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Revue Silence - Numéro 483 - Novembre 2019

bewegung.taz.de - 27.10.2019
01.11.2019, 14:38 Uhr - 03.11.2019

Notre-Dame-des-Landes : quel avenir ?

Le projet d’aéroport de Notre-Dame-des-Landes a été abandonné début 2018 après 20 ans de lutte et 10 ans d’occupation zadiste. Mais ce n’est pas le terme de l’histoire. Des expulsions violentes s’en sont suivies. Pour celles et ceux qui ont fait le pari de rester, les défis sont nombreux : comment résister à la normalisation et continuer à construire des pratiques collectives, autogestionnaires et émancipatrices ? Certain·es se sont lancé dans l’aventure d’un fonds de dotation pour le rachat collectif de terres, d’autres souhaitent rester en dehors des négociations avec l’État. Ce dossier permet de faire le point sur l’avenir de ce territoire en compagnie de personnes qui vivent sur place ou qui accompagnent de près les luttes et les expérimentations qui s’y construisent.

Des articles :

  • Service national universel : boycott et objection de conscience
  • La mode : une industrie sexiste
  • Transmettre par le dessin
  • Les alternatives à l’assaut des mairies ?
  • Photos : La ZAD de Notre-Dame-des-Landes toujours en ébullition

Des chroniques :

  • Nouvelles de la Terre : En Grèce, face à la frénésie pétrolière, la résistance s’organise
  • L’écologie, c’est la santé : Nos corps ne sont pas des égouts
  • Chroniques terriennes : Pesticides : l’expertise officielle en service commandé !

 

https://www.revuesilence.net/numeros/483-Notre-Dame-des-Landes-quel-avenir/

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Bewegungsgespräch: Wie “weiß” sind die neuen Klimaproteste?

Ort: taz Kantine, Friedrichstraße 21, Berlin-Kreuzberg

Zeit: 19.11.2019, um 19 Uhr | Eintritt frei

Der Klimastreik am 20. September 2019 war ein neuer Höhepunkt der aktuellen Klimaproteste, die vergangenes Jahr durch die schwedische Aktivistin Greta Thunberg losgetreten wurden. In mehr als 150 Ländern gab es Demonstrationen. Allein in Berlin gingen über 200.000 Menschen auf die Straße- und das an einem Freitagnachmittag!

Deutschland hat eine lange Tradition starker Umweltbewegungen. Diese kommt vor allem aus dem weißen Mittelstandsmilieu. Eine erste Befragung des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung (IPB) zu den Fridays For Future-Protesten deutet an, dass dies auch für die neuen Klimaproteste zutrifft. Menschen mit Migrationshintergrund sind bei den Protesten unterdurchschnittlich vertreten. Ähnliches zeigt sich zum Beispiel bei den Jugendumweltverbänden. Wir wollen gemeinsam diskutieren, welche jungen Menschen die neuen Klimaproteste und die Umwelt-NGOs eigentlich erreichen und mobilisieren, wen sie ausschließen und wie sich Engagierte mit Migrationshintergrund bzw. deren Initiativen zu den neuen Klimaprotesten verhalten.

Es diskutieren:

  • Quang Anh-Paasch, Mitorganisator und Pressesprecher Fridays For Future
  • Lea Dehning, Koordinatorin des locals united project der BUND Jugend
  • Imeh Ituen, Sozialwissenschaftlerin mit Schwerpunkt auf koloniale Kontinuitäten in der Umwelt- und Klimakrise, Gründerin und Aktivistin von BPoC Environmental Justice Group Berlin
  • Vertreter*in Jugendorganisation N.N.

Moderation: Nina-Kathrin Wienkoop, ipb und DeZIM-Institut, Louisa Prause, FU Berlin

Kontakt: veranstaltungen[at]dezim-institut.de

"Make Grunewald a better place"

bewegung.taz.de - 25.10.2019
02.11.2019, 20:00 Uhr - 02.11.2019

"Wo eine Villa ist, ist auch ein Weg. Wo Repression ist, ist auch eine Benefiz-Gala!"

// Das Quartiersmanagement Grunewald lädt zum Anti-Repressions-Spektakel des Jahres! //

Solidarität ist eine Waffe, Bastelscheren nicht!

1. Mai im Grunewald 2019: Am Tag der sozialen Arbeit wurden einige der 7500 autonomen Streetworker:innen wegen des Mitführens (!) von Filzstiften, Bastelscheren und Aufklebern mit Personalienaufnahmen, Platzverweisen oder sogar Anzeigen behelligt. Dadurch sind einige Repressionskosten entstanden.

Darum, aber auch so und weil wir Geld für nächste sozialarbeiterische Interventionen brauchen veranstalten wir diesen rauschenden Gala-Abend mit spektakulärem Programm, Show, Konzert, Party!

Eintritt: 7-15 €

Soundtrack zum Charity-Event des Jahres: GruniAID feat myGruni-Allstars: »Make Grunewald a better place!«

Kommse vorbei auf ein Zusammenstößchen!

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Körperverletzung im Amt

bewegung.taz.de - 23.10.2019
24.10.2019, 19:30 Uhr - 24.10.2019, 22:00 Uhr

Forschungsergebnisse der Studie KviAPol der Ruhr-Universität Bochum

 mit Hannah Espín Grau, Bochum

Roman Thurn, Institut für Soziologie LMU

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Friedenskonzert Wort & Musik

bewegung.taz.de - 23.10.2019
29.10.2019, 19:00 Uhr - 29.10.2019, 21:30 Uhr

Michael Leslie, Pianist, spielt Werke von Beethoven, Brahms, Schumann, u.a.

Jürgen Jung, Schauspieler, liest  Liebes-und Zorngedcihte von Erich Fried

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Rise up 4 Rojava

bewegung.taz.de - 23.10.2019
26.10.2019, 14:00 Uhr - 26.10.2019, 17:00 Uhr

Solidarität mit Rojava

Stoppt den türkischen Angriffskrieg

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Jemenkrieg, die vergessene Katastrophe

bewegung.taz.de - 23.10.2019
07.11.2019, 19:00 Uhr - 07.11.2019, 21:30 Uhr

Einführung in den Konflikt von Matthias Gast, Initiative für Jemen

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11. Münchner Mieter*innen Stammtisch/Speziell für StudentInnen

bewegung.taz.de - 23.10.2019
12.11.2019, 19:00 Uhr - 12.11.2019, 22:00 Uhr

Offene Plattform für alle, die gegen Mietwucher und Gentrifizierung aktiv werden wollen!

Die Stadt und die Häuser denen, die dort wohnen!

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Wir müssen über die Radikalisierung der Klimabewegung reden. Aber anders als bisher

Kommentar von Simon Teune

zuerst erschienen im Tagesspiegel am Sonntag, 6. Oktober 2019

Die Klimagerechtigkeitsbewegung, die schon vor einem Jahrzehnt Fahrt aufnahm, und mit den Fridays for Future ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, entspringt einer radikalen Haltung: die Bedrohung einer unbewohnbaren Erde lässt sich nur dann verhindern, wenn wir unsere Art zu leben und zu wirtschaften grundsätzlich ändern. Bislang haben große Teile der Bewegung darauf gesetzt, dass Regierungen und Unternehmen sich der Herausforderung der globalen Erwärmung stellen und das in ihrer Macht stehende tun, um Schlimmeres zu verhindern. Nun haben weder die größten Straßenproteste im wiedervereinigten Deutschland noch Bevölkerungsumfragen, in denen sich eine klare Mehrheit für einen Primat des Klimaschutzes ausspricht, zu einer ambitionierten Klimapolitik geführt. Was macht das mit den Menschen, die sich engagieren? Darüber sollten wir reden.

Stattdessen führen wir ganz andere Debatten. Zu Beginn der Fridays for Future wurde der Protest in Frage gestellt, weil sich die Kinder und Jugendlichen über die Schulpflicht hinwegsetzten, eine Norm, die damit begründet wird, dass aus Kindern mündige Staatsbürgerinnen und Staatsbürger werden sollen. Seit dem Klimastreik wird nun geraunt, die Bewegung würde sich radikalisieren. Gemeint ist: sie ist auf dem Weg in die Gewalt. Die deutlichen Beweise: Aufkleber auf SUVs, der Staatsschutz ermittelt. Diese Nebelkerze lenkt von einer erstaunlichen Besonderheit der Klimabewegung ab: die Abwesenheit von Gewalt als Strategie.

Es werden in und zwischen den verschiedenen Gruppen der Klimabewegung viele Themen diskutiert. Aber eine Frage, die viele frühere soziale Bewegungen gespalten hat, gehört nicht dazu: die Gewaltfrage. Obwohl nicht weniger als das Überleben der Menschheit auf dem Spiel steht, setzt kein nennenswerter Akteur in der Klimabewegung darauf, Menschen anzugreifen oder Sachen zu zerstören, um radikale Veränderungen zu erzwingen.

Die Grenzüberschreitung gehört zur DNA von Protest. Protestaktionen sollen aufrütteln, Abläufe stören, Autoritäten und Gewohnheiten in Frage stellen. Diese Disruption ist Bedingung für die Wirksamkeit von Protesten. Ohne sie gäbe es, kurz gesagt, keinen Achtstundentag, keine Wiedervereinigung, keinen Atomausstieg. Das heißt aber nicht, dass alles geht. Grenzüberschreitungen finden in einem Rahmen statt, der sich über lange Zeit entwickelt hat. Diese Leitplanken von Protest gehen oft auch auf schmerzhafte Lernprozesse zurück. In der Linken hat sich nach den politischen Morden der RAF und den Schüssen an der Startbahn West ein Konsens herausgebildet, dass die Gefährdung von Menschenleben mit einer progressiven Agenda nicht vereinbar ist. In diesem Geist benennen die zentralen Akteure der Klimabewegung klare Grenzen, in denen sich ihr Protest bewegen soll. Die Fridays for Future und Extinction Rebellion legen sich darauf fest, dass ihr Protest gewaltfrei sein soll. Die Blockaden von Ende Gelände gegen die Braunkohleindustrie und von Sand im Getriebe gegen die Internationale Autoausstellung finden unter der Prämisse statt, dass keine Menschen gefährdet werden sollen.

Dass der Rahmen so klar gesteckt wird, ist umso erstaunlicher, weil eine weitere Besonderheit der Klimabewegung die Lage verschärft. Das Erkennungszeichen von Extinction Rebellion, die Sanduhr, steht für die zentrale Herausforderung der Bewegung: Wenn nicht bald gehandelt wird, droht dem Planeten der Kollaps. Andere soziale Bewegungen hatten die Zeit auf ihrer Seite. Die Zustimmung zur Gleichberechtigung der Geschlechter z.B. breitete sich nach Protesten und Kämpfen in den Institutionen immer weiter aus. Die Klimabewegung aber arbeitet gegen die Zeit. Sie baut auf wissenschaftlichen Prognosen auf, nach denen sich das Zeitfenster schließt, in dem sich unumkehrbare Effekte auf das Weltklima noch verhindern lassen. Je mehr Zeit verstreicht, desto abrupter muss umgesteuert werden.

Die Wahrnehmung, dass die Uhr tickt, hat enorme Sprengkraft. Sie hat das Potential, das immer mehr Menschen eine Haltung entwickeln, die im Wortsinn radikal ist, weil sie darauf zielt, ein Problem bei der Wurzel (lat. radix) zu packen. Unter den gegebenen Bedingungen ist es durchaus plausibel, dass immer mehr Menschen geneigt sein werden, ihren Protest durch begrenzte Regelbrüche zum Ausdruck zu bringen. Hohe Zustimmungswerte zu zivilem Ungehorsam gibt es unter Protestierenden seit Jahren. Aber heute fällt die Zeitnot zusammen mit einem Missverhältnis von gesellschaftlicher Mobilisierung und politischer Reaktion. Wie weit die Ausweitung des Ungehorsams geht, wird sich als nächstes in der zweiten Oktoberwoche zeigen, wenn die von Extinction Rebellion organisierte Aktion #berlinblockieren angelaufen ist.

Eine Zuspitzung zeichnet sich schon jetzt ab: Klimapolitik wird zunehmend zu einem Konflikt, der die Gesellschaft polarisiert. Die Proteste machen die Ungerechtigkeit und die Machtverhältnisse, die mit der Klimakrise verbunden sind, sichtbar und verhandelbar. Damit zwingen Demonstrationen und Blockaden die Einzelnen zur Positionierung: die Gretchenfrage dieser Tage lautet: wie hältst Du es mit dem Klimaschutz? Ohne ein politisches Verhandlungsangebot droht die Klimafrage Spaltungen zu vertiefen. Die Frage der Radikalisierung stellt sich also nicht nur für die Klimabewegten, sondern auch für diejenigen, die ihre Anliegen oder ihre Haltung ablehnen.

Welche Richtung die Radikalisierung in der Klimabewegung nimmt, ist nicht ausgemacht. Der Weg in die Gewalt ist angesichts der geschilderten Selbstbeschränkung und angesichts der Abwesenheit einer Debatte dazu nicht die wahrscheinlichste Perspektive. Die größere Gefahr ist die radikalisierende Wirkung der Resignation. Wenn hunderttausende die Erfahrung machen, dass ihr Engagement ins Leere führt und die Klimakrise nicht adäquat angegangen wird, sind die Folgen für die demokratische Substanz, für das Vertrauen in das Funktionieren demokratischer Institutionen verheerend.

Abbildung: Sand im Getriebe via Facebook

Auf die Straße! – Tagungsbericht

Mitte Juni 2019 lud die Bundeszentrale für Politische Bildung (bpb) zur Fachtagung “Auf die Straße! Politischer Protest in Deutschland” (Bericht des Deutschlandfunks). In drei Plenarvorträgen und 27 (!) Panels und Diskussionsrunden wurde das Thema aus unterschiedlichsten Perspektiven erörtert (Programm). Natürlich waren auch etliche ipb-Kolleg*innen vertreten, namentlich: Dieter Rucht, Ansgar Klein, Sebastian Haunss, Peter Ullrich, Simon Teune, Julia Zilles, Dieter Rink, Sabrina Zajak, Nina-Kathrin Wienkoop, Clemens Arzt, Lisa Vollmer, Verena Stern, Lisa Bogerts, Nils Schuhacher und Elias Steinhilper. 

Der folgende Tagungsbericht von Moritz Sommer ist als kollektiver Bericht zahlreicher ipb-Kolleg*innen entstanden. Auf Grund der Parallelität der Diskussionsrunden, kann im Folgenden nur ein Ausschnitt vorgestellt werden. Der Text erschien in ähnlicher Form auch auf der Webseite der bpb.

Der Vortrag von Dieter Rucht ist bei Deutschlandfunk Nova als Podcast verfügbar.

Auf die Straße! – Tagungsbericht

In Deutschland wird protestiert. Gegen Stuttgart 21, gegen den G20-Gipfel oder gegen die Unterbringung von Geflüchteten. Für den Erhalt des Hambacher Forstes, bezahlbaren Wohnraum oder die Einhaltung der Klimaverträge. Protest findet auf der Straße statt – in Großstädten und im ländlichen Raum. Er drückt sich in Transparenten, Sprechchören oder Unterschriftenlisten aus. Das Internet und die Sozialen Medien haben Möglichkeiten und Formen des Protestes erweitert. Protest ermöglicht direkte politische Beteiligung, jenseits von Wahlen und institutionalisierter Mitbestimmung. Für die einen ist Protest daher gelebte Demokratie, andere betonen den destruktiven Charakter von Protest als Hindernis effektiver Governance. Gerade weil Protest allgegenwärtig und umstritten ist, bleibt eine grundlegende Auseinandersetzung mit dem Gegenstand notwendig: Was ist Protest? Wie funktioniert er? Und wann ist er erfolgreich? Diese und andere Fragen standen im Zentrum der von der Bundeszentrale für Politische Bildung (BpB) organisierten Fachtagung „Auf die Straße! Politischer Protest in Deutschland“ am 17. und 18. Juni 2019. In Hamburg fand sich eine bunte Mischung aus erfahrenen und jungen (Bewegungs-)Forscher*innen, Journalist*innen, Veteran*innen der deutschen Protestgeschichte und Repräsentant*innen noch junger Protestbewegungen zur Diskussion zusammen. Dass es sich hier um eine der größten Fachtagungen im deutsch-sprachigen Raum gehandelt haben dürfte, kann als Beleg für die zunehmende öffentliche Beachtung von Protest betrachtet werden.

Einführung und historische Linien

„Protest!“ Unter diesem Titel gab Dieter Rucht (Institut für Protest- und Bewegungsforschung, ipb) den Startschuss. Gleich zu Beginn stellte er der verbreiteten Wahrnehmung von Protest als destruktiver Form der Ablehnung, die ursprüngliche Bedeutung des Wortes und damit eine alternative, positive Sichtweise entgegen: Das deutsche Verb protestieren leitet sich ab vom spätlateinischen protestare, das so viel heißt wie ‚für etwas Zeugnis ablegen‘ oder ‚für etwas eintreten‘. Rucht definierte Protest in seiner heutigen Bedeutung als „eine kollektive, öffentliche Handlung nicht-staatlicher Akteure, die Kritik oder Widerspruch zum Ausdruck bringt und mit der Formulierung eines gesellschaftlichen oder politischen Anspruchs oder Ziels verbunden ist”.

Grafic Recording – Protest! Eine Einführung, Vortrag von Dieter Rucht

In der historischen Betrachtung von Protest hätten diese kollektiven Handlungen ganz unterschiedliche Formen angenommen: von den Sklavenaufständen der Antike über die Bauernrebellionen der frühen Neuzeit bis hin zu den dann von sozialen Bewegungen getragenen bürgerlichen Revolutionen und den Arbeiter*innen-Protesten des 18. Jahrhunderts. Auch die wesentlichen Träger*innen und damit die Protestthemen hätten sich immer wieder verändert: von den klassischen ‚Brot und Butter‘-Fragen des frühen Kaiserreichs, über die ideologischen Grundsatzkonflikte der Weimarer Republik bis hin zu post-materialistischen Fragen mit dem Aufkommen der Neuen Sozialen Bewegungen. Das auch in Deutschland vielfach geäußerte diffuse Gefühl einer Zunahme von Protesten konnte Rucht unter Rückgriff auf empirische Daten zweier Protestereignisanalysen teilweise bestätigen. In der Bundesrepublik nehme demnach die Zahl der Proteste bei kurzfristigen Schwankungen bis in die späten 1990er Jahre zu, gehe dann zurück und steige seit 2005 wieder an. Auch diese Entwicklung sei ein Beleg für eine generelle ‚Normalisierung‘ von Protest, der immer mehr als gängige – und eben nicht als irrationale – Form der Interessenvertretung verstanden werde.

Anstelle des im Programm vorgesehen Sven Reichhardt (Universität Konstanz), der leider kurzfristig erkrankt war, hielt Philipp Gassert (Universität Mannheim) den zweiten Plenarvortrag zum Thema „Schlaglichter der deutschen Protestgeschichte“. In einer historischen Perspektive zeichnete er Protest als Ergebnis langer Entwicklungen, die sowohl das Repertoire als auch die gesellschaftliche Einordnung und Bewertung von Protest prägen. Gassert identifizierte historische Schlüsselmomente, um die sich wandelnden Charakteristika und die öffentliche Wahrnehmung von Protest zu rekonstruieren: Protest sei seit den Studierenden-Mobilisierungen um 1968 verstärkt „expressiv“, mit der Friedensbewegung um 1983 gesellschaftlich „akzeptabel“ und mit den Wendeprotesten um 1989 schließlich „normalisiert“ worden. Eine historische Perspektive zeige zudem, dass Protest nicht primär Motor, sondern vielmehr Indikator gesellschaftlichen Wandels sei. Nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen Bewegungsakteure im Publikum stieß besonders diese starke und zugleich kontroverse These eine produktive Debatte zur gesellschaftlichen Bedeutung Sozialer Bewegungen an, die auch später immer wieder aufgegriffen wurde.

Im Anschluss an die beiden Einführungsvorträge nahmen nicht weniger als 27 Infopanels und Diskussionsrunden, verteilt auf vier Zeitblöcke, am 17. und 18. Juni die von Rucht und Gassert skizzierten Linien auf und vertieften sie.

Erfolgsbedingungen

Plurale Gesellschaften sind geprägt von multiplen Konfliktlinien und zeichnen sich durch eine Vielfalt an Meinungen und Interessen aus. Doch nicht in allen Fällen führen diese zu Protest. Im Panel „Warum hier und nicht dort? Entstehungshintergründe von Protesten“ war es erneut Philipp Gassert, der die großen historischen Linien zog. Dabei betonte er die Bedeutung gesellschaftlicher Konflikte, die von sozialen Bewegungen benannt würden und so kollektive Lernprozesse und politische Reformen nach sich zögen. Ansgar Klein (Forschungsjournal Soziale Bewegungen) erläuterte überblickshaft die wichtigsten analytischen Instrumente der Erforschung sozialer Bewegungen und erfolgreicher Mobilisierung, vom Ressourcen-Mobilisierungs-Ansatz, der die Rolle von Geld, Engagement und öffentlicher Unterstützung beleuchtet, über die Frage der politischen oder diskursiven Gelegenheitsstrukturen, die Mobilisierungsfenster öffnen oder schließen können, den „Framing-Ansatz“, der die Resonanzfähigkeit der Problembeschreibung als zentralen Faktor erfolgreicher Mobilisierung versteht, bis hin zur Rolle kollektiver Identität. In der anschließenden Diskussion und der Anwendung auf jüngste Protestphänomene wurde deutlich, dass oft nur ein ganzes Bündel von sozialwissenschaftlichen Analyseansätzen die Mobilisierungserfolge einzelner Bewegungen erklären kann.

Welche Kriterien für „erfolgreichen“ Protest lassen sich auch jenseits der Frage der Mobilisierung anlegen? Das Panel „Das nützt doch nichts … Über Erfolge, Misserfolge und Erfolgsbedingungen“ versprach Antworten. Sebastian Haunss (ipb und Universität Bremen) schlug vor, mindestens drei Dimensionen von Erfolg zu unterscheiden: Erstens in der zeitlichen Dimension, ob es um kurzfristige oder langfristige Wirkungen sozialer Bewegungen geht. Zweitens sollte auf der Ebene der Reichweite zwischen Policy-Wandel und gesellschaftlichem Wandel unterschieden werden und drittens auf der Ebene der Handlungsmacht, zwischen eigenverantwortlichen sowie auf Unterstützung angewiesenen Erfolgen. Mit diesem Schema lässt sich der kurzfristige Erfolg eines lokalen Protestbündnisses von der langfristigen gesellschaftlichen Wirkung beispielsweise der Frauenbewegung systematisch unterscheiden. Für Gerald Neubauer (Campact) ist gesellschaftlicher Fortschritt, wie die (rechtliche) Gleichberechtigung von Mann und Frau ohne die Kraft sozialer Bewegungen kaum denkbar. Indem sie als selbstverständlich erachtete Sozialstrukturen hinterfragten, seien soziale Bewegungen eine zentrale Triebfeder gesellschaftlichen Fortschritts. Eine zentrale Erfolgsbedingung sei die Bereitschaft der Aktiven, sich über ungerechte Gesetze hinwegzusetzen und diese zu delegitimieren. So habe ziviler Ungehorsam immer wieder zu Gesetzesänderungen und Reformen geführt, wie z.B. das Ende der Rassentrennung in den USA eindrücklich zeige. Bemerkenswert ist, dass Misserfolge sowohl von den Vortragenden als auch in der Diskussion nur ganz am Rande thematisiert wurden: eine Leerstelle, die sich auch in der Protestforschung allgemein zeigt.

Mediale Wahrnehmung – mediale Inszenierung

Die Frage nach den Erfolgsbedingungen von Protest lenkt den Blick auf die Rolle der Medien und die öffentliche Wahrnehmung von Protest. Die Podiumsdiskussion „Ein Wechselspiel – Medien und Protest“ mit Marcus Bornheim (stellvertretender Chefredakteur der Tagesschau), Michael Hopf (Greenpeace) und Simon Teune (ipb und TU Berlin) nahm als Ausgangspunkt, dass die meisten Menschen erst über Beiträge im Radio, im Fernsehen, in Tageszeitungen und deren Online-Plattformen Proteste wahrnehmen. Dadurch entscheiden journalistische Kriterien darüber, welcher Protest sichtbar wird und welche Aspekte hervorgehoben werden. Nur eine einstellige Prozentzahl der Proteste findet so den Weg in die Berichterstattung. Bornheim unterstrich, dass Proteste in der Konkurrenz um den begrenzten medialen Raum nur dann berücksichtigt würden, wenn sie mit Nachrichtenwerten wie Größe, Konfliktpotenzial oder Neuheit versehen seien. Inwiefern die Kriterien von Journalist*innen auch die Arbeit der Protestakteure beeinflussen, zeigt das Beispiel Greenpeace: Einzelne Aktionen der Umweltorganisation werden so geplant, dass sie durch spektakuläre Bilder die journalistische Nachfrage nach Konflikt bedienen. Michael Hopf betonte dabei allerdings, dass die Themenauswahl von Greenpeace sich nicht primär an der Verwertbarkeit in den Medien orientiere. Viele Formen der Kommunikation liefen an den Medien vorbei, z. B. in der direkten Kommunikation mit Mitgliedern und Ortsgruppen. Die Bilder seien vor allem eine Möglichkeit, alternatives Wissen in breitere Diskurse einzuspeisen. Die Moderatorin Nalan Sipar (Deutsche Welle) führte die Diskussion immer wieder auf konkrete Ereignisse zurück. So wurde der Erfolg der Klimastreiks der FridaysForFuture unter anderem damit erklärt, dass die Identifikationsfigur Greta Thunberg, gepaart mit der gewählten Aktionsform, eine gut zu erzählende Geschichte geboten hätte, die das Thema Klimawandel auch auf die Agenda der Redaktionen gesetzt hätte.

Die Abhängigkeit von der medialen Berichterstattung beeinflusst wiederum Protestakteure in der Wahl ihrer Mittel. Simon Teune verwies im thematisch anschließenden Panel „Plakate, Transparente, Trillerpfeifen. Inszenierungsformen von Protest“ darauf, dass Protestformen nicht völlig frei gewählt würden, sondern im Verhältnis zu verschiedenen Akteuren zu verstehen seien. Die Reaktion von Regierenden, Medien und Polizei würden mit Vorgaben und Reaktionen auf Protest die Wahl von Protestformen mitprägen. In sozialen Bewegungen gäbe es parallele Aktionsrepertoires, bei denen die verschiedenen Protestmilieus unterschiedliche Grenzen setzten und über Bilder und Sprache Korridore des erwünschten Protestes definierten. Lisa Bogerts (ipb) betonte, dass sich die Inszenierung von Protest – als öffentliche Bühne der Selbstdarstellung nach außen –sowohl von der Kommunikation von Bewegungen nach innen als auch von der (Fremd-) Darstellung durch andere, wie z. B. Medien und Politiker*innen, unterscheiden könne. Um ihre Ziele zu kommunizieren, Aufmerksamkeit zu erregen und (potenzielle) Anhänger*innen zu mobilisieren, würden Protestierende ihre Identifikationsangebote nicht nur mithilfe von rationalen Argumenten unterbreiten, sondern auch durch emotionale und soziale Anknüpfungspunkte. Oft müssten dafür komplexe politische Sachverhalte und Ideologien in einfache und schnell verständliche Botschaften sowie ästhetisch-visuelle Zeichen mit hohem Wiedererkennungswert heruntergebrochen werden, was im wahrsten Sinne des Wortes zu plakativen und oft verkürzten Botschaften sowie Freund/Feind- oder Täter/Opfer-Schemata führen könne. Während Proteste visuell durch Farben und Flaggen, (Un-)Gerechtigkeitssymbole, personifizierende Protest-Ikonen sowie empörende oder humorvolle Bilder inszeniert würden, gälte vor allem das Zitat eines Anonymous-Aktivisten: „Langeweile ist konterrevolutionär“.

Bereits vor dem skizzierten Panel lieferte Dorna Safaian (Universität Siegen) in ihrem Vortrag „Ästhetik des Protests“ mit dem Rosa Winkel – dem Symbol der Schwulenbewegung der 1970er Jahre – ein eindrückliches Beispiel für die verschiedenen Dimensionen des sinnlich wahrnehmbaren Protestes. Symbole wie der ursprünglich in KZ als Kennzeichnung homosexueller Häftlinge verwendete und von der Homosexuellen Aktion Westberlin als Erkennungszeichen eingeführte Rosa Winkel werden im Handeln der Protestierenden mit Bedeutung und Emotionen aufgeladen. Sie haben die Funktion, Konfliktlinien sowohl nach außen als auch bewegungsintern zu markieren. So wurde der Rosa Winkel eingeführt, um gegenüber anderen Protestbewegungen eine eigene Bildsprache zu entwickeln und für die Gruppe der Schwulen über die erlittene Repression eine kollektive Identität zu stärken. Relevant werden Protestmedien im Gebrauch, sei es bei Protestereignissen oder im Alltag. Der Rosa Winkel wurde in der Öffentlichkeit als Kennzeichen der Schwulen präsentiert – auf Plakaten und mit Ansteckern getragen. Das Zeigen des Symbols wurde aber auch als eine symbolische Handlung zur Überwindung der eigenen Angst verstanden. Insofern sind Protestmedien immer auch mit kollektiven emotionalen Praktiken, also in Gemeinschaft entstehenden und empfundenen Gefühlen, verbunden.

Grafic Recording – Die Ästhetik des Protestes, Vortrag von Dorna Safaian

Junger Protest

Die Frage nach dem Wandel von Protestästhetik, aber auch die nach der Resonanz und Wirkmächtigkeit von Protest stellen sich in Zeiten von Facebook, Twitter und Co auf besonders eindrückliche Weise. Lisa Villioth und Gina Schad (beide Universität Siegen) gingen im Panel „‘1 like = geht gar nicht‘. Der Wandel von Protest im digitalen Zeitalter“ dem Zusammenhang zwischen Straßen- und Netzprotesten nach. Villioth konzentrierte sich zu Beginn auf die Rolle von E-Campaigning-Plattformen wie Campact oder change.org, die das Mittel der Petition auf das Internet übertragen. Demonstrationen oder Sit-ins als klassische Aktionsformen werden durch diese Plattformen nicht etwa abgelöst, sondern ergänzt, indem sie niedrigschwellige Mittel für die Mobilisierung im Vorfeld, die interaktive Begleitung sowie die Nachbereitung von Protestereignissen bieten. Mit dem Netz als Protestmedium vergrößert sich damit das Potenzial sozialer Bewegungen, ihren Anliegen in Politik und Gesellschaft Gehör zu verschaffen. Gina Schad erweiterte die Perspektive auf den Netzprotest anhand des aktuellen Beispiels des YouTubers Rezo. Die kontroverse Debatte um dessen CDU-kritisches Video belege die zeitliche wie räumliche Entgrenzung digitaler Kommunikation. Aus dem digitalen Wandel folgen neben den Plattformen als Bewegungsakteure auch neue Anforderungen für die Beteiligung am gesellschaftlichen Diskurs. Für die Vortragenden gelten Kommunikationspraktiken wie Likes oder Retweets und daran anknüpfende Empörungsdynamiken als Ausgangspunkt digitalen Protests. Um tatsächlich kollektive, digitale Protestereignisse zu bilden, bedarf es allerdings eines höheren Organisationsgrads und öffentlicher Resonanz.

Diese digitalen Protestformen sind nicht allein der Jugend vorenthalten – dennoch spiegelt sich hier die Kommunikationskultur einer neuen netzaffinen Generation wider. Vor diesem Hintergrund und spätestens seit den Protesten von FridaysForFuture ist die Rede vom Generationen- oder Jugendprotest wieder auf der Agenda. Knud Andresen (Forschungsstelle für Zeitgeschichte, Hamburg) und Gabriele Rohmann (Archiv der Jugendkulturen e.V., Berlin) wagten eine historische Perspektive und widmeten sich im Panel „Rebel without a cause? Jugend zwischen Protest und Anpassung“ früheren Jugendprotesten in Ost- und Westdeutschland. In beiden Vorträgen wurde die Bedeutung kultureller Symboliken und Praktiken der Jugend als Widerstandsformen gegen die jeweilige Mehrheitsgesellschaft und das politische System deutlich. Konkret für Westdeutschland illustrierte Andresen, dass die Jugend von den 1950er bis in die 1980er Jahre die Avantgarde eines Wertewandels darstellte, die über bestimmte Tanz- und Musikformen gegen den soziopolitischen Mainstream rebellierte. Seit den 1980er Jahren jedoch zeigen Untersuchungen wie die Vermächtnisstudie von Jutta Allmendinger, dass man nicht mehr von einem Generationskonflikt sprechen könne, da Einstellungsdifferenzen nicht über Alter erklärt werden könnten. Das Label „Jugendproteste“ sei somit auch heute zumindest teilweise irreführend. Der zweite Impulsvortrag zeigte äquivalent hierzu die Entwicklungen von und den staatlichen Umgang mit Jugendkulturen in der DDR. Gabriele Rohmann illustrierte eindrücklich zahlreiche Ähnlichkeiten mit der Bundesrepublik, wenngleich die Bedingungen, unter denen sich die Jugend in Ostdeutschland ausleben konnte, divergierte. Die Reaktion der DDR-Regierung schwankte zwischen Restriktionen und Repressionen sowie dem Versuch der Vereinnahmung durch staatlich geschaffene Organisationen.

Wandel und Institutionalisierung

Proteste sind Agenten des Wandels, aber auch Protestakteur*innen selbst unterliegen stetigem Wandel. Auf eine ganz bestimmte Form des Wandels (und des Erfolgs?) konzentrierte sich das Panel „‘Rein in die Parlamente!‘ Aus Protest wird Partei anhand der Parteien Bündnis90/Die Grünen und Alternative für Deutschland (AfD). Andreas Pettenkofer (Universität Erfurt) begann seinen Vortrag zur Geschichte der Grünen mit Blick auf einen möglichen Vergleich zur AfD, indem er den Begriff der Protestpartei problematisierte. Die Abgrenzung zu vermeintlich ‚normalen‘ Parteien falle mit diesem Begriff schwer, weil er sich weder durch Wahlentscheidungen, das Hervorgehen aus sozialen Bewegungen noch aus einem positiven Bezug auf Protest eindeutig bestimmen ließe. Weiter plädierte Pettenkofer dafür, die These einer inhaltlichen Normalisierung der Grünen seit ihrem Einzug in den Bundestag zu verwerfen. Zu umstrittenen Themen wie dem radikalen Pazifismus, Kritik der Staatsgewalt und der Kapitalismuskritik habe es schon in der Frühgeschichte der Grünen immer wieder Ambivalenzen gegeben. Jenseits der Inhalte habe sich die Parlamentarisierung der Umweltbewegung stärker auf der organisationalen Ebene niedergeschlagen, und zwar durch Institutionalisierung und Hierarchisierung oder neue Kooperationen. Demgegenüber beschäftigte sich Alexander Hensel (Universität Göttingen) mit einer Einordnung der AfD als Protestpartei. Aus stärker politikwissenschaftlicher Perspektive beschreibe der Begriff für ihn eher das Aufstreben einer elitenkritischen Organisation als einer neuen Alternative im Parteiensystem. Der Wandel des Parteiensystems im postindustriellen Zeitalter erlaube es den neuen Akteuren, eine allgemeine Haltung der Politikverdrossenheit unter den Wähler*innen über ein Thema zu mobilisieren. Im Fall der AfD sei dies zuerst über ‚Wettbewerbspopulismus‘ gelungen, der in einer zweiten Entwicklungsphase vom klassischen Rechtspopulismus abgelöst worden sei. Der Protest gegen das Establishment habe sich somit auch auf die Straße verlagert und die Erfolge an der Wahlurne gestärkt. Mit dem Einzug in die Parlamente stünde die Partei laut Hensel allerdings vor einem Dilemma, weil einerseits eine anhaltende Protest-Haltung im institutionellen Kontext zu Isolation führe, während andererseits Anpassungsprozesse die Establishment-Kritik konterkarieren würden.

Eine strukturelle Form der Institutionalisierung wurde im Panel „Wendland, Kreuzberg, Dresden? Aus Protest wird Milieu“ diskutiert. Andreas Tietze (Aktion Zivilcourage e. V., Pirna) schilderte seine Erfahrungen aus der politischen Bildungsarbeit in Dresden sowie den sächsischen Umlandgemeinden und zeigte deutlich, wie sich dort in den letzten zehn Jahren eine rechte Szene herausgebildet hat, die von Personen zusammengehalten wird, welche maßgeblich in die Organisation der Pegida-Proteste involviert sind. Diese verfügten über eigene Treffpunkte, Buchläden und Publikationen. Das dort zu beobachtende soziale Phänomen erfülle genau die Kriterien, die Sebastian Haunss (ipb und Universität Bremen) zuvor als charakteristisch für bewegungsnahe Szenen identifiziert hat, die gleichzeitig Netzwerke von Personen, Gruppen und Orten sind und die es Bewegungsaktivist*innen erleichtern, eine gemeinsame Gruppenidentität herauszubilden und geteilte subkulturelle Praxen zu leben.

Die soziale Basis von Protest und die Frage, wer überhaupt protestiert, wurde im Panel „Typisch! Über die soziale Basis und Interessenlagen von Protest“ aus zwei sehr unterschiedlichen Perspektiven thematisiert. Nina-Kathrin Wienkoop (ipb und Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung) zeigte auf, wie zunächst die Arbeitskämpfe und später die Neuen Sozialen Bewegungen die Bilder von Protestierenden aber auch die Forschung selbst prägten. Typische Beschreibungen von Protestierenden rangierten von „Arbeiter“ über „Studenten“ bis hin zu „Linksintellektuelle“. Aktuelle Protestsurveys hingegen zeigen eine große Bandbreite in Bezug auf sozio-strukturelle Merkmale wie Geschlecht, Alter oder Links-Rechts-Selbstzuschreibung. Gemein ist ihnen, dass mehrheitlich gut gebildete Personen der Mittelschicht protestieren sowie Menschen ohne Migrationshintergrund. Nur selten treten die am meisten Benachteiligten als Träger von Protest auf. Diese Muster zeigten sich auch am Beispiel der Proteste gegen Windkraftenergie, die Eva Eichenauer (Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung e.V.) im Anschluss vorstellte. An zwei Beispielen in Süd- und Ostdeutschland machte sie deutlich, wie unterschiedlich Konfliktaushandlungen geprägt sind. Obwohl sich die Initiator*innen bezüglich Alter und Schichthintergrund ähnelten, traten die Wortführer*innen sehr unterschiedlich auf. So waren die Zusammenkünfte von Windkraft-Befürworter*innen mit den Gegner*innen in Brandenburg von einer hohen Dialogbereitschaft geprägt, wohingegen im Schwarzwald die Protestierenden konfliktiver auftraten.

Konfliktfeld Migration

Nicht zuletzt vor dem Hintergrund der 68er-Bewegung werden Straßenproteste oft noch immer als Sache der Linken wahrgenommen. Dass dieser Eindruck täuscht, zeigen eindrücklich das Beispiel Pegida und die Neusortierung der deutschen Protestlandschaft im Anschluss an den Anstieg von Asylsuchenden im Herbst 2015. Das Panel „Die sollen weg hier!“ Proteste gegen „Fremde“ beleuchtete Proteste gegen Personen, die als „fremd“ wahrgenommen und konstruiert werden, darunter Migrant*innen und Geflüchtete. Stefan Locke (Frankfurter Allgemeine Zeitung für Sachsen und Thüringen) skizzierte in seinem Beitrag die Anfänge und den Verlauf der Pegida-Proteste in Dresden. Diese kontextualisierte er in einem historischen Rückblick auf den gesellschaftlichen Umgang mit Vertragsarbeiter*innen aus Mosambik, Polen und Vietnam, zu denen es aus der Bevölkerung kaum Kontakt oder Integrationsbemühungen gab. Den Zulauf zu den Protesten von Pegida interpretierte Locke als Gelegenheit, sich und seinen Anliegen Gehör zu verschaffen, auch wenn diese nicht immer unmittelbar mit Migration verknüpft gewesen seien. So sei beispielsweise die Ost-West-Frage im Zuge der Proteste erneut verhandelt worden. Verena Stern (ipb und Universität Bielefeld) leistete im zweiten Teil des Panels einen Überblick über Proteste gegen Geflüchtete und ihre (geplanten) Unterkünfte. Sie verglich den signifikanten Anstieg der Proteste im Kontext des „langen Sommers der Migration“ 2015 mit dem Beginn der 1990er Jahre, als ebenfalls eine große Anzahl an Übergriffen auf Migrant*innen und ihre Unterkünfte verübt wurde. Stern wies dabei auf Ähnlichkeiten im medialen und politischen Diskurs über Migration hin: Wie in den 1990er Jahren könne das Phänomen nicht auf den „Osten“ reduziert werden, sondern finde sich auch in den alten Bundesländern wieder. Zudem blende der Fokus auf extrem rechte Protest-Akteur*innen die vielfältigen Zusammenschlüsse zwischen Rechtsextremen und Bürger*innen aus der sogenannten Mitte weitgehend aus.

In der Polarisierung zwischen Migrationsgegner*innen und Befürworter*innen aus der so genannten Mehrheitsgesellschaft geht die Mobilisierung der tatsächlich Betroffenen oftmals unter. Das Panel „‘Kein 10. Opfer!‘ Proteste von Geflüchteten, Migranten und Neuen Deutschen“ lenkte den Blick auf Formen (prekären) Protests im Einwanderungsland Deutschland. Elias Steinhilper (ipb und Deutsches Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung) plädierte zunächst dafür, die Großkategorie „migrantischer Protest“ zu entpacken und nahm anschließend eine konzeptionelle und empirische Verortung des Gegenstands vor. Er zeigte die theoretischen und praktischen Herausforderungen in der Mobilisierung von Nicht-Bürger*innen auf, die oftmals ganz fundamental um das Arendt‘sche „Recht, Rechte zu haben“ ringen müssten und zusätzlich mit einem erschwertem Zugang zu Ressourcen, stigmatisierenden Diskursen und fragmentierten (nationalen und ethnischen) Identitäten konfrontiert seien. Vor diesem Hintergrund zeigte er auf, dass Menschen mit Migrationsgeschichte trotz aller realen Herausforderungen Protest organisieren und sich ein Repertoire migrantischen Protests herausgebildet hat. Hier knüpfte Ilker Ataç (Hochschule RheinMain) an und führte am Beispiel der Proteste von Asylsuchenden aus, welche relationalen und expressiven Effekte Hungerstreiks, Märsche und autonome Protestcamps zeitigen. Durch die Bewegung aus der Isolation vieler Sammelunterkünfte in zentrale Lagen würden protestierende Asylsuchende nicht nur einen expressiven Akt der Selbstermächtigung und des Sichtbarwerdens vollziehen, sondern gleichzeitig Zugang zu Ressourcen und Netzwerken realisieren, die für eine längerfristige Mobilisierung unabdingbar seien. In der anschließenden lebhaften Diskussion weitete sich der Blick in Richtung „post-migrantischer“ Allianzen, d. h. auf die Frage, in welchem Verhältnis migrantische und nicht-migrantische Mobilisierungen im kollektiven Ringen um Teilhabe in pluralen Gesellschaften stehen.

Polizei und Protest

Gleich mehrere Panels der Tagung widmeten sich der Rolle der Polizei und dem polizeilichen Umgang mit Protest. Immer wieder trafen dabei konträre Sichtweisen aufeinander, nicht zuletzt von Polizist*innen auf der einen Seite und den Akteur*innen von Protest, die zahlreich vertreten waren, auf der anderen – alle geprägt auch von persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen. Mehr oder weniger dazwischen befanden sich die Expert*innen aus der Protest- und Polizeiforschung, die teilweise kritische Blicke auf aktuelle Entwicklungen warfen und die Versammlungsfreiheit unter dem Druck autoritärer Entwicklungen bedroht sehen. Der Berliner TU- und ipb-Forscher Peter Ullrich demonstrierte am Fall Hamburg, dass unerklärte Ausnahmezustände wie bei den G20-Protesten 2017 trotz lokaler Sonderbedingungen auch als Zukunftsszenario andernorts drohen könnten. Andere, darunter Hartmut Aden (Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin), mahnten zumindest Verbesserungen an – sowohl im teils nicht mehr zeitgemäßen Versammlungsrecht als auch in manchen grundrechtlich problematischen Praxen der Polizei. Denn, so Aden, beide orientierten sich an überkommenen Vorstellungen zentral organisierter Märsche, die wenig mit der Form des aktuellen, vielfältigen Protestgeschehens zu tun hätten.

Einen ähnlichen Grundton verband die Diskussionen mit Christoph Kopke (Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin) und Kai Seidenstricker (Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle des LKA NRW) zu Feindbildern zwischen Polizist*innen und Demonstrierenden sowie im Panel „Wieso Weshalb Warum? Eskalationen bei Protesten“: Immer wieder ging es um Möglichkeiten der Deeskalation und Konfliktminimierung, also auch um die Suche nach diesem oder jenem Fehlgriff und wie dieser in Zukunft zu vermeiden sei. Verbreitet war in dieser (optimistischen) und dialogischen Perspektive die Idee, durch bessere Kommunikation, gemeinsame Workshops oder politische Bildung eine Verbesserung des Verhältnisses Demonstrierende/Polizei zu erzielen. Einige Diskutierende kritisierten diesen Zugang zum Thema, da es eine „Kuschelrock-Atmosphäre“ verbreite und so tatsächliche Antagonismen und strukturelle Ungleichheiten zwischen beiden Akteuren verschwänden.

Schluss

In den lebhaften Diskussionen wurden die verschiedenen Perspektiven und Erkenntnisse immer wieder für die Interpretation aktueller Protestbewegungen herangezogen. Dabei ist kaum eine Bewegung derzeit präsenter als FridaysForFuture. Sei es zur Frage erfolgreichen Framings, zu der nach der sozio-strukturellen Basis der Proteste, der Frage von Erfolg und Misserfolg oder der nach der Vergleichbarkeit mit ihren historischen Vorläufern – immer wieder kamen die Diskussionen auf diesen neuen Akteur der Klimabewegung zurück.

So war es nur folgerichtig, dass die Tagung mit einem Blick auf Schüler*innenproteste, insbesondere die FridaysForFuture-Proteste, und damit die unmittelbare Gegenwart und Zukunft von Protest in Deutschland endete. Die stellvertretende hessische Landeschulsprecherin, Lou-Marleen Apphuhn relativierte die zuvor allgemein attestierte These einer zunehmenden Akzeptanz von Protest am Beispiel der jüngsten Klimaproteste der Schüler*innen. Vielmehr zeigten herablassende Reaktionen der Politik und die Debatte um das Schulschwänzen, dass ihr Protest noch immer nicht als ernstzunehmende Form der politischen Intervention anerkannt würde. Die weitere Diskussion mit den FridaysForFuture-Aktivist*innen offenbarte indes ein hohes Maß an Professionalität, Motivation und strategischer Weitsicht der Bewegung, sodass auch den eher skeptischen Betrachter*innen zum Ende klar wurde: Mit kraftvollen Protesten der Jugend ist auch in Zukunft zu rechnen.

 

Foto: BrThomas, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21189318

Public Panel Discussion: The Present and Futures of Digital Activism

Public Panel Discussion: What You See Is What You Get? The Present and Futures of Digital Activism

November 15, 2019 – 19.00h. TU Berlin, Hauptgebäude, H1012 Straße des 17. Juni 135, 10623 Berlin

Moderation: Thorsten Thiel (Weizenbaum Institute)
with Anastasia Kavada (University of Westminster, London), Nhi Le (Freelance journalist and speaker, Leipzig), Peter Ullrich (Technische Universität Berlin, IPB)

Participation is free and open to the public. No registration required. The discussion is held in English.

Digital platforms provide a common user interface for contemporary forms of political protest and resistance. Protest movements organize and mobilize via these interfaces, whereas media activists and online subcultures aim to impact public discourses through hashtags and visual strategies. Still, new pathways to visibility of protest are accompanied by an ecosystem of opaque selection mechanisms, content moderation policies and a battle over attention. While national and transnational regulations reinforce the communicative power of digital platforms, below the interface, private-public surveillance endangers free speech and privacy. In digitalized societies what we see may thus not always be what we get. Collective action and digital communication infrastructures rather tend to form a relationship of tension. The panel discussion aims to uncover current perils and future possibilities of digital activism through bringing together knowledge from the academia and practitioners alike.

Part of the Annual Conference for Social Movement Studies (IPB): Social Movements in the Digital Age

Multimediavortrag „Exotische Gewürze – gesund und fair“

bewegung.taz.de - 22.10.2019
15.11.2019, 19:00 Uhr - 15.11.2019, 21:00 Uhr

Mit tollen Bildern berichten die Fotojournalisten Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner über Anbau und Verarbeitung von Gewürzen, ihre Verwendungsmöglichkeiten in der Küche, ihre Heilkräfte und die Chancen des fairen Handels.

Im Anschluss: kleine, fair gewürzte Kostproben und Gewürzstand des Weltladen

Exotische Gewürze geben unseren Speisen das gewisse Etwas. Produziert werden sie vor allem von Kleinbauern, während der globale Gewürzhandel in den Händen weniger Konzerne liegt. Sie drücken die Preise immer weiter, so dass viele Gewürzbauern verarmen. Eine Alternative bietet kleinen Produzenten der Faire Handel. Dr. Jutta Ulmer und Dr. Michael Wolfsteiner haben auf Sri Lanka zwei Kleinbauern-Zusammenschlüsse besucht: Produzenten beider Organisationen haben die zwei herzlich empfangen und ihnen gezeigt, wie sie Zimt, Muskatnüsse, Pfeffer, Kurkuma, Kardamom, Gewürznelken und Vanille produzieren.

Den Frauen durften die beiden Fotojournalisten beim Kochen feurig-scharfer Currys über die Schulter schauen. Sie erzählen von den Vorteilen, die der Faire Handel den sri-lankischen Kleinbauern bringt, und gehen auf die Unterschiede zwischen „Fairtrade-Siegel“ und „WFTO-Label“ ein – beides zuverlässige Fair-Handels-Gütezeichen.

Die aufwändige Präsentation mit einfühlsamen Geschichten und Musikpassagen bietet ein betörend-faires Gewürzerlebnis. Also schauen Sie vorbei und lassen sich darauf ein! Sie werden es nicht bereuen!

Der Eintritt ist frei!

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mpz-salon: ’30 Jahre Rote Flora – ein Rückblick aus verschiedenen Blickwinkeln‘

bewegung.taz.de - 22.10.2019
28.10.2019, 19:30 Uhr - 28.10.2019, 22:00 Uhr

Zur anschließenden Diskussion dabei: Vertreter*innen des 'Archiv der sozialen Bewegungen'

30 Jahre lang hat sich ein Projekt gehalten, dass in Hamburg immer wieder für Aufregung und ‚Aufruhr’ gesorgt hat. Erkämpft und bekämpft, aber aus dem Viertel und aus Hamburg nicht mehr wegzudenken.
Anhand von vorhandenem Material versucht der Film einen Einblick zu geben in ein Projekt, das Raum für eine Kultur des Widerstands von unten gibt. Bunt, widersprüchlich, mit dem Wunsch nach einem Leben gegen den Mainstream und ohne Unterdrückung. mehr...

Vor der Veranstaltung lohnt sich ein Besuch der ‚Ausstellung 30 Jahre Rote Flora‘

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Automobil oder Rechtsstaat – wer hat Vorfahrt?

bewegung.taz.de - 20.10.2019
29.10.2019, 18:15 Uhr - 29.10.2019, 20:30 Uhr

Es war eines der dominierenden Themen des Jahres 2018: Dieselfahrverbote. Deutsche Großstädte wurden gerichtlich zur Verhängung von Fahrverboten gezwungen. Ein juristisches Novum und ein Schock für die Autolobby.
Der Anwalt hinter diesen Entscheidungen ist Remo Klinger. Er vertritt die Deutsche Umwelthilfe in zahlreichen Verfahren. Dabei ist er nicht nur ausführendes Organ, er hat die Klagewelle selbst konzipiert und einen passenden Mandanten zum Fall gesucht.
Seit Jahren ist er im Umweltrecht aktiv. Bis dato sein größter Erfolg ist die Durchsetzung der Verbandsklage im Umweltrecht im Jahr 2013. Schon im darauffolgenden Jahr gab es in Bayern ein rechtskräftiges Urteil zur Einführung eines Luftreinhalteplans und zu dessen effektiver Umsetzung.
Doch die Landesregierung reagiert auf das Urteil nicht. Bayern sei ein Autoland und gegen Fahrverbote, so Markus Söder. Mehrfach verhängtes Zwangsgeld führte nicht zur Einsicht in der bayrischen Staatskanzlei. Nun lassen die Richter des bayrischen OVG durch den EuGH prüfen, ob Zwangshaft gegen verantwortliche Politiker ein rechtmäßiges Zwangsmittel ist. Das wäre ein weiteres juristisches Novum.
Wir sind froh, dass Remo Klinger unserer Einladung gefolgt ist. Er wird uns von seinen Erfahrungen in den Dieselprozessen berichten. Im Anschluss wird es eine Diskussion zu den aktuellen Entwicklungen im Umweltrecht geben.

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Bamboo Stories - In Anwesenheit des Regisseurs

bewegung.taz.de - 18.10.2019
16.11.2019, 20:00 Uhr - 16.11.2019, 22:59 Uhr

Mit atemberaubenden Aufnahmen aus Bangladesch führt der vielfach ausgezeichnete Filmemacher Shaheen Dill-Riaz den Zuschauer in die raue Welt einer Handvoll Männer ein, die seit Generationen Bambus fällen und das Holz mit riesigen Flößen zu den Großhändlern in der Hauptstadt Dhaka bringen. Ein vielschichtiger Film über. den Baustoffder Armen - und denjenigen, die ihm ihr Leben widmen.

In Anwesenheit des Regisseurs Shaheen Dill-Riaz

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Kinostart: Bamboo Stories

bewegung.taz.de - 18.10.2019
16.11.2019, 20:00 Uhr - 04.12.2019

Mit atemberaubenden Aufnahmen aus Bangladesch führt der vielfach ausgezeichnete Filmemacher Shaheen Dill-Riaz den Zuschauer in die raue Welt einer Handvoll Männer ein, die seit Generationen Bambus fällen und das Holz mit riesigen Flößen zu den Großhändlern in der Hauptstadt Dhaka bringen. Ein vielschichtiger Film über. den Baustoffder Armen - und denjenigen, die ihm ihr Leben widmen.

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Mechanismen und Auswirkungen – Museum des Kapitaismus

bewegung.taz.de - 17.10.2019
25.10.2019, 20:00 Uhr - 25.10.2019

Am 25. 0ktober 2019 eröffnen wir das Museum des Kapitalismus seine neue Dauerausstellung!

Die Schwerpunkte der Ausstellung beleuchten kapitalismusspezifische Mechanismen und ihre Auswirkungen. Sie zeigt, wie die Produktionsweise des Kapitalismus unseren Alltag dominiert und dabei nicht nur Umwelt, sondern auch Menschen zerstört. Sie diskutiert Vorschläge zur Lösung der Klimakatastrophe und regt dazu an, über Utopien nachzudenken. An vielen interaktiven Stationen werden die Mechanismen und Auswirkungen des Kapitalismus fassbar.

Die Eröffnung wollen wir am Freitag groß mit euch feiern! Los geht es um 20h. Der Raum ist barriere-arm und der Eintritt frei! Alle Neuigkeiten zur Eröffnung auch hier Facebook.

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Open Access Handbuch “Poststrukturalistische Perspektiven auf soziale Bewegungen” erschienen

Unser AK Poststrukturalistische Perspektiven hat ein Handbuch zu Poststrukturalistischen Perspektiven auf sozialen Bewegungen veröffentlicht. Die Sprecher*innen des AK, Judith Vey, Johanna Leinius und Ingmar Hagemann haben als Herausgeber*innen eine Vielzahl spannender empirischer Analysen über soziale Bewegungen in in der Tradition poststrukturalistischer und/oder postfundamentalistischer Ansätze zusammengebracht. Es bietet einen systematischen und vergleichenden Überblick und bietet so eine schnelle Orientierung.

Das Handbuch zeigt so die Vielfalt der Möglichkeiten auf, Protest und soziale Bewegungen aus einem gesellschaftstheoretisch inspirierten Blickwinkel heraus zu analysieren. Durch die poststrukturalistische Blickverschiebung radikaler Kontingenzakzeptanz werden neue Facetten von sozialen Bewegungen sicht- und analysierbar. Zugleich war es ein wichtiges Anliegen, diese oftmals komplexen Ansätze in konkrete Forschungspraxis zu übersetzen. Das Handbuch verbindet daher Theorie und Praxis: In allen Beiträgen sind die theoretischen Ansätze und Prämissen sowie deren Anwendung anhand eines oder mehrerer empirischer Beispiele dargestellt. Dieser Brückenschlag macht das Handbuch zu einer wertvollen Ressource für alle, die aus einer gesellschaftstheoretischen Perspektive verstehen wollen, wie soziale Bewegungen funktionieren und was diese über die Problemlagen unserer Gesellschaften aussagen können. Es eignet sich daher gleichermaßen für Studierende und Nachwuchsforscher*innen sowie etablierte Forscher*innen.

Das Handbuch ist bei Transcript erschienen und frei zum Download verfügbar.

Der Kälteschutz sucht Unterstützung

bewegung.taz.de - 16.10.2019
17.10.2019, 19:00 Uhr - 17.10.2019

Wann: Donnerst, 17. Oktober, 19 Uhr

Wo: Mehringhof, Gneisenaustraße 2a, Berlin-Kreuzberg

 

Die meisten können sich zum Einbruch der kälteren Jahreszeit in ein molliges Heim zurückziehen. Das bleibt vielen Wohnungs- und Obdachlosen verwehrt. In den letzten Jahren hat ihre Zahl drastisch zugenommen, und an Schlafplätzen mangelt es.

Der Kälteschutz im Kreuzberger Mehringhof unterstützt in der Kältesaison Betroffene. Dabei handelt es sich um eine unabhängige und selbst organisierte Initiative für wohnungslose Menschen, die in den Wintermonaten ehrenamtlich eine kleine Notunterkunft mit Nachtcafé betreibt. Einmal die Woche, in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, stellt die Initiative rund 25 Schlafplätze zur Verfügung. Es gibt Abendessen, gemeinsames gemütliches Beisammensein, Spiele, Frühstück und die Möglichkeit, sich zu waschen. Dieses Jahr startet die Saison am 24. Oktober. Wie jedes Jahr werden  Unterstützende gesucht, die heute bei einer Infoveranstaltung den Kälteschutz kennen lernen können. 17. 10., Gneisenaustraße 2a, zweiter Hinterhof, 19 Uhr

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Tony Greenstein: Zionismus und Antisemitismus – Geschichte und aktuelle Situation

bewegung.taz.de - 15.10.2019
25.10.2019, 19:00 Uhr - 25.10.2019, 22:00 Uhr

Tony Greenstein ist ein erfahrener englischer Antifaschist. Er hat sich sehr früh der jüdischen Opposition gegen den israelischen kolonialen Herrschafts- und Unterdrückungsapparat angeschlossen. Er ist u. a. Autor von „A History of Fighting Fascism in Brighton and the South Coast” sowie bekannter englischer Blogger und aktiver Gewerkschafter.

„Antisemitismus“, dieser massiv belastende Vorwurf, trifft derzeit v.a. die Palästinasolidarität, politisch links stehende Gruppen und Personen sowie Menschen, die im so genannten Nahen Osten leben oder von dort stammen, auch Flüchtlinge aus der Region stehen unter Druck. Wer gegen die kolonialistische und Unterdrückungspolitik  des  Staates  Israel  Position  bezieht,  sogar  deren  zivile  Widerstandsintiative BDS (Boykott, Desinvestment und Sanktionen) unterstützt, muss damit  rechnen,  mit  einschneidenden  Nachteilen  bedroht  zu  werden  –  Verweigerung öffentlicher Räume, Kontokündigung, Aberkennung von Auszeichnungen und mehr. Dies gilt für Juden gleichermaßen wie für Nichtjuden.

Unser Referent Tony Greenstein wird darüber sprechen, dass Zionismus und Antisemitismus in der Geschichte einiges gemeinsam hatten. Antisemiten unterstützten den Zionismus, um die Juden ihres Landes loszuwerden. Als der Zionismus Ende des 19. Jahrhunderts seinen Anfang nahm, wurde er von Juden sogar als eine Form von jüdischem Antisemitismus angesehen. Dieser historische Hintergrund ist ein wichtiger Beitrag zum Verständnis der heutigen Situation. 

https://senderfreiespalaestina.de/

Termin: Freitag, 25. Oktober 2019

Beginn: 19.00 Uhr, Begegnungszentrum AWO-Ost, Ostendstr. 83, Stuttgart-Ostheim
Der Eintritt ist frei.

Vortrag und Diskussion werden ins Deutsche übersetzt.

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