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Updated: 18 min 33 sec ago

Der AK Umwelt und Protest auf der Konferenz Cross-Movement Mobilizations

11.04.2017

Moving Boundaries – Building Bridges. The Remaking of the Environmental Movement?

In den vergangenen Jahren erleben wir eine Reihe neuer Entwicklungen in Umweltbewegungen auf lokaler, nationaler und transnationaler Ebene. Hierzu gehört neben neuen Vernetzungsprozessen und Handlungsformen auch eine zunehmende Verbindung unterschiedlichster Themenfelder, die vormals häufig getrennt diskutiert wurden, wie Klimawandel, Naturschutz, Wirtschaft, Landwirtschaft, Menschenrechte und Gesundheit. Zahlreiche Initiativen sind – gerade auf lokaler Ebene – neu entstanden.

Im Rahmen der „International Conference on Cross-Movement Mobilization“, die vom 5.-7.April an der Ruhr-Universität in Bochum stattgefunden hat, haben wir daher in zwei Panels die Gelegenheit genutzt, diese Entwicklungen einer genaueren Betrachtung zu unterziehen: Wann und wie kommt es zu neuen Vernetzungsprozessen sowie einer Verschiebung beziehungsweise Erweiterung der Diskurse und welche Herausforderungen stellen sich hierbei? Inwiefern sind neue Strategien und Handlungsformen beobachtbar? Was sind die Motivationen und Ziele gerade hinter neueren Projekten? Und schließlich, wie können wir – angesichts einer wachsenden Vielfacht und Komplexität der beobachteten Phänomene – die Charakteristika von Umwelt- und Klimabewegungen beschreiben?

Die Panelbeiträge zeigten die Vielfalt der diskursiven Entwicklungen. So entstehen gerade im Zusammenhang der Energiewende in Deutschland neue Konflikte auf lokaler Ebene zwischen Klimaschutz und Landschaftsschutz (Beitrag Bleta Arifi), während auf transnationaler Ebene sowie in zahlreichen lokalen Initiativen Fragen des Klimaschutzes zunehmend mit Diskursen globaler und sozialer Gerechtigkeit verbunden werden (Beitrag Romina Ranke). Bemerkenswert ist hierbei, dass auch Projekte, die stark auf der lokalen Ebene verwurzelt sind, ihr Handeln dennoch diskursiv explizit mit globalen Herausforderungen verknüpfen und sich als Teil einer transnationalen Bewegung verstehen. Hierzu zählen beispielsweise die Initiative Solawi (Beitrag Mundo Yang und Katrin Hedeman), lokale Transition Town-Gruppen (Beitrag Jana Bosse) und Initiativen, die sich für einen nachhaltigeren und faireren Konsum (Beitrag Francesca Colli) einsetzen.

Bemerkenswert ist, dass diese Initiativen wenig oder kaum in Proteste involviert sind, sondern zu anderen Handlungsformen greifen, sich aber gleichwohl als Teil von Umweltbewegungen verstehen. Eine Rolle spielen bei der Entscheidung für oder gegen konfrontative Handlungsformen, wie Anna Wiemann in ihrem Beitrag über die japanische Anti-Atomkraft-Bewegung gezeigt hat, auch kulturelle und nationale Rahmenbedingungen. Die Auseinandersetzung mit Handlungsformen jenseits des Protestes könnte – so unser Fazit – insofern interessant sein, da die Bewegungsforschung üblicherweise Proteste und Demonstrationen als zentrales Charakteristikum Sozialer Bewegungen annimmt, obgleich – wie sich im Rahmen unserer Panels gezeigt hat – das Spektrum der Aktivitäten jedoch sehr viel breiter ist.

 

Organisation der Panels: Jana Bosse und Romina Ranke

 

Foto: greensefa (cc, via Flickr)

https://creativecommons.org/licenses/by/2.0/legalcode

Praktikumsausschreibung im ipb- Projekt „Handlungsfähigkeit in der bundesdeutschen Flüchtlingsunterbringung“

03.04.2017

In dem von Dr. Judith Vey geleiteten ipb-Projekt zur  Flüchtlingsunterbringung in Deutschland wird eine Praktikant*in gesucht.

Aufgabengebiete:
Neben dem Kennenlernen des Wissenschaftsalltags beinhaltet das Praktikum zwei Schwerpunktbereiche:
1. Beteiligung an der empirischen Forschung zur Unterbringungssituation und Handlungsfähigkeit von Geflüchteten in deutschen Gemeinschaftsunterkünften anhand einer Berliner Unterkunft (Teilnehmende Beobachtung in der Unterkunft, Durchführung von Interviews und partizipativer Forschungsmethoden sowie Transkription und Auswertung des Materials)
2. Selbständige Literatur- und Medienrecherche und -auswertung zu Flüchtlingsunterkünften, zur Asylgesetzgebung und -realität in Deutschland

Erwünschte Fähigkeiten und Kenntnisse:

  • Sozialwissenschaftliches oder verwandtes Studium
  • Erfahrungen in der Arbeit mit Geflüchteten und Arabisch- oder Farsi-Sprachkenntnisse sind empfehlenswert, sind aber nicht zwingend notwendig.

Rahmenbedingungen:

  • Beginn des Praktikums: Mai oder Juni 2017
  • Dauer: mindestens 6 Wochen, gerne auch bis zu 12 Wochen
  • Stundenumfang: flexibel, auch in Teilzeit möglich
  • Vergütung: 350 Euro/Monat.
  • Es können in der Regel nur Bewerber_innen berücksichtigt werden, die das Praktikum als Pflichtpraktikum im Zuge ihres Studiums absolvieren (Ausnahme: Bewerber_innen mit Fluchthintergrund).

Die schriftliche Bewerbung mit Anschreiben, Lebenslauf, Zeugnissen und ggf. Immatrikulationsbescheinigung bitte an vey@ztg.tu-berlin.de senden.

 

Mitschnitt vom Bewegungsgespräch „Informelles Wohnen“

27.03.2017

Rund 40 Menschen folgten am 23. März 2017 der Einladung von Protestinstitut, Forschungsjournal soziale Bewegungen und der Tageszeitung taz zum Bewegungsgespräch „Informelles Wohnen in Berlin. Zwischen Lebensentwurf und blanker Not“. Wir stellen hier einen Mitschnitt der Diskussion bereit, in der es um die Herausforderungen informellen Wohnens, die Grenzen der Organisierung und Politisierung ging und um die Impulse, die solche Projekte für städtische Bewegungen darstellen.

https://protestinstitut.eu/wp-content/uploads/2017/03/20170323_Bewegungsgespräch_informelles-Wohnen.mp3

In dem Mitschnitt der Diskussion sind zu hören:

  • Lisa Vollmer, Stadtforscherin (Bauhaus-Universität Weimar) und Aktivistin
  • Micha, Koordinator im alternativen Teepeeland-Wohnprojekt
  • Niko Rollman, Sachbuchautor und Aktivist der Free Cuvry Initiative
  • Karin Baumert, Stadtsoziologin und politische Aktivistin u.a. beim Bündnis Zwangsräumung verhindern

Methodisches Unbehagen: AK rechte Protestbewegungen in Dresden gegründet

08.03.2017

Rechte Protestmobilisierungen stellen aufgrund ihrer teilweise spezifischen strukturellen Merkmale oftmals neue bzw. verschärfte Anforderungen an die wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit ihnen. Das zeigen nicht zuletzt die Erfahrungen des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung, die im Rahmen der Studie Protestforschung am Limit im Januar 2015 gesammelt wurden. So stellten die nach außen getragenen Einstellungskomplexe vieler PEGIDA-Teilnehmender die teilweise mit jahrzehntelanger Erfahrung ausgestatteten Forschenden bereits in Bezug auf das Studiendesign vor große Herausforderung:

  • Unter immensem Zeitdruck musste ein Forschungsdesign für eine „dem Establishment“ (und damit auch der Wissenschaft) gegenüber abweisend eingestellte Protestbewegung entwickelt werden.
  • Es musste eine Strategie gefunden werden, um etwa Fragen zu Rassismus an ein Untersuchungsobjekt zu stellen, das zwar unter dem Verdacht des Rechtsradikalismus stand, diesen jedoch vehement abstritt.

Das alles blieb nicht ohne Konsequenzen in der praktischen Durchführung, sodass u.a. keine repräsentativen Ergebnisse generiert werden konnten. Ein Grund hierfür ist sicherlich eine ablehnende bis offen feindselige Haltung von einem nicht unerheblichen Teil der PEGIDA-Teilnehmenden gegenüber den Erhebungsteams, was sich häufig in verbaler und seltener auch physischer Aggression äußerte.

Von ähnlichen Erlebnissen sowie methodischen und praktischen Problemen berichten ebenfalls zahlreiche andere Teams, die Daten unter den Dresdner Demonstrierenden erhoben haben. Inzwischen liegt eine wahre Vielzahl von methodisch diversen Annäherungen an PEGIDA in Dresden vor, die neben weiteren Datenerhebungen auf den Demonstrationen (z.B. Werner J. Patzelt oder Karl-Heinz Reuband) ebenfalls theoretische Erklärungsansätze für das Protestgeschehen in der sächsischen Landeshauptstadt umfasst (z.B. Karl-Siegbert Rehberg, Tino Heim oder Oliver Nachtwey).

In diesem Zusammenhang hat der Initiativkreis „Rechte Protestmobilisierungen“ des ipb als Netzwerk von Expert*innen für rechte Demonstrationserforschung den Versuch unternommen, die bisherigen Ansätze im Rahmen eines Praxisworkshops zusammenzuführen. Ausgehend von den Erfahrungen bei vorangegangenen Demonstrationsbefragungen stand die Reflexion und Weiterentwicklung des notwendigen Methodeninstrumentariums zur „Sozialwissenschaftlichen Datenerhebung im Rahmen rechter Protestmobilisierungen“ im Mittelpunkt des gleichnamigen Workshops.

Zur Erarbeitung eines gemeinsamen Einblicks in die Erhebungsmethoden und -praxis fanden sich am 13. Februar 2017 insgesamt 22 Expert*innen in den Räumen der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung ein. Neben Vertreter*innen zahlreicher wissenschaftlicher Disziplinen waren auch Akteur*innen aus den Bereichen der politischen Bildung und der zivilgesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der (extremen) Rechten anwesend.

Den Praxisworkshop eröffneten Vertreter*innen des ipb (Piotr Kocyba, Dieter Rucht und Simon Teune) sowie der beiden Befragungsteams um Hans Vorländer (Steven Schäller) und Werner J. Patzelt (Christian Eichardt, Clemens Pleul, Stefan Scharf). So konnte ein breiter Überblick in Bezug auf die jeweiligen Vorüberlegungen bzw. Designs der Befragungen sowie zu den persönlichen Erfahrungen im Forschungsfeld als Grundlage der anschließenden Diskussionen gewonnen werden. Im Mittelpunkt der konstruktiven (und oftmals selbstkritischen) Inputs standen vor allem zwei Problemstellungen: einerseits die mögliche Maximierung der Rücklaufquote sowie andererseits die Minimierung der Reibungspunkte zwischen Forscher*innen und Pegida-Demonstrant*innen. Im Verlauf der Diskussionen wurde der deutliche Austausch- und Vernetzungsbedarf in diesem Themenfeld deutlich, um zukünftig methodische Absprachen bzw. Reflexionen (etwa zu der Gestaltung der Fragebögen) sowie eine stärkere Koordinierung einzelner Erhebungen zu ermöglichen.

Im Anschluss an die Reflexion der bisherigen quantitativen Zugänge lag am Nachmittag der Fokus auf den Potentialen und Grenzen von qualitativen Methoden zur Erforschung rechter Protestmobilisierungen. Vorgestellt wurden laufende Arbeiten, die (biographische) Interviews als Basis nutzen (Clara Zeitler und Lisa Richter) oder entsprechende Protestereignisse aus theaterwissenschaftlicher Sicht mit der Methode der ‚performance analysis‘ untersuchen (Sebastian Sommer). Hierbei wurde deutlich, inwieweit das Zusammenspiel unterschiedlicher methodischer Ansätze das (wissenschaftliche) Bild der betrachteten Protestbewegungen um neue (detailreiche) Erkenntnisse erweitern bzw. vervollständigen kann.

Allerdings wurden auch ähnliche Schwierigkeiten wie bei der Befragung von Demonstrant*innen offensichtlich: Probleme beim Zugang zum Feld bzw. zu Interviewpartner*innen, aggressive Reaktionen auf Forschende oder teilweise diskriminierende bis strafrechtlich relevante Aussagen der Gesprächspartner*innen. Dies alles hat dabei nicht nur methodische Konsequenzen, sondern führt ebenso zu emotionalen Belastungen der Forschenden und zu Bedenken, inwiefern die eigene Sicherheit gewährleistet werden kann.

Den abschließenden Teil der Veranstaltung leitete ein Kommentar vom langjährigen Direktor der Sächsischen Landeszentrale für Politische Bildung, Frank Richter, ein. Im Anschluß daran stellten Akteur*innen aus der zivilgesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der (extremen) Rechten (u.a. von der Amadeu Antonio Stiftung und vom Antifaschistischen Pressearchiv und Bildungszentrum – apabiz aus Berlin) ihre spezifischen Herangehensweisen und Methoden zur Betrachtung und Beurteilung rechter Protestmobilisierungen vor. Der zusammenfassende Ausblick der beiden Protestforscher Dieter Rucht und Simon Teune verdeutlichte, dass der gemeinsame Praxisworkshop nur der Anfang von notwendigen und tiefer gehenden Auseinandersetzung im Themenfeld sein kann.

Trotz der Vielfalt an Zugängen zu rechten Protestmobilisierungen bestehen weiterhin zahlreiche methodische, organisatorische wie auch ethische Forschungslücken, die nur mit gemeinsamer Anstrengung zu schließen sind. Deshalb hat sich infolge des Praxisworkshops aus der Initiativgruppe Rechte Protestmobilisierungen ein Arbeitskreis gegründet, der unter dem Dach des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung eine Plattform zur langfristigen Vernetzung von Forscher*innen rechter Demonstrationen aufbauen und zur Verfügung stellen will.

Foto: Strassenstriche.net, cc-by-nc 2.0, via Flickr

Umzug der Geschäftsstelle

06.03.2017

Das Institut für Protest- und Bewegungsforschung ist umgezogen. Die Geschäftsstelle befindet sich von nun an in dem Gemeinschaftsbüro von impuls e.V. in der Kiefholzstrasse 20 in 12435 Berlin – Treptow.

Bewegungsgespräch: Informelles Wohnen in Berlin

28.02.2017
Zwischen Lebensentwurf und blanker Not. Informelles Wohnen in Berlin

Ort: Taz-cafe, Rudi-Dutschke-Strasse 23, Berlin-Kreuzberg, Eintritt frei

Zeit: Donnerstag 23. März 2017, 19 Uhr

Lange Jahre war informelles Wohnen in Berlin Ausdruck alternativer Lebensentwürfe und relativer Autonomie. Heute formen sich in Innenstadt und Peripherie immer öfter informelle Zeltsiedlungen von Obdachlosen, die Ausdruck von Wohnungsnot, Armut und einer breiten Krise der Daseinsfürsorge sind. Welche Antworten haben soziale Bewegungen auf diese Herausforderung und welche Rolle spielen die Erfahrungen autonomer informeller Wohnformen in dieser politischen Praxis?

Es diskutieren:

  • Lisa Vollmer, Stadtforscherin (Bauhaus-Universität Weimar) und Aktivistin
  • Micha, Koordinator im alternativen Teepeeland-Wohnprojekt
  • Niko Rollman, Sachbuchautor und Aktivist der Free Cuvry Initiative
  • Karin Baumert, Stadtsoziologin und politische Aktivistin u.a. beim Bündnis Zwangsräumung verhindern

Moderation: Fabian Frenzel, Bewegungsforscher und Autor

Die Bewegungsgespräche werden organisiert vom Institut für Protest- und Bewegungsforschung, dem Forschungsjournal soziale Bewegungen und der Tageszeitung taz.

Foto: Fabian Frenzel (c)

International Conference on Cross-Movement Mobilization, April 2017

23.02.2017

Wie kommen soziale Bewegungen zusammen? Wie gelingen gemeinsame Kämpfe? Wie gelingt es geographische, gesellschaftliche oder inhaltliche Unterschiede zu überbrücken? Während soziale Bewegungen in der Vergangenheit oft isoliert untersucht wurden, rückt das Konzept der ‚cross-movement mobilization‘ vermehrt Interaktionen zwischen sozialen Bewegungen und anderen Akteuren in den Fokus.

Gemeinsam mit dem Institut für soziale Bewegungen (Bochum) und dem ISA Research Committee on Social Classes and Social Movements (RC47) organisieren wir eine große internationale Tagung zum ‚Thema Cross-Movement Mobilization‘ vom 05. – 07. April 2017 an der Ruhr-Universität Bochum. Bedingungen für das Entstehen, für Erfolge und Mißerfolge gemeinsamer Allianzen stehen zur Diskussion.  Es gibt insgesamt 19 (!) Panels, viele davon werden von unseren Arbeitskreisen organisiert.

Das endgültige Programm der Konferenz ist nun hier abrufbar.

***More detailed information in English can be found on the conference website***

2. Workshop AK Umwelt + Protest

21.02.2017

Liebe Kolleg*innen,

der Arbeitskreis Umwelt und Protest des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung trifft sich Ende April zum zweiten Mal und freut sich über Interessierte und Neueinsteiger*innen – gerne auch mit Beitrag.

Beim ersten, konstituierenden Treffen des AK Umwelt + Protest im letzten Jahr haben wir gemeinsam festgehalten, dass der Arbeitskreis Umwelt + Protest seine Berechtigung hat. Wir haben uns ein breit gefächertes Themenspektrum einander vorgestellt. Unsere grobe Rundschau der umweltsoziologischen und -politischen Protestforschung zeigte eindrücklich die Relevanz der Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Umweltbewegtem, Transformation und Protest für eine umfassende Gesellschaftsanalyse.

Seit spätestens den letzten fünf Jahren durchläuft die Gesellschaft einen ökologischen Turn, sichtbar an der steigenden Konsumkritik in Ausstattung, Ernährung, Bekleidung und Mobilität, aber vor allem an der Qualität der Protestereignisse rund um das Thema Energie und Klima. Politische und meteorologische Ereignisse liefern sich einen Schlagabtausch. Zunehmende Sturmschäden, den Klimawandel leugnende Präsidenten und damit kokettierende rechtspopulistische deutsche Bewegungen, gegen Staaten klagende Energiekonzerne, ausufernde El Niños, umstürzende Windkraftanlagen und gefeierte Klimagipfel bringen Bewegung in die Bewegungen. Alte Bewegungen wie die Anti-Atom-Bewegung bekommen Kinder, zum Beispiel die Degrowth-Bewegung oder die durch aktivistische Großevents wachsende Dekarbonisierungsbewegung “Ende Gelände“. Legen wir einen zunehmenden und menschengemachten Klimawandel zugrunde, so wird die Unumkehrbarkeit der gesellschaftlichen Resonanz offensichtlich. Auch kann das Tempo des ökologischen Turns noch zunehmen. Das stellt uns als Forscher*innen vor große Herausforderungen:

Der Anspruch einer Gesellschaftsanalyse, die nicht nur reflexiv, sondern auch zeitgeistig Ergebnisse liefert, wird auf die Probe gestellt. Sozialwissenschaftliche Forschung kann vereinzelt schnell und flexibel reagieren. Doch in der Regel ist sie schwerfällig und wird obendrein behindert von langwierigen Finanzbeantragungsprozessen und darüber unbeweglich festgelegten Forschungsschwerpunkten. Wenige kurzfristige Demonstrationsbefragungen mit zum Teil großem ehrenamtlichem Engagement bilden eine seltene Ausnahme in der Bewegungsforschungspraxis. Die Rückkopplung von Forschungsergebnissen in umweltpolitische Diskurse findet nur verhalten statt.

Der Fokus unseres Frühjahrstreffens soll die skizzierte defizitäre Forschungspraxis aber vielleicht auch einige Lichtblicke bilden. Wir möchten uns vor allem auf methodische und forschungspraktische Fragen konzentrieren:

  • (Wie) erforschen wir agile Umweltproteste und damit einhergehende gesellschaftliche Veränderungen?
  • Welche Erhebungsmethoden sind dazu besonders geeignete Werkzeuge?
  • Welchen Organisierungsgrad und welche neuen Tools braucht die Forschungscommunity, um schnelllebige, bundesweite oder internationale neue Umweltbewegungen adäquat zu erforschen?
  • Welche Kanäle nutzen wir zur Rückkopplung unserer Ergebnisse in die Gesellschaft?
  • Bis wohin geht unsere Forschungsneutralität, wenn es dem Planeten an den Kragen geht?

Das nächste Treffen findet am 22. April 2017, ab 10:00 Uhr in der Bibliothek des Göttinger Instituts für Demokratieforschung (Weender Landstraße 14) statt.

Bitte schickt Eure Ideen, Diskussionsanregungen und Fragen auf Grundlage der oben skizzierten Herausforderungen in Form eines kurzen Abstracts (500-1000 Wörter) bis zum 10. März an:

Julia.zilles [at] web.de oder j.ballenthien [at] posteo.de

Viele Grüße aus Göttingen

Jana und Julia

Kolloquium Politik von unten geht weiter

04.02.2017

Das Kolloquium Politik von unten, ein Forum zur Diskussion laufender Arbeiten zu Protesten, sozialen Bewegungen und politischem Engagement geht in die nächste Runde. In der Regel werden im Vorfeld jeder Sitzung Papiere über eine separate Email-Liste verschickt

Am 27. Februar beginnt das Programm mit einer Diskussion zum No-Border-Movement, das Leslie Gauditz an der Universität Bremen mit einer ethnographischen Perspektive auf Kooperationen zwischen neu ankommenden und alteingesessenen Aktivist_innen erforscht. Die Gegenbewegung, die Migration aus völkischen Motiven ablehnt, werden an zwei Terminen thematisiert: am 10. April stellt Lisa Richter ihre Masters-Arbeit zum historischen Erbe von DDR und Wende in den Pegida-Protesten vor. Die Arbeit beruht auf biographischen Interviews mit Pegida-Unterstützer_innen aus dem akademischen Millieu Dresdens. Bei dem darauf folgenden Termin, am 24. April, präsentiert Matthias Hoffmann seine netzwerkanalytische Forschung zu den Verbindungen zwischen Nein-zum-Heim-Seiten auf Facebook. Im Rahmen seiner Dissertation untersucht er Verknüpfungen unter anderem in der Anhängerschaft, in der Deutung der Situation und in der Mobilisierung für Offline-Aktionen.

Corinna Trogisch hat in ihrer Dissertation die Entwicklung des sozialistischen Flügels der türkischen Frauenbewegung rekonstruiert. Das Kapitel zur Geschichte der 1980er Jahre stellt sie unter dem Titel „Zur Geisterstunde“ am 27. März zur Diskussion.

Einen Blick auf die Formierung politischer Identitäten eröffnen Lisa Vollmer (am 22. Mai) und Dimitris Soudias (am 10. Juli). Lisa Vollmer stellt einen Text zur Entwicklung politischer Kollektivität vor, die sie für Mieter_innenbewegungen in Berlin und New York nachvollzogen hat. Dimitris Soudias widmet sich den rebellischen Subjektivitäten, die in den griechischen Krisenprotesten vom Syntagma-Platz zu beobachten waren.

Der Kontext von Protestmobilisierungen wird an zwei Terminen näher beleuchtet. Zuerst diskutieren Peter Ullrich und Philipp Knopp ihre Erkenntnisse aus Gruppendiskussionen zur Videoüberwachung auf Demonstrationen. Am 13. März liegt der Fokus auf den Reaktionen der Betroffenen aus dem linken und rechten Protestspektrum. Kurz vor den erwartbar großen Protesten gegen den G20-Gipfel in Hamburg, am 26. Juni, stellen Dieter Rucht, Moritz Sommer und Simon Teune erste Ergebnisse des Forschungsprojektes „Medienberichterstattung zu Großdemonstrationen“ vor. Die Analyse kombiniert eine quantitative und qualitative Inhaltsanalyse zur Berichterstattung über sieben große Protestereignisse mit Interviews, die das Team mit Journalist_innen geführt hat.

An einem Termin setzt das Kolloquium die Reflektion der gesellschaftlichen Rolle der Bewegungsforschung fort. Wir diskutieren am 12. Juni einen Impuls von Jean Peters vom Peng-Kollektiv zur Frage, wie sich Wissenschaft in den gegenwärtigen Auseinandersetzungen positionieren sollte.

Das Kolloquium findet 14-tägig Montags von 17.30-19.00 Uhr im Zentrum Technik und Gesellschaft statt (Hardenbergstraße 16-18, Berlin-Charlottenburg, Raum 6.06). Ein Überblick über das Programm findet sich auf der Seite des Arbeitskreises soziale Bewegungen der DVPW.

Call for Contributions: Conference „Violence as Politics?“

03.02.2017
International Conference, 19-20 May 2017, Berlin, Organizers: Working Group Riots within the Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb)

“Riots” continue to make headlines in the media, usually as a violent reaction to occurrences of police brutality, or in the context of broader political protest and movement mobilizations as, for example, in demonstrations turning violent or movements applying both violent and non-violent forms of action as given in the context of the “Nuit Débout” protests directed against the labour market reforms 2016 in France. However, all too often the notion of “riots” is used in a seemingly self-evident way, leaving more questions than answers. While there have arguably been new developments in conceptualizing and studying riots in recent scientific publications, this critical observation still holds true not only for discourses on riots in the mass media, but also for many scientific contributions dealing with riots in one way or the other.

Apart from describing clashes with the police, sometimes involving attacks on private or public property, looting or arson, there is no shared definition of the term “riots”, nor is there an agreement on how to study riots, their effects concerning social change or processes of political subjectivation. With its focus on durable organizational frameworks and long-lasting processes of mobilization, the research on social movements often excludes the seemingly spontaneous, unorganized and violent forms of action. The fact that rioters may not always articulate their demands in conventional ways, like offering messages and claims on signs and leaflets, seems to further interfere with their inclusion into Social Movement Studies. On the other hand, when riots are addressed through the lens of collective violence, they are often dealt with as one form of violent group behavior among others, thereby disregarding the specific motivational and structural aspects regularly involved in the emergence of riots. Therefore, both Social Movement Studies as well as research on (collective) violence often still exclude riots as a subject of research, or they tend to describe riots as somehow apolitical phenomena. Even when social inequality is acknowledged as a causal factor, studies often describe riots as a fatalistic reaction to social circumstances and living conditions, thus failing to recognize rioters as political subjects and the processes of political subjectivation involved.

Following up on the Riot-Workshop series of the Arbeitskreis Riot (AK Riot) at the Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) in Berlin, we are pleased to invite you to the 6th workshop as part of the international two-day conference “Riots. Violence as politics?”.

We want to discuss with you riots as a concept and phenomenon and therefore give room for presentations of your research regarding riots. We would like to invite you to send us a short proposal for a presentation on the following (or related) questions:

The pros and cons of the term “riot”
The term “riot” contains the terminological danger of unifying social phenomena that differ in their forms, contents and backgrounds. Against this backdrop, the term “riot” can be put into question: is the term as such scientifically capable of grasping forms of protest that are outside established forms of political articulation? Or would it be more reasonable to abandon the notion of “riots” and adopt other terminological concepts such as “collective violence”? For example, it could be argued that reading riots as a form of collective violence refers to a comparably low common denominator of different social phenomena, but avoids transgressing historical and contextual specificities and differences.

Riots and violence
What is the role of violence in riots? How can we understand different forms of violence in relation to riots? How can violence be conceptualized as a form of action? Can violence in the context of riots be understood as a means of communication? What role do violent actions play for the representation of riots in the public discourse?

Riots and political subjectivation
Why do people participate in riots? Are riots to be understood as a rejection of representational forms of political involvement? Are riots even political at all? What kind of political subjectivity do riots presuppose? How do they affect or constitute processes of political subjectivation?

Riots and social movements
How can we understand and conceptualize the relation between social movements and riots? How can riots be fruitfully included in Social Movement Studies? Can riots be a starting point for the formation of more organized and lasting collective actors? How do social movement organizations position themselves in relation to riots and other forms of violent action?

We warmly welcome presentations of your research projects, bachelor or master theses, PhD chapters or proposals, article drafts or other scientific work in progress. If you want to present and discuss your work and ideas, please submit your proposal (1-2 pages) to riot_workshop(at)riseup.net until 15 March 2017. The workshop as well as the conference will be held in English, so both your proposal or draft paper as well as the presentation should be in English. In order to have enough time to discuss all contributions, your presentation should not exceed 20 minutes.

If you would like to participate without holding a presentation, please let us also know until 31 March 2017. In case you have any questions, please do not hesitate to contact us. We are looking forward to hearing from you!

Janna Frenzel, Philippe Greif, Fabian Klein and Sarah Uhlmann
(Organizational team / AK Riots )

In cooperation with
Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb), Berlin
Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG), TU Berlin

Funded by

Hans Böckler Stiftung

Download: Call as pdf document

Foto: Erwan Corre (cc-by-sa 4.0)

Stelle in ipb-Projekt: Reaktionen auf Asylunterkünfte

23.01.2017

In dem im ipb entwickelten und an der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung angesiedleten Forschungsprojekt „Willkommen oder beschimpft? Eine vergleichende Studie der Reaktionen auf Unterkünfte für Asylsuchende“ ist zum 1. März eine Doktorand_innenstelle (3 Jahre, 50% E13 TV-H) zu besetzen. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt ist Teil der Nachwuchsgruppe „Konflikt und soziale Bewegungen“ von Dr. Priska Daphi. Bewerbungsschluss ist der 12. Februar 2017. Die Ausschreibung findet sich auf der Webseite der HSFK.

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Alle Ausgaben vom allerersten Heft 1/1988 bis einschließlich Jahrgang 2011 stehen online (unter Jahrgänge) als Download zur Verfügung. Jeweils zum neuen Jahr wird ein weiterer Jahrgang freigeschaltet. Damit bieten wir auf unserer Homepage den vollen Zugriff auf mehr als 20 Jahrgänge des FJSB – kostenfrei und im Volltext.

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