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Updated: 1 hour 31 min ago

International Conference on Cross-Movement Mobilization, April 2017

23.02.2017

Wie kommen soziale Bewegungen zusammen? Wie gelingen gemeinsame Kämpfe? Wie gelingt es geographische, gesellschaftliche oder inhaltliche Unterschiede zu überbrücken? Während soziale Bewegungen in der Vergangenheit oft isoliert untersucht wurden, rückt das Konzept der ‚cross-movement mobilization‘ vermehrt Interaktionen zwischen sozialen Bewegungen und anderen Akteuren in den Fokus.

Gemeinsam mit dem Institut für soziale Bewegungen (Bochum) und dem ISA Research Committee on Social Classes and Social Movements (RC47) organisieren wir eine große internationale Tagung zum ‚Thema Cross-Movement Mobilization‘ vom 05. – 07. April 2017 an der Ruhr-Universität Bochum. Bedingungen für das Entstehen, für Erfolge und Mißerfolge gemeinsamer Allianzen stehen zur Diskussion.  Es gibt insgesamt 19 (!) Panels, viele davon werden von unseren Arbeitskreisen organisiert.

Das endgültige Programm der Konferenz ist nun hier abrufbar.

***More detailed information in English can be found on the conference website***

2. Workshop AK Umwelt + Protest

21.02.2017

Liebe Kolleg*innen,

der Arbeitskreis Umwelt und Protest des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung trifft sich Ende April zum zweiten Mal und freut sich über Interessierte und Neueinsteiger*innen – gerne auch mit Beitrag.

Beim ersten, konstituierenden Treffen des AK Umwelt + Protest im letzten Jahr haben wir gemeinsam festgehalten, dass der Arbeitskreis Umwelt + Protest seine Berechtigung hat. Wir haben uns ein breit gefächertes Themenspektrum einander vorgestellt. Unsere grobe Rundschau der umweltsoziologischen und -politischen Protestforschung zeigte eindrücklich die Relevanz der Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Umweltbewegtem, Transformation und Protest für eine umfassende Gesellschaftsanalyse.

Seit spätestens den letzten fünf Jahren durchläuft die Gesellschaft einen ökologischen Turn, sichtbar an der steigenden Konsumkritik in Ausstattung, Ernährung, Bekleidung und Mobilität, aber vor allem an der Qualität der Protestereignisse rund um das Thema Energie und Klima. Politische und meteorologische Ereignisse liefern sich einen Schlagabtausch. Zunehmende Sturmschäden, den Klimawandel leugnende Präsidenten und damit kokettierende rechtspopulistische deutsche Bewegungen, gegen Staaten klagende Energiekonzerne, ausufernde El Niños, umstürzende Windkraftanlagen und gefeierte Klimagipfel bringen Bewegung in die Bewegungen. Alte Bewegungen wie die Anti-Atom-Bewegung bekommen Kinder, zum Beispiel die Degrowth-Bewegung oder die durch aktivistische Großevents wachsende Dekarbonisierungsbewegung “Ende Gelände“. Legen wir einen zunehmenden und menschengemachten Klimawandel zugrunde, so wird die Unumkehrbarkeit der gesellschaftlichen Resonanz offensichtlich. Auch kann das Tempo des ökologischen Turns noch zunehmen. Das stellt uns als Forscher*innen vor große Herausforderungen:

Der Anspruch einer Gesellschaftsanalyse, die nicht nur reflexiv, sondern auch zeitgeistig Ergebnisse liefert, wird auf die Probe gestellt. Sozialwissenschaftliche Forschung kann vereinzelt schnell und flexibel reagieren. Doch in der Regel ist sie schwerfällig und wird obendrein behindert von langwierigen Finanzbeantragungsprozessen und darüber unbeweglich festgelegten Forschungsschwerpunkten. Wenige kurzfristige Demonstrationsbefragungen mit zum Teil großem ehrenamtlichem Engagement bilden eine seltene Ausnahme in der Bewegungsforschungspraxis. Die Rückkopplung von Forschungsergebnissen in umweltpolitische Diskurse findet nur verhalten statt.

Der Fokus unseres Frühjahrstreffens soll die skizzierte defizitäre Forschungspraxis aber vielleicht auch einige Lichtblicke bilden. Wir möchten uns vor allem auf methodische und forschungspraktische Fragen konzentrieren:

  • (Wie) erforschen wir agile Umweltproteste und damit einhergehende gesellschaftliche Veränderungen?
  • Welche Erhebungsmethoden sind dazu besonders geeignete Werkzeuge?
  • Welchen Organisierungsgrad und welche neuen Tools braucht die Forschungscommunity, um schnelllebige, bundesweite oder internationale neue Umweltbewegungen adäquat zu erforschen?
  • Welche Kanäle nutzen wir zur Rückkopplung unserer Ergebnisse in die Gesellschaft?
  • Bis wohin geht unsere Forschungsneutralität, wenn es dem Planeten an den Kragen geht?

Das nächste Treffen findet am 22. April 2017, ab 10:00 Uhr in der Bibliothek des Göttinger Instituts für Demokratieforschung (Weender Landstraße 14) statt.

Bitte schickt Eure Ideen, Diskussionsanregungen und Fragen auf Grundlage der oben skizzierten Herausforderungen in Form eines kurzen Abstracts (500-1000 Wörter) bis zum 10. März an:

Julia.zilles [at] web.de oder j.ballenthien [at] posteo.de

Viele Grüße aus Göttingen

Jana und Julia

Kolloquium Politik von unten geht weiter

04.02.2017

Das Kolloquium Politik von unten, ein Forum zur Diskussion laufender Arbeiten zu Protesten, sozialen Bewegungen und politischem Engagement geht in die nächste Runde. In der Regel werden im Vorfeld jeder Sitzung Papiere über eine separate Email-Liste verschickt

Am 27. Februar beginnt das Programm mit einer Diskussion zum No-Border-Movement, das Leslie Gauditz an der Universität Bremen mit einer ethnographischen Perspektive auf Kooperationen zwischen neu ankommenden und alteingesessenen Aktivist_innen erforscht. Die Gegenbewegung, die Migration aus völkischen Motiven ablehnt, werden an zwei Terminen thematisiert: am 10. April stellt Lisa Richter ihre Masters-Arbeit zum historischen Erbe von DDR und Wende in den Pegida-Protesten vor. Die Arbeit beruht auf biographischen Interviews mit Pegida-Unterstützer_innen aus dem akademischen Millieu Dresdens. Bei dem darauf folgenden Termin, am 24. April, präsentiert Matthias Hoffmann seine netzwerkanalytische Forschung zu den Verbindungen zwischen Nein-zum-Heim-Seiten auf Facebook. Im Rahmen seiner Dissertation untersucht er Verknüpfungen unter anderem in der Anhängerschaft, in der Deutung der Situation und in der Mobilisierung für Offline-Aktionen.

Corinna Trogisch hat in ihrer Dissertation die Entwicklung des sozialistischen Flügels der türkischen Frauenbewegung rekonstruiert. Das Kapitel zur Geschichte der 1980er Jahre stellt sie unter dem Titel „Zur Geisterstunde“ am 27. März zur Diskussion.

Einen Blick auf die Formierung politischer Identitäten eröffnen Lisa Vollmer (am 22. Mai) und Dimitris Soudias (am 10. Juli). Lisa Vollmer stellt einen Text zur Entwicklung politischer Kollektivität vor, die sie für Mieter_innenbewegungen in Berlin und New York nachvollzogen hat. Dimitris Soudias widmet sich den rebellischen Subjektivitäten, die in den griechischen Krisenprotesten vom Syntagma-Platz zu beobachten waren.

Der Kontext von Protestmobilisierungen wird an zwei Terminen näher beleuchtet. Zuerst diskutieren Peter Ullrich und Philipp Knopp ihre Erkenntnisse aus Gruppendiskussionen zur Videoüberwachung auf Demonstrationen. Am 13. März liegt der Fokus auf den Reaktionen der Betroffenen aus dem linken und rechten Protestspektrum. Kurz vor den erwartbar großen Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg, am 26. Juni, stellen Dieter Rucht, Moritz Sommer und Simon Teune erste Ergebnisse des Forschungsprojektes „Medienberichterstattung zu Großdemonstrationen“ vor. Die Analyse kombiniert eine quantitative und qualitative Inhaltsanalyse zur Berichterstattung über sieben große Protestereignisse mit Interviews, die das Team mit Journalist_innen geführt hat.

An einem Termin setzt das Kolloquium die Reflektion der gesellschaftlichen Rolle der Bewegungsforschung fort. Wir diskutieren am 12. Juni einen Impuls von Jean Peters vom Peng-Kollektiv zur Frage, wie sich Wissenschaft in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen positionieren sollte.

Das Kolloquium findet 14-tägig Montags von 17.30-19.00 Uhr im Zentrum Technik und Gesellschaft statt (Hardenbergstraße 16-18, Berlin-Charlottenburg, Raum 6.06). Ein Überblick über das Programm findet sich auf der Seite des Arbeitskreises soziale Bewegungen der DVPW.

Call for Contributions: Conference „Violence as Politics?“

03.02.2017
International Conference, 19-20 May 2017, Berlin, Organizers: Working Group Riots within the Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb)

“Riots” continue to make headlines in the media, usually as a violent reaction to occurrences of police brutality, or in the context of broader political protest and movement mobilizations as, for example, in demonstrations turning violent or movements applying both violent and non-violent forms of action as given in the context of the “Nuit Débout” protests directed against the labour market reforms 2016 in France. However, all too often the notion of “riots” is used in a seemingly self-evident way, leaving more questions than answers. While there have arguably been new developments in conceptualizing and studying riots in recent scientific publications, this critical observation still holds true not only for discourses on riots in the mass media, but also for many scientific contributions dealing with riots in one way or the other.

Apart from describing clashes with the police, sometimes involving attacks on private or public property, looting or arson, there is no shared definition of the term “riots”, nor is there an agreement on how to study riots, their effects concerning social change or processes of political subjectivation. With its focus on durable organizational frameworks and long-lasting processes of mobilization, the research on social movements often excludes the seemingly spontaneous, unorganized and violent forms of action. The fact that rioters may not always articulate their demands in conventional ways, like offering messages and claims on signs and leaflets, seems to further interfere with their inclusion into Social Movement Studies. On the other hand, when riots are addressed through the lens of collective violence, they are often dealt with as one form of violent group behavior among others, thereby disregarding the specific motivational and structural aspects regularly involved in the emergence of riots. Therefore, both Social Movement Studies as well as research on (collective) violence often still exclude riots as a subject of research, or they tend to describe riots as somehow apolitical phenomena. Even when social inequality is acknowledged as a causal factor, studies often describe riots as a fatalistic reaction to social circumstances and living conditions, thus failing to recognize rioters as political subjects and the processes of political subjectivation involved.

Following up on the Riot-Workshop series of the Arbeitskreis Riot (AK Riot) at the Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) in Berlin, we are pleased to invite you to the 6th workshop as part of the international two-day conference “Riots. Violence as politics?”.

We want to discuss with you riots as a concept and phenomenon and therefore give room for presentations of your research regarding riots. We would like to invite you to send us a short proposal for a presentation on the following (or related) questions:

The pros and cons of the term “riot”
The term “riot” contains the terminological danger of unifying social phenomena that differ in their forms, contents and backgrounds. Against this backdrop, the term “riot” can be put into question: is the term as such scientifically capable of grasping forms of protest that are outside established forms of political articulation? Or would it be more reasonable to abandon the notion of “riots” and adopt other terminological concepts such as “collective violence”? For example, it could be argued that reading riots as a form of collective violence refers to a comparably low common denominator of different social phenomena, but avoids transgressing historical and contextual specificities and differences.

Riots and violence
What is the role of violence in riots? How can we understand different forms of violence in relation to riots? How can violence be conceptualized as a form of action? Can violence in the context of riots be understood as a means of communication? What role do violent actions play for the representation of riots in the public discourse?

Riots and political subjectivation
Why do people participate in riots? Are riots to be understood as a rejection of representational forms of political involvement? Are riots even political at all? What kind of political subjectivity do riots presuppose? How do they affect or constitute processes of political subjectivation?

Riots and social movements
How can we understand and conceptualize the relation between social movements and riots? How can riots be fruitfully included in Social Movement Studies? Can riots be a starting point for the formation of more organized and lasting collective actors? How do social movement organizations position themselves in relation to riots and other forms of violent action?

We warmly welcome presentations of your research projects, bachelor or master theses, PhD chapters or proposals, article drafts or other scientific work in progress. If you want to present and discuss your work and ideas, please submit your proposal (1-2 pages) to riot_workshop(at)riseup.net until 15 March 2017. The workshop as well as the conference will be held in English, so both your proposal or draft paper as well as the presentation should be in English. In order to have enough time to discuss all contributions, your presentation should not exceed 20 minutes.

If you would like to participate without holding a presentation, please let us also know until 31 March 2017. In case you have any questions, please do not hesitate to contact us. We are looking forward to hearing from you!

Janna Frenzel, Philippe Greif, Fabian Klein and Sarah Uhlmann
(Organizational team / AK Riots )

In cooperation with
Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb), Berlin
Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG), TU Berlin

Funded by

Hans Böckler Stiftung

Download: Call as pdf document

Foto: Erwan Corre (cc-by-sa 4.0)

Stelle in ipb-Projekt: Reaktionen auf Asylunterkünfte

23.01.2017

In dem im ipb entwickelten und an der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung angesiedleten Forschungsprojekt „Willkommen oder beschimpft? Eine vergleichende Studie der Reaktionen auf Unterkünfte für Asylsuchende“ ist zum 1. März eine Doktorand_innenstelle (3 Jahre, 50% E13 TV-H) zu besetzen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt ist Teil der Nachwuchsgruppe „Konflikt und soziale Bewegungen“ von Dr. Priska Daphi. Bewerbungsschluss ist der 12. Februar 2017. Die Ausschreibung findet sich auf der Webseite der HSFK.

Umgehen mit Rechtspopulismus. Bericht von der ipb-Jahrestagung 2016

12.12.2016

„Rechtspopulismus als Bewegung?“ hat das Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) als Thema seiner Jahrestagung 2016 gewählt. Aus bewusst sehr unterschiedlichen Richtungen wurde das Thema auf der Tagung am 25. November 2016 diskutiert. Neben der Wissenschaft kamen auch Politik, Journalist_innen und die Veranstalterin eines Kunstprojekts zu Wort. Mit der „Alten Kantine“ in Berlin Wedding ermöglichte der Veranstaltungsort eine intensive gemeinsame Diskussion, begrenzte allerdings auch die Zahl der Teilnehmer_innen auf ca. 80, während das Interesse an der Tagung sehr viel größer war.

Das Thema könnte kaum aktueller sein, kurz nach der Wahl von Donald Trump zum neuen Präsidenten der USA. Doch in seinem Eingangsreferat erinnert Roland Roth an die lange Zunahme von Rechtspopulismus in verschiedenen europäischen Ländern, etwa Italien, Österreich, Ungarn, Polen, und Frankreich.

Diskussionen über das Konzept des Rechtspopulismus prägen die gesamte Tagung. Kern des Konzepts ist die Behauptung eines Aufbegehrens von „dem Volk“ gegen „die Elite“. Dabei wird dann von den Rechtspopulist_innen definiert, wer diesem „Volk“ angehören soll. Roland Roth (ipb, Institut für demokratische Entwicklung und soziale Integration) nennt ein rückwärtsgewandtes Programm als typisch. Die Arbeit mit Ressentiments macht die Ideologie resistent gegen Fakten. Rechtspopulisten wenden sich typischerweise an (vermeintlich) Abgehängte oder Ausgegrenzte und fordern selbst Ausgrenzung. Dieter Rucht (ipb, WZB) ergänzt die wenig bestimmten politischen Positionen zum Markenzeichen des Rechtspopulismus. Er unterscheidet idealtypisch Rechtspopulismus von Rechtsradikalismus und Rechts-Terrorismus. So lassen sich die realen Mischformen klarer bezeichnen. Während beim Rechtsradikalismus und Rechts-Terrorismus Menschenwürde, Gleichheitsprinzip und repräsentativ-liberale Demokratie abgelehnt werden und der ethnozentristische Nationalismus von großer Bedeutung ist, sind all diese Positionen beim Rechtspopulismus ambivalent. Klar festgelegt ist der Rechtspopulismus nach Ruchts Verständnis bei der Ablehnung von Eliten und ihrer Abgrenzung vom eigentlichen „Volk“.

Wyn Tiedmers ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz." src="https://protestinstitut.eu/wp-content/uploads/2016/12/jt16_graphic-recording_web-kleiner-38x55.jpg" data-big="https://protestinstitut.eu/wp-content/uploads/2016/12/jt16_graphic-recording_web-kleiner-716x1024.jpg">

Bei der Diskussion um Ursachen des Rechtspopulismus bezieht sich Wilhelm Heitmeyer (Uni Bielefeld) auf seine Publikation „Schattenseiten der Globalisierung“ (2001, Suhrkamp). Dort machte er Emotionalisierung, aggressive Sprache und inkonsistente Themen bei den Rechtspopulisten aus, während damals Antisemitismus ein wesentlicher Bestandteil war, der heute keine zentrale Rolle mehr spielt. Im Zentrum stand und steht heute die Verletzung der Grundnorm einer Gleichwertigkeit von Menschen. Die wirtschaftliche Globalisierung und ihre Nebeneffekte sind nach seiner Einschätzung mit Ursachen für den Rechtspopulismus. Roland Roth stellt drei Erklärungen gegenüber: 1. Hans-Dieter Klingemanns Ansicht, wonach Rechtspopulismus eine „normale Abweichung“ in Demokratien ist. 2. Die These der „ausgezehrten Demokratie“, also einer Verfallserscheinung von Demokratien. 3. Die Ausbildung einer neuen Konfliktlinie zwischen Befürwortern einer transnationalen Öffnung und den Befürwortern einer nationalen, kulturellen Schließung (vgl. die Arbeiten von Kriesi) als Folge der Globalisierung. Dieser dritten Variante gibt er den Vorzug.

Medien tun sich schwer im Umgang mit Rechtspopulisten und insbesondere Pegida mit seinen Ablegern. Axel Hemmerling (MDR) und Astrid Geisler (Zeit online) beschreiben die Ambivalenzen, wenn es darum geht, das Phänomen in seiner Dramatik wahrzunehmen und gleichzeitig zu vermeiden, den Rechtspopulist_innen unangemessen viel Raum zu bieten. Alice Lanzke (Neue deutsche Medienmacher) plädiert für mehr Journalist_innen mit Migrationshintergrund, um die Perspektivenvielfalt zu erhöhen. Tino Heim (TU Dresden) berichtet aus seiner Studie über die mediale Bearbeitung von AfD und Pegida (2016, Springer). Üblicherweise werden in der Berichterstattung die Organisatoren als besonders Überzeugte abgegrenzt von den „verführten“ sonstigen Teilnehmer_innen.

Bei der Frage nach einem Dialog mit Anhänger_innen des Rechtspopulismus und Vertreter_innen der AfD fordert Alexander Leistner (DJI), sich nicht in die Polarisierungsdynamik der Rechtspopulisten drängen zu lassen. Klaus Lederer (Linkspartei Berlin) berichtet von einem Strategiewechsel weg von einer Ausgrenzung hin zur Auseinandersetzung. Damit einher geht das neue Nachdenken über eigene Positionen und eigene Blindstellen.

Das abschließende Panel wendet sich dem Thema Gewalt zu. Im Rechtspopulismus kommt es zu einer strategischen Kombination von Gewalt und seriöser Politik, wobei die Gewalt Aufmerksamkeit garantiert. In den letzten Jahren lässt sich eine Radikalisierung von Sprache und Handlungen beobachten. Auch Einschüchterungen bei öffentlichen Terminen, in der Politik oder vor Gericht, gehören zum Repertoire. Berichte aus der Arbeit mit Betroffenen von rechter Gewalt machen die Dramatik der Situation deutlich.

Rechtspopulismus stellt die Wissenschaft vor neue Herausforderungen. Ein neues Feld von Bewegungen (oder eine breit umspannende Bewegung) hat sich herausgebildet. Wie Dieter Rucht unterstreicht, benötigen wir in diesem Feld eine breite, kontinuierliche wissenschaftliche Beobachtung, die über die zahlreichen aktuellen beschreibenden Studien hinaus den Rechtspopulismus, seine Facetten und seine Dynamik verständlich machen.

Jochen Roose, Universität Wroclaw, ipb

Das Graphic Recording der ipb-Jahrestagung 2016 von Wyn Tiedmers ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

„Wir brauchen einen realistischen Blick auf Möglichkeiten und Grenzen des Engagements“

07.12.2016

Trotz hoher Kosten bei veralteten und nicht mit früheren Studien vergleichbaren Daten ist die Kritik am jüngsten Freiwilligensurvey verhalten geblieben. Thomas Leif interviewte dazu ipb-Forscher Roland Roth, 2004 selbst Mitglied der Expert_innengruppe des zweiten Freiwilligensurveys. Das Interview erschien zuerst am 6. Dezember in der tageszeigung. Wir veröffentlichen es hier mit freundlicher Genehmigung der beiden Beteiligten.

Thomas Leif: Der jüngst erschienene, neue Freiwilligen-Survey hat Jubel bei Politikern und etablierten Verbandsvertretern ausgelöst. Zwischen 2009 und 2014 hat sich die Engagement-Quote von 35,9 Prozent auf 43,6 Prozent erhöht. Wie kam es zu dieser gewaltigen Ehrenamts-Vermehrung?

Roland Roth: Dies hat vermutlich wenig mit der Realität zu tun, sondern beruht vor allem auf veränderten Berechnungsgrundlagen:

  • der Fragezeitraum wurde ausgedehnt,
  • die Standards für Tätigkeiten, die als freiwilliges Engagement gelten sollen, wurden abgesenkt,
  • erneut wurde der Bildungsbias nicht bereinigt, d.h. bei denen, die geantwortet haben, sind die Bessergebildeten und damit die stärker Engagierten deutlich überrepräsentiert – allein diese notwendige und unkomplizierte Operation hätte die vom DZA gemessene Engagementquote um mindestens 2 Prozent reduziert

Im gleichen Zeitraum soll die Zahl der Engagierten von zuvor 24 Millionen auf knapp 31 Millionen gestiegen sein. Explodierende Engagement-Zahlen einerseits – und lautes Klagen der Initiativen vor Ort: wie passt das zusammen?

Gar nicht! Die Zahlen des DZA haben mehr mit „Science Fiction“ als mit „Science“ zu tun. Es wird zwar im Detail immer strittig bleiben, was als „freiwilliges“ oder gar als „bürgerschaftliches Engagement“ zu werten ist. Auch die Enquete-Kommission des Bundestages hat sich für einen weiten Engagementbegriff eingesetzt, der über das klassische Ehrenamt hinausgeht. Aber der FWS 2014 hat die Grenzen zwischen freiwilligem Engagement und anderen gemeinschaftlichen Aktivitäten wohl weitgehend eingeebnet, wenn nun auch das Kicken im Park oder das Wandern und Chorsingen im Altenverein, wie im Bericht geschehen, als Beispiele für freiwilliges Engagement aufgeführt werden.

Wo sehen sie die methodischen Defekte des neuen Surveys, den das zuständige Ministerium ja erstmals beim „Deutschen Zentrum für Altersfragen“ in Auftrag gegeben hat?

Das überwiegend psychologisch ausgebildete Autorenteam ist stolz auf seine methodische Präzision. Aus dessen Sicht sind die Vorgänger-Surveys methodisch unzulänglich und sie korrigieren sogar nachträglich deren Engagementquoten. Damit entwertet das DZA-Team die zurückliegenden Surveys – und damit die Arbeit von einigen Dutzend Wissenschaftlerinnen und Experten – und tritt deren Ergebnisse in die Tonne. Mit der vom DZA vorgenommenen Korrektur der Engagementquoten werden ja auch zahlreiche der inhaltlichen Aussagen der früheren Surveys obsolet.

Aus meiner Sicht haben die DZA-AutorInnen, die sich ja überwiegend zum ersten Mal mit dem Thema Engagement beschäftigt haben, methodisch exakt das Thema verfehlt, wenn sie den geneigten LeserInnen mitteilen, dass z.B. Freiwilligkeit keine Rolle mehr spiele und gleichzeitig auf einen schulischen Pflichtkanon im Engagementlernen verweisen, der die spektakulären Steigerungen im Engagement Jugendlicher erklären soll. Wer, wie das DZA-Team, jedes Nachdenken über den Gemeinwohlbezug freiwilligen Engagements mit dem Hinweis einstellt, das sei zu schwierig und zu kontrovers, muss sich fragen lassen, wozu Wissenschaft dann eigentlich da ist. Nicht erst seit „Pegida“ und den gewalttätigen Aufmärschen gegen Geflüchtete und Aktionen „Fremde“ sollte klar sein, dass die großen gesellschaftlichen Erwartungen, die mit dem freiwilligen Engagement üblicherweise verbunden werden und seine staatliche Unterstützung rechtfertigen (sozialer Zusammenhalt, demokratische Kultur, ziviler Umgang), keineswegs für alle freiwilligen Aktivitäten beansprucht werden können. Ein normativ gereinigtes Zahlenwerk hilft hier nicht weiter und die großen Fallzahlen enthalten womöglich ein anwachsendes unziviles Engagement, das kein Anlass zur Freude sein kann.

Zudem sind die Zahlen ja schon wieder „alt“ – die Befragung reicht nur bis 2014 und hat das angeblich große Engagement im Zuge der Flüchtlingshilfe nicht einmal erfasst?

In der Tat liegen zwischen den Erhebungen und der Veröffentlichung des FWS 2014 fast zwei Jahre. Das ist bei einem Survey, der alle fünf Jahre erscheinen soll, eindeutig zu lange und war bei den Vorgängern auch nicht der Fall. Der FWS 2014 hatte dieses Mal zudem das Pech, von den Ereignissen des Jahres 2015 überrollt worden zu sein. Verschiedene Studien sprechen davon, dass sich seit dem Herbst 2015 mehr als 10 Prozent der Bevölkerung für Geflüchtete eingesetzt habe, mehr als die Hälfte davon zum ersten Mal. Wir haben selbst im Februar 2016 eine Kommunalbefragung durchgeführt, in der das freiwillige Engagement der Bevölkerung als die mit Abstand wichtigste kommunale Ressource in der Flüchtlingspolitik angegeben wird. Über die Rückwirkungen auf andere Engagementfelder wissen wir wenig. Mit dem unerwartet starken Engagement für Geflüchtete, aber auch den regional sehr heftigen Gegenmobilisierungen ist eine politische Polarisierung eingetreten, die nicht nur der AfD zu ungeahnten Wahlerfolgen verholfen hat, sondern auch die Zivilgesellschaft aufgemischt hat. Wir brauchten dringend eine Zwischenbefragung, die präzisere Informationen über die aktuelle Verfassung der Zivilgesellschaft und des freiwilligen Engagements bietet.

Warum ist es für die Bundesregierung gut, wenn Deutschland mit 43,6 Prozent als Paradies für freiwilliges Engagement verkauft werden kann?

Ich bin mir nicht sicher, ob die großen Zahlen für irgend jemanden gut sind, wenn sie eher „postfaktischen“ Charakter haben. Auf den ersten Blick können sich Bund und Länder in ihrer Engagementpolitik bestätigt sehen – sogar die Bundesländer die fast gar nichts getan haben. Dennoch fiel der Jubel eher verhalten aus, bieten doch die guten Zahlen auch die Möglichkeit, Engagementpolitik einzustellen. Immerhin macht der FWS 2014 jenseits hoher Quoten noch einmal deutlich, wie sehr die Chance, Bereitschaft und Fähigkeit zum Engagement vom sozialen Status und vom Bildungsniveau abhängig ist – gesellschaftliche Ungleichheiten, die durch Engagementpolitik allein wohl kaum überwunden werden können.

Hinter den Kulissen räumen zumindest einige Ländervertreter ein, dass sie den neuen Freiwilligen-Survey für „unbrauchbar“ halten. Sie können mit den Jubelzahlen auf Länderebene nichts anfangen. Früher wurden stets separate Länderauswertungen gemacht.

Es gibt sie ja auch dieses Mal, sie gehen wohl aber über eine deskriptive Statistik kaum hinaus. In früheren Länderauswertungen wurde zumindest der Versuch gemacht, auf die Besonderheiten des jeweiligen Landes und seiner Engagementkultur einzugehen. Solche Hinweise werden wohl vermisst, obwohl die beteiligten Länder erheblich in die Studie investiert haben.

Der neue Survey ist von der Anlage mit den Vorgängerstudien nicht vergleichbar. Das heißt: sinnvolle Zeitreihen-Vergleiche über die Jahre sind nicht mehr möglich.

Darin sehe ich das größte Ärgernis. Sicherlich gab es auch an den drei Vorgängersurveys berechtigte Kritik, aber sie haben zumindest Entwicklungen im Engagement kenntlich machen können. Auch wenn sich das Autorenteam verbal in diese Tradition stellt, tut es doch viel für einen methodischen Bruch und ist auch stolz darauf. Es gibt keine sinnvolle Möglichkeit die Daten des FWS 2014 mit denen der Vorgänger zu vergleichen und Entwicklungen zu beschreiben.

Wie erklären sie sich diesen Dilettantismus?

Darüber könnte ich nur spekulieren. Aber offensichtlich gibt es ein Kontrollversagen der zuständigen Unterabteilung im BMFSFJ. Der Bericht hätte in dieser Form, die keinen sinnvollen Bezug zu den früheren Surveys ermöglicht und damit den Auftrag eines Surveys verfehlt, längere Zeitreihen zu ermöglichen, nicht akzeptiert werden dürfen.

Dafür wurden mehr als zwei Millionen „spendiert“, fast doppelt so viel wie bei den Vorgänger-Untersuchungen.

Hinzu dürften ja noch die Mittel der Bundesländer gekommen sein – wahrlich ein fetter Brocken.

Die offiziellen Ehrenamts-Organisationen wie etwa der Dachverband BBE schweigen zu diesem „Skandal“. Warum?

Es ist in der Tat auffällig, dass Kritik doch eher verhalten geäußert wird. Nur viele der Kolleginnen und Kollegen, die an den früheren Surveys beteiligt waren, sind entsetzt. Das Gros der Fachleute schüttelt den Kopf, andere verfolgen eingeschüchtert einen „Methodenstreit“. Dies liegt sicherlich auch an der komplizierten Materie, die mehr als ein sozialwissenschaftliches Grundstudium erfordert. Es wäre zu wünschen, dass die Ehrenamtsorganisationen stärker auf ihre eigenen Erfahrungen vertrauen und diese in der Debatte zur Geltung bringen.

Insider sagen, dass 80 Prozent der Ehrenamtsstrukturen vom Steuertopf des Staates abhängen. Ist das ein Grund für diese Omerta?

Es gibt sicherlich kein Schweigegelübde, aber es ist bisher nicht gelungen, angemessene Finanzierungsformen für die Engagementpolitik zu entwickeln. Es gab von den Verantwortlichen des Ministeriums in dieser Legislatur einen zukunftsorientierten Vorschlag für eine Engagementstiftung, in der auch die Zivilgesellschaft selbst – analog zur Bundeskulturstiftung – über Förderschwerpunkte und die öffentliche Mittelvergabe zumindest mitentscheidet – leider ohne Erfolg. Dies ist für eine selbstbewusst auftretende Zivilgesellschaft sicherlich nicht förderlich. Die direkte Abhängigkeit von öffentlichen Mitteln begünstigt leider eine Kultur, in der Kritik oft nur hinter vorgehaltener Hand vorgetragen wird.

Zum Konstruktiven: Können die PR-Zahlen zum Engagement durch eine Neubearbeitung und Neugewichtung – also durch nachvollziehbare Korrekturen auf der Basis der Erhebung- realistisch angepasst werden?

Dies wäre im Sinne einer verlässlichen Zeitreihe sicherlich möglich und sinnvoll. Allerdings sind damit erhebliche Kosten verbunden. Dass dafür öffentliche Mittel (erneut) eingesetzt werden, ist unwahrscheinlich. Private Akteure und Stiftungen haben an den veralteten Daten des FWS 2014 kein Interesse.

Welche andere Lösungen dieser Form der regierungsamtlichen Aufwertung des Engagements haben Sie?

Ich habe nichts gegen eine Aufwertung des Engagements, wenn sie nicht „postfaktische“ Züge annimmt. Wir brauchen dringend einen realistischen Blick auf die Möglichkeiten und Grenzen zivilgesellschaftlichen Engagements. Dazu gehört ein nüchterner Blick auf die weltweit zu beobachtende Zangenbewegung von Staat und Markt, die den Raum der Zivilgesellschaft einschränkt. Zivilgesellschaft droht dabei – trotz aller gegenteiligen Bekundungen – zum Ausfallbürgen in Gestalt einer Mitleidsökonomie zu werden (s. „Tafeln“, aber auch Teile der „Flüchtlingshilfe“).

Ein idealer Survey: wie müsste so eine Befragung aussehen? Welche Erkenntnisse wären produktiv für die Analyse und Steuerung des Engagements vor Ort?

Warum nicht den Versuch einer partizipativen Bestandsaufnahme „von unten“ im Sinne von Citizen Science starten? Wir haben genügend Beteiligungsformate (Bürgerforen, BürgerInnenräte, Zukunftskonferenzen), die dezentral aufgestellt, dazu beitragen können, ein realitätsnahes und facettenreiches Bild des Engagements zu erhalten – und sich nicht von methodischen Entscheidungen eines Forschungsteams abhängig zu machen.

Ihre aktuelle Einschätzung: was brauchen die Ehrenamtlichen vor Ort wirklich an konkreter Unterstützung?

Wir benötigen generell Unterstützungsmodelle, die den Engagierten vor Ort möglichst große Gestaltungsmöglichkeiten einräumen. Fonds und Budgets, die es bereits in einigen Bundes- und Landesprogrammen gibt, können dazu beitragen, dass öffentliche Mittel nicht im Sinne staatlicher Steuerung eingesetzt werden, die den Eigensinn des Engagements untergräbt. Natürlich müssen sie transparent und demokratisch gestaltet werden. Es braucht Vernetzungen der neu Engagierten und der etablierten Verbänden, damit gemeinschaftlich „kollaborativ“ ein Engagementfeld gestaltet werden kann. Aber dies sind nur Beispiele.

Zusammengefasst: Die Feuerwehren klagen über die Auszehrung des Ehrenamts; Sport-Trainer werden händeringend gesucht, auch die Flüchtlingshilfe sucht Kräfte, die auf Dauer anpacken. Warum lässt die Bundesregierung vor dieser Kulisse verbreiten, dass fast jeder zweite in Deutschland ehrenamtlich engagiert sein soll?

Die Neigung zu Hochglanz, zu postfaktischer Selbstdarstellung ist keine Erfindung von Donald Trump.

Foto: Auch Chorsingen gilt seit dem Freiwilligensurvey 2014 als Engagement: Gotthilf Fischer und Chor (Screenshot RTL)

Zwischenergebnisse im Projekt ViDemo

06.12.2016

Das Projekt ViDemo, welches sich mit Videoüberwachung von Demonstrationen befasst, befindet sich nun in seiner Abschlussphase. In der letzten Zeit entstanden mehrere Publikationen, u.a. jüngst ein Blick auf die prekäre Beziehung von Versammlungsrecht und Polizeipraxis nach der Föderalismusreform („Versammlungsfreiheit versus polizeiliche Kontroll- und Überwachungspraxis“, von Clemens Arzt und Peter Ullrich 2016). Demnächst werden weitere Beiträge folgen. Um die polizeilichen Sichtweisen auf Protestierende geht es in „‚Normalbürger‘ versus ‚Krawalltouristen’“ im Band „Polizei und Minderheiten“ der Empirischen Polizeiforschung. Einblick in die Erfahrungen aus der Praxis der Polizeiforschung behandelt der Aufsatz „Polizei im/unter Protest erforschen. Polizeiforschung als Entdeckungsreise mit Hindernissen“ in einem von Christiane Howe und Lars Ostermeier herausgegebenen Grundlagenband über „Reflexive Polizeiforschung“. Außerdem wurde in dem Aufsatz „Kampf um die Bilder“ der konflikthafte und ambivalente Prozess der Einführung von Videoüberwachung auf Demonstrationen in Österreich untersucht. Die Autoren Phillip Knopp und Peter Ullrich betonen dabei besonders, wie sich Überwachung und Gegenüberwachung aufeinander beziehen und gegenseitig verstärken können.
Zentrale Projektergebnisse werden am 14.12.16 im Kolloquium Techniksoziologie am Institut für Soziologie der TU Berlin (18 Uhr, Fraunhoferstr., FH 919), und am  17./18.12.16 an der Universität Bielefeld und an der Katholischen Universität Eichstätt unter dem Titel „Videoüberwachung von Demonstrationen und polizeiliche Definitionsmacht. Zum fiktionalen Charakter der Rechtsgesteuertheit im Protest Policing“ vorgestellt.

 

Literaturangaben der jüngsten Veröffentlichungen:
Arzt, C., & Ullrich, P. (2016). Versammlungsfreiheit versus polizeiliche Kontroll- und Überwachungspraxis. vorgänge. Zeitschrift für Bürgerrechte und Gesellschaftspolitik, 55(1), 46–60.
Ullrich, P. (2017). „Normalbürger“ versus „Krawalltouristen“. Polizeiliche Kategorisierungen von Demonstrationen zwischen Recht und Soziologischem Ermessen. In Polizei und Minderheiten (Empirische Polizeiforschung, Bd. XX). Frankfurt: Verlag für Polizeiwissenschaft (im Druck).
Ullrich, P. (2017). Polizei im/unter Protest erforschen. Polizeiforschung als Entdeckungsreise mit Hindernissen. In C. Howe & L. Ostermeier (Hrsg.), Polizei und Gesellschaft. Transdisziplinäre Perspektiven zu Methoden, Theorie und Empirie reflexiver Polizeiforschung. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften (im Druck).
Knopp, P., & Ullrich, P. (2016). Kampf um die Bilder. Videoüberwachung und Gegenüberwachung von Demonstrationen in Österreich. Juridikum. Zeitschrift für Kritik, Recht, Gesellschaft, (4) (im Druck).

Proteste akademischer Prekärer – Ansätze und Hindernisse

29.11.2016

Es steht schlecht um die Beschäftigten im akademischen Mittel- und Unterbau deutscher Universitäten: befristet, Teilzeit, unbezahlt, prekär. Das Thema wird in den deutschen Medien viel diskutiert, auch der IPB-Forscher Peter Ullrich hat einiges zum Thema geschrieben. Er analysiert in verschiedenen jüngeren Publikationen die Situation und fragt nach den Bedingungen, unter denen sich Protest und Widerstand derzeit nur recht zögerlich zu formieren scheint. Als hinderlich für die Mobilisierung trotz allgemeiner Unzufriedenheit der Betroffenen analysiert Ullrich ein Zusammenspiel aus individualisierenden und von extremer Konkurrenz geprägten Strukturen einerseits, sowie dazu passenden, wenig widerständigen Subjektiven und gering ausgeprägter Konfliktfähigkeit der Betroffenen andererseits.

Ein umfangreicher Artikel erschien u.a. in undercurrents und der „Soziologie“. Eine kompakte Zusammenfassung der Situation ist in der Wochenzeitung „jungle world“  auch online verfügbar.

CfP: Industrielle Beziehungen und soziale Bewegungen

26.11.2016

In den letzten Jahren wurde in den industriellen Beziehungen das Zusammenspiel von Gewerkschaften und sozialen Bewegungen wiederentdeckt. Nicht wenige Beobachter*innen sehen entsprechende Allianzen gar als Kernelement einer Gegenbewegung im Kontext aktueller wirtschaftlicher und politischer Krisendynamiken. Eine umfassende Analyse der Beziehungsgeflechte, sowie eine Integration der industriellen Beziehungs- und der Bewegungsforschung kommt bisher aber noch zu kurz. Sabrina Zajak (ipb & Ruhr Universität Bochum) und Britta Rehder (Ruhr Universität Bochum) nehmen dies als Anlass für ein Schwerpunktheft zum Thema ‚Industrielle Beziehungen und soziale Bewegungen’. Mögliche Beiträge umfassen die Themen TheorieintegrationKooperation und Konflikt zwischen Gewerkschaften und Bewegungen oder Soziale Bewegungen und betriebliche Arbeitsbeziehungen. Den vollständige Call for Papers gibt es hier zum Download.

Deadline für Abstracts ist der 20.01.2017.

Titelfoto: Protest gegen Stellenstreichungen bei France Television im November 2013, Philippe Leroyer (CC BY-NC-ND 2.0)

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Das Institut für Protest- und Bewegungsforschung hat eine ausführliche kommentierte Linkliste zur deutschen Bewegungsforschung zusammengestellt: http://protestinstitut.eu/uber-das-institut/ressourcen/

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