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Updated: 2 hours 34 min ago

Britta Baumgarten (1975-2018)

13.12.2018

Am 17. Oktober 2018 ist unsere Kollegin, Freundin und Weggefährtin Britta Baumgarten nach längerer Krankheit viel zu früh verstorben.

Ihr besonderes Interesse an der Protest- und Bewegungsforschung verfolgte Britta bereits während ihres Soziologiestudiums an der Universität Bielefeld. Eine mehrmonatige Forschung über Zivilgesellschaft in Ecuador resultierte in ihrer Diplomarbeit. Anschließend arbeitete sie ab 2002 für vier Jahre an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg in dem EU-Projekt Contentious Politics of Unemployment in Europe (UNEMPOL), das sich mit Arbeitslosigkeit und der politischen Partizipation Arbeitsloser befasste (Lahusen/Baumgarten 2010). Sie brachte sich nicht nur mit großem Engagement in die vielfältigen Aufgaben eines kollaborativen Forschungskontextes ein, sondern entwickelte vor allem einen ansteckenden Enthusiasmus für Fragen des kollektiven Protesthandelns benachteiligter Menschen. Ihre Arbeit war dabei einem rigorosen wissenschaftlichen Anspruch verpflichtet. Besonders aber zeichnete sie während der Feldforschungen und der Auswertungen ein hohes Maß an Sensibilität aus; sie wollte der Lebenswirklichkeit der Arbeitslosen gerecht werden. Die Mitarbeit in einem internationalen Forschungsprojekt entsprach ganz ihrem Naturell, denn als offener und sehr neugieriger Mensch hatte sie eine Gabe für kulturübergreifende Kooperationen.

Im August 2008 kam sie in die Forschungsgruppe Zivilgesellschaft, Citizenship und politische Mobilisierung in Europa am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. In der Gruppe übernahm sie eine konstruktive und loyale Rolle, vertrat aber auch selbstbewusst und wenn nötig mit Nachdruck ihre Positionen. Zu Beginn war sie noch mit der Arbeit an dem Buch beschäftigt, das aus ihrer Dissertation hervorgehen sollte (Baumgarten 2010), die sie an der Universität Duisburg-Essen 2009 abschloss. Gleichzeitig orientierte sie sich in der transnationalen Dynamik von Armut und politischer Mobilisierung neu. Dieses Interesse brachte sie in das VW-Projekt The Transnationalization of Struggles for Recognition ein, in dem sie den Doktorand*innen mit ihrer einfühlsamen Kritik eine wertvolle Unterstützung war. Uns Kolleg*innen erwies sich Britta in den Pausen immer wieder als aufmerksame und unterhaltsame Gesprächspartnerin. Unter anderem ging es um ihren – allgemein unterschätzten – Wohnbezirk Moabit. Als sich in der Kneipe im Erdgeschoss ihres Wohnhauses mit den „Bürgern in Angst Moabit“ eine rechtspopulistische Nachbarschaftszelle bildete, besuchte Britta mehrere Treffen, um zu verstehen, was die Menschen dort bewegte. Dieses Motiv begeisterte sie auch an der Methode der Demonstrationsbefragung, an der sie bei einer Montagsdemonstration gegen Stuttgart 21 beteiligt war (Baumgarten/Rucht 2013). Von den Hartz IV-Gegner*innen bis zu den „Wutbürger*innen“ ging es ihr darum, die Stimmungen und Haltungen der Menschen zu verstehen und für andere greifbar zu machen. Offenheit war Britta ebenso wichtig wie die grundsätzliche Akzeptanz anderer Positionen.

Britta verlagerte 2010 ihren Arbeits- und Lebensmittelpunkt nach Portugal. Sie war sich bewusst, dass sie zum richtigen Zeitpunkt kam, um den Verlauf der Anti-Austeritätsbewegungen in Portugal zu beforschen. Noch 2011 musste Lissabon Notkredite beantragen und stand danach für vier Jahre unter fiskalischer Kontrolle der Gläubiger-Troika. Britta arbeitete in ihren Projekten nicht nur über die aktuellen Entwicklungen zu Krisenprotesten und gesellschaftlichen Auswirkungen der Austeritätspolitik in Portugal (Baumgarten 2012), sondern auch vergleichend im lusophonen Sprach- und Kulturraum zu sozialen Bewegungen von Arbeitslosen in Brasilien. In dem Zusammenhang absolvierte sie 2013 einen Forschungsaufenthalt an der Federal University of Santa Catarina, Florianópolis in Brasilien, und hielt engen Austausch mit ihren brasilianischen Kolleg*innen. Darüber hinaus interessierte sie sich für die transnationalen Kooperationsformen von sozialen Bewegungen und die politische Partizipation von Gruppen, die gewöhnlich von politischen Entscheidungsprozessen ausgeschlossen bleiben. Zu den Ergebnissen dieser Arbeiten zählen verschiedene viel beachtete Artikel wie „Geração à Rasca and beyond“ (Baumgarten 2013) und – im Zusammenhang mit Kontinuitätslinien und Erinnerungen in sozialen Bewegungen – ihr Aufsatz „The children of the Carnation Revolution? “ (Baumgarten 2017a).

Seit ihrer Ankunft am CIES-IUL (Centre for Research and Studies in Sociology am Lisbon University Institute) – ausgerechnet dem Institut, an dem sie bereits während des Studiums ihr ERASMUS Semester absolviert hatte – integrierte sich Britta sozial und professionell schnell in das portugiesische Universitätssystem, allerdings nicht ohne ihrem eigenen Anspruch entsprechend selbst ihren neuen Schaffensort mitzugestalten. Sie organisierte in kollaborativen Formaten mit diversen Kolleg*innen öffentliche Seminarreihen, Workshops und Konferenzen. Es ging ihr dabei darum, einerseits soziale Bewegung und Protest verständlich und lebensnah an die Universität zu holen und andererseits eine konstruktiv-kritische, aber auch inspirierende Diskurskultur mit zu kreieren. Sie betreute Abschlussarbeiten von Student*innen und war dabei als anspruchsvolle und enorm unterstützende Betreuerin beliebt.

Doch Britta forschte nicht nur international, sie war auch sehr präsent in internationalen Forschungsnetzwerken, darunter dem Research Committee on Social Movements and Social Classes des internationalen Soziologieverbandes. Zuletzt war sie im Sommer 2018 auf dem Weltsoziologiekongress in Toronto vertreten. Voller Elan und Zuversicht wollte sie sich in die Planungen für den nächsten Forumsprozess in Porto Alegre Brasilien stürzen – ein Ort, der ihr als Forscherin und Aktivistin vertraut war. Auch dort werden sie ihre über die ganze Welt verstreuten Freund*innen vermissen.

Selbst aus großer Entfernung verfolgte Britta als aktives Mitglied der ersten Stunde die Aktivitäten des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung. Wann immer sie es einrichten konnte, war sie bei uns. Schon vor der Gründung des ipb war Britta in einschlägigen Netzwerken der Bewegungsforschungs-Landschaft aktiv. Hierzu zählte das DFG-Nachwuchsnetzwerk „Neue Perspektiven auf soziale Bewegungen und Protest“, das von 2010 bis 2014 gefördert wurde. Neben ihrer sehr engagierten Beteiligung an den verschiedenen Arbeitstreffen des Netzwerkes und einem Beitrag zu Foucault in der Bewegungsforschung (Baumgarten/Ullrich 2016) war Britta Ko-Herausgeberin eines Sammelbandes zum Konzept der Kultur in der Bewegungsforschung (Baumgarten et al. 2014). Ihr Interesse galt dabei speziell den lokalen und nationalen kulturellen Besonderheiten, die sich im Kontext der Globalisierung erhalten oder sogar verstärken. Ihre Thesen und Interessen diskutierte sie bei den Buchworkshops immer mit großer Konzentration. Nicht zuletzt hat Britta dabei auch mit ihrer Offenheit und Großzügigkeit beeindruckt, speziell im Kontext der langen Herausgeber*innensitzungen an ihrem Küchentisch im verregneten Lissabon.

Ihr konstantes Interesse an den Themen Arbeitslosigkeit, Armut und soziale Ungerechtigkeit trieb sie in den vergangenen Jahren verstärkt auch als Betroffene auf die Straßen Lissabons, mit dem Anliegen die eigenen prekären Arbeitsbedingungen anzuprangern. Damit war sie selbst Teil einer sozialen Bewegung, die die Arbeitssituation von Akademiker*innen in Portugal zum Anlass für Protest nahm, weil sozialversicherungspflichtige Arbeitsverträge Mangelware sind und (sozialwissenschaftliche) Forschung chronisch unterbezahlt ist.

Britta erhielt nicht nur viel Wertschätzung von akademischen Kolleg*innen, sondern war durch ihre zahllosen Teilnahmen an Demonstrationen in Portugal auch als solidarische und engagierte Begleiterin bei Aktivist*innen anerkannt und beliebt. Sie wusste jedoch ihre verschiedenen Rollen auseinanderzuhalten. So gelang es ihr, beobachtende und verstehende Wissenschaftlerin, empathische Unterstützerin und ungerechtigkeitssensible Bürgerin in einem zu sein, und dabei dennoch differenziert ihre verschiedenen Perspektiven einzunehmen und andere für diese zu sensibilisieren.

So bleiben unzählige Erinnerungen an eine sehr lebensfrohe, starke und inspirierende Denkerin, Freundin, Kollegin und politisch engagierte Mitstreiterin; an einen Menschen, der durch einen tiefen Sinn für soziale (Un-)Gerechtigkeit sowie Solidarität und Anteilnahme viele andere Menschen bewegt hat; an eine Kämpferin, die mit ihrer Passion, mit Optimismus und Einsatzvermögen Kolleg*innen und Student*innen Inspiration war. Es bleibt aber auch ein Erbe ihrer wissenschaftlichen Agenda, welches es hinsichtlich seiner Sensibilität für Kultur (Baumgarten et al. 2014), kollektive Erinnerung (Baumgarten 2017a) und transnational vergleichende und kooperative Momente (Baumgarten/Díez García 2017; Baumgarten 2017b; Baumgarten/Amelung 2017; Amelung/Baumgarten 2017) in sozialen Bewegungsforschungsfragen zu pflegen, aufrechtzuerhalten und weiterzuentwickeln gilt.

Wir sind in unseren Gedanken bei Brittas Familie, insbesondere bei ihrem kleinen Sohn und ihrem Partner. Britta, wir werden dich als Freundin, Weggefährtin und Kollegin sehr vermissen.

 

Nina Amelung, Priska Daphi, Eva Gerharz, Christian Lahusen, Roland Roth, Dieter Rucht, Simon Teune, Peter Ullrich, Sabrina Zajak

 

Literatur

Amelung, Nina/Baumgarten, Britta 2017: The Transnational Perspective of Political Participation. Linkages and Differences between Social Movement and Public Participation Studies. In: Global Society, Jg. 31, Heft 1, 3-22.

Baumgarten, Britta 2010. Interessenvertretung aus dem Abseits. Erwerbsloseninitiativen im Diskurs über Arbeitslosigkeit. Frankfurt: Campus.

Baumgarten, Britta 2012. „Antes da Dívida temos Direitos!” Proteste gegen prekäre Beschäftigung in Portugal. http://www.demokratie-goettingen.de/blog/es-antes-da-divida-temos-direitos [03.12.2018].

Baumgarten, Britta 2013. Geração à Rasca and Beyond. Mobilizations in Portugal after 12 March 2012. In: Current Sociology, Jg. 61, Heft 4, 457-473.

Baumgarten, Britta 2017a. The Children of the Carnation Revolution? Connections between Portugal’s Anti-austerity Movement and the Revolutionary Period 1974/1975. In: Social Movement Studies, Jg. 16, Heft 1, 51-63.

Baumgarten, Britta 2017b. The Global Justice Movement: Resistance to Dominant Economic Models of Globalization. In: Berger, Stefan/Nehring, Holger (Hg.): The History of Social Movements in Global Perspective. London: Palgrave Macmillan.

Baumgarten, Britta/Amelung, Nina 2017. Public Participation and Social Movement Research: Connecting Perspectives to Gain Broader, Sharper and more Innovative Insights about Transnational Political Participation? In: Global Society, Jg. 31, Heft 1, 144-155.

Baumgarten, Britta/Daphi, Priska/Ullrich, Peter (Hg.) 2014. Conceptualizing Culture in Social Movement Research, London: Palgrave Macmillan.

Baumgarten, Britta/García, Rubén Díez 2017. More than a Copy Paste: The Spread of Spanish Frames and Events to Portugal. In: Journal of Civil Society, Jg. 13, Heft 3, 247-266.

Baumgarten, Britta/Ullrich, Peter 2016. Discourse, Power, and Governmentality. Social Movement Research with and beyond Foucault. In: Roose, Jochen/Dietz, Hella (Hg.): Social Theory and Social Movements. Wiesbaden: Springer, 13–38.

Lahusen, Christian/Baumgarten, Britta 2010. Jenseits des sozialen Friedens. Frankfurt/Main: Campus.

Baumgarten, Britta/Rucht, Dieter 2013. Die Protestierenden gegen „Stuttgart 21“ – einzigartig oder typisch? In: Brettschneider, Frank/Schuster, Wolfgang (Hg.): Stuttgart 21. Ein Großprojekt zwischen Protest und Akzeptanz. Wiesbaden: Springer VS Verlag, 97-125.

 

 

Weitere Informationen über Forschung zu sozialen Bewegungen in Portugal bietet folgender Blog, der von Britta betreut wurde: https://portuguesemovements.hypotheses.org/about

Britta Baumgartens Orcid Profil: https://orcid.org/0000-0002-7323-1833

Dieser Text erscheint auch in der Rubrik “ipb beobachtet” in Heft 1.2019 des Forschungsjournal Soziale Bewegungen

Neues ipb-Working Paper: Dieter Rucht – Sitzenbleiben, #aufstehen oder aufstehen?

27.11.2018

Das ipb working paper II.2018 ist erschienen:

Dieter Rucht – Sitzenbleiben, #aufstehen oder aufstehen? Über den Versuch einer linken Sammlungsbewegung

Die Ausrufung der linken Sammlungsbewegung #aufstehen mit der Galionsfigur Sahra Wagenknecht hat weit über die Linkspartei hinaus Wellen geschlagen. In einer Situation der Zersplitterung oder sogar des Gegeneinanders linker Kräfte ist der Ruf nach Sammlung und Einigung attraktiv. Allmählich werden die Umrisse des Vorhabens deutlich. Somit ist es Zeit für eine erste Zwischenbilanz. Meine These: Das Vorhaben #aufstehen, das nach Kriterien der Aufmerksamkeitsgewinnung furios gestartet ist, aber den Kriterien einer basisnahen und partizipatorischen Bewegung bislang zuwider läuft, wird es bald mit den „Mühen der Ebenen“ zu tun haben. Angekündigt als ein Themen und Strömungen übergreifendes Sammlungsprojekt, dürfte es aufgrund einer Reihe von Problemen mittelfristig ins Stocken geraten. Dann kann für die Initiatoren der Bewegung die ohnehin nicht ausgeschlossene Option einer neuen linken Partei attraktiv werden. Das würde ihnen zwar eine eigene Machtbasis verschaffen, aber das Zusammenrücken bereits bestehender linker und halblinker Parteien behindern. Es würde zudem das Aus für das Vorhaben einer breiten Sammlungsbewegung bedeuten.

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Übersicht der ipb working papers

Rechte Proteste und Gegenmobilisierungen: ipb-Diskussionsrunde geht Wechselwirkungen auf den Grund

19.11.2018

Die jüngste #unteilbar-Demonstration in Berlin zog Zehntausende auf die Straße. Auch in München, Chemnitz und anderswo stellen sich lokale Protestbündnisse rechten Mobilisierungen und rechter Stimmungsmache entgegen. Welche Wirkungen gehen von diesen Gegenprotesten aus? Hilft Widerstand und Protest um rechte Mobilisierungen zu verhindern? Oder werden die Gegenproteste für neue Mobilisierungen von rechts genutzt? Welche Formen der Mobilisierung waren und sind am erfolgreichsten um rechte Proteste einzudämmen? Der Einladung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung über „Rechte Proteste und Gegenmobilisierung in Städten und Gemeinden“ zu sprechen, folgten am 9.11. mehr als fünfzig Teilnehmer*innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die Diskussionsrunde war Teil der ipb-Jahrestagung unter dem Motto “Der Kontext lokaler Proteste”.

Moderiert von ipb-Vorstandsmitglied Sabrina Zajak vom Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung diskutierten auf dem Podium Theresa Hartmann vom Bündnis #Unteilbar und Johannes Richter von der Courage Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit in Dresden mit ipb-Vorstand Dieter Rucht über mögliche Wechselwirkungen von Protest und Gegenprotest.

Die Podiumsdiskussion befasste sich mit dem Aufkommen von rechten Protesten und Gegenprotesten. Dabei wurde festgehalten, dass sich im Zeitraum von 1993 bis 2015 etwa gleich viele Protestereignisse von rechts wie von links abbilden lassen – wenngleich nicht in derselben Teilnehmer*innenstärke. Rechte Proteste seien dabei in Vergangenheit und Gegenwart deutlich gewaltförmiger, vor allem in Ostdeutschland. Seit 2014 gebe es einen erneuten Aufschwung rechter Proteste.

Die Teilnehmer*innen aus Wissenschaft und Praxis diskutierten die Wirkung des sich in jüngster Zeit häufenden, medienwirksamen Aufeinandertreffens von Protest und Gegenprotest. Die direkte Gegenüberstellung führe unter Demonstrierenden beider Seiten zu einer starken Emotionalisierung der Debatte und letztlich zu einer Stärkung kollektiver Identitäten, so die Vermutung. Offen sei dabei inwieweit diese konflikthafte Aufladung der Proteste Mobilisierungsprozesse außerhalb der Kerngruppen begünstige oder erschwere.

In der Bewertung der Ergebnisse war man sich einig: Gegenproteste haben eine unmittelbare Wirkungskraft, da diese zum Teil rechte Kundgebungen verhinderten oder zumindest deutlich einschränkten. Hier wurde insbesondere das Beispiel ‚Dresden nazifrei‘ diskutiert.  Die Bedeutung zeige sich auch daran, dass das Fehlen von starken Gegenproteste enorme Folgewirkungen haben könne, wie die Ereignisse in Chemnitz im Spätsommer 2018 verdeutlichten. Darüber hinaus wurde auf die symbolische Bedeutung von Gegenprotesten verwiesen; erfolgreiche Gegenmobilisierung zeige, dass und wie sich rechtspopulistische Deutungshoheit auf der lokalen Ebene brechen ließe.

Die derzeitige starke gesellschaftliche Polarisierung sei dabei auch als ein ‚Gelegenheitsfenster‘ für Bündnisse von linken Gruppen mit breiten Bevölkerungsschichten zu verstehen. Vor diesem Hintergrund wurde die These aufgestellt, dass wir uns in einer Phase der Vereinigung statt der Spezifizierung sozialer Bewegungen befinden. Hierfür wurde das „Unteilbar“-Bündnis als Beispiel genannt, in der nicht nur linker Protest gegen den Rechtsruck zum Ausdruck gekommen, sondern bewusst ein breites Bündnis gegen Diskriminierung geschaffen worden sei, das verschiedene soziale Kämpfe vereine. Erfolgreiche Proteste gegen rechts, so die Schlussfolgerung, seien breit aufgestellt. Hier blieb die Frage zu klären, inwiefern das Beispiel „Unteilbar“ für Konstellationen außerhalb Berlins übertragbar sei und inwiefern neben dem Motivationsgewinn auf emotionaler Ebene, nachhaltig politischer Druck aufgebaut werden könne. Allgemein wurde argumentiert, dass sich Gegenproteste nicht rein auf eine Abwehr rechter Mobilisierung beschränken, so eine Erfahrung aus der Praxis, sondern im Gegenzug eigene Themen sichtbar machen sollten.

Neben den breiten Bündnissen wurde auch die Bedeutung von kleinen, sogenannten„Feuerwehr“-Protesten und Schutzinterventionen betont. So könne die Anmeldung und Durchführung von Gegendemonstrationen für Schutz für Geflüchtete und andere Opfer rechter Anfeindungen sorgen, nicht zuletzt weil derartige Protestkonstellationen unter verstärkter Polizeibeobachtung stünden. Des Weiteren wurde auf die Relevanz stetiger Mobilisierung vor Ort für Veränderungen verwiesen. Das Zusammenspiel dieser beiden Formen von Gegenprotesten sei bislang noch unerforscht.

Gleichermaßen könnte die zunehmende Konfrontation rechter und linker Proteste dazu führen, dass sich Fronten verhärteten und sich beide Seiten gleichermaßen radikalisierten und Bündnispartner verschreckt würden. Als mögliche Handlungsoptionen wurde die diskursive Auseinandersetzung – in Zeiten von angeblichen „Fake News“ und dem Vorwurf der Einschränkung von Meinungsfreiheit kein Leichtes – ebenso diskutiert, wie die mögliche Einbeziehung staatlicher Institutionen. Ein Verbot rechter Proteste wurde unter den Vorzeichen einer Gefahr einer neuen Normalität rechter Parolen bei gleichzeitiger Wahrung der demokratisch garantierten Versammlungsfreiheit kontrovers besprochen.

So verdeutlichte die Diskussion, dass es noch zahlreiche ungeklärte Fragen bezüglich der Wechselwirkungen von rechten Protesten und Gegenmobilisierung sowie deren lokalen Verankerungen gibt. Beide Fragen sollten Gegenstand weiterer transdisziplinärer Debatten oder Projekte sein.

Melanie Kryst

Foto: Moritz Sommer. Abgebildet sind Dieter Rucht, Sabrina Zajak, Theresa Hartmann und Johannes Richter (von rechts nach links).

Rezension: Kathrin Ganz 2018 – Die Netzbewegung. Subjektpositionen im politischen Diskurs der digitalen Gesellschaft. Verlag Barbara Budrich

19.11.2018

Auf unserem Blog stellen wir in unregelmäßigen Abständen Buchpublikationen von ipb-Mitgliedern vor. Bisher sind Rezensionen zu folgenden Büchern erschienen:

Melanie Müller. 2017Auswirkungen internationaler Konferenzen auf Soziale Bewegungen (Springer VS), rezensiert von Antje Daniel.

Jochen Roose / Hella Dietz (Hrsg.). 2016 Social Theory and Social Movements. Mutual Inspirations (Springer VS), rezensiert von Janna Vogl.

Sabrina Zajak. 2016. Transnational Activism, Global Labor Governance, and China (Palgrave), rezensiert von Melanie Kryst.

Es folgt nun Friederike Habermann mit einer Rezension zu Kathrin Ganz. 2018.  Die Netzbewegung. Subjektpositionen im politischen Diskurs der digitalen Gesellschaft (Verlag Barbara Budrich). Die Rezension erschien ursprünglich unter dem Titel „Wer bewegt wie was wieso wohin 4.0“ in Heft 3/2018 des Forschungsjournals Soziale Bewegungen.

 

Was ist die Netzbewegung? Was fordert sie? Wer bildet sie? Und wie formt sie wiederum die in ihr aktiven Subjekte, sprich: Wie verändern sich Menschen in ihr und durch sie?

Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der ‚Netzbewegung‘ besteht seit nicht einmal zehn Jahren; eine eingehende Untersuchung nicht nur ihrer Ziele, sondern auch ihrer internen Differenzen sowie der Zusammensetzung ihrer Akteur_innen stand bislang noch aus. Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlerin Kathrin Ganz liefert dies mit ihrem Buch ‚Die Netzbewegung‘ (2018), und basiert ihre qualitativ empirische Forschung dabei auf zwei Theorien, die explizit eine machtkritische Perspektive auch auf interne Strukturen aufzeigen: zum einen die diskurstheoretische Hegemonietheorie von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, zum anderen die intersektionale Mehrebenenanalyse von Gabriele Winker und Nina Degele.

Kathrin Ganz, selbst als Netzfeministin bekannt, setzt mit diesen Ansätzen den mit der Netzbewegung verbundenen Anspruch nach P2P-Beziehungen, also Beziehungen unter Ebenbürtigen, auch theoretisch um. Dass das Eingangszitat von Chelsea Manning stammt, kann getrost als Bekenntnis zu einer emanzipatorischen Gesellschaft, auch im queerfeministischen Sinne, verstanden werden. So sind es die „Subjektpositionen im politischen Diskurs der digitalen Gesellschaft“, wie der Untertitel lautet, die Ganz besonders interessieren.

Nerds als neue Elite?

Das öffentliche Bild der Aktiven der Netzbewegung zeichnet sich durch scheinbare Homogenität aus: Es sind der zurückgezogene Nerd und der dauervernetzte ‚Digital Native‘ – beide männlich besetzt. Das Nerd-Stereotyp bildet sich aber auch im Wechselspiel mit heterosexistischen, rassistischen und bodyistischen Repräsentationen heraus; es signifiziert einen Außenseiter, der trotz seiner intellektuellen Fähigkeiten, seines Weißseins und seiner Männlichkeit nicht zur Riege hegemonialer Männlichkeit gehört. Anhand der äußerlichen Veränderung des ehemaligen BILD-Chefredakteurs Kai Diekmann vom Manager-Look zum Nerd argumentiert Ganz allerdings, es komme neuerdings zu einer Erneuerung der hegemonialen Männlichkeit in der Figur des nerdigen Start-Up-Gründers.

Auf der Grundlage von zwölf qualitativ geführten Interviews spürt Ganz den Verhältnissen nach, angefangen bei der Frage, wer sich der Netzbewegung zugehörig fühlt. Dass die Interviewpartner_innen relativ heterogen zusammengesetzt sind, ist vermutlich eine bewusste Entscheidung. Es geht Ganz nicht um eine rein statistische Erhebung, dafür wäre das Sample viel zu klein. Dennoch können aus unterschiedlichen Subjektpositionen heraus Unterschiede festgestellt werden, wie bei den Interviewpartnerinnen Carolin und Hanna, die bei großen Ähnlichkeiten auf der Identitätsebene durch differente Klassenpositionen auf verschiedenen Wegen ins politische Engagement fanden.

Die intersektionale Mehrebenenanalyse von Gabriele Winker und Nina Degele beruht auf dem Ansatz von Kimberlé Williams Crenshaw. Dabei geht es zum einen um die Berücksichtigung gleichzeitiger und letztlich aller Subjektpositionen und damit verbundener Privilegien und Diskriminierungen. Gerade in den jüngeren Ausprägungen wird aber immer auch die Artikulation zwischen diesen Verhältnissen betont, also die Frage, wie diese sich gegenseitig durchdringen und bedingen. So ist die männliche Besetzung des Nerd-Stereotyps wohl auch verantwortlich dafür, dass die im Sample interviewten Frauen sich eher als ‚Übersetzerinnen‘ zwischen Nerds und ‚Normalos‘ definieren. Das Stereotyp der „scheiternden heterosexuellen Männlichkeit“ lässt keinen Platz für Frauen als gleichberechtigte ‚Mit-Nerds‘, so Ganz; „sie bleiben Objekte, die präventiv verworfen werden“ (220). Gleichzeitig kommt es bei den Interviews teilweise zu einer Selbstdefinition der Netz-Aktivist_innen als gesellschaftlicher Avantgarde. Entsprechend wird von anderen innerhalb der Bewegung die Forderung erhoben, mit dem „Nerd-Pride“ aufzuhören.

Die ‚Freiheit des Internets‘ als verbindendes Element

Die auf Antonio Gramsci gründende und von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe diskurstheoretisch weiterentwickelte Hegemonietheorie erlaubt ebenfalls die Untersuchung der in einer Gesellschaft geronnenen, materialisierten Machtverhältnisse in ihrer Heterogenität; darüber hinaus liefert sie ein Werkzeug zur diskursanalytischen Untersuchung von Sprache und Text. In diesem Sinne nutzt Ganz die Diskurstheorie für das Herauskristallisieren des „Hegemonieprojekts“ der Netzbewegung, also der Forderung, bzw. Utopie, hinter der sich die Netzbewegung sammelt.

Auf diese Weise schält Ganz die ‚Freiheit des Internets‘ als ‚leeren Signifikanten‘ der Bewegung heraus; mit dieser theoretischen Figur erklären Laclau/Mouffe das verbindende Element einer jeden Bewegung, welches zugleich so wenig in sich aussagt, dass letztlich alle Forderungen der Netzbewegung damit repräsentiert werden können

Gemeinsam ist den Aktivist_innen ein Narrativ, wonach das Internet hauptsächlich durch Kooperation und den freien Austausch von Information entstanden ist, womit es eine emanzipatorische Technologie darstellt, welche staatliche und ökonomische Interessen unterminiert. Was genau sich damit für die Aktivist_innen verbindet, ist dagegen sehr unterschiedlich: Vom Eintreten für Netzneutralität über die Ablehnung von Eigentumsrechten an digitalen Gütern und Plattformneutralität im Sinne eines diskriminierungsfreien Zugangs gesellschaftlich relevanter Infrastrukturen bis hin zur grundsätzlichen Ablehnung kapitalistischer Verwertungslogik. Insofern interessiert sich Ganz auch für das Ringen um Hegemonie innerhalb der Bewegung als „Hegemonieprojekt 2. Ordnung“ insbesondere untersucht sie hierfür die gegensätzlichen Positionen beim Thema Post-Privacy, also der Frage nach der Bedeutung von Datenschutz einerseits und Transparenz andererseits.

Vom digitalen Subjekt zur digitalen Solidarität?

Dabei bindet Ganz ihre Interviews zurück auf gesamtgesellschaftliche Diskurse aufgrund bestimmter Entwicklungen wie dem ‚Krieg gegen Terror‘ oder die Enthüllung von Edward Snowden. Das Verhältnis von Technologie und Gesellschaft wird als sich wechselseitig konstituierend verstanden. Auch in diesem Sinne ist die Netzbewegung nicht als völlig neuartiges Phänomen zu sehen, sondern als eine Neue Soziale Bewegung im klassischen Sinne, so Ganz. Doch welcher grundlegende soziale Wandel wird angestrebt?

Die Medienspezialisten Christian Fuchs und Felix Stalder betonen den sich durch die IT-Revolution zuspitzenden Widerspruch zwischen Produktivkraftentwicklung und Produktionsverhältnis. Gleichzeitig beobachten sie eine neue Form ‚digitaler Solidarität‘ und eines ‚networked individualism‘. „Digitale Subjekte“ strebten nach Austausch und Kollaboration, nicht nach Ausschluss und Konkurrenz, so Stalder. Im Anschluss an dessen Überlegungen formuliert Ganz: „Die Netzbewegung in Deutschland steht damit nur exemplarisch für das politische Begehren eines zum vernetzten Individuum subjektivierten Subjekts, die Gesellschaft im Ganzen so zu gestalten, dass sie seinen Entfaltungs- und Verknüpfungsbedürfnissen gerecht wird“ (167). Da der Zugang zu Infrastrukturen, die Kommunikation und Vernetzung erlauben, die Möglichkeit reguliere, sich als vernetztes Individuum zu entfalten, verstünden viele Aktive der Netzbewegung gesellschaftliche Veränderungen nicht als Resultat von Kämpfen, sondern als Anpassung eines Systems an die Bedürfnisse der Nutzer_innen.

Das Ergebnis ist eine Bewegung, die zwar stark von ‚a-kapitalistischen‘ Praktiken geprägt ist, deren verbindendes Element jedoch bereits brüchig wird, was sich auch an der mangelnden Mobilisierungsfähigkeit nach dem von Edward Snowden enthüllten Skandalen zeigt. Und dennoch macht Kathrin Ganz‘ Untersuchung gespannt darauf, in welche Richtung sich die Netzbewegung weiterentwickeln wird, und welche gesellschaftlichen Impulse wir von ihr weiterhin erwarten können.

Podiumsdiskussion am 09.11./TU Berlin: Rechte Proteste und Gegenmobilisierung in Städten und Gemeinden

02.11.2018

Rechte Proteste und Gegenmobilisierung in Städten und Gemeinden

Podiumsdiskussion: 09. November, 19.00h, Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin, Hardenbergstr. 16-18, Raum 005

Das Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) lädt ein zum Austausch über rechte Proteste und Gegenmobilisierungen in Städten und Gemeinden. Am 09. November um 19.00 Uhr diskutieren Vertreter*innen aus Wissenschaft und organisierter Zivilgesellschaft über Wechselwirkungen von rechten Demonstrationen und (linken) Gegenprotesten vor Ort. Die öffentliche Podiumsdiskussion ist Teil der Jahrestagung des ipb zum Kontext lokaler Proteste.

Die jüngste #unteilbar-Demonstration in Berlin zog Zehntausende auf die Straße. Auch in München, Chemnitz und anderswo stellen sich lokale Protestbündnisse rechten Mobilisierungen und rechter Stimmungsmache entgegen. Welche Wirkungen gehen von diesen Gegenprotesten aus? Hilft Widerstand und Protest um rechte Mobilisierungen zu verhindern? Oder werden die Gegenproteste für neue Mobilisierungen von rechts genutzt? Welche Formen der Mobilisierung waren und sind am erfolgreichsten um rechte Proteste einzudämmen?

Für die Diskussion dieser Fragen wollen wir wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrungswissen der Zivilgesellschaft zusammenbringen.

Es diskutieren

  • Theresa Hartmann, Bündnis #Unteilbar
  • Johannes Richter, Courage Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit
  • Dieter Rucht, Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb)
  • Moderation: Sabrina Zajak, Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung/ipb

Wir freuen uns auf Eure und Ihre Teilnahme!

Kontakt: kongress2018@protestinstitut.eu

Foto: Gero Nagel@Flick / (CC BY 2.0)

Im Fadenkreuz: Bewegungsforschung im Nahen Osten und Nordafrika

11.10.2018

2018 startet das Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) eine eigene Rubrik im Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Unter der Überschrift „ipb beobachtet“ kommentieren Mitglieder des Instituts aktuelle Entwicklungen im Feld und in der Debatte über soziale Bewegungen. Der Titel der neuen Rubrik ist vor diesem Hintergrund bewusst mehrdeutig: Einerseits geben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem Umfeld des IPB ihre Beobachtungen zu aktuellen Forschungsdebatten wieder. Andererseits dient die Rubrik auch dazu, der vielfältigen Forschung unter dem Dach des IPB einen Raum zu geben, sprich diese genauer zu „beobachten“. Die Beiträge  der Rubrik sind nach der Veröffentlichung auch auf unserem Blog zu lesen.

Die Rubrik ist ein Produkt der engen Kooperation des Forschungsjournals Soziale Bewegungen und des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung. Verantwortliche Redakteure sind Jannis Grimm und Moritz Sommer, die neben ihrer Redaktionstätigkeit im Forschungsjournal beide im IPB organisiert sind.

Der folgende Text von Jannis Grimm erschien unter dem Titel “Das Ende des ‘Arabischen Frühlings’ der Bewegungsforschung’ im Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 30, Heft 3, S. 84-92. Jannis Grimm ist Mitglied des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb). Er promoviert an der Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies zu Protest-Repressions-Dynamiken in Nordafrika. Gemeinsam mit Kolleg*innen aus Berlin und Göteborg leitet er seit Anfang des Jahres das SAFEResearch Projekt zur Entwicklung eines sozialwissenschaftlichen Handbuchs für sichere Feldforschung. Kontakt: jj.grimm@fu-berlin.de

 

 

Der „Arabische Frühling“ und die Protestforschung

Mit den Massenprotesten von 2011 rückte der arabische Raum endlich auch in den Fokus der Bewegungsforschung. Angesichts der flächendeckenden Abwesenheit des Phänomens „neuer sozialer Bewegungen“ im arabischsprachigen Raum hatten sich bis dato lediglich einige wenige Autor*innen des theoretischen Vokabular der Bewegungs- und Protestforschung im Kontext des Nahen Ostens bedient – zumeist um hierüber (mit gemischtem Erfolg) islamistische Bewegungen jenseits von kulturalistischen und rein ideologiebezogenen Ansätzen fassbar zu machen (etwa Hafez 2003; Wiktorowicz 2004). Daneben hatte eine eher mikro-soziologisch inspirierte Forschungstradition zur „Staatsanalyse von unten“ alternative Mobilisierungspotenziale in den Blick genommen, die sich unterhalb der organisatorischen Schwelle von sozialen Bewegungen und Massenprotesten abspielten. Ihre politischen Effekte leiteten überdies keine demokratischen Transitionen ein, trugen jedoch graduell zur Transformation sozialer Verhältnisse in der Region bei (Bayat 2010; Harders 2009). Bis zu den Umbrüchen 2011 fand diese Forschung aber wenig Anklang in der europäischen Bewegungsforschung, die im Nahen Osten letztlich einer elitenzentrierten Regimeforschung das Feld überließ (Grimm 2015: 100). Selbige behandelte die Region vor allem unter dem Gesichtspunkt autoritärer Stabilität und versuchte zu erklären, wie es den dortigen Autokraten gelang, dem globalen Demokratisierungsdruck zu widerstehen, indem sie sich als partizipative Regime mit demokratischen Fassadeinstitutionen neu erfanden.

Der wissenschaftliche Fokus auf die Resilienz und Anpassungsstrategien autoritärer Regime (für einen Überblick siehe Bank 2009) erklärt wohl auch in Teilen die Überraschung über das Hereinbrechen des „Arabischen Frühlings“. Die Ideologie-übergreifenden revolutionären Koalitionen aus Jugendlichen, Arbeiterschaft und politischen Aktivist*innen zeigten einerseits, dass den Regimen die Repression oder Kooptation oppositioneller Gruppen offensichtlich nur oberflächlich gelungen war. Gleichzeitig offenbarte die Mobilisierung breiter, zuvor als phlegmatisch und apolitisch geltender Bevölkerungsschichten aber auch die Forschungslücke, welche die fehlende Bewegungsforschung über Jahrzehnte in den theoretischen Rahmenwerken der Nahostforschung hinterlassen hatte. Mit den Massenprotesten, die in Tunesien ihren Anfang nahmen und von dort auf die Nachbarschaft übergriffen, änderte sich nicht nur das Bild des arabischen Raums als letzter Bastion des Autoritarismus. Aufgrund des plötzlichen Bedarfs an wissenschaftlicher Expertise zu den beobachteten Mobilisierungsprozessen bewirkten sie auch in der Bewegungsforschung eine regelrechte Goldgräberstimmung.

Gepaart mit der Anknüpfungsfähigkeit zu damaligen Themenkonjunkturen, etwa zur Occupy-Bewegung und den Platzbesetzungen der Anti-Austeritäts-Proteste in Südeuropa, wurde der „Arabische Frühling“ auch zu einem Frühling für die Bewegungsforschung. Dies schlug sich beispielsweise in großzügigen Finanzierungsmöglichkeiten für Forschungsvorhaben zu sozialer Mobilisierung im arabischen Raum nieder. Einige dieser Projekte versuchten den Brückenschlag zur Eliten- und Regimeforschung (z. B. Asseburg/Wimmen 2017; della Porta 2014). Andere stießen hingegen neue Debatten zur Affektivität, der Räumlichkeit und der Performativität von Protestcamps an (z. B. McCurdy et al. 2016; Pearlman 2013; Volpi/Jasper 2018). Überdies fanden die Revolutionen unter vielen jungen Protestforscher*innen Anklang, die sich aufgrund der vertrauten Protestrepertoires (Besetzung und Aneignung öffentlicher Plätze), der heterogenen und inklusiven Zusammensetzung (Arbeiter und Akademiker, Säkulare und Religiöse, Frauen und Männer jeden Alters) und der emanzipatorischen Frames (Freiheit, Partizipation, soziale Gerechtigkeit) mit den arabischen Freiheitsbewegungen identifizieren konnten. Die Hochkonjunktur der „Arabellion“ unter Doktorand*innen mündete letztlich in einigen exzellenten Promotionen, welche die Nahostforschung aus ihrem Nischendasein ins Zentrum der Bewegungsforschung holten (z. B. Donker 2013; Ketchley 2017; Ritter 2014).

Die beteiligten Wissenschaftler*innen wirkten überdies als internationale Multiplikator*innen für die Forderungen der Protestakteure und trugen mit ihrer Forschung dazu bei, dass jene als legitime Adressat*innen wahrgenommen wurden: Zwischen 2011-2013 etablierte sich ein reger Austausch zwischen westlichen Entscheidungsträger*innen und arabischen Aktivist*innen und Menschenrechtsorganisationen.[i] Häufig stellten Protestforscher*innen dabei die Kontakte her, empfahlen passende Ansprechpartner*innen oder begleiteten öffentliche Veranstaltungen wissenschaftlich. Dadurch zementierten sie indes das im letzten Beitrag zu dieser Rubrik beschriebene Bild der Bewegungsforschung als politischer Wissenschaft, die ihrem Forschungsfeld im Kontext des „Arabischen Frühlings“ nicht nur „mit offener Sympathie“ gegenüber (Teune/Ullrich 2018: 418), sondern auch tatkräftig zur Seite stand. Verstärkt wurde dieser Eindruck dadurch, dass ein Großteil der Literatur über die Umbrüche aus der Feder von Autor*innen stammte, die über Nacht eine neue Region „für sich“ entdeckt hatten und über begrenzte Vorerfahrungen mit den lokalen Forschungskontexten verfügten.

Katerstimmung in der Nahostforschung

Im Zuge der „politischen Restauration von oben“ (Harders 2017: 328), die dem „Arabischen Frühling“ folgte, erfuhr das Umfeld für sozialwissenschaftliche Forschung schließlich dramatische Veränderungen. Vor den Umbrüchen von 2011 waren Wissenschaftler*innen als lästige Einmischung empfunden worden. Die meisten autoritären Machthaber – erpicht darauf, sich einen quasi-demokratischen Anstrich zu verleihen – hatten ihre Forschungstätigkeit aber als liberales Feigenblatt gegenüber der westlichen Gebergemeinschaft toleriert. Gegenüber den potenziellen Kosten einer Ausweisung oder Verhaftung kritischer westlicher Forscher*innen für die eigene internationale Legitimität war ihre Präsenz schlichtweg das kleinere Übel. Mit dieser Toleranzhaltung war es nach dem Intermezzo des „Arabischen Frühlings“ vorbei:

In einem Großteil der Transformationsstaaten und ihrer Nachbarschaft verengten sich die Möglichkeitsgrenzen vor allem für Projekte zu nicht-staatlichen Akteuren – Oppositionsparteien, kritischer Zivilgesellschaft oder sozialen Bewegungen – rapide. In Syrien, Libyen, Jemen und Irak verkomplizierten Krieg und Staatszerfall den Feldzugang. In Ägypten, Israel, am arabischen Golf, im Maghreb und in der Türkei wurden Forschende dagegen zur Zielscheibe staatlicher Repressionen. Ausschlaggebend für diese Trendwende war einerseits ihre oben beschriebene Vermittlerfunktion, aber auch ihre Rolle bei der Verbreitung von subalternem Wissen, welches die propagierten nationalistischen und versicherheitlichenden Narrative (Edel 2016) der neuen Autokraten in der Region als Propaganda entlarvte.[ii]

Bislang gibt es noch keine systematische internationale Dokumentation der Fälle, in denen Wissenschaftler*innen an ihrer Forschung gehindert, ihre Möglichkeit zu reisen unterbunden oder ihr Leib und Leben bedroht wurden.[iii] Betroffene Kolleg*innen haben aus nachvollziehbaren Gründen wenig Interesse, ihre Fälle öffentlich zu machen – einerseits, um sich den zukünftigen Feldzugang nicht durch mediale Aufmerksamkeit zu verbauen, andererseits, um ihre eigenen Kontakte vor Ort nicht zu gefährden. Aus denselben Gründen veröffentlichen auch die wenigen Nichtregierungsorganisationen, die Daten über die weltweite Einschränkung von Forschungstätigkeiten erheben, nur aggregierte Zahlen und selten Rohdaten, die Rückschlüsse auf Einzelschicksale zulassen. Dennoch zeichnen ihre Statistiken ein sehr deutliches Bild von der Lage im Nahen Osten und Nordafrika.

So erreichten die Hilfegesuche verfolgter Forscher*innen an das britische Council of At-Risk Academics 2016/2017 das höchste Niveau seit dem Zwangsexodus jüdischer Wissenschaftler*innen aus Europa in den 1930er Jahren.[iv] Verantwortlich für den massiven Anstieg auf 15-20 Anfragen pro Woche (von durchschnittlich 3-4 pro Woche vor den arabischen Umbrüchen) waren dabei vor allem die Verfolgung regimekritischer Wissenschaftler*innen in Syrien, die Inhaftierung von Akademiker*innen mit Verbindungen zur Muslimbruderschaft in Ägypten nach dem Militärputsch 2013 sowie die Suspendierung und Inhaftierung von Wissenschaftler*innen nach dem gescheiterten Militärputsch 2016 in der Türkei.

Der Ausschuss für Forschungsfreiheit der amerikanischen Fachvereinigung Middle East Studies Association versandte im selben Jahr etwa doppelt so viele monatliche Protestnoten wie in den Vorjahren gegen die Kriminalisierung von Forscher*innen durch Regime in der Region. Ähnliche Tendenzen lässt auch der Academic Freedom Monitor des Scholars-at-Risk Netzwerks erkennen, in dem regelmäßig Fälle von Verstößen gegen Wissenschaftsfreiheit publiziert werden. Der diesjährige Education under Attack-Bericht der Global Coalition to Protect Education from Attack benennt gleich neun Staaten der Region als Brennpunkte für wissenschaftliches Arbeiten (Ägypten, Irak, Israel, Jemen, Libyen, Palästina, Sudan, Syrien, Türkei).

Regenis Ermordung als politisches Signal

Brutale Gewalt gegen einzelne Wissenschaftler*innen, die auch im Westen Aufmerksamkeit erfahren, wie die Ermordung des Gewerkschaftsforschers Giulio Regeni in Ägypten (Roll/Brozus 2017), sind dabei nur die Spitze des Eisbergs. Am 25. Januar 2016, dem fünften Jahrestag der ägyptischen Revolution, verschwand der Doktorand in Kairo. In der darauffolgenden Woche wurde sein Leichnam gefunden. Die Foltermale auf dem Körper des 28-Jährigen trugen die Handschrift des ägyptischen Sicherheitsapparats, der bis heute die Aufklärung des Mordes torpediert. Das Bezeichnende an Regenis Entführung und Ermordung war indes nicht das Opfer selbst. Bezüglich seines Verhaltens im Feld, seiner institutionellen Affiliationen, oder seiner persönlichen Merkmale stach Giulio Regeni kaum aus der Masse an Bewegungsforscher*innen in Nahost heraus. Selbst sein Forschungsthema – Gewerkschaftsbildung unter Kairoer Straßenhändlern – schien zwar sensibel, jedoch weit weniger riskant als das von Kolleg*innen, die z.B. über die kriminalisierten islamistischen Bewegungen oder die Schattenwirtschaft des Militärs schrieben. Doch gerade auf der hohen Repräsentativität von Regeni für das gesamte Forschungsfeld die (vermutlich beabsichtigte) Signalwirkung seiner Ermordung begründete: Es kann Jede*n jederzeit unvermittelt treffen. Zwar gab es seitdem keine weiteren derartigen Todesfälle (zumindest unter ausländischen Wissenschaftler*innen). Doch löste der Mord einen regelrechten Rückzug kritischer Bewegungsforschung aus dem Land aus. Insgesamt ähneln die Reaktionen denen nach der Säuberungswelle der türkischen Regierung gegen angebliche Unterstützter*innen der Gülen-Bewegung ab Sommer 2016: Etablierte Wissenschaftler*innen verließen fluchtartig das Land, Doktorand*innen weltweit wechselten ihren Länderfokus (bald dürfte es eine Fülle an Dissertationen zu Marokko und Jordanien geben) und Graduiertenschulen nahmen zeitweilig keine Projekte mehr an, die Feldforschung in Ägypten involvierten. Überdies führte der Fall zu einem Vertrauensverlust zwischen Bewegungsforscher*innen und ihren Forschungssubjekten: Regeni war von einem Interviewpartner aus der unabhängigen Gewerkschaftsbewegung denunziert worden, der es im Kontext eines grassierenden neuen ägyptischen Nationalismus als seine Bürgerpflicht verstanden hatte, die Sicherheitsbehörden über die Aktivitäten des Wissenschaftlers zu unterrichten.

Wer konnte den Bewegungsforscher*innen versichern, dass Feldkontakte in anderen sozialen Bewegungen nicht ebenso von ihrer Scharnierfunktion Gebrauch machen würden und sich, etwa im Gegenzug für einen Abbau von Restriktionen oder finanzielle Vorteile, als Informanten verdingen würden? Die Frage wiegt umso schwerer, da die Verfolgung von Oppositionellen im Land seit Regenis Tod vorangeschritten ist, und mittlerweile nahezu alle Gewerkschaften, Oppositionsparteien und sozialen Bewegungen, die nach 2011 im Fokus der Protestforschung standen, ins Visier des Sicherheitsstaats geraten sind.

Ernüchternd waren überdies die internationalen Reaktionen auf Regenis Tod: Der halbherzige Aufklärungsdruck seitens italienischer Diplomaten sowie eine Kampagne der konservativen italienischen Presse gegen seine Doktormutter Maha Abdelrahman, eine renommierte Nahost-Bewegungsforscherin der Universität Cambridge[v], trugen zum Verlust des Sicherheitsgefühls unter vielen Wissenschaftler*innen bei, die sich bis dato auf die Rückendeckung ihrer Heimatinstitute und diplomatischen Vertretungen verlassen hatten. Deren Reaktionen schienen indes das Gegenteil zu belegen: Nicht lange, da wurde aus dem Vorwurf, Abdelrahman habe bei Regenis Betreuung ihre Führsorgepflicht verletzt, ein Generalverdacht gegenüber allen, die im Nahen Osten und Nordafrika Politik von unten erforschten: Was hatten sie dort überhaupt verloren? Mit welchem Recht befassten sie sich mit denjenigen, von denen die arabischen Regime behaupteten, sie trieben Terrorismus und Staatszerfall voran?

Wachsende Verunsicherung

Es mutet besonders zynisch an, dass diese Vorwürfe (vermutlich unwissentlich) die Diktion arabischer Autokraten reproduzieren, wonach die Entsendung westlicher Forscher*innen in den arabischen Raum ohnehin nur eine Fortschreibung klassischer neo-kolonialer Asymmetrien darstellte, innerhalb derer der Globale Norden Herrschaftswissen über den Globalen Süden produzierte. Gepaart mit den in der kleinen Nahost-Forschungs-Community verbreiteten Anekdoten über weitere Repressalien im Feld [vi] entstand so ein Klima der Angst (oder zumindest der Unsicherheit), das bei der Protest- und Bewegungsforschung im Zeitraum nach dem „Arabischen Frühling“ letztlich einen massiven Konjunktureinbruch bewirkte.

Das Projekt SAFEResearch, das sich mit der Entwicklung eines Handbuchs für sichere Feldforschung befasst und an dem sich mehr als 30 Wissenschaftler*innen beteiligen (siehe unten), hat hierzu Erfahrungswerte gesammelt. Diese offenbaren vor allem drei Herausforderungen, mit denen Wissenschaftler*innen mit Interessensschwerpunkt auf zivilgesellschaftlichen Akteuren konfrontiert und bisweilen alleine gelassen werden. Neben Selbstschutz und angemessenen Vorbereitungen auf die Risiken von Feldforschung in einem sich ständig verändernden Nahen Osten, in dem die roten Linien – anders als vor 2011 – eben nicht länger klar sind, betreffen sie vor allem den Schutz von Informant*innen.

Eine offene und nicht zuletzt forschungsethische Frage ist hier, ob sich unter den gegenwärtigen Bedingungen größerer Aufmerksamkeit von Sicherheitsapparaten Kolleg*innen oder auch private Kontakte vor Ort noch angemessen schützen lassen. Ohnehin sind es vor allem lokal ansässige Forscher*innen, die am stärksten von Repression betroffen sind. Wie lässt sich das zusätzliche Augenmerk des Polizeistaats legitimieren, das der „akademische Tourismus“ (Abaza 2011) aus dem Globalen Norden für lokale Wissenschaftler*innen mit sich bringt? Zudem ist es ja nicht die Forschung, die am meisten von autoritären Unterdrückungsmaßnahmen betroffen ist. Weit gefehlt: Wenn schon Mitglieder deutscher und amerikanischer Universitäten um ihre physische und psychische Unversehrtheit fürchten, wie steht es dann um all die professionellen Bekanntschaften vor Ort, mit denen sie sich austauschen und die als Interviewpartner*innen, Fahrer*innen oder Vermittler*innen fungieren?

Sicher ist es schwierig abzuschätzen, inwieweit allein die zusätzliche wissenschaftliche Aufmerksamkeit Feldkontakte in Gefahr bringen kann. Doch bleibt die Frage zu diskutieren, ob es Forschungsvorhaben gibt, deren Durchführung im Kontext autoritärer Repression schlichtweg nicht mehr moralisch vertretbar ist. Diese Entscheidungen müssen nicht zuletzt auch auf institutioneller Ebene verhandelt werden, um Wissenschaftler*innen – von Promovierenden bis hin zur Projektleiter*innen – besser auf die erschwerten Kontextbedingungen für Feldforschung vorzubereiten. Der Nahe Osten und Nordafrika bieten hierfür nicht das einzige Beispiel, derzeit aber wohl das offensichtlichste.

Kontrolle statt Unterstützung

Damit kommen wir zur Gretchenfrage nach den bisherigen Reaktionen von Forschungseinrichtungen auf die Repression von Forscher*innen. Die Antwort ist größtenteils ernüchternd: Die Reaktion der großen europäischen und amerikanischen Universitäten und Think Tanks reichen von Ignoranz und einer strategischen Nichtbeachtung der veränderten Großwetterlage bis hin zur Rückkehr in die Komfortzonen aus der Zeit vor dem „Arabischen Frühling“. Damals beschäftigte sich der Großteil der Forschung mit statischen Regimetypen oder der Studie von Strukturvariablen auf der Makroebene. Der Vorteil hiervon: Wissenschaftler*innen müssen nicht mehr notwendigerweise vor Ort mit Bewegungsakteuren sprechen, sondern können eine ungefährlichere Außensicht auf die Nahostregime einnehmen. Die Crux: Genau diese Art von Forschung „aus der Vogelperspektive“ (Said 1978: 239) war über Jahrzehnte als neo-koloniale Form der Wissensgenerierung über „den Orient“ kritisiert worden.

Weitere Institutionen kontrollieren das Risiko, dass ihre Forschenden ins Visier des Sicherheitsstaats kommen könnten, dagegen durch mehr oder weniger formale Embargos für Feldforschungsaufenthalte in konfliktbehafteten Staaten. Prinzipiell ist diese Formalisierung kaum zu verurteilen, schließlich zeigt sie, dass sich die betroffenen Einrichtungen ernsthaft mit der Frage auseinandersetzen, wie sie ihr Personal wirksam schützen können. Reiseverbote oder Aufenthaltsbeschränkungen folgen meist der Einsicht, dass man als Universität wenig tun kann, um Studierenden und Wissenschaftler*innen in Notsituationen beizustehen. Sie sind somit vor allem Zeichen der Wahrnehmung einer institutionellen Sorgfaltspflicht. Dies gilt auch für Professor*innen, die sich – aus durchaus nachvollziehbaren Gründen – nicht mehr in der Lage sehen, guten Gewissens noch Promotionsstudent*innen nach Libyen, Ägypten oder in die Türkei zu entsenden (umso weniger, wenn deren Arbeit auf Oppositionsakteure fokussiert) und daher individuell beschließen, solche nicht mehr zu betreuen.

Weitere renommierte Forschungseinrichtungen, darunter die School of African and Oriental Studies, die George Washington University oder das European University Institute, haben zwar von einem vollständigen Embargo abgesehen, dafür aber zuletzt die Genehmigungsprozeduren für Feldforschungsaufenthalte ihrer Mitglieder verschärft. Durch den prägenden Einfluss dieser Institutionen auf das Forschungsfeld fungieren sie dabei als Vorreiter einer Versicherheitlichung und Verrechtlichung von Feldforschung an anderen Universitäten. Der Grad der Bürokratisierung reicht dabei von der Pflicht zur Beantragung von Forschungsvisa (deren Erteilung z. B. im Falle Ägyptens für Forschung zu Protesten oder Zivilgesellschaft von vornherein ausgeschlossen ist) über den Abschluss von speziellen Risikoversicherungen für Konfliktgebiete (mit für öffentliche Universitäten nahezu unbezahlbaren Versicherungspolicen) bis hin zu hastig erarbeiten Antragsverfahren für Feldforschung. Letztere beinhalten zumeist Formblätter zur Bewertung von Sicherheitsrisiken, ohne dass aber den Antragsteller*innen gleichermaßen Kurse zur Aneignung sinnvoller Risikobewertungsstrategien gestellt werden. Mangels ausreichend informierter Fachgremien zur Bewertung der Anträge ist zudem abzusehen, dass es Antragssteller*innen meist gelingen dürfte, die Risiken im gewünschten Reiseland zu relativieren (hierfür schafft die Genehmigungspflicht letztlich einen nachvollziehbaren Anreiz). So bleibt Formalisierung von Feldforschungsprozeduren letztlich ein Feigenblatt, das trotz immensem strukturellen Aufwand kaum in der Lage ist, Forschende effektiv zu schützen.

Flächendeckend mangelt es weiterhin vor allem an verlässlichen Ressourcen, Informationsquellen und Weiterbildungsmöglichkeiten, durch die Forschende für Risiken von akademischer Feldforschung sensibilisiert oder in ihrem Umgang geschult werden. In Italien und Großbritannien (dem Heimatland bzw. dem Ausbildungsort von Giulio Regeni) sind zwar mittlerweile konzertierte Bemühungen zu erkennen, den wissenschaftlichen Nachwuchs an Universitäten besser auf die Unwägbarkeiten im Feld vorzubereiten. In Deutschland wird das Thema Forschungssicherheit dagegen – trotz medialer Aufmerksamkeit auf Einschränkungen akademischer Freiheit – bislang eher stiefmütterlich behandelt. Graduiertenschulen und Forschungsinstitute, die das Thema auf die Agenda gesetzt haben und ihren Mitgliedern ein spezielles Schulungsangebot anbieten, bilden die Ausnahme. Dass hierzu Institute wie die Berlin Graduate School Muslim Cultures and Societies, das Deutsche Institut für Wirtschaftspolitik, oder das Wissenschaftszentrum Berlin zählen, die in den letzten Monaten Sicherheitstrainings oder Seminare zur Feldvorbereitung abgehalten haben, ist kein Zufall: Es sind fast ausschließlich Einrichtungen, die entweder direkt oder indirekt über ihre Mitarbeiter*innen mit dem Fall Regeni zu tun hatten. Größtenteils eignen sich Nachwuchsforscher*innen ihr Wissen über potenzielle Risiken ihrer Arbeit jedoch weiterhin im Zuge ihrer Ausbildungserfahrung über die Ratschläge und Anekdoten von Kolleg*innen an. Dieser Erfahrungstransfer ist üblicherweise vertikal, d.h. von erfahreneren Mentor*innen zu jüngeren und unerfahrenen Forscher*innen. Horizontaler Austausch findet parallel aber auch zwischen Wissenschaftler*innen auf demselben Karrierelevel statt. Im besten Fall sind die so vermittelten Strategien nicht nur „felderprobt“, sondern auch noch nachhaltig wirksam und übertragbar. Im schlechtesten sind sie ineffektiv oder sogar kontraproduktiv (etwa weil sich der politische Kontext in einem Land seit der Felderfahrung einer Mentor*in verändert hat).

Perspektiven für die Bewegungsforschung im Nahen Osten und Nordafrika

Als Forschungsgemeinschaft sollten wir uns eingestehen, dass wir uns zu lange zu wenig und zu unsystematisch mit den potenziellen Risiken unserer Feldforschung auseinandergesetzt haben. Die gilt nicht nur für die Bewegungsforschung im arabischen Raum. Betroffen ist sie aber im besonderen Maße, weil ihr „Tun immer wieder als Politikum empfunden wird“ (Teune/Ullrich 2018: 418). Die verschlechterte Großwetterlage im Nahen Osten hat nicht nur Implikationen für disziplinäre Paradigmen (Pace/Cavatorta 2012), sondern auch praktische Konsequenzen für die Art von Forschung, die künftig noch in dieser Weltregion möglich ist: Für die Studie von Repression und autoritären Regimen mögen gerade wieder goldene Zeiten anbrechen und die Konfliktforschung ist seit der Internationalisierung der arabischen Bürgerkriege ebenfalls gut beschäftigt. Der Protest- und Bewegungsforschung im Nahen Osten dagegen steht eine Durststrecke bevor. Um diese zu überstehen, bedarf es einer Doppelstrategie: Einerseits erfordern die erschwerten Zugangsbedingungen eine Weiterentwicklung bestehender Methoden der Bewegungsforschung für den Nahen Osten und andere Konfliktregionen (Clark/ Cavatorta 2018). Jüngste Versuche von Politikwissenschaftler*innen der Universität Oxford, neue Verfahren der Datenerhebung für Protestevent-Kataloge sowie neue Ansätze zur Social Media-Analyse zu entwickeln, bieten hier bereits Ansatzpunkte (z.B. Barrie/Ketchley 2018; Kadivar/Ketchley 2018; Ketchley 2017). Gleichzeitig ist aber auch klar, dass der große Wert vieler Analysen, die im Nachgang der Massenproteste 2011 entstanden, vor allem in ihrer Detailtiefe lag und auf dem Zugang zu signifikanten Interviewpartner*innen und Primärquellen beruhte. Protesteventanalyse kann noch so weit ausgereift sein, sie wird nie alle relevanten Fragestellungen abdecken können.

Daher gilt es, zusätzliche Ressourcen anzubieten, auf die sich die Forschungsgemeinschaft stützen kann, die weiterhin zur Feldforschung in die Konfliktregionen Nordafrikas und des Nahen Ostens reist. Hier ist nicht zuletzt institutionelles Engagement gefragt: Auf der Mikroebene müssen Nahostwissenschaftler*innen selbst entscheiden, welche Risiken sie bereit sind einzugehen. Allerdings führt die mangelnde institutionelle Unterstützung dazu, dass sich derzeit viele von ihnen entweder anderen risikoärmeren Weltregionen oder anderen Forschungsthemen zuwenden. Individuell ist das angesichts der politischen Lage und der fehlenden Unterstützung nachvollziehbar. Für die Bewegungsforschung als Disziplin bedeute es nach einem kurzen Frühling aber unweigerlich die Entstehung neuer blinder Flecken im Nahen Osten. Strukturell gesehen ist das keine nachhaltige Lösung.

Anmerkungen

[i] Letztere hatten zwar nicht selbst politisch mobilisiert, trieben jedoch aktiv die Aufarbeitung von Repression und Polizeiverbrechen gegen oppositionelle Demonstrant*innen voran.

[ii] Der Begriff der Versicherheitlichung bezieht sich auf einen Prozess sprachlicher Bedeutungsprägung, durch den gewisse Themenfelder oder soziale Gruppen mit einer Bedrohung assoziiert werden. Bereits in den 1990er Jahren beschrieben Forscher der Universität von Kopenhagen, wie durch diesen Konstruktionsprozess (nicht nur in autoritären Regimen) verinnerlichte Normen und institutionalisierte Regeln des friedlichen Zusammenlebens transformiert werden. Im Namen der nationalen Sicherheit erscheinen plötzlich sicherheitspolitische Maßnahmen als legitim, die vorher undenkbar waren, so zum Beispiel der Einsatz von Soldaten gegen Demonstrierende in Ägypten. Für den deutschen Kontext haben Simon Teune und Peter Ullrich im letzten Beitrag zu dieser Rubrik den versicherheitlichenden Effekt des Extremismus-Paradigmas auf die Erforschung sozialer Bewegungen beschrieben.

[iii] Gemeinsam mit seinem Kollegen Ilyas Saliba arbeitet der Autor dieses Artikels derzeit an der Konzeption eines solchen Academic Freedom Index, um den Stand der Verstöße gegen die akademische Freiheit weltweit und staatliche Repressionen gegen Forschende und Studierende zu dokumentieren (siehe Grimm/Saliba 2017).

[iv] Abrufbar unter: http://www.cara.ngo/wp-content/uploads/2017/09/170912-CARA-AR-Final.pdf

[v] Eine Petition von fast 400 namhaften Nahostforscher*innen zur Unterstützung der Professorin gegen die Anfeindungen ist hier abrufbar.

[vi] Darunter kurzzeitige Festnahmen, Verleumdungskampagnen, Einreiseverbote, Hausarrests oder persönliche Drohungen gegen Familienangehörige oder Freunde.

 

Literatur

Abaza, Mona 2011: Academic Tourists Sight-Seeing the Arab Spring. http://www.jadaliyya.com/Details/24454/Academic-Tourists-Sight-Seeing-the-Arab-Spring [31.07.2018].

Asseburg, Murie/Wimmen, Heiko (Hg.) 2017: Dynamics of Transformation, Elite Change and New Social Mobilization: Egypt, Libya, Tunisia and Yemen. New York, NY: Routledge.

Bank, André 2009: Die Renaissance des Autoritarismus. Erkenntnisse und Grenzen neuer Beiträge der Comparative Politics und Nahostforschung. In: Hamburg Review of Social Science, Jg. 4, Heft 1, 10-41.

Barrie, Christopher/Ketchley, Neil 2018: Opportunity without Organization: Labour Mobilization in Egypt after the 25th January Revolution. In: Mobilization, Jg. 23, Heft 2, 181-202.

Bayat, Asef 2010: Life as Politics: How Ordinary People Change the Middle East. Stanford, CA: Stanford University Press.

Clark, Janine A./Cavatorta, Francesco (Hg.) 2018: Political Science Research in the Middle East and North Africa: Methodological and Ethical Challenges. New York, NY: Oxford University Press.

Donker, Teije Hidde 2013: Islamism & the Arab Spring: A Social Movements Approach. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades. Florenz: EUI.

Edel, Mirjam 2016: Sicherheit über alles? In: Zeitschrift für Politik, Jg. 63, Heft 3, 287-306.

Grimm, Jannis 2015: Eine Schwalbe macht noch keinen Frühling: Die arabischen Umbrüche in der politikwissenschaftlichen Literatur. In: Zeitschrift für Vergleichende Politikwissenschaft, Jg. 9, Heft 1, 97–118.

Grimm, Jannis/Saliba, Ilyas 2017: Free Research in Fearful Times: Conceptualizing an Index to Monitor Academic Freedom. In: IdPS-Interdisciplinary Political Studies, Jg. 3, Heft 1, 41-75.

Hafez, Mohammed 2003: Why Muslims Rebel: Repression and Resistance in the Islamic World. Boulder, CO: Lynne Rienner.

Harders, Cilja 2009: Politik von unten – Perspektiven auf den autoritären Staat in Ägypten. In: Beck, Martin/Harders, Cilja/ Jünemann, Annette/Stetter, Stephan (Hg.): Der Nahe Osten im Umbruch. Wiesbaden: VS, 299-323.

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Kadivar, Mohammad Ali/Ketchley, Neil 2018: Sticks, Stones, and Molotov Cocktails: Unarmed Collective Violence and Democratization. In: Socius, Jg. 4, Heft 1.

Ketchley, Neil 2017: Egypt in a Time of Revolution: Contentious Politics and the Arab Spring. Cambridge, UK: Cambridge University Press.

McCurdy, Patrick/Feigenbaum, Anna/ Frenzel, Fabian 2016: Protest Camps and Repertoires of Contention. In: Social Movement Studies, Jg. 15, Heft 1, 97-104.

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Pearlman, Wendy 2013: Emotions and the Microfoundations of the Arab Uprisings. In: Perspectives on Politics, Jg. 11, Heft 2, 387-409.

Della Porta, Donatella 2014: Mobilizing for Democracy. Comparing 1989 and 2011. Oxford, UK: Oxford University Press.

Ritter, Daniel 2014: The Iron Cage of Liberalism: International Politics and Unarmed Revolutions in the Middle East and North Africa. Oxford, New York: Oxford University Press.

Roll, Stephan/Brozus, Lars 2017: Repressionen gegen Wissenschaftler und Journalisten am Nil: Der Regeni-Mord und seine Folgen für die westliche Ägyptenpolitik. https://de.qantara.de/inhalt/repressionen-gegen-wissenschaftler-und-journalisten-am-nil-der-regeni-mord-und-seine-folgen [31.07.2018].

Said, Edward W 2003: Orientalism. London: Penguin.

Teune, Simon/Ullrich, Peter 2018: Protestforschung mit politischem Auftrag?. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 31, Heft 1–2, 418-424.

Volpi, Frédéric/Jasper, James M. (Hg.) 2018: Microfoundations of the Arab Uprisings: Mapping Interactions between Regimes and Protesters. Amsterdam: Amsterdam University Press.

Wiktorowicz, Quintan (Hg.) 2004: Islamic Activism: A Social Movement Theory Approach. Bloomington, IN: Indiana University Press.

 

SAFEResearch

Um den Risiken zu begegnen, denen sich Protest- und Zivilgesellschaftsforscher*innen in weiten Teilen des arabischen Raums, aber auch in immer mehr Staaten des globalen Südens ausgesetzt sehen, hat sich der Autor dieses Beitrags gemeinsam mit Kolleg*innen im internationalen Methodenprojekt SAFEResearch zusammengeschlossen. Das Projekt wird vom Riksbankens Jubileumsfond und dem Schwedischen Forschungsrat Vetenskapsrådet unterstützt und verfolgt das Ziel, ein interdisziplinäres Netzwerk zum wissenschaftlichen Erfahrungsaustausch über sichere Methoden und Praktiken der Feldforschung in Konfliktgebieten und autoritären Kontexten zu etablieren. Bislang beteiligten sich hieran mehr als 30 Autor*innen, Reviewer*innen, Sicherheitstrainer*innen und Hilfskräfte. Koordiniert wurden deren Beiträge von Jannis Grimm (ipb/Freie Universität Berlin), Kevin Koehler (Universität Leiden), Ellen Lust (GLD/Universität Göteborg), Ilyas Saliba (Amnesty International/ Wissenschaftszentrum Berlin) und Isabelle Schierenbeck (Universität Göteborg), die das Projekt gemeinsam leiten.

In diesem Rahmen wird als erster Schritt hin zu mehr Austausch über Feldforschungsroutinen und zur Sensibilisierung für die wachsenden Risiken kritischer Wissenschaft derzeit ein Handbuch entwickelt, welches unter Rückgriff auf die Expertise von Bewegungs- und Konfliktforscher*innen, Journalist*innen, Menschenrechtsverteidiger*innen und Cybersicherheits-Expert*innen „best practices“ für sichere Feldforschung systematisiert. Insgesamt 17 Autor*innen – darunter Nachwuchs-Forscher*innen ebenso wie etablierte Wissenschaftler*innen – bearbeiten in fünf zentralen Kapiteln aus unterschiedlichen Perspektiven die Frage nach methodischen und ethischen Standards zur Minimierung von Risiken für konfliktbehaftete wissenschaftliche Forschung. Der erste Handbuchteil thematisiert dabei sinnvolle Schritte zur Vorbereitung und Planung, sowie die Durchführung von Forschungsprojekten in eventuell risikoreichen Kontexten, zu risikobehafteten Themen, oder mit potenziell durch die Forschung gefährdeten Gruppen: Wie können sich Wissenschaftler*innen besser auf Forschungsaufenthalte vorbereiten und Risiken für sich und ihre Interviewpartner im Vorfeld verlässlich abschätzen? Welche finanzielle, logistische oder didaktische Hilfe sollten ihnen universitäre Einrichtungen, Kolleg*innen und Betreuer*innen zur Seite stellen? Und wie ist mit Unabwägbarkeiten im Feld konkret umzugehen? Weitere Kapitel befassen sich mit Prozeduren zum Krisenmanagement und dem Umgang mit Situationen, in denen Forscher*innen oder ihre Feldkontakte zur Zielscheibe werden, sowie mit der Phase nach der Durchführung der Forschung. Sie reflektieren die möglichen psychologischen Folgen traumatischer Erfahrungen im Feld, wie auch die Frage nach sinnvollen Prozeduren zur Anonymisierung von Rohdaten. Ein separates Kapitel ist zudem Aspekten von Datensicherheit sowie praktischen Hilfestellungen zum Selbstschutz vor digitaler Überwachung gewidmet.

Nähere Informationen zum Projekt finden sich unter: http://gld.gu.se/en/research-projects/saferesearch/

Informationen über die laufenden Aktivitäten verbreitet das SAFEResearch Team zudem auch über Twitter: https://twitter.com/SAFEResearchPro/

Der Kontext lokaler Proteste – Einladung zur ipb-Jahrestagung 2018

10.10.2018

Große, überregionale oder sogar transnationale Protestereignisse wie zuletzt die G20-Proteste in Hamburg prägen das (mediale) Bild politischer Proteste und sozialer Bewegungen. Doch tatsächlich bleibt die vermutlich weit überwiegende Zahl politischer Proteste auf einen lokalen Rahmen beschränkt; in der Regel bilden lokale Ereignisse und Missstände den Ausgangspunkt für Proteste und auch die Mobilisierung erfasst meistens nur einen sehr begrenzten geographischen Raum einer Region, einer Stadt oder sogar nur eines Stadtteils. Dementsprechend haben lokale Gelegenheitsstrukturen, zu denen sowohl die Zusammensetzung lokaler politischer Entscheidungsgremien als auch die Struktur und Geschichte des lokalen Bewegungssektors zählen, einen wesentlichen Einfluss auf die Möglichkeit und den Verlauf vieler Proteste.

Gleichzeitig beeinflussen aber nicht nur lokale Gegebenheiten die Möglichkeiten und Grenzen lokalen Protests. Ähnlich gelagerte Proteste an anderen Orten, gesellschaftliche Themenkonjunkturen, Protestzyklen und -wellen oder die Existenz von Gegenbewegungen sind nur einige relevante Faktoren, die die Möglichkeiten und Entwicklungsdynamiken sozialer Bewegungen und Proteste auf lokaler Ebene ebenfalls strukturieren.

Bei der Jahrestagung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung geht es in diesem Jahr um diese lokalen und nicht-lokalen Bedingungen lokalen Protests:

  • Wie beeinflussen lokale Ereignisse und Strukturen das Auftreten und die Dynamik von Protest?
  • Welche Beziehungen bestehen zwischen lokalen und nicht-lokalen Protesten?
  • Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bestehen zwischen lokalen Protesten an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeitpunkten?

Diese und andere Fragen stehen im Fokus der diesjährigen Jahrestagung, die am 09. & 10. November am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin stattfindet.

Das Tagungsprogramm und die Möglichkeit zur Anmeldung finden sich auf der Tagungsseite.  Wir freuen uns auf Euer und Ihr Kommen!

Gesucht: Unterstützung bei Protestbefragung

24.09.2018

Ihr interessiert Euch für Sozialforschung und möchtet einen Einblick in die empirische Protest- und Migrationsforschung erhalten? Wir suchen interessierte und motivierte Personen, die uns bei einer Befragung der Demonstration „We’ll Come United“ am 29. September 2018 in Hamburg unterstützen. Wie bei anderen Befragungen davor wollen wir mehr über die Zusammensetzung der Demonstration und die Motive der Teilnehmenden wissen.

Wir suchen insbesondere mehrsprachige Unterstützer*innen, insbesondere solche, die Französisch, Türkisch, Arabisch, Dari/Farsi sprechen. Für die Mitarbeit von ca. 6 Stunden vor Ort zahlen wir eine Aufwandsentschädigung von 100 Euro pro Person.

Wie sieht die Unterstützung aus?

  • Am Tag der Demonstration werden alle Beteiligten in einer 1-stündigen Schulung auf die Befragung vorbereitet.
  • Während der Demonstration verteilen sie ca. 4-5 Stunden nach einem Zufallssystem Flyer, die auf einen Online-Survey verweisen. Wir führen keine persönlichen Interviews durch.

Was wir bieten:

  • Mitarbeit in einem engagierten Projektteam.
  • Einblick in die empirische Protestforschung.
  • Übernahme der Kosten für Hin- und Rückfahrt nach Hamburg.
  • 100 € Aufwandsentschädigung pro Person.

Die Befragung wird von einem Projektteam aus Mitgliedern des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) und des Deutschen Zentrums für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) durchgeführt.

Bei Rückfragen und Interessensbekundungen bitten wir so bald wie möglich, spätestens bis zum 26. Setember, um Rückmeldung an:

Elias Steinhilper, steinhilper(at)dezim-institut.de.

Abbildung: Mobilisierungsplakat der antirassistischen Parade “We’ll Come United”

Eskalation beim G20-Gipfel – Bericht, Webseite, interaktive Karte

07.09.2018

Zehn Monate hat ein Team von über 20 Kolleg*innen aus der Protest-, Gewalt- und Polizeiforschung in einem außergewöhnlichen Projekt die Eskalation der Gewalt beim G20-Gipfel in Hamburg rekonstruiert und analysiert. Gestern wurden erste Ergebnisse bei einem Pressegespräch und einer Podiusdiskussion im Hamburger Institut für Sozialforschung vorgestellt. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über das Projekt und die Inhalte, die jetzt öffentlich zugänglich sind.

Mapping #NoG20 – ein waghalsiges Projekt
Das Projekt “Mapping #NoG20. Dokumentation und Analyse der der Gewaltdynamik im Kontext der Proteste gegen den G20-Gipfel in Hamburg 2017” wurde direkt nach den Hamburger Ereignissen von Simon Teune und Stefan Malthaner initiiert. Innerhalb von drei Monaten sammelten sie interessierte Kolleg*innen und sicherten die Finanzierung für wesentliche Teile des Projektes. Institutionell wurde das Projekt neben dem ipb vom Hamburger Institut für Sozialforschung und dem Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin getragen. Insgesamt waren die mitforschenden Kolleg*innen auf 12 Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen verteilt. Die Arbeit war in neun Modulen organisiert, die sich aus verschiedenen Richtungen den Ereignissen näherten, z.B. mit Fokus auf die Twitter-Kommunikation oder in der minutengenauen Rekonstruktion zentraler Ereignisse (mehr zu Aufbau und Methoden des Projektes hier). In sieben Projektworkshops einigte sich das Forschungsnetzwerk auf ein gemeinsames Vorgehen und tauschte Ergebnisse aus. Unterstützt und beraten wurden die Forscher*innen durch einen hochkarätig besetzten wissenschaftlichen Beirat (mit Rafael Behr, Donatella della Porta, Wilhelm Heitmeyer, Wolfgang Knöbl und Dieter Rucht). Ein wesentliches Ziel des Projektes ist es, einen Impuls für die gesellschaftliche Debatte über die G20-Proteste zu geben. Deshalb war der Zeitraum für die Projektarbeit zeitlich begrenzt. Erste Ergebnisse sollten mit der letzten Sitzung des Sonderausschusses in der Hamburger Bürgerschaft der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Erste Ergebnisse auf der Projektwebseite
Der eng getaktete und in großen Teilen auf unbezahlter Arbeit aufbauende Forschungsprozess lief auf drei Produkte hinaus:

  • ein Forschungsbericht, in dem zentrale Erkenntnisse zusammengefasst sind,
  • Satellitentexte: vertiefende Analysen, die Aspekte aufgreifen, die in dem knappen Bericht nicht ausreichend abgebildet werden konnten und
  • eine interaktive Karte, in der nicht nur die raum-zeitliche Verortung der Ereignisse eingezeichnet ist, sondern auch wesentliche Infrastrukturen, alle mit zusätzlichen Informationen unterlegt.

Bericht, ergänzende Analysen und die Karte sind auf der Projektwebseite http://g20.protestinstitut.eu abrufbar.

Sozialwissenschaftliche Debatte auf Soziopolis
Parallel zu der Projektwebseite ging am 6. September auch ein Debattenschwerpunkt auf Soziopolis, dem größten deutschsprachigen Nachrichtenportal der Sozialwissenschaften, online. Kolleg*innen führen dort die Debatte über die angemessene Analyse und Kontextualisierung von Gewaltereignissen. Den Auftakt machen die Beiratsmitglieder Donatella della Porta und Wolfgang Knöbl mit Texten zum polizeilichen Umgang mit Protest im Spätneoliberalismus und zur Eskalation und Deeskalation von Gewaltprozessen.

Projektvorstellung im Hamburger Institut für Sozialforschung
Am Abend des 6. Septembers wurde der Bericht der interessierten Hamburger Öffentlichkeit vorgestellt. Rund 200 Zuschauer*innen verfolgten eine kurze Projektpräsentation und die daran anschließende Podiumsdiskussion, in der die Grenzen und die politischen Implikationen des Projektes deutlich wurden.

Rafael Behr, Professor für Soziologie an der Akademie der Polizei in Hamburg, stellte die analysierten Ereignisse in den größeren Kontext des polizeilichen Umgangs mit Protest. Er kontrastierte die G20-Proteste mit den jüngsten rassistischen Ausschreitungen in Chemnitz, und stellte die Vorstellung in Frage, die Polizei könne einem Protest neutral gegenüber stehen. Teresa Koloma Beck, Professorin für Soziologie an der Universität der Bundeswehr München, hob die Illusion der Moderne hervor, Politik und Gewalt seien getrennte Sphären. Tatsächlich müsste die Analyse konkreter Situationen der Gewalt, die in dem Forschungsbericht im Zentrum stehen, durch eine Perspektive auf ungleiche Machtverhältnisse und gesellschaftliche Ausschlüsse ergänzt werden. Daniela Hunold, Kriminologin an der Deutschen Hochschule der Polizei, verwies auf die räumliche Dimension der Proteste, die durch vorangegangene Konflikte besetzte Stadtlandschaft und das polizeiliche Interesse, den städtischen Raum zu ordnen. Konflikte um Raum seien für die Erklärung von Eskalationsdynamiken zentral.

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Bericht zur Abholung
Der gedruckte Bericht “Eskalation. Dynamiken der Gewalt im Kontext der G20-Proteste in Hamburg 2017” kann am Hamburger Institut für Sozialforschung (Mittelweg 36, 20148 Hamburg) und am Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin (Hardenbergstraße 16-18) abgeholt werden. Fragen dazu und zum gesamten Projekt beantworten die Koordinatoren, Stefan Malthaner (Hamburg), Simon Teune und Peter Ullrich (Berlin).

 

Projektvorstellung Mapping #NoG20

27.08.2018

Öffentliche Veranstaltung “Protest und Reaktion. Die Gewalteskalation um den G20-Gipfel 2017 aus sozialwissenschaftlicher Perspektive” |
Vorstellung des Projektberichtes “Eskalation: Dynamiken der Gewalt im Kontext der G20-Proteste in Hamburg 2017”

Ort: Hamburger Institut für Sozialforschung | Beginn: 06.09.2018 19:00 Uhr

 

Die Ereignisse um den G20-Gipfel im Juli 2017 haben in Hamburg und darüber hinaus tiefe Spuren hinterlassen. In Erinnerung geblieben ist nicht ein “Festival der Demokratie”, sondern vor allem Bilder von Gewalt: Bilder der gewaltvollen Auflösung der Demonstration “Welcome to hell” durch die Polizei, die schwarz vermummte Gruppe, die in Altona Autos anzündet und Bilder von Straßenschlachten im Schanzenviertel. Sie sind Gegenstand einer polarisiert geführten öffentlichen Debatte.

Das von Dezember 2017 bis Juli 2018 durchgeführte Forschungsprojekt Mapping#NoG20 ist ein erster Schritt im Sinne einer wissenschaftlichen Aufarbeitung der Ereignisse. Die Diskussionsveranstaltung nimmt die Veröffentlichung des Projektberichtes”Eskalation: Dynamiken der Gewalt im Kontext der G20-Proteste in Hamburg 2017″ zum Anlass, sich aus sozialwissenschaftlicher Sicht mit dem Geschehen und seiner Bedeutung für politischen Protest, Polizeistrategien und die gesellschaftlichen Bedingungen von Gewalt zu befassen.

Prof. Dr. Teresa Koloma Beck, Soziologin; Universität der Bundeswehr München
Prof. Dr. Rafael Behr, Soziologe; Akademie der Polizei Hamburg
Dr. Daniela Hunold, Kriminologin; Deutsche Hochschule der Polizei
Dr. Simon Teune, Soziologe; Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG),  TU Berlin

Projektvorstellung: Stephanie Schmidt, Ethnologin; Universität Jena und Dr. Dr. Peter Ullrich, Soziologe; ZTG, TU Berlin
Moderation: Dr. Stefan Malthaner, Soziologe; Hamburger Institut für Sozialforschung
Begrüßung: Prof. Dr. Wolfgang Knöbl, Soziologe; Hamburger Institut für Sozialforschung

ab dem 6. September online: Projektwebseite Mapping#NoG20
Verfolgen Sie die Debatte auch auf Soziopolis

Mapping #NoG20 ist das Projekt eines Netzwerks von Wissenschaftler_innen unter dem Dach des unabhängigen Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (ipb), des Hamburger Instituts für Sozialforschung (HIS) und des Zentrum Technik und Gesellschaft der TU Berlin (ZTG).

Call for Papers: Mehrdimensionale Konfliktstrukturen und lokale Protestnetzwerke / ipb-Jahrestagung “Der Kontext lokaler Proteste”

27.08.2018

Mehrdimensionale Konfliktstrukturen und lokale Protestnetzwerke

Panel des AK „Ökonomie und Arbeit“ im Rahmen der ipb-Jahrestagung zum Thema „Der Kontext lokaler Proteste“, 9./10.November 2018 am Zentrum Technik und Gesellschaft, TU Berlin, Organisation: Sabrina Zajak, Melanie Kryst, Felix Butzlaff

Soziale Bewegungen und Protest gelten als Ausdruck und Frühwarnsystem gesellschaftlicher Konfliktlinien. Die Cleavage-Theorie postuliert, dass sich heutige Konfliktlinien zum einen aus den wirtschaftlichen Folgen der Globalisierung (Globalisierungsgewinner und -verlierer), zum anderen aus identitären und/oder religiösen Zuschreibungen in Debatten um Integration, Migration und kulturelle Zugehörigkeiten ergeben. Allerdings, so der Ausgangspunkt dieses Panels, wird diese duale Unterscheidung zwischen polit-ökonomischen bzw. materialistischen Konflikten einerseits und kulturellen Konflikten andererseits der tatsächlichen Mehrdimensionalität von Konflikten nicht gerecht. In der Auseinandersetzung mit Themen wie Arbeit, wachsender sozialer Ungleichheit, Migration, Integration, Geschlechterrollen, Umwelt und Stadtentwicklung entstehen neue Spaltungsmuster in der Gesellschaft, die sich nicht auf binäre Konfliktkonstellationen reduzieren lassen. Die Basis multidimensionaler Konfliktkonstellationen bilden häufig multiple soziale Ungleichheiten und damit verbundene Entfremdungserfahrungen.

Multidimensionaler Konfliktkonstellationen werden insbesondere in lokalen Kontexten von Protest sichtbar. Gruppen können sich z.B. in Bezug auf die Integration von Frauen am Arbeitsplatz oder Maßnahmen für eine nachhaltige Stadtentwicklung einigen, jedoch nicht in Bezug auf Integration von Geflüchteten. Multidimensionale Konfliktkonstellationen manifestieren sich in Städten und Gemeinden in verschiedenen sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Netzwerken mit teils stark divergierenden, teils aber auch überlappenden normativen und politischen Vorstellungen und Zielsetzungen. Damit wird in diesen Netzwerken die Intersektionalität von Problemlagen und Mehrdimensionalität sozialer Ungleichheiten Wahrnehmungen reflektiert. Dies führt zum einen zu neuen Allianzen; zum anderen sind jedoch Konflikte zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen oder innerhalb von lokalen Protestnetzwerken zu beobachten. Dieses Panel zielt darauf ab, die Mehrdimensionalität von Konfliktstrukturen in lokalen Protestnetzwerken sichtbar zu machen und zu diskutieren.

Das Panel interessiert für theoretische und empirische Beiträge sowie transdisziplinäre oder praxisorientierte Projekte, die sich mit folgenden Themen beschäftigen:

  • Unter welchen Kontextbedingungen führen multidimensionale Konfliktkonstellationen zu mehr Kooperation und Zusammenhalt bzw. zum Auseinanderbrechen von Netzwerken und Zusammenarbeit?
  • Wie prägen soziale und gesellschaftliche Ungleichheit Ausgrenzungserfahrungen, die in kollektiven Handeln und Protest münden?
  • Wie schlagen sich Konfliktlinien im Bereich Arbeit und Ökonomie in lokalen Protestereignissen nieder und wie sind diese intersektional mit anderen Themen auf lokaler, nationaler oder transnationaler Ebene verknüpft?
  • Wieso gelingt es Organisationen zu bestimmten Themen Allianzen zu bilden und zu anderen Themen nicht? Warum arbeiten z.B. Bewegungsorganisationen und Gewerkschaften in Austeritätsprotesten oder Protesten gegen Handelsabkommen zusammen, aber finden kaum Gemeinsamkeiten zu Themen der Umweltzerstörung oder zum Umgang mit Geflüchteten?
  • Welche Folgen haben die Bündnisbildungen und Themenüberlappungen auf lokaler Ebene für den Bewegungssektor? Führt dies zu einer schlagkräftigeren Allianz oder hemmen netzwerkinterne Konflikte die Protestwirkung?
  • Welche Rolle spielt lokale, regionale und überregionale Medienberichterstattung für lokale Protestnetzwerke? Erschwert eine komplexe, multidimensionale Konfliktstruktur die öffentliche Sichtbarkeit im Gegensatz zu eindimensionalen Protestereignissen?
  • Wie gehen einzelne Personen und Aktivisten mit der Intersektionalität von Problemlagen um? Welche Deutungen und Problemlösungsstrategien entwickeln sie?

Abstracts (max 300 Wörter) bitte bis zum 13.09 an:

  • Sabrina Zajak (sabrina.zajak@rub.de), Institut für soziale Bewegungen, Ruhr-Universität Bochum
  • Melanie Kryst (mkryst@governance-platform.de), HUMBOLDT-VIADRINA Governance Platform Berlin
  • Felix Butzlaff, (felix.butzlaff@wu.ac.at) Institute for Social Change and Sustainability (IGN), Vienna University of Economics and Business

Photo by Vlad Tchompalov on Unsplash

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Das Institut für Protest- und Bewegungsforschung hat eine ausführliche kommentierte Linkliste zur deutschen Bewegungsforschung zusammengestellt: http://protestinstitut.eu/uber-das-institut/ressourcen/

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