, dem Mord an Walter Lübcke, den rechtsextremen Netzwerken in Bundeswehr und Polizei, den Rechtsextremist:innen in den Parlamenten ist die Fahne für viele ein Bekenntnis zur Demokratie geworden. Wenn dann #DankeAntifa-Hashtags auf Twitter trenden oder die Fahne zum Symbol schwarzer Blöcke verkürzt wird, bleibt aber meist die Geschichte einer linksradikalen Bewegung vergessen, die hinter der Doppelfahne steht. Denn die Geschichte dieser Bewegung reicht weit zurück und ist keineswegs auf Militanz zu reduzieren. Bereits in den 1920ern  wird Antifaschismus zum Begriff. Wenngleich die Antifa, wie wir sie heute kennen, auf die 1970ern zurückgeht. Am Samstagabend hält Bernd Langer, der selbst seit 1978 in der Bewegung aktiv ist, in der Horte einen Vortrag über ihre Entwicklung. (7. 12., Peter-Göring-Str. 25, Strausberg, 18 Uhr)

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Den Schuss nicht gehört? Rechter Terror, mediale Berichterstattung & behördliches Handeln - Gespräch & Diskussion mit Dirk Laabs

bewegung.taz.de - 03.12.2019
18.12.2019, 20:00 Uhr - 18.12.2019, 22:00 Uhr

Das Jahr 2019 geht zu Ende. In Kassel wurde Walter Lübcke ermordet; in Halle tötete ein rechter Amokläufer zwei Menschen und versuchte die Besucher*innen einer Synagoge auszulöschen; bei weiteren Morden sind rechte Motive nicht auzuschließen.
Journalist*innen haben neue Verästelungen rechter Netzwerke in Polizei, Militär und Geheimdiensten aufgedeckt. Aber statt Auseinandersetzungen und Analysen der (strukturellen) Bedingungen, die rechten Terror ermöglichen, wird nach den Beileids- und Betroffenheitsbekundungen schnell wieder zum Alltagsgeschäft übergegangen.
Mit dem Journalisten, Filmemacher und Publizisten Dirk Laabs ziehen wir Bilanz und sprechen über die Rolle staatlicher Institutionen für aktuelle Entwicklung rechten Terrors. Darüber hinaus diskutieren wir über die Bedeutung von Männerbünden und Antifeminismus sowie über Logiken medialer Berichterstattung über Rechtsterrorismus.

Dirk Laabs ist Journalist & Filmemacher u.a. von „Heimatschutz. Der Staat und die Mordserie des NSU“ sowie „Staatsfeinde in Uniform“

 

 

 

 

 

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Klimaklagen - "Fridays for Future" im Gerichtssaal

bewegung.taz.de - 03.12.2019
10.12.2019, 18:15 Uhr - 10.12.2019, 20:00 Uhr

Der Klimawandel hat sich seit einiger Zeit zum meistdiskutierten Thema in Deutschland und vielen anderen Ländern entwickelt. Grund hierfür sind die zunehmenden Wetterextreme und die Klimaproteste der "Fridays for Future"-Bewegung für besseren Klimaschutz, die seit über einem Jahr jeden Freitag stattfinden. Auch die Bundesregierung hat am 20. September, an dem auch der globale Klimastreik stattfand, ihr Klimaschutzpaket vorgestellt.

Aber reicht das? Für 2020 wird Deutschland seine selbstgesteckten Klimaschutzziele krachend verfehlen. Deshalb haben drei Familien mit landwirtschaftlichen Betrieben gemeinsam mit Greenpeace die Bundesrepublik Deutschland vor dem Verwaltungsgericht Berlin verklagt: Sie wollen die Regierung dazu zwingen, wirksame Klimaschutzmaßnahmen zu ergreifen, um ihre Lebensgrundlage als ökologische Landwirte zu retten. Eine ähnliche Klage war 2015 und 2018 in den Niederlanden erfolgreich.

Am 31. Oktober wies das Verwaltungsgericht Berlin hingegen die Klage als unzulässig ab, lies aber die Berufung explizit zu, was im Verwaltungsrecht nur selten vorkommt. Diese wird nun geprüft.

Unser Referent, der Rechtsanwalt Séverin Pabsch, vertritt gemeinsam mit einer Kollegin die Kläger_innen. Er wird die Gründe und den aktuellen Stand der Klage darstellen und mit uns diskutieren.

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Zusammen haben wir eine Chance

bewegung.taz.de - 02.12.2019
20.02.2020, 19:00 Uhr - 20.02.2020

Do, 20.02.2020
19:00
Mit: Nadiye Ünsal, Ibrahim Arslan und Jasmin Edi

„Für uns war klar: wenn wir allein sind, die machen uns fertig. Aber wenn wir zusammen sind, und nicht allein sind, haben wir eine Chance.“ Gemeinsam mit Aktivist*innen aus der Schwarzen Deutschen Community, Geflüchteten, Nachkommen der „Gastarbeiter“-Generation, einer Mapuche-Aktivistin und Anderen dokumentiert der Film selbstorganisierte antirassistische Bewegungen und Kämpfe in Deutschland seit der Wende. So bringt er bisher nicht erzählte Geschichten und Erfahrungen von rassismusbetroffenen Aktivist*innen zusammen und macht ihr Erbe für heutige Kämpfe sichtbar.

Im Anschluss an den Film sprechen wir mit den Filmemacherinnen und Protagonist*innen.

Die Veranstaltung ist Teil von [in:szene]+

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Who cares?! Ein vielstimmiges Gespräch über das Sorgen

bewegung.taz.de - 02.12.2019
04.02.2020, 19:00 Uhr - 04.02.2020

Di, 04.02.2020
19:00
Mit: Swoosh Lieu – feministisches Performance- und Medienkunstkollektiv, Elisabeth Klatzer – Aktivistin „Sonnenkabinett“ und dem Netzwerk Care Revolution

Sorgearbeit bleibt meist unsichtbar, wird oft schlecht oder gar nicht bezahlt und nicht als Arbeit anerkannt oder wertgeschätzt – obwohl sie unabdingbar für gesellschaftliches Zusammenleben auch innerhalb der kapitalistischen Ökonomie ist. Mehrheitlich von Frauen verrichtet ist sie zudem eng mit Vorstellungen von Geschlechterrollen und Zuschreibungen verknüpft. Wir lauschen den Stimmen von Sorgetragenden und diskutieren mit Künstlerinnen und Aktivistinnen: Warum ist ein gesellschaftlicher Wertewandel in Bezug auf Care nötig? Wie können künstlerische Ansätze und öffentliche Aktionen dazu beitragen? Und wie leben und arbeiten wir eigentlich, wenn die Care Revolution gelingt?

Die Veranstaltung ist Teil von arbeit global

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Wessen Erinnerung zählt?

bewegung.taz.de - 02.12.2019
28.01.2020, 19:00 Uhr - 28.01.2020

Di, 28.01.2020
19:00
Mit: Mark Terkessidis – Autor, Moderation Sonja Collison – Journalistin

Lange vergessen kehrt die deutsche Kolonialperiode in Ländern wie Namibia oder Ruanda in den letzten Jahren in die Öffentlichkeit zurück. In seinem neuen Buch entwickelt der Migrations- und Rassismusforscher Mark Terkessidis Thesen dazu, was dieses Wiederauftauchen für die Bundesrepublik bedeutet und wirft die Frage auf, ob in der „postkolonialen“ Sichtweise nicht auch das deutsche Eroberungsstreben in Richtung Osten eine Rolle spielen müsste.

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Migrant Mama Superstar

bewegung.taz.de - 02.12.2019
23.01.2020, 19:00 Uhr - 23.01.2020

Do, 23.01.2020
19:00
Mit: Manik Chander – Herausgeberin, Moderation Aida Begovic

Das preisgekrönte Buch „Mama Superstar“ porträtiert mit kurzen Geschichten aus dem echten Leben migran-tische Mütter aus der Perspektive ihrer Töchter. Diese Perspektive ist voller Liebe, Schmunzeln und vor allem Bewunderung für die Lebensleistung ihrer Mütter – eine Lebensleistung, für die die Mehrheitsgesellschaft oft noch viel zu wenig Anerkennung übrig hat. Umso mehr Grund die Geschichten dieser Frauen in den Mit-telpunkt zu stellen. „Mama Superstar“ macht genau das – inspirierend, lustig und ehrlich.

Die Veranstaltung ist Teil von [in:szene]+

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Frauen bei der Arbeit – Wo bleibt die Geschlechtergerechtigkeit?

bewegung.taz.de - 02.12.2019
20.01.2020, 19:00 Uhr - 20.01.2020

Mo, 20.01.2020
19:00
Mit: Christa Randzio-Plath – Marie-Schlei-Verein und Marion Böker – Beraterin für Menschenrechte und Genderfragen, Moderation Tanja Chawla – ver.di

Auf der ganzen Welt zeigen sich ähnliche Muster: Frauen arbeiten verstärkt in schlechter bezahlten Be-reichen, leisten Unmengen unbezahlter Familienarbeit, sind oft im informellen Sektor tätig, erreichen seltener Führungspositionen und treffen bei der Entlohnung immer noch auf den Gender Pay Gap. Verantwortlich für diese Ungleichheit sind in erster Linie strukturelle Faktoren, was bedeutet, dass sie nicht durch individuelle Anstrengung überwunden werden kann.

Was braucht es, um diese Ungleichheit zu beenden? Die traditionell geforderte bessere Vereinbarkeit von Erziehungs- und Pflegeaufgaben mit der Erwerbstätigkeit oder Maßnahmen, die dazu beitragen, dass Frauen auf allen Entscheidungs- und Führungsebenen beteiligt sind? Eine 30-Stunden-Arbeitszeitwoche für alle? Unterscheiden sich die Maßnahmen für den globalen Norden und Süden? Und was kann das UN-Nachhaltigkeitsziel 8 „Geschlechtergerechtigkeit“ dazu beitragen?

 

Marion Böker, unabhängige Expertin, seit 2004 Inhaberin der Beratung für Menschenrechte & Genderfragen, Berlin (www.boeker-consult.de). Arbeitet international, regional und national für die defakto Umsetzung von Frauen*/Menschenrechten für Einzelpersonen, Gruppen, NGOs und Organisationen, Verwaltung und Politik gegen Diskriminierungen und Menschenrechtsverletzung durch Training, Beratung, Interventionen oder Einreichung von Beschwerden unter den UN-Menschenrechtsabkommen; berät Gender Budgeting und Friedensprozesse; Mitglieder der Berliner Steuerungsgruppe Gender Budgeting. Vertritt den DFR e.V. in der CEDAW Allianz Deutschland und dem Bündnis 1325 WPS. Ist für die International Alliance of Women (IAW) in der AG feministische Ökonomie der Europäischen Frauenlobby (EWL), seit Mai 2019 Mitglied der EWL- Gender Budgeting Expertinnen Gruppe; ehemalige Stiftungsrätin von filia.die frauenstiftung (2010-2019) und Förderin.

 

Die Veranstaltung ist Teil von arbeit global in Kooperation mit umdenken – Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg, gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung Hamburg.

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