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Kohle erSetzen!-Sommeraktion auf dem Klimacamp im Rheinland

bewegung.taz.de - 15.07.2019
22.08.2019, 09:00 Uhr - 25.08.2019, 17:00 Uhr

Kohle erSetzen!-Sommeraktion vom 22.-25. August 2019 auf dem Klimacamp im Rheinland

Im August ist es wieder soweit: Gemeinsam mit vielen Aktivist_innen – vom Neueinsteiger zur Blockadeexpertin – werden wir Braunkohleinfrastruktur im Rheinland blockieren. Diese anschlussfähige und möglichst niedrigschwellige Aktion Zivilen Ungehorsams soll vielen Menschen die Möglichkeit geben, ein deutliches Zeichen für Klimagerechtigkeit zu setzen.

Sei auch du dabei!

Facebookveranstaltung

http://www.kohle-ersetzen.de/

 

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„Geschichte und Gegenwart des gewaltfreien Anarchismus weltweit“ Verlag Graswurzelrevolution auf dem KlimaCamp Chiemsee

bewegung.taz.de - 15.07.2019
25.09.2019, 10:00 Uhr - 29.09.2019, 18:00 Uhr

Das Klimacamp ist ein Ort der gelebten Utopie und Sammelpunkt der Klimagerechtigkeitsbewegung. Während eines fünftägigen Camps in dem wir uns komplett selbst organisieren, möchten wir gemeinsam einen Raum für Vernetzung, politische Bildung, Information, kreatives Handeln und verschiedene Aktionsformen schaffen. Dabei sind wir alle Mitwirkende und können frei, spontan, ohne besondere Erfahrung und ohne hierarchische Strukturen unsere Fähigkeiten und unser Wissen miteinander teilen.
Wir möchten auf dem Klimacamp Chiemsee durch Workshops, Skillsharings, offenen Austausch und Organisation Alternativen zur aktuellen kapitalistischen Gesellschaft suchen, leben und nachhaltig etablieren. Ein gewaltfreies Miteinander ist uns dabei sehr wichtig. Sexismus, Rassismus und jegliche Art der Diskriminierung gehören nicht zu unserer Vorstellung von sozialer Gerechtigkeit, wir wollen ein gutes Leben für alle!

 

„Geschichte und Gegenwart des gewaltfreien Anarchismus weltweit“

mit bes. Berücksichtigung der radikalen Ökologie und Anti-AKW Bewegung
Gestaltet von Lou Marin, lebt in Marseille und ist Mittwoch und Donnerstag am Camp.

http://klimacamp-chiemsee.de/programm/

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Summer Meeting in Lausanne Europe & Nationaler Klimastreik Schweiz - Fridays For Future Europe

bewegung.taz.de - 15.07.2019
05.08.2019, 09:00 Uhr - 09.08.2019, 18:00 Uhr

Fridays for Future movement is reaching an unprecedent scale with strikes all around the world. Over last months, activists from all 6 continents brought a new light to the environmental issues. As we are getting global and more complex, members from more than 35 countries have decided to meet for a one week meeting, the Summer Meeting in Lausanne Europe (SMILE). This event aims to create a global cohesion and coordination through several conferences, workshops and discussions. For our future, for a better society, for our planet.

https://smileforfuture.eu/

https://www.facebook.com/fridaysforfuture.europe/

https://twitter.com/fff_europe

 

9 August 2019 : NATIONAL CLIMATE STRIKE Switzerland

We call for a climate strike on August 9th in Lausanne with all participants of the meeting, the local population and the whole Swiss climate strike movement. It will start at 3 pm at “Place de la Gare” (front of the train station).

To download the flyer in pdf format click here

https://smileforfuture.eu/strike-9th-august/

 

 

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Zur Re-Dynamisierung migrationsbezogener Bewegungsforschung

2018 startet das Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb) eine eigene Rubrik im Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Unter der Überschrift „ipb beobachtet“ kommentieren Mitglieder des Instituts aktuelle Entwicklungen im Feld und in der Debatte über soziale Bewegungen. Der Titel der neuen Rubrik ist vor diesem Hintergrund bewusst mehrdeutig: Einerseits geben Wissenschaftler*innen aus dem Umfeld des ipb ihre Beobachtungen zu aktuellen Forschungsdebatten wieder. Andererseits dient die Rubrik auch dazu, der vielfältigen Forschung unter dem Dach des ipb einen Raum zu geben, sprich diese genauer zu „beobachten“. Die Beiträge der Rubrik sind nach der Veröffentlichung auch auf unserem Blog zu lesen.

Bislang erschienen:

Der folgende Text von Elias Steinhilper erschien im Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 31, Heft 2, S. 301-310. Elias Steinhilper ist Mitglied des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung und Mitbegründer des AK Migration (Arbeitstitel). 

Infolge der rasant gestiegenen Aufmerksamkeit für Migration und Flucht in Deutschland seit spätestens Sommer 2015 erlebte auch die sozialwissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex eine Hochkonjunktur: unzählige Forschungsprojekte sind angelaufen, Professuren geschaffen und neue Institute[i] gegründet worden (Braun et al. 2018). Allein für den Bereich der Fluchtforschung schätzt Olaf Kleist (2018), dass sich die Zahl neu begonnener Projekte zwischen 2013 und 2016 verfünffacht hat. Auch der Themenkomplex soziale Bewegungen und Migration erfährt angesichts einer signifikanten Zunahme von migrationsbezogenen Protestereignissen (Rucht 2018) und neu aufgelegter Förderlinien[ii] an der Schnittstelle von Migration und Zivilgesellschaft eine neue Dynamik, nachdem das Feld jahrelang relativ wenig bearbeitet wurde und disziplinär fragmentiert blieb. Das neu entfachte Interesse betrifft das gesamte Spektrum migrationsbezogener Bewegungen, das heißt politische Mobilisierungen gegen, für und von Migrant*innen.

Hochkonjunkturen im wissenschaftlichen Betrieb bringen Licht- und Schattenseiten mit sich (vgl. Grimm 2018; Teune/Ullrich 2018) und damit den Bedarf nach (inter-)disziplinärer Metareflexion über die Entwicklung des Feldes jenseits des volatilen Tagesgeschäfts. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sollen hier als Anstoß einige theoretische, ethische und methodische Fragen skizziert werden.

Theoretischer Brückenschlag

Migrationsbezogene Bewegungsforschung ist in Deutschland keineswegs neu. Besonders in den 1990er Jahren erlebte das Feld – nicht zuletzt als Reaktion auf die hitzigen Debatten um Fluchtmigration, die Erosion des Asylrechts durch den sogenannten Asylkompromiss 1993 und eine Serie rassistischer Pogrome – ein erstes Hoch. Dabei wurden zunächst primär Mobilisierungen gegen Menschen mit Migrationsgeschichte in den Blick genommen (Thränhardt 1995; Koopmans/Rucht 1996; Koopmans 1998). In der Folgezeit befasste sich das Projekt MERCI (‚Mobilisation on Ethnic Relations, Citizenship and Immigration’) als eines der ersten ländervergleichenden Großprojekte mit politischen und diskursiven Gelegenheitsstrukturen für politische Mobilisierung anhand das Themas Migration, wodurch auch einige Beiträge zu Deutschland entstanden (Koopmans/Statham 1999b, 1999a; Koopmans et al. 2005).

Studien zu politischen Mobilisierung von Migrant*innen blieben dagegen lange die absolute Ausnahme (Koopmans 2004), bzw. hatten Überblickscharakter (Rucht/Heitmeyer 2008). Dies lag unter anderem an der Fokussierung der Bewegungsforschung auf interne Ressourcen und (offene) Gelegenheitsstrukturen, wonach Migrant*innen als gesellschaftlich und diskursiv marginalisierte Akteure als ‚unwahrscheinliche‘ Subjekte politischer Mobilisierung galten. Während das Interesse am Thema Migration in der deutschen Bewegungsforschung in der Folgezeit überschaubar blieb, entstand in der Kritischen Migrationsforschung (auch bezeichnet als Kritische Grenzregimeforschung) hingegen ein umfassender Kanon zu Widerstand und Protest von und in Solidarität mit Migrant*innen (Forschungsgruppe Transit Migration 2008; Hess and Kasparek 2010).

Ein Dialog zwischen diesen beiden Disziplinen blieb jedoch mit wenigen Ausnahmen (z.B. Schwenken 2006) lange Zeit aus. Während die Bewegungsforschung von den Debatten der kritischen Migrationsforschung wenig Notiz nahm, wurden umgekehrt bisweilen große Vorbehalte deutlich (Stierl 2012). Anders als die stark strukturalistisch geprägten (dominanten) Bewegungstheorien betonte die Kritische Migrationsforschung die Agency von Migrant*innen und die sozial-transformative Kraft („Autonomie“) von Wanderungsbewegungen. Durch diese Linse wird das bewusste hinwegsetzen über restriktive Grenzpolitiken als Ausdruck politischen Handelns mit Protestcharakter, und damit Migration gewissermaßen selbst als soziale Bewegung verstanden (Atac, Rygiel and Stierl, 2017). Dies schärft auch den Blick für unsichtbare widerständige Alltagspraktiken, die als „social non-movements“ in der Bewegungsforschung nur marginal beforscht werden (Bayat 2013). Anders als die migrationsbezogene Bewegungsforschung, welche sich aufgrund ihrer Fokussierung auf Proteste öffentlich sichtbare Mobilisierungen also stark an gesellschaftlichen Konjunkturen orientierte (und dafür kritisiert wurde), erlaubte ein breiterer Fokus auf (widerständige) Handlungsmacht in der Kritischen Migrationsforschung sich kontinuierlicher mit dem Themenkomplex Migration auseinanderzusetzen.

Nach einer langen Phase disziplinärer Fragmentierung, erfuhr das Themenfeld in den letzten Jahren allerdings eine Re-Dynamisierung und Diversifizierung, die alle Bereiche – Mobilisierungen gegen, für und von Migrant*innen erfasste – und sich an zentralen Ereignissen rekonstruieren lässt: Im Frühjahr 2012 erreichten selbst-organisierte Proteste von Geflüchteten in Deutschland eine beispiellose Größe und Aufmerksamkeit (Jakob 2016). Ausgehend von einem in Würzburg gestartetem Protestmarsch waren eine Vielzahl dezentraler Protestcamps von Asylsuchenden anschließend auf dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg zusammengeführt worden. Das Protestcamp in der Hauptstadt mit zeitweise mehreren hundert Protestierenden stieß nicht nur eine gesellschaftliche Debatte zu Rechten von Asylsuchenden an, sondern spiegelte sich auch in zahlreichen sozialwissenschaftlichen Beiträgen wieder (Borri/Fontanari 2014; Glöde/Böhlo 2015; Wilcke/Lambert 2015). Ab Herbst 2014 richtete sich der Blick angesichts der wöchentlichen Aufmärsche der rechtsnationalen, anti-muslimischen Pegida-Bewegung verstärkt auf rechte Mobilisierungen. Der Brückenschlag verschiedener Milieus inklusive neonazistischer Kader sowie regelmäßige Großproteste verstärkten das Interesse der Bewegungsforschung am Rechtsradikalismus, der bis dato primär in der Parteien- oder Radikalisierungsforschung behandelt worden war (Rucht 2014, 2018; Daphi et al. 2015). Schließlich entstanden nach der Massenmobilisierung von Zehntausenden im ‚langen Sommer der Migration‘ 2015 unzählige Beiträge zum Thema, die analog zur selbst sehr heterogenen „Bewegung der Flüchtlingshilfe“ (Karakayali/Kleist 2016) von klassischer Engagement- bis zur Bewegungsforschung reichten (Lewicki et al. 2016; Fleischmann/Steinhilper 2017; Kleres 2018).

Der Boom, der seit 2012 und nochmals verstärkt seit 2015 in Deutschland einsetzte, hat auch neue theoretische Brückenschläge zwischen beiden Disziplinen begünstigt (Atac et al. 2017; della Porta 2018; Rosenberger et al. 2018). Das ist schon allein  deshalb zu begrüßen, weil sich die Literaturen bestens ergänzen und in Kombination ihre jeweiligen Blindstellen reduzieren. Mittlerweile sind einige (Nachwuchs-)Forschende in disziplinären Netzwerken beider Strömungen aktiv. Dazu versuchen dezidiert integrative Arbeitskreise im Netzwerk Fluchtforschung[iii] und im Institut für Protest- und Bewegungsforschung (ipb)[iv] eine Plattform zu schaffen, um den zaghaften Austausch nachhaltig produktiv zu gestalten, der im Zuge des Wachstums und der zunehmenden Vielfalt des Feldes möglich und nötig geworden ist. Auch mit Hinblick auf rechte Protestmobilisierungen wurde am ipb ein Arbeitskreis[v] geschaffen, um den Austausch zwischen Rechtsextremismus- und Bewegungsforschung zu fördern. Neben dem Bedarf nach theoretischer Reflektion und interdisziplinärem Austausch hat das neu entfachte Interesse aber auch ethische und methodische Fragen aufgeworfen.

Ethische Herausforderungen

Unweigerlich stellen sich im Beforschen politisierter und bisweilen kriminalisierter Bewegungsakteur*innen ethische Fragen, die um die Themen Kontrollwissen, Repräsentation und Ausbeutung knapper Ressourcen kreisen (Gillan/Pickerill 2012). Allerdings verschärfen sich diese in der Forschung zu marginalisierten Migrant*innen, die oftmals über keinen sicheren Aufenthaltsstatus verfügen und Erfahrungen der Gewalt, Diskriminierung und/oder Bevormundung mitbringen. Wie sich diese Fragen konkret manifestieren, zeigte sich beispielsweise im Kontext der oben erwähnten Geflüchtetenbewegung am Berliner Oranienplatz: Die immense Popularität und Sichtbarkeit der Bewegung machte die überschaubare Anzahl ihrer Protagonist*innen zur favorisierten ‚Datenquelle‘ unzähliger Forschungsprojekte – von Grundstudiums-Hausarbeiten bis Doktorarbeiten. Während jahrzehntelange Proteste zumeist unsichtbar blieben, und wenn überhaupt von Personen beforscht wurden, die sich sowohl im aktivistischen als auch im akademischen Milieu verorteten, hat die derzeitige Themenkonjunktur das Feld verändert. Die fraglos überwiegend gut gemeinten Projekte wurden zunehmend zur Belastung für die Protestierenden selbst und infolgedessen in post-kolonialer Tradition von den Beforschten kritisch hinterfragt. Aktivist*innen erlebten viele Forschungsprojekte als unkritisch gegenüber wissenschaftlichen Privilegien, einseitig in ihrem Nutzen für die Forschenden und am Ende kontraproduktiv für die Bewegung selbst, da sie deren ohnehin knappe Ressourcen banden. In Reaktion darauf findet sich mittlerweile auf der Internetseite www.o-platz.net, die aus dem Protestcamp in Kreuzberg hervorging und weiterhin Informationen zu selbst-organisierten migrantischen Kämpfen bündelt, ein expliziter Hinweis: Forschende, die Aktivist*innen interviewen möchten, mögen doch bitte vorab ihre eigene gesellschaftliche Position reflektieren, und darüber nachdenken, in welcher Form die Geflüchtetenbewegung und die einzelnen Aktivist*innen von der Interaktion profitieren könnten.[vi] Diese Kritik an den Forschungspraktiken, die sich im Feld der migrationsbezogenen Bewegungsforschung etabliert haben, schließt dabei auch an die Auseinandersetzung um humanitäre Hilfe an, die Abhängigkeiten und Hierarchien reproduzieren, anstatt sie abzubauen (Fleischmann/Steinhilper 2017; Painemal/Bahar 2017).

Es geht hier keineswegs darum, mit dem Finger auf Forschende zu zeigen, sondern darum, deutlich zu machen, dass das Feld in Deutschland jung ist und dringender Bedarf nach Austausch, Reflektion und spezifischer Qualifizierungen besteht, in deren Kontext unter anderem aus dem Erfahrungsschatz der Kritischen Migrationsforschung geschöpft werden kann. Eine Initiative des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung brachte bereits 2015 Forschende aus der Bewegungs- und Migrationsforschung in einem Workshop zusammen, um über ethische Fragen, inklusive des Verhältnisses zwischen Aktivismus und Forschung  nachzudenken.[vii] Infolgedessen streben einige Projekte in der Tradition der Partizipativen und/oder Aktionsforschung eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe an und dekonstruieren bewusst die Grenzen zwischen Wissenschaft und Aktivismus (z.B. Dilger et al. 2016). Auch für Forschende, die aus epistemologischen Erwägungen eine Distanz zwischen Forscher*in und Beforschten für unerlässlich erachten, wurde angesichts des selbstbewussten Auftretens migrantischer Aktivist*innen deutlich, dass forschungsethische Fragen und Verhandlungen über Positionalität, Repräsentation und Schutz der Beforschten Kern der Zusammenarbeit von Wissenschaftler*innen und migrantischen Aktivist*innen im Forschungsprozess sein müssen. Das gilt genauso in Kontexten, in denen die Protagonist*innen dies nicht von sich aus aktiv einfordern und liegt in der Verantwortung der Forschenden, den Zugang zum Feld umsichtig und verantwortlich auszuhandeln. Fragen des Feldzugang stellen auch die Forschung zu anti-migrantischen Mobilisierungen vor Herausforderungen, die jedoch anders als in Studien zu subalternen migrantischen Akteuren nicht ethischer, sondern primär methodischer Natur sind. Rechte Mobilisierungen haben die empirische Protestforschung bisweilen ans „Limit“ geführt (Daphi et al. 2015). Oftmals bleibt Forschenden hier aufgrund des verschlossenen Zugangs gar keine andere Möglichkeit, als sich völkischen, rassistischen und/oder fremdenfeindlichen Bewegungsmilieus auch (oder ausschließlich) durch die Analyse vom Online-Strategien und Interaktionen zu nähern (Berntzen/Weisskircher 2016; Fielitz/Thurston 2018). Insofern hat auch hier angesichts konkreter Herausforderungen, ein Nachdenken über methodische Innovation eingesetzt.

Methodische Pluralisierung

Infolge des Wachstums an Beiträgen zu migrationsbezogenen Sozialen Bewegungen beginnt sich das Feld methodisch zu diversifizieren. Während die ersten Studien zu migrantischen Protesten nach 2012 ausschließlich auf qualitativen Fallstudien basierten, entstanden im Zuge der sogenannten ‚Willkommenskultur‘ zahlreiche quantitative, Umfragen-basierte Beiträge, die jedoch stärker in der Engagement- als in der Bewegungsforschung verortet waren. An die Ursprünge der dezidiert quantitativ-vergleichenden migrationsbezogenen Bewegungsforschung zu Deutschland (z.B. Koopmans 2004), wird erst kürzlich wieder angeknüpft. Das liegt unter anderem daran, dass seit 2015 deutlich mehr Forschungsmittel bereitgestellt wurden, um kostenintensive vergleichende Projekte mit quantitativer Methodologie zu stemmen. Bereits vor dem Boom 2015 leistete in dieser Hinsicht das trinationale Projekt ‚Taking Sides‘ zu Protesten gegen Abschiebungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz Pionierarbeit.[viii]

Mittlerweile widmen sich unter anderem die Projekte ‚Agonistic Encounters‘[ix] und ‚Teilhabekonflikte[x] der vergleichenden quantitativen (Protestereignis-)Analyse von migrationsbezogenen Protesten auf nationaler und lokaler Ebene in Deutschland. Diese neue Generation an Projekten kombiniert zunehmend quantitative und qualitative Methoden, um zusätzlich zu einem makroskopischen Überblick, auch lokale Dynamiken und Konstellationen von Protest gegen, für und von Migrant*innen in den Blick zu nehmen. Darüber hinaus wurde ein erster Versuch von Protestbefragungen auf diversen, auch stark migrantisch geprägten Demonstrationen unternommen (Zajak/Steinhilper 2019): Bei der Befragung der „Welcome United“ Demonstration im Herbst 2018 in Hamburg wurde unmissverständlich deutlich, dass die standardisierten Instrumentarien der Bewegungsforschung bislang erstens von privilegierten Protestierenden mit Staatsbürger*innenrechten ausgehen und zweitens kaum in der Lage sind, transnationale (Protest-)Biographien zu erfassen. Nur durch einen vertieften Austausch zwischen Protest- und Migrationsforschung und methodische Pluralisierung wird es gelingen, das Zusammenspiel von Transnationalismus und Protest besser zu verstehen und die komplexen kollektiven Dynamiken und individuellen Motivationen differenziert sichtbar zu machen (vgl. Steinhilper, 2018). Derzeit läuft mit ‚MOBILISE‘(„Determinants of Mobilization at Home and Abroad“) ein in dieser Hinsicht vielversprechendes Projekt mit qualitativen und quantitativen Komponenten an.[xi]

Vom Hype zur Konsolidierung

Der Boom der letzten Jahre hat das Forschungsfeld bereichert und neu belebt. Dennoch wirkt die lange Zeit stiefväterliche (und disziplinär fragmentierte) Behandlung des Themenfelds nach. So bleibt unverändert ein immenser Nachholbedarf was die ethische Reflektion, interdisziplinäre Befruchtung und methodische Auffächerung anbelangt. Es bleibt also trotz des Wachstums im Forschungsfeld viel zu tun, um Raum für komplementäre oder auch produktiv konkurrierende methodische und theoretische Perspektiven zu schaffen. Obwohl viele Ressourcen in eine teilweise neue Forschungsinfrastruktur geflossen sind, muss davon ausgegangen werden, dass der Boom nachlässt, wenn die temporären Förderquellen versiegen. Diejenigen, die aus intrinsischem Interesse weiter zum Thema arbeiten, werden gut daran tun, die Kräfte zu bündeln. Nur durch interdisziplinären Dialog, forschungsethische Reflexivität und Methodenpluralismus kann der temporäre Boom produktiv genutzt werden – und bleibt kein konjunkturell bedingtes Strohfeuer.

Literatur

Atac, Ilker/Rygiel, Kim/Stierl, Maurice (Hg.) 2017: The Contentious Politics of Refugee and Migrant Protest and Solidarity Movements. Remaking Citizenship from the Margins. Basingstoke: Routledge.

Bayat, Asef 2013: Life as Politics: How Ordinary People Change the Middle East. Stanford: Stanford University Press.

Berntzen, Lars-Erik/Weisskircher, Manès 2016: Anti-Islamic PEGIDA Beyond Germany: Explaining Differences in Mobilisation. In: Journal of Intercultural Studies, Jg. 37, Heft 6, 556-573.

BMFSFJ 2018: Engagement in der Flüchtlingshilfe Ergebnisbericht einer Untersuchung des Instituts für Demoskopie Allensbach. Berlin.

Borri, Giulia/Fontanari, Elena 2014: Lampedusa in Berlin: (Im)Mobilität innerhalb des europäischen Grenzregimes. In: Peripherie, Heft 138/139, 193-211.

Braun, Katharine/Georgi, Fabian/Matthies, Robert/Pagano, Simona/Rodatz, Matthias/Schwertl, Maria 2018: Umkämpfte Wissensproduktionen der Migration. In:Movements. Journal für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung, Jg. 4, Heft 1, 9-27.

Daphi, Priska/Kocyba, Piotr/Neuber, Michael/Roose, Jochen/ Rucht, Dieter/Scholl, Franziska/ Sommer, Moritz/ Stuppert, Wolfgang/Zajak, Sabrina 2015: Protestforschung am Limit. Eine soziologische Annäherung an Pegida. Berlin: Institut für Protest- und Bewegungsforschung.

Dilger, Hansjörg/Dohrn, Kristina/International Women Space 2016: Living in Refugee camps in Berlin. Women’s Perspectives and Experiences. Berlin: Weißensee Verlag.

Fielitz, Maik/Thurston, Nick (Hg.) 2018: Post-Digital Cultures of the Far Right. Online Actions and Offline Consequences in Europe and the US. Bielefeld: Transcript.

Fleischmann, Larissa/Steinhilper, Elias 2017: The myth of apolitical volunteering for refugees. German welcome culture and a new dispositif of helping. In: Social Inclusion, Jg. 5, Heft 3, 17-27.

Forschungsgruppe Transit Migration (Hg.) 2008: Turbulente Ränder: Neue Perspektiven auf Migration an den Grenzen Europas. Bielefeld: Transcript.

Gillan, Kevin/Pickerill, Jenny 2012: The Difficult and Hopeful Ethics of Research on, and with, Social Movements. In: Social Movement Studies, Jg. 11, Heft 2, 133-143.

Glöde, Harald/Böhlo, Berenice 2015: Der Marsch der protestierenden Flüchtlinge von Würzburg nach Berlin und ihr Protest bis heute. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 28, Heft 44, 75-87.

Grimm, Jannis 2018: Das Ende des „Arabischen Frühlings“ der Bewegungsforschung. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 31, Heft 3, 84-92.

Hess, Sabine/Kasparek, Bernd (Hg.) 2010: Grenzregime: Diskurse, Praktiken, Institutionen in Europa. Bielefeld: Transcript.

Jakob, Christian 2016: Die Bleibenden. Wie Flüchtlinge Deutschland seit 20 Jahren verändern. Berlin: Ch. Links Verlag.

Karakayali, Serhat/Kleist, Olaf 2016: EFA-Studie II. Strukturen und Motive der Ehrenamtlichen Flüchtlingsarbeit (EFA) in Deutschland. Berlin: Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung.

Kleist, Olaf 2018: Flucht- und Flüchtlingsforschung in Deutschland: Akteure, Themen und Strukturen. Osnabrück.

Kleres, Jochen 2018: Emotions in the Crisis: Mobilising for Refugees in Germany and Sweden. In: della Porta, Donatella (Hg.): Solidarity Mobilizations in the ‘Refugee Crisis’. Contentious Moves. Basingstoke: Palgrave, 209-241.

Koopmans, Ruud 1998: Rechtsextremismus, fremdenfeindliche Mobilisierung und Einwanderungspolitik. In: Paradigmen der Bewegungsforschung. Entstehung und Entwicklung von Neuen sozialen Bewegungen und Rechtsextremismus, 198-212.

Koopmans, Ruud 2004: Migrant mobilisation and political opportunities: variation among German cities and a comparison with the United Kingdom and the Netherlands. In: Journal of Ethnic and Migration Studies, Jg. 30, Heft 3, 449-470.

Koopmans, Ruud/Rucht, Dieter 1996: Rechtsradikalismus als soziale Bewegung? In: Politische Vierteljahresschrift, Heft 30, 265-287.

Koopmans, Ruud/Statham, Paul 1999: Challenging the Liberal Nation‐State? Postnationalism, Multiculturalism, and the Collective Claims Making of Migrants and Ethnic Minorities in Britain and Germany. In: American Journal of Sociology, Jg. 105, Heft 3, 652-696.

Koopmans, Ruud/Statham, Paul/Giugni, Marco/Passy, Florence 2005: Contested Citizenship. Immigration and Cultural Diversity in Europe. Minneapolis: University of Minnesota Press.

Lewicki, Aleksandra/Schmidt, Gabriele/Sommer, Moritz (Hg.) 2016: Wer schafft das? Neue Akteurskonstellationen im Engagement für Geflüchtete. Oldenburg: De Gruyter.

Painemal, Llanquiray/Bahar, Adam 2016: Von der „Hilfe” zur „Solidarität”. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Heft 3/2017, 88-91.

della Porta, Donatella (Hg.) 2018: Solidarity Mobilizations in the ‘Refugee Crisis’. Contentious Moves. London: Palgrave.

Rosenberger, Sieglinde/Stern, Verena/Merhaut, Nina (Hg.) 2018: Protest Movements in Asylum and Deportation. Cham: Springer.

Rucht, Dieter 2014: Pegida & Co . – Aufstieg und Fall eines populistischen Unternehmens. In: FES betrifft: Bürgergesellschaft, Heft 41.

Rucht, Dieter 2018: Mobilization Against Refugees and Asylum Seekers in Germany: A Social Movement Perspective. In: Sieglinde Rosenberger/Stern, Verena/Merhaut, Nina (Hg.): Protest Movements in Asylum and Deportation. Cham: Springer, 225-245.

Rucht, Dieter/Heitmeyer, Wilhem 2008: Mobilisierungen von und für Migranten. In Roth, Roland/Rucht, Dieter (Hg.): Die sozialen Bewegungen in Deutschland seit 1945. Frankfurt: Campus, 573-592.

Schwenken, Helen 2006: Rechtlos, aber nicht ohne Stimme. Politische Mobilisierungen um irreguläre Migration in die Europäische Union. Bielefeld: Transcript.

Steinhilper, Elias 2018: Mobilizing in transnational contentious spaces: linking relations, emotions and space in migrant activism. In: Social Movement Studies, Jg. 17, Heft 5, 574-591.

Stierl, Maurice 2012: “No One Is Illegal!” Resistance and the Politics of Discomfort. In: Globalizations, Jg. 9. Heft 3, 425-438.

Teune, Simon/Ullrich, Peter 2018: Protestforschung mit politischem Auftrag? In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen, Jg. 31, Heft 1-2, 418-424.

Thränhardt, Dietrich 1995: The Political Uses of Xenophobia in England, France and Germany. In: Party Politics, Jg.1, Heft 3, 323-345.

Wilcke, Holger/Lambert, Laura 2015: Die Politik des O-Platzes. (Un-)Sichtbare Kämpfe einer Geflüchtetenbewegung. In: Movements – Journal für kritische Migrations- und Grenzregimeforschung, Jg. 1, Heft 2, 1-23.

Zajak, Sabrina/Steinhilper, Elias 2019: Potential und Herausforderungen von Protestbefragungen in diversen Gesellschaften. In: ipb-Blog, https://protestinstitut.eu/protestbefragungen-in-diversen-gesellschaften/ [05.03.2019]

 

[i] Z.B. das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung in Berlin, das Interdisziplinäre Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung an der Universität Duisburg-Essen und das als Netzwerk konzipierte Institut für Gesellschaftlichen Zusammenhalt.

[ii] Siehe z.B. die Förderlinien des BMBF: https://www.bmbf.de/de/kulturelle-vielfalt-und-zivilgesellschaft-800.html

[iii] Informationen unter: https://fluechtlingsforschung.net/ak/soziale-bewegungen/

[iv] Informationen unter: https://protestinstitut.eu/uber-das-institut/arbeitskreise/ak-migration/

[v] Informationen unter: https://protestinstitut.eu/uber-das-institut/arbeitskreise/ak-rechte-protestmobilisierungen/

[vi] Zu finden unter: https://oplatz.net/contact/

[vii] Informationen unter: https://protestinstitut.eu/veranstaltungen_uberblick/workshop-refugee-mobilizations/

[viii] Informationen unter: https://www.imis.uni-osnabrueck.de/forschung/flucht_und_fluechtlinge/taking_sides.html

[ix] Informationen unter: http://forena.de/gif/

[x] Informationen unter: https://www.dezim-institut.de/das-dezim-institut/abteilung-konsens-konflikt/projekt-konflikte-um-gesellschaftliche-teilhabe-teilhabekonflikte/

[xi] Informationen unter: https://mobiliseproject.com/

 

Photo by Mika Baumeister on Unsplash

Fridays for Future – Zwischenbilanz eines Höhenflugs

Der folgende Text von Dieter Rucht und Moritz Sommer erschien in einer redaktionell bearbeiteten und gekürzten Version in der Zeitschrift Internationale Politik in der Ausgabe Juli/August 2019. 

Fridays for Future (im Weiteren F4F) muss man nicht mehr vorstellen. Diese politische Kampagne ist in mehrfacher Hinsicht erstaunlich. Wie kann es sein, dass eine Gruppierung, die überwiegend von politisch wenig erfahrenen Schüler*innen getragen wird und in der schon länger bestehende Organisationen nur eine randständige Rolle einnehmen, binnen kurzer Zeit einen derart phänomenalen Aufstieg erlebt? Immerhin ist die Kampagne in vielen Ländern präsent und ihre Vertreter*innen – allen voran Greta Thunberg – sprechen auf nationalen und internationalen Konferenzen; sie vermag zu herausgehobenen Anlässen allein in Deutschland mehrere hunderttausend Teilnehmer*innen auf die Straße zu bringen; sie hat eine außerordentliche Medienpräsenz erlangt, ein sehr erfolgreiches Agenda-Setting betrieben und wird von einer breiten Welle der Sympathie getragen. F4F politisiert vor allem Teile der Jüngeren. Wahrscheinlich steigert ein derartiges Engagement in jungen Jahren das generelle Interesse an gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen und wirkt sich auf das spätere Engagement aus (Oesterle et al. 2004). Ob F4F auch greifbare Resultate in der Klimaschutzpolitik erzielt, bleibt abzuwarten. Für die Protest- und Bewegungsforschung bietet die Kampagne insofern eine Herausforderung, als sich an diesem Fall die Tauglichkeit und die Grenzen gängiger Erklärungskonzepte kritisch überprüfen lassen.

Erklärungsversuche

Einzelne Politiker*innen und Journalist*innen haben meist ad hoc diverse Erklärungen für den kometenhaften Aufstieg der Kampagne angeboten. In diesem Zusammenhang werden vor allem fünf Faktoren genannt: (1) Greta Thunberg als ein Rollenmodell, (2) die Attraktivität des Protests als einer Sache von „Schulschwänzer*innen“, (3) die Anziehungskraft schlichter Forderungen an einen in seiner Komplexität schwer zu durchschauenden Politikbetrieb, (4) die Mobilisierungseffekte von auf digitaler Kommunikation beruhenden sozialen Netzwerken und (5) die Rolle von externen „Strippenzieher*innen“, welche die jungen und unbedarft erscheinenden Protestierenden vermeintlich manipulieren. Für jede dieser Deutungen ließen sich vereinzelte Belege beibringen. Allerdings, so unsere These, handelt es sich um Erklärungen, die, zumal wenn monokausal präsentiert, wenig erhellen und wichtige Faktoren außer Acht lassen. Demgegenüber betonen wir das Zusammenwirken von Faktorenbündeln, die sich nur teilweise mit den angedeuteten ad hoc-Erklärungen berühren. Dabei blicken wir in erster Linie auf den deutschen Fall.

Der vorhandene (Resonanz-) Boden

Die Klimapolitik als drängendes, aber politisch umstrittenes Feld wurde über die engeren wissenschaftlichen wie politischen Fachkreise hinaus immer mehr auch in der breiten Öffentlichkeit diskutiert. Dazu beigetragen haben Befunde und Warnungen des Weltklimarats und nationaler Forschungseinrichtungen, enttäuschte Erwartungen an frühere Klimakonferenzen (insbesondere Kopenhagen 2009), der globale Durchbruch auf der Pariser Klimakonferenz von 2015, aber auch die Leugnung des Klimawandels durch US-Präsident Trump und seine Entscheidung, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen – eine Position, die von mehreren rechtspopulistischen Parteien, so auch der AfD, geteilt wird. Damit wurde die öffentliche Aufmerksamkeit und der Streit um die Klimaproblematik zum Dauerbrenner.

Die Resonanz des Klimathemas in Deutschland verdankt sich auch dem Sachverhalt, dass hierzulande eine relativ starke, gut organisierte Ökologiebewegung besteht, die mit dem politisch beschlossenen und bis 2022 zu vollziehendem Ausstieg aus der Atomkraft eines ihrer zentralen Ziele erreicht hat und damit frei gewordene Energien im Sinne eines movement spillover (Meyer & Whittier 1994) auf ein anderes Terrain lenken konnte. Zusätzlich mobilisiert das Thema Klimaschutz aber auch politisch eher konservativ gestimmte Kräfte innerhalb wie außerhalb der Ökologiebewegung, für die sich eine ganze Reihe von Anknüpfungspunkten bietet, angefangen vom Artensterben bis zur Ausbreitung von Wüstengebieten.

Verstärkt wurde die Aufmerksamkeit für die Klimafrage durch den Streit um den weiteren Abbau von Braunkohle in den noch verbleibenden Tagebaustätten Deutschlands. Insbesondere der Konflikt um das Hambacher Kohlerevier entwickelte sich zum Brennpunkt, der in Verbindung mit Platzbesetzungen und Massendemonstrationen im Herbst 2018 bundesweite Aufmerksamkeit erregte. Ausgehend von diesem lokalen Konflikt mit seinem symbolträchtigen Kern, dem Kampf um die Erhaltung einer Waldfläche, ließ sich unschwer ein Bogen spannen zu Fragen der nationalen Energiepolitik und schließlich der globalen Klimaschutzpolitik. Es war dieser lokale Konfliktherd, der vermutlich zur Einsetzung der Kohlekommission durch die Bundesregierung und zu dem Beschluss beigetragen hat, bis 2038 auf den Energieträger Braunkohle zu verzichten. Zeitgleich zu diesen Vorgängen entwickelte sich, ausgehend vom sog. Dieselskandal, eine grundsätzliche Debatte um die künftige Verkehrspolitik, die Besteuerung unterschiedlicher Energieträger und die Förderung energietechnischer Innovationen, die ebenfalls Brückenschläge zur Klimaschutzpolitik und Klimabewegung erlaubte. Mit diesen Entwicklungen war insbesondere in Deutschland der Boden für eine Kampagne wie F4F bereitet. Für ihre ganz spezifische Form als einer primär von Schüler*innen getragenen Initiative bedurfte es freilich auch eines ganz spezifischen Auslösers.

Der Zünder Greta Thunberg

Der zunächst durchgängige, dann wöchentliche „Schulstreik“ der Schwedin Greta Thunberg war für die an „personal stories“ interessierten Massenmedien aus mehreren Gründen von großem Interesse. Zum ersten fand hier die Konstellation von David gegen Goliath einen sinnfälligen Ausdruck. Zum zweiten agierte Thunberg, wenngleich nicht ohne das Wohlwollen der Eltern, (zunächst) im Alleingang. Zum dritten erstaunte Thunberg durch die paradoxe Verbindung eines kindlichen Erscheinungsbildes mit einem selbstbewussten, aber keineswegs selbstverliebten Auftreten. Dem journalistischen Faszinosum Thunberg war somit bald internationale Aufmerksamkeit garantiert, wobei sich traditionelle und digitale soziale Medien wechselseitig verstärkten.

Ihre eigene Generation sprach Thunberg in einer dreifachen Rolle an: als eine verletzlich wirkende junge Person, als eine Schülerin, die sich ihrer bis zum 16. Lebensjahr geltenden Schulpflicht im Namen eines höheren, die gesamte Menschheit betreffenden Ziels demonstrativ verweigert, und als eine kompromisslose Mahnerin, die nicht nur den politischen und ökonomischen Eliten, sondern den Erwachsenen insgesamt ins Gewissen redet. Ihre medienwirksamen Auftritte hatten insofern eine motivierende Wirkung, als dass sie die Bedeutung jugendlichen Engagements auch für bisher wenig politisch interessierte Schüler*innen verdeutlichten. Damit konnte der von ihr ausgehende Funke vor allem auf Angehörige ihrer Generation überspringen, erfasste aber auch jenen Teil der Erwachsenen, die entweder ohnehin von der Notwendigkeit einer Klimaschutzpolitik überzeugt waren oder aber sich von Thunberg, die Handlungskonsequenz vorlebte und von anderen forderte, als Klimasünder ertappt fühlten.[1]

Die konkrete Zielsetzung

Für die verbal bekundete wie handlungspraktische Unterstützung von F4F war es hilfreich, dass die Kampagne von ihren Anfängen bis heute an ihrer relativ engen Zielsetzung, der Einhaltung des Pariser Abkommens zum Klimaschutz, festhielt. Im Unterschied zu vielen anderen Bewegungen widerstand die Kampagne damit der Versuchung, ihren Themen- und Zielkatalog durch immer weitere und grundsätzlichere Forderungen mit der Gefahr anzureichern, sich dabei zu verzetteln, weitere Akteure mit anderen Vorstellungen einbinden zu müssen und sich selbst durch ideologische Grundsatzdebatten, die oft zu internen Fraktionierungen führen, zu lähmen.

Ein weiterer Vorteil dieser Zielsetzung besteht darin, dass F4F nicht wie manch andere Protestbewegungen als Koalition der Neinsager – Niklas Luhmann sprach vom „Njet-Set“[2] – wahrgenommen wird, sondern in erster Linie auf der Einhaltung von Zielen beharrt, auf die sich die internationale Staatengemeinschaft bereits vertraglich verpflichtet hat.[3] Damit spielt sie den Ball den Entscheidungsträger*innen zu und offenbart deren mangelnde Handlungsbereitschaft in der Klimapolitik. Der ganz unbescheidene Gestus der „Rettung der Zukunft“, der alle Menschen adressiert, ist dabei verbunden mit der systemimmanent und pragmatisch erscheinenden Forderung, den Anstieg der Erderwärmung bis zu einem absehbaren Datum auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen. Wie das zu erfolgen hat, bleibt der Politik überlassen. Es handelt sich somit um ein weitgehend konsensträchtiges Anliegen, das in seiner Konkretion des Allgemeinen wenig Raum für bitteren Streit bietet. Insbesondere werden Fragen der politischen und ökonomischen Machtverteilung und der gesellschaftstheoretischen Rechtfertigung von partikularen und universellen Interessen ausklammert.

Effektive Organisationsstruktur

In organisatorischer Hinsicht entstand F4F gleichsam aus dem Nichts. Es gab keine bestehende Organisation oder gar ein Bündnis von solchen, die die Kampagne ins Leben gerufen hätte. Darin ähnelt F4F den Occupy-Bewegungen in einigen westlichen Ländern und auch Pulse of Europe. Anders als Occupy, das sich zumindest in Deutschland jeglicher Form der Organisation und Delegation kategorisch verweigerte (und mit aus diesem Grund keinen Bestand hatte; vgl. Rucht 2013), entwickelte F4F eine lockere und informelle Struktur und entsprach zudem dem Verlangen der Medien nach „Vertreter*innen“, „Sprecher*innen“ oder zumindest „Gesichtern“ der Bewegung. Das war für die öffentliche Präsenz der Initiative enorm hilfreich, sorgte aber auch für internen Konfliktstoff, da sich manche Aktivist*innen benachteiligt fühlten und Kritik daran laut wurde, dass immer derselbe kleine Kreis von Personen die Kampagne nach außen hin vertrat.[4]

Neben der aus wenigen Personen bestehenden Kerngruppe, die mit Luisa Neubauer immerhin eine organisationserfahrene Person aufweist, entstanden innerhalb des deutschen Netzwerks schon früh sich selbst rekrutierende und arbeitsteilig vorgehende Organisationsteams auf nationaler und teilweise auch auf lokaler Ebene. So bestehen beispielsweise Arbeitsgruppen für Auslandskontakte, Grundsatzdiskussionen, Medienarbeit und Strukturfragen. Diese Teams wie auch die Delegierten der inzwischen knapp 200 Ortsgruppen kommunizieren unter- und miteinander vorwiegend über das Medium WhatsApp und auch in Telefonkonferenzen, kommen fallweise aber auch direkt zusammen.

Auf Landes- und stärker noch auf Ortsebene bieten Organe und Strukturen der Schülermitverwaltung eine wichtige Rolle bei der Organisation, Entscheidungsfindung und Protestmobilisierung. Hier haben sich viele Schulsprecher*innen das Anliegen von F4F zu eigen gemacht und übernehmen Funktionen im Dienste der Kampagne.[5] Insoweit kann sich F4F zwar nicht auf thematisch einschlägige, aber eben auf an allen Schulen bestehende Strukturen stützen, die formal legitimierte und meist auch wortgewandte Vertreter*innen aufweisen. Ähnlich wie Fabriken und Universitäten sind Schulen „soziale Relais“ (Ohlemacher 1993), die sich als Orte täglicher Begegnung, des Gedanken- und Erfahrungsaustausches in hervorragender Weise auch für Zwecke der Protestmobilisierung eignen, allerdings kaum externe Gruppen einbeziehen.

Die Charakterisierung von F4F als einer sich selbst generierenden Bewegung von Schüler*innen hat also einen wahren Kern. Sie kommt auch den medialen Präsentationswünschen entgegen, die dieses Bild (über-)zeichnen, indem zum Beispiel auf Fotostrecken vorzugsweise sehr junge Schüler*innen gezeigt werden. Allerdings ergeben die von uns durchgeführten Befragungen und Beobachtungen ein differenziertes Bild hinsichtlich Altersstruktur der Beteiligten. Das Verhältnis von Schüler*innen und Erwachsenen war ungefähr ausgeglichen, wobei festzuhalten ist, dass wir aus forschungsethischen Gründen nur über 13-Jährige befragt haben. Während die Gruppe der 14-19Jährigen mit 52%, gefolgt von der Gruppe der 20-25Jährigen mit 19% am stärksten vertreten ist, war immerhin ein weiteres Fünftel mindestens 36 Jahre alt.

Das Bild einer vollständig selbstorganisierten Kampagne ist zumindest in Teilen auch insofern zu relativieren, als F4F in Deutschland von Anfang an eine logistische Unterstützung durch Organisationen wie Greenpeace, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland und Campact fand. Diese waren jedoch strikt darauf bedacht, Zurückhaltung zu üben und die Selbststeuerung der Kampagne zu respektieren. Diese externe Hilfestellung hat zum Höhenflug der Kampagne beigetragen, aber daran, im Gegensatz etwa zur breiten und insgesamt wohlwollenden medialen Berichterstattung, keinen entscheidenden Anteil. Gleiches gilt wohl auch für die externen Anschlussinitiativen (Parents for Future, Scientists for Future, Entrepreneurs for Future etc.), für einzelne Firmen, die kostenlose Dienstleistungen für die Kampagne anboten und für prominente Einzelpersonen, die für die Kampagne eintraten.

Clevere Mobilisierungs- und Medienarbeit

Eine Teilerklärung für die mediale Sichtbarkeit und die F4F entgegen gebrachte mediale Sympathie liegt nicht nur in objektiv gegebenen Nachrichtenwerten, für die prototypisch die Berichterstattung über Greta Thunberg steht, sondern auch in einer insgesamt geschickten Mobilisierungs- und Medienarbeit. Ohne entsprechende logistische Vorleistungen und eine effektive Überzeugungskommunikation wäre es nicht möglich, Woche für Woche an vielen Orten viele Menschen auf die Beine zu bringen und zu Aktionstagen wie dem 15. März 2019 allein in Deutschland Hundertausende zu versammeln. F4F profitiert dabei von seinem jugendlichen Gepräge, aber auch von seiner pragmatischen Herangehensweise, bei der Improvisation gegenüber Perfektion den Vorrang hat. Vieles wird ad hoc, unter Zeitdruck und auf Zuruf geregelt und entschieden. In Abwesenheit formeller Zuständigkeiten treffen diejenigen die Entscheidungen, die viel Zeit investieren und sich, oft vermittelt durch mediale Zuschreibungen, bereits einen Namen gemacht haben.

Diese unabdingbare Organisationsarbeit hätte jedoch nur bescheidene Mobilisierungseffekte, würde sie nicht von wirkmächtigen Deutungsstrategien (framing, siehe Snow et al. 1986) begleitet, die wiederum positiv auf die Motivation der Organisator*innen und sonstigen freiwilligen Helfer*innen zurückwirken. Die Kampagne bietet einfache und resonanzfähige Elemente eines kompletten Framing-Pakets. Das prognostic framing beschwört die dramatischen Folgen eines irreversiblen Klimawandels, welcher einen Verlust einer gesicherten Zukunft mit sich bringen würde. Nichts weniger als das langfristige Überleben der Menschheit steht also auf dem Spiel. Das diagnostic framing richtet sich auf das Versagen gesellschaftlicher und insbesondere politischer Eliten, die – vor allem unter dem Druck mächtiger Wirtschaftsinteressen – das nötige Umsteuern vermissen lassen und nicht einmal bereit oder fähig sind, ihre eigenen, ohnehin nicht sehr weitreichenden Versprechen einzuhalten. Das motivational framing betont die eigene Rolle und Verantwortung, insbesondere die Rolle der jungen Generation, Druck auf die politischen Entscheidungsträger auszuüben, aber auch im alltäglichen Lebensstil und Konsumverhalten sich den Notwendigkeiten anzupassen.[6] Die Protestierenden von F4F sind weder resigniert noch politikverdrossen: Rund 60% der Befragten sind zuversichtlich, dass politische Entscheidungen den Klimawandel eindämmen können.

Es ist vor allem diese Mischung von Katastrophenszenario und Rettungsmission, die in den Aussagen von Vertreter*innen der Kampagne im Mittelpunkt steht und, angesichts der Vorhaltungen manch kritischer Kommentator*innen, die jenen u.a. Blauäugigkeit, mangelnden Sachverstand und die Ideologie eines „Kinderkreuzzugs“[7] vorwerfen, auch Allianzpartner auf den Plan ruft. Selten stieß eine regierungskritische Protestkampagne in Deutschland ein derart breites Wohlwollen; selten gelang es auch einer Protestkampagne, ihr Anliegen binnen kurzer Zeit auf den Spitzenplatz der im Hinblick auf eine anstehende Wahlentscheidung als wichtig erachteten Themen zu heben.[8]

Herausforderungen und Perspektiven

F4F steht trotz und wegen seiner Erfolge vor zahlreichen Herausforderungen, von denen eine, die Schwierigkeit, das Momentum auf Dauer zu stellen, wohl zentral sein dürfte. Wie kann es gelingen, den Druck aufrecht zu erhalten oder gar zu verstärken, um am Ende auch die geforderten politischen Maßnahmen zu erzwingen? Abgesehen von ihren Mobilisierungshöhepunkten am 15. März und am 24. Mai 2019 hat sich der auf den Straßen sichtbare Zulauf bereits abgeschwächt. Die Wiederholung des immer Gleichen wird diesen Trend verstärken. Die Steigerung des Konfliktniveaus durch Aktionen zivilen Ungehorsams, wie sie etwa die Gruppe Extinction Rebellion betreibt, birgt Chancen, aber auch Risiken wie strafrechtliche Verfolgung und ein Ende der breiten Sympathiewelle. Ein baldiges Verschwinden von F4F ist nicht wahrscheinlich. Ob es aber gelingt, der drohenden Auszehrung, Veralltäglichung und Konventionalisierung zu entgehen, ist fraglich bei einer Kampagne, die bei ihren bisherigen öffentlichen Auftritten vor allem vom Kapital ihrer Außeralltäglichkeit lebt.

Literatur

Meyer, David S. & Nancy Whittier (1994): Social Movement Spillover. Social Problems, Vol. 41 (2): 277–298,

Ohlemacher, Thomas (1993): Brücken der Mobilisierung. Soziale Relais und persönliche Netzwerke in Bürgerinitiaven gegen militärischen Tiefflug. Wiesbaden: Deutscher Universitätsverlag

Oesterle, S., Johnson, M. K., & Mortimer, J. T. (2004). Volunteerism during the Transition to Adulthood: A Life Course Perspective. Social Forces, Vol. 82(3): 1123-1149.

Rucht, Dieter (2013): Aufstieg und Fall der Occupy-Bewegung. In: Karlheinz Sonntag (Hrsg.), E-Protest: neue soziale Bewegungen und Revolutionen. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, S. 111-135

Snow, David A. et al. (1986): Frame Alignement Processes, Micromobilization, and Movement Participation. American Sociological Review 51 (4): 464-481.

 

[1] In einer Umfrage, die wir und zwei weitere Autor*innen im Rahmen des Instituts für Protest- und Bewegungsforschung auf den F4F-Demonstrationen am 15. März 2019 in Berlin und Bremen durchgeführt haben, gaben mehr als die Hälfte der befragten Schüler*innen (N=174) und immerhin auch rund 28% der befragten Erwachsenen an (N=178), Greta Thunberg habe ihr Interesse am Klimawandel verstärkt. Ein jeweils ähnlicher Anteil meinte, Thunberg habe die Entscheidung, am 15. März am Klimastreik teilzunehmen, ‚stark‘ oder ‚ziemlich stark‘ beeinflusst.

[3] In unserer Befragung gaben rund 90% der Befragten als zentrales Ziel der Demonstration an, Politiker*innen „unter Druck zu setzen etwas zu ändern“.

[5] Unter den Teilnehmer*innen unserer Demonstrationsbefragung gab fast jede*r fünfte Schüler*in an, aktives Mitglied einer Schülervertretung zu sein. Weitere 7% bezeichneten sich als passives Mitglied.

[6] 60% der befragten Schüler*innen stimmen der Aussage „Um den Klimawandel zu stoppen bedarf es in erster Linie freiwilliger Änderungen des individuellen Lebensstils“ zu.

[7] Siehe z.B. die Äußerungen von WELT-Herausgeber Stefan Aust: „Wie ein moderner Kinderkreuzzug“.

[8] https://www.tagesschau.de/inland/europatrend-101.html (Meldung vom 16.5.2019).

 

Fofo: FridaysForFuture Deutschland © Jörg Farys / WWF @Flickr (CC BY 2.0).

SCHLUSS MIT KOHLE - WASSER, DÖRFER, KLIMA RETTEN! - "Coal & Boat"-Demo in Potsdam

bewegung.taz.de - 13.07.2019
18.08.2019, 13:00 Uhr - 18.08.2019, 16:30 Uhr

Kommt am 18. AUGUST 2019 zur “COAL & BOAT”-Demo in POTSDAM!

Von 13:00 Uhr bis 16:30 Uhr wollen wir auf dem Wasser und an Land für den schnellen Kohleausstieg in Brandenburg paddeln, radeln und laufen!

Der Braunkohleabbau in der Lausitz verschmutzt die Spree mit Eisenschlamm und Sulfat, bedroht immer noch Dörfer mit der Abbaggerung (aktuell Proschim und Mühlrose) und heizt mit seinen riesigen CO₂-Emissionen das Klima auf.
Allein das Brandenburger Kraftwerk Jänschwalde stößt jährlich mehr als 23 Millionen Tonnen CO₂ aus und ist damit der viertgrößte
Klimazerstörer in Europa.

Darum fordern wir: SCHLUSS MIT KOHLE - WASSER, DÖRFER, KLIMA RETTEN!

Die Wasser- und Landdemo starten jeweils um 13:00 Uhr an der Neustädter Havelbucht. Der konkrete Treffpunkt für die 

  • Wasserdemoist südlich vom Café Seerose (Breite Str. 24) am Wasser und für die 
  • Landdemoam Pumpenhaus/"Moschee" (Breite Str. 28). 

Es wird dann eine gemeinsame Großaktion zum Start der Demo geben. Ab 15:30 Uhr wird die Abschlusskundgebung in der “Alten Fahrt” stattfinden. Hier könnt ihr sowohl auf dem Wasser als auch am Ufer dabei sein.

 

Melde dich möglichst bald unter info@kohleausstieg-berlin.de, wenn du mit Boot kommst oder auf ein Boot (Floß, Kajak, SUP) möchtest! Aus Berlin wird auch noch eine gemeinsame Radanreise in Form einer Demo organisiert.


Weitere Informationen gibt es unter www.kohleausstieg-berlin.de, #coalandboat und bei Facebook unter “Coal & Boat”.

Im Demo-Trägerkreis sind unter anderem das Bündnis Kohleausstieg Berlin, Fridays for future Potsdam, BUND Berlin und BUND Brandenburg, BUNDjugend Berlin und BUNDjugend Brandenburg, BürgerBegehren Klimaschutz, Greenpeace Regio Ost, Grüne Liga, NaturFreunde Berlin und NaturFreunde Brandenburg, Robin Wood, attac Berlin, Fossil Free Berlin, PowerShift und Seebrücke Potsdam.

Die “Coal & Boat” Demo führte in den letzten drei Jahren zu Berliner Kohlekraftwerken. Dieses Jahr findet sie im Vorfeld der Brandenburger Landtagswahlen in Potsdam statt, um ein deutliches Zeichen für einen schnellen Kohleausstieg bis spätestens 2030 zu setzen.

Bei Fragen und Anregungen könnt ihr euch auch gern an info@kohleausstieg-berlin.de wenden.

 

Text vom „Coal & Boat“-Team

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Klimawache Bonn: "Wald und Klima"

bewegung.taz.de - 11.07.2019
16.07.2019, 18:30 Uhr - 16.07.2019, 19:30 Uhr

Waldschutz ist Klimaschutz! Aber wie geht`s richtig?

Bei der nächsten Klimawache Bonn am 16.7. schauen wir von den Bonner Wäldern bis zum Amazonas. Dazu haben wir uns natürlich richtige Waldmenschen eingeladen:

  • Uwe Schölmerich, Forstamtsleiter des Regionalforstamtes Rhein-Sieg-Erft, wird uns etwas über “unseren” Wald hier rund um Bonn und in Deutschland erzählen
  • Michael Metz, Waldexperte bei der Bonner Tropenwaldstiftung OroVerde, berichtet über die tropischen Regenwälder und ihre Klimafunktion – und lüftet das Geheimnis der BonnChallenge.
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Für eine atomwaffenfreie Welt ins Gefängnis?

bewegung.taz.de - 10.07.2019
12.07.2019, 18:00 Uhr - 12.07.2019, 20:00 Uhr

Am 7. Juli war es genau zwei Jahre her, dass 122 Staaten bei den Vereinten Nationen den Atomwaffenverbotsvertrag beschlossen haben. Anlässlich des Jahrestages fand letztes Wochenende in Zusammenarbeit mit ICAN und der IPPNW das Aktionsfestival für das Atomwaffenverbot am Fliegerhorst Büchel statt. Noch immer sind hier US-Atomwaffen stationiert, noch immer trainieren hier deutsche Bundeswehrpilot*innen den Atombombenabwurf und noch immer ist Deutschland ein Teil der nuklearen Bedrohung.

Doch wie gestaltet man Protest gegen Atomwaffen? Wie kann man sich positionieren und einsetzen für eine friedvollere und atomwaffenfreie Welt? Welche Protestformen es gibt – und wie zielführend diese sind – hinterfragen wir in einem Gespräch mit der Friedensaktivistin Clara Tempel und ICAN Vertreter*innen.

Clara Tempel hat 2016 im Protest die Startbahn des Atomwaffenlagers Büchel besetzt, woraufhin sie vor Gericht zu 30 Tagessätzen wegen Hausfriedensbruchs verurteilt wurde. Medienwirksam wurde ihre Kritik an den Atomwaffen besonders dadurch, dass Clara freiwillig sieben Tage eine Ersatzfreiheitsstrafe im Jugendgefängnis Hildesheim abgesessen hat: „Wenn Gefängnisse keine Orte mehr sind, die uns Angst machen, können wir ganz frei entscheiden, welche Aktionen wir für richtig halten im Kampf für eine atomwaffenfreie und gerechtere Welt“ (Clara Tempel 2019).

Gerne möchten wir dies und die Erlebnisse des diesjährigen Aktionsfestivals in Büchel am Freitag in der Talkrunde aufgreifen und mit euch kontrovers diskutieren.

Kommt vorbei, tauscht eure Erfahrungen oder Anregungen aus und lasst uns gemeinsam einen bunten Abend rund um das Thema Protest gestalten.

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Feministisches Sommerkino + Diskussion

bewegung.taz.de - 10.07.2019
19.07.2019, 19:00 Uhr - 19.07.2019, 23:00 Uhr

Jugend-BO "merkste selba?!" der LINKEN Pankow lädt ein zum Sommerkino!

Im Jahre 2019 liegt der Lohnunterschied zwischen Frauen und Männern in Deutschland immer noch bei 21%. Seit vielen Jahrzehnten kämpfen Frauen nun für gleiche Behandlung und gleiche Rechte, trotzdem zeigt nichts so deutlich wie die Lohnungleichverteilung (Gender Pay Gap), dass wir von wirklicher Gleichberechtigung weit entfernt sind.
Zusammen mit Gewerkschafterinnen und Aktivistinnen wollen wir über ungerechte Arbeitsbedingungen, feministischen Arbeitskampf und Lohngegrechtigkeit sprechen.
Und da zum Sommer natürlich auch Open Air Kino gehört, schauen wir danach zusammen den Film "We want Sex".

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Das ipb in den Medien: Fridays for Future

Seit Wochen bestimmen die Fridays for Future-Demonstrationen die Schlagzeilen. Die Aufmerksamkeit der Medien gilt insbesondere der ungewöhnlichen Aktionsform des Schulstreiks, dem Alter der Demonstrierenden und der Frage was diese vermeintlich neue Protestgeneration ausmacht. Um mehr über die Demonstrierenden und ihre Motive zu erfahren und somit die oft von Mutmaßungen geprägte Debatte mit wissenschaftlichen Erkenntnissen zu unterfüttern, hat das Institut für Protest- und Bewegungsforschung am 15. März 2019 eine Befragung der Demonstrationen in Berlin und Bremen durchgeführt. Erste Ergebnisse wurden auf einer Pressekonferenz am 26. März vorgestellt. Unten findet sich eine Auswahl der Medienpräsenz von ipb-Mitgliedern sowie eine Übersicht der Resonanz zu unserer Studie.

ipb-Kollege Sebastian Haunss in den ARD-Tagesthemen, 15.3.2019

Vor dem Pressegespräch zur Demonstrationsbefragung

18.01.2019 – SZ: Auf die Straße statt in die Schule (Swen Hutter) 25.01.2019 – Krautreporter: Was die Klimaproteste bisher bewirkt haben (Sebastian Haunss) 31.01.2019 – Klimafakten.de: Schülerstreik #fridaysforfuture: Kommt jetzt die große Klimabewegung? (Dieter Rucht) 15.02.2019 – bento.de: So planen die Schülerinnen und Schüler den Mega-Schulstreik (Simon Teune) 18.02.2019 – FAZ: “Friss Tofu, Du Würstchen!” (Sabrina Zajak) 01.03.2019 – Deutschlandfunk Nova: Proteste brauchen keine Anführerin. Aber sie hilft (Simon Teune) 13.03.2019 – Zitty: Wir sind Greta. Klimakampf statt Klassenzimmer (Dieter Rucht) 14.03.2019 – dpa/Pforzheimer Zeitung: Fridays for Future: Ein Konflikt kommt auf die Straßen Stuttgarts – und Pforzheims (Simon Teune) 14.03.2019 – dpa/Ärzteblatt: Klimakrise: Gesundheitsallianz und Medizinstudierende unterstützen Schülerstreik (Simon Teune) 14.03.2019 – HR2 Der Tag: Schule schwänzen, Erde retten? Fridays for Future (Simon Teune) 15.03.2019 – ARD Tagesthemen: “Fridays for Future”. Schüler und Studenten protestieren weltweit (Sebastian Haunss) 15.03.2019 – Deutschlandfunk Kultur: Warum kaum Studierende an den Klimaprotesten teilnehmen (Simon Teune) 18.03.2019 – taz: Anders als die anderen (Simon Teune) 19.03.2019 – Phoenix: Streiken statt Pauken. Schülerproteste für den Klimaschutz (Sabrina Zajak) 24.03.2019 – Der Freitag: Kein Fleisch für Niemand (Simon Teune) 25.03.2019 – Radio Bremen 2: Der Gorleben-Treck (Simon Teune)

Infografik auf Grundlage der ipb-befragung in der Süddeutschen Zeitung vom 30./31.3.2019

Nach dem Pressegespräch zur Demonstrationsbefragung

26.03.2019 – Klima der Gerechtigkeit: Fridays for Future – was wissen wir über diese neue Protestbewegung? (Studie allgemein) 26.03.2019 – jetzt.de: Wer sind die „Fridays For Future“-Aktivisten? (Studie allgemein, Dieter Rucht) 26.03.2019 – Tagesspiegel: Wer die Generation „Fridays for Future“ ist (Studie allgemein) 26.03.2019 – Klimareporter: Klimastreikende fangen bei sich an (Studie allgemein, Sabrina Zajak) 26.03.2019 – SWR: Das sind die jungen Menschen bei “Fridays for Future” (Studie allgemein, Sabrina Zajak) 26.03.2019 – RND/Märkische Allgemeine/Oberhessische Presse: „Fridays for Future“-Studie: Sie sind jung und wollen was ändern (Studie allgemein, Dieter Rucht) 26.03.2019 – mdr: Neue Studie: Was steckt hinter den Fridays for Future-Demos? (Studie allgemein, Dieter Rucht und Sabrina Zajak) 26.03.2019 – ZEIT Online: Der Protest organisiert sich selbst (Studie allgemein, Dieter Rucht) 26.03.2019 – Deutschlandfunk Kultur: Weiblich, links, umweltbewusst (Studie allgemein, Dieter Rucht und Sabrina Zajak) 26.03.2019 – domradio.de/epdWeit entfernt vom Schwänzen? (Studie allgemein, Sabrina Zajak) 27.03.2019 – Weserkurier: Bremer Schüler setzen sich auch im Alltag für die Umwelt ein (Studie allgemein) 27.03.2019 – taz: Schlaue linke Greta-Fans (Studie allgemein) 27.03.2019 – Buten un Binnen: Bremer Schüler würden für das Klima auf Konsum verzichten (Studie allgemein, Sebastian Haunss) 27.03.2019 – heise.de: Schulstreiks – Wer sind die Schüler? (Studie allgemein) 28.03.2019 – DIE ZEIT: Klimaschutz als Klassenkampf (Studie allgemein) 28.03.2019 – ZDF Maischberger: Jugend demonstriert, Politik ignoriert (Studie allgemein) 28.03.2019 – DW: “Fridays for Future”: Schulschwänzer oder Retter des Klimas? (Studie allgemein, Sebastian Haunss) 29.03.2019 – Neues Deutschland: Weiblich, jung, links (Studie allgemein, Sabrina Zajak) 29.03.2019 – BR24: Fridays for Future: Wer demonstriert da eigentlich? (Studie allgemein, Sabrina Zajak) 29.03.2019 – ZEIT Online: Bei ihr sieht es einfach aus (Dieter Rucht) 29.03.2019 – SZ: Hinter den Transparenten (Studie allgemein) 30.03.2019 – Perspektive Online: Fridays for Future: Wer ist Teil der neuen Klimaprotestgeneration? (Studie allgemein) 03.04.2019 – Neue Westfälische: #FridaysForFuture: Grüne nehmen Laschet in die Pflicht (Studie allgemein) 04.04.2019 – NDR Info: Fridays for Future: Wo sind die Studenten? (Dieter Rucht und Simon Teune) 09.04.2019 – Deutschlandfunk: Konkrete Forderungen an Politik gestellt (Studie allgemein) 12.4.2019 – Kurt: Wo sind Dortmunds Studenten for Future? (Simon Teune) 19.4.2019 – ARD Bericht aus Berlin: Macht die Straße der Politik Beine? (Sabrina Zajak) 26.4.2019 – DW.com: Fridays for Future: ungemütlich politisch (Studie allgemein) 28.4.2019 – Tagesspiegel: Gehen Europa die Fans aus? (Dieter Rucht) 4.5.2019 – Deutschlandfunk Kultur: „Bewegungen sind im Grunde wie das kapitalistische System“ (Studie allgemein) 13.5.2019 – ARD Alpha / BR: Versammlungsfreiheit – Was bringt Demonstrieren?(Studie allgemein) 17.5.2019 – tagesschau.de: Warum ist die Bewegung so erfolgreich? (Sebastian Haunss) 22.5.2019 – Spektrum.de: Auf dem Weg zur ökologischen Bürgerrevolution? (Studie allgemein) 22.05.2019 – Stern: Luisa Neubauer, die Laut-Sprecherin bei “Fridays for Future” (Studie allgemein) 25.05.2019 – Welt.de: Die jungen Frauen und der Protest (Studie allgemein) 27.5.2019 – Pfälzischer Merkur: „Die Hartnäckigkeit des Protests unterschätzt“ (Studie allgemein, Dieter Rucht) 30.5.2019 – Jungle World: Heiße Luft für Lulu (Simon Teune) 31.5.2019 – Deutschlandfunk: Kampf gegen den Klimawandel. Wie politisch ist die Jugend heute? (Simon Teune) 06.06.2019 – Spektrum: »Protest wird erlernt« (Simon Teune, Studie allgemein) 07.06.2019 – Deutsche Welle: Deutschlands Jugend – politisch wie nie? (Studie allgemein) 09.06.2019 – DLF: Mit Greta Thunberg das Möglichkeitsfenster nutzen (Simon Teune) 10.06.2019 – NOZ: Warum “Fridays for Future” den Grünen auch schaden könnte (Moritz Sommer, Studie allgemein) 11.06.2019 – SWR2: Wenn Youtube rebellisch wird (Dieter Rucht) 12.06.2019 – FAZ: Klimaretten mit den Profis (Simon Teune) 18.06.2019 – taz: Zwei Demos, ein Ziel (Dieter Rucht) 18.06.2019 – L.I.S.A.: “Der Protest adressiert auch jeden Einzelnen” (Sabrina Zajak, Studie allgemein) 21.06.2019 – RBB: “Fridays for Future” demonstriert auch in den Schulferien (Simon Teune) 24.06.2019 – Jetzt.de: Wie geht es weiter mit „Fridays for Future“? (Moritz Sommer) 24.06.2019 – Perspective Daily: Wie geht es weiter nach 6 Monaten »Fridays for Future«? (Moritz Sommer) 30.06.2019 – SPON: Übersteht die Bewegung das Sommerloch? (Moritz Sommer) 05.07.2019 – SZ: Jung, ernsthaft und gar nicht strategisch (Sebastian Haunss) 15.07.2019 – Vice: Klimaprotest: Warum engagieren sich vor allem junge Frauen? (Moritz Sommer, Piotr Kocyba) 26.07.2019 – SZ: “Krank wichtig” (Studie allgemein) 26.07.2019 – MDR: Chemnitzer machen bei internationaler Studie zu “Fridays for Future” mit (Piotr Kocyba) 28.07.2019 – Deutschlandfunk: „Nicht zum Phänomen einer ganzen Generation ausrufen“ (Dieter Rucht) 29.07.2019 – Deutschlandfunk: „Der Vergleich mit den 68ern hinkt“ (Dieter Rucht) 29.07.2019 – SZ: Wie “Fridays for Future” sich professionalisiert (Moritz Sommer, Dieter Rucht)

Photo: Jörg Farys / Fridays for Future @Flickr (CC BY 2.0).

Mit Umweltdaten Gutes tun! - Vom Daten finden & säubern

bewegung.taz.de - 08.07.2019
06.09.2019, 09:30 Uhr - 06.09.2019, 16:30 Uhr

Mit Daten Gutes tun! Das geht auch im Umweltbereich und kann enorm spannend und wichtig sein. In zwei verschiedenen Workshops wollen wir uns im Rahmen der Umweltdatenschule (https://datenschule.de/projekte/umweltdatenschule) gemeinsam mit Aktivist/innen, Menschen aus Umweltorganisationen und Interessierten mit Umweltdaten beschäftigen und hands-on mit nützlichen Tools arbeiten. Programmiervorkenntnisse sind nicht nötig!

Wie kann man Umweltdaten für die eigene Arbeit als Umweltaktive nutzen? Woher kommen die Daten und wie lassen sich Daten mit Hilfe des Umweltinformationsgesetzes befreien? Wie stark ist das Grundwasser in meiner Region mit Nitrat belastet? Welche Insektenarten sind in Deutschland am stärksten vom Aussterben bedroht? Und gibt es offene Daten über die Müllverwertung in meiner Stadt? Gemeinsam bezwingen wir das Recherche-Monster und werden uns auf die Suche nach spannenden Daten im Umweltbereich begeben. Welche Portale sind hilfreich? Wie bekomme ich Daten aus PDFs in ein maschinenlesbares Format? Nach dem Finden der Daten geht´s ans Säubern: Mit Hilfe spannender Tools lernen wir gemeinsam Tricks und die wichtigsten Schritte um einen Datensatz fit zu machen.

Die Workshops richten sich an alle Interessierten, junge Erwachsene und Erwachsene, vorrangig aus dem Bereich der Umweltverbände- und Vereine, die für einen Tag in die Welt der offenen Daten eintauchen wollen. Egal ob du haupt- oder ehrenamtlich tätig bist oder einfach großes Interesse an Umweltthemen hast, melde dich an. Solltest du dir unsicher sein, ob der Workshop genau das Richtige für dich ist, frag uns vorher gerne (umweltdatenschule@okfn.de)!

Du solltest zum Workshop deinen eigenen Laptop mitbringen, da wir ins praktische Arbeiten kommen. Ist das nicht machbar, gib uns kurz bescheid und wir finden eine Lösung. 

Solltest du Interesse haben, dann melde dich hier verbindlich an.

Der Workshop ist für dich kostenfrei, eine Fortbildungsbescheinigung können wir ausstellen. Für Verpflegung (vegetarisch) ist gesorgt. Solltest du doch nicht am Workshop teilnehmen können, sag bitte unbedingt rechtzeitig ab, sodass andere Interessierte nachrücken und deinen Platz auffüllen können!

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Ubuntu Roads mit Alibeta (Film/Discussion/Concert)

bewegung.taz.de - 08.07.2019
13.07.2019, 17:00 Uhr - 13.07.2019, 21:00 Uhr

***German Version below***

On 13. July we will invite you to travel with us through different universes of arts and activism.

Together with ALIBERTA, Ahmed Cheikhou Toure BA, Mâallem Khalid Sans, Marcia Higelin Mikhalkova we invite you to an evening fill of ARTIVISM (Film/ Discussion/ Concert).

The project we want to share with you on this evening was born in January 2018 under the slogan "UBUNTU Roads".
The African philosophy UBUNTU "I am because we are", is more than a motto in his sense, it is a fight for peace, it's the martial art of living together. 'UBUNTU Roads' becomes more than a musical or cinematographic project. It is ultimately defined by its social dimension, political, philosophical and fundamentally human.

The evening will start with a Film screening of the film LIFE SAARABA ILLEGAL, followed by a panel discussion and a live concert with ALIBETA and band.

1. Film screening: LIFE SAARABA ILLEGAL

"Saaraba” is what West Africans call the promised land of "Europe". Over a period of almost 10 years the camera follows Aladji and Souley, two brothers from a small fishing island in the atlantics and off the coast of Senegal. His cousin and co-writer of this film - Saliou Sar - who in his home country has become a known musician (Alibeta), documents the journey of 3.000 kilometers all the way up to Northern Morocco where he tries to convince him to return.

R: Saliou Waa Guendoum Sarr, Peter Heller, Bernhard Rübe, Documentary, Germany, 2016, 90 Min.

Trailer here |+| https://www.youtube.com/watch?v=EjXiT-DGV6k

The screening is followed by a discussion with Alibeta and one of the artists.

Listen here |+| https://www.youtube.com/watch?v=yWoUH-H0eqc

And we are closing with a concert by ALIBERTA and band:

Information on the musicians:

Alibeta:
Through his travels in different artistic worlds, among which: music, theater and cinema, Alibeta irrigates the world by weaving links. He crosses with humility and integrity everything that represents it, sometimes serer culture, sometimes Afro-jazz,
sometimes the songs gnawa, pulaars, or Mandingo.

Ahmed Cheikhou Toure BA:
Ahmed Cheikhou Toure BA is a Mauritanian artist. Son of Seydou BA prominent author / composer, Cheikhou is a multi-instrumentalist who plays percussion in xalam, with a subtlety worthy of the winds of the Sahel.

Mâallem Khalid Sansi:
Mâallem Khalid Sansi is a Moroccan artist born to a Gnaouie family. Through the gimbri, his voice and dance, Khalid performs internationally and knows how to go with great names like, to name only one, Snarky Puppy at the Gnaoua Festival in Essaouira.

Marcia Higelin Mikhalkova:
Marcia Higelin Mikhalkova is a young French artist who gives substance to her battles in through his music (voice, keyboard). Author-Composer, she works hand in hand with Universal for other artists and is currently doing the first project that will be released in his name.

Entrance Fee will be published soon!
The Discussion will be in English

The event takes place in cooperation with Each one teach one!

_________________________________________________
***German version***

Am 13. Juli laden wir Sie ein, mit uns durch verschiedene Universen der Künste und des Aktivismus zu reisen.

Zusammen mit ALIBERTA, Ahmed Cheikhou Toure BA, Mâallem Khalid Sans und Marcia Higelin Mikhalkova möchten wir einen Arbend voll von Aktivismus und Kunst gestalten (Film / Diskussion / Konzert).

Das Projekt, das wir an diesem Abend mit euch teilen möchten, wurde im Januar 2018 unter dem Titel "UBUNTU Roads" geboren.
Die afrikanische Philosophie UBUNTU "Ich bin, weil wir sind" ist mehr als nur ein Motto in engeren Sinne, es ist ein Kampf für Frieden, es ist ein Aufruf des Zusammenlebens. 'UBUNTU Roads' ist daher auch mehr als ein musikalisches oder kinematografisches Projekt. Es ist letztendlich in allen Dimensionen sozial, politisch, philosophisch und grundlegend menschlich.

Der Abend beginnt mit einer Filmvorführung des Films LIFE SAARABA ILLEGAL, gefolgt von einer Podiumsdiskussion und einem Live-Konzert mit ALIBETA und Band.

1. Filmvorführung: LIFE SAARABA ILLEGAL

"Saaraba" nennen die Westafrikaner das gelobte Land "Europa". Über einen Zeitraum von fast 10 Jahren folgt die Kamera Aladji und Souley, zwei Brüder von einer kleinen Fischerinsel in den Atlantiken und vor der senegalesischen Küste Der Co-Autor dieses Films, Saliou Sar, der in seiner Heimat ein bekannter Musiker (Alibeta) geworden ist, dokumentiert die Reise von 3.000 Kilometern bis nach Nordmarokko, wo er versucht, ihn zur Rückkehr zu überreden.

R: Saliou Waa Guendoum Sarr, Peter Heller, Bernhard Rübe, Dokumentarfilm, Deutschland, 2016, 90 Min.

Trailer hier | + | https://www.youtube.com/watch?v=EjXiT-DGV6k

Im Anschluss an die Filmvorführung findet eine Diskussion mit Alibeta und einem der Künstler statt.

Hören Sie hier | + | https://www.youtube.com/watch?v=yWoUH-H0eqc

Und wir schließen mit einem Konzert von ALIBERTA und Band:

Informationen zu den Musikern:

Alibeta:
Durch seine Reisen in verschiedene künstlerische Welten, darunter Musik, Theater und Kino, verfestigt Alibeta die Welt, indem er Verbindungen knüpft. Er kreuzt mit Demut und Integrität alles, was ihn repräsentiert, manchmal Sererkultur, manchmal Afro-Jazz, manchmal die Lieder Gnawa, Pulaars oder Mandingo.

Ahmed Cheikhou Toure BA:
Ahmed Cheikhou Toure BA ist ein mauretanischer Künstler. Cheikhou, Sohn von Seydou BA, prominenter Autor / Komponist, ist ein Multiinstrumentalist, der in Xalam Schlagzeug spielt und eine Feinheit besitzt, die den Winden der Sahelzone würdig ist.

Mâallem Khalid Sansi:
Mâallem Khalid Sansi ist ein marokkanischer Künstler, der aus einer Gnaouie-Familie stammt. Durch den Gimbri, seine Stimme und seinen Tanz tritt Khalid international auf und weiß, wie man mit großen Namen wie Snarky Puppy beim Gnaoua Festival in Essaouira umgeht.

Marcia Higelin Mikhalkova:
Marcia Higelin Mikhalkova ist eine junge französische Künstlerin, die mit ihrer Musik (Stimme, Keyboard) ihre Kämpfe untermauert. Die Autorin und Komponistin arbeitet Hand in Hand mit Universal für andere Künstler und arbeitet derzeit an dem ersten Projekt, das in seinem Namen veröffentlicht wird.

Der Eintritt:
Film: 7 Euro
Konzert: 10 Euro
Film + Konzert: 15 Euro

Die Diskussion wird auf Englisch stattfinden.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit Each one teach one statt!

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Sommercamp der GJ RLP 2019

bewegung.taz.de - 08.07.2019
01.08.2019, 16:00 Uhr - 04.08.2019, 12:00 Uhr

Auch in diesem Jahr veranstaltet die GRÜNE JUGEND Rheinland-Pfalz wieder ihr traditionelles Sommercamp.
Vom 1.-4.08. treffen wir uns auf ein Neues im Tipi-Camp Hengstbacherhof im Landkreis Donnersberg unter dem Motto „Soziales und Arbeit der Zukunft“. Dort wollen wir zusammen in Workshops und Gesprächsrunden mehr rund um das Thema der fairen und nachhaltigen Arbeitswelt sowie einer toleranten und vielfältigen Gesellschaft erfahren, uns Meinungen bilden und Ideen austauschen.

Außerdem ist für genug Freizeit gesorgt, die gerne bei der ein oder anderen Mate (oder Bierchen) oder auf dem Fussballplatz und in den Wiesen genutzt werden kann.
Als Location für unser Sommercamp freuen wir uns, wie im letzten Jahr im Tipi-Camp des Hengstbacherhofs untergebracht zu sein. Wir übernachten dort in komfortablen Tipis, für die ihr lediglich Schlafsack und Isomatte benötigt. Morgens, Mittags und Abends werden wir frisch vegan kochen, für Verpflegung ist also auch gesorgt.

Uns haben bereits folgende Gäste zugesagt:

  • DFKI, Deutsches Forschungsinstitut für Künstliche Intelligenz
  • Pia Schellhammer, Mitglied des Landtags Rheinland-Pfalz
  • Die Anne-Frank-Gedenkstätte, Workshop zum Thema Alltagsrassismus
  • True Coast of Coal
  • Corinna Rüffer, Bundestagsabgeordnete aus Trier

Mit weiteren potentiellen Gästen sind wir bereits im Gespräch.

Anmeldung erbeten: camp.gj-rlp.de

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Rezension: Lessenich 2018 – Neben und die Sintflut & Brand/Wissen 2017 – Imperiale Lebensweise

Auf unserem Blog stellen wir in unregelmäßigen Abständen Buchpublikationen von ipb-Mitgliedern vor. Bisher sind Rezensionen zu folgenden Büchern erschienen:

Ganz, Kathrin. 2018.  Die Netzbewegung. Subjektpositionen im politischen Diskurs der digitalen Gesellschaft (Verlag Barbara Budrich), rezensiert von Friederike Habermann.

Müller, Melanie. 2017Auswirkungen internationaler Konferenzen auf Soziale Bewegungen (Springer VS), rezensiert von Antje Daniel.

Roose, Jochen / Dietz, Hella (Hrsg.). 2016 Social Theory and Social Movements. Mutual Inspirations (Springer VS), rezensiert von Janna Vogl.

Zajak, Sabrina. 2016. Transnational Activism, Global Labor Governance, and China (Palgrave), rezensiert von Melanie Kryst.

Daphi, Priska/Deitelhoff, Nicole/Rucht, Dieter/Teune,Simon (Hg.) 2017: Protest in Bewegung? Zum Wandel von Bedingungen, Formen und Effekten politischen Protests (Leviathan Sonderheft, Nomos), rezensiert von Luca Tratschin. 

della Porta, Donatella (Hg.): 2018. Solidarity Mobilizations in the ‚Refugee Crisis‘ (Palgrave), rezensiert von Leslie Gauditz.

Daphi, Priska 2017: Becoming a Movement – Identity, Narrative and Memory in the European Global Justice Movement (Rowman & Littlefield), rezensiert von Johannes Diesing. 

Mullis, Daniel 2017: Krisenproteste in Athen und Frankfurt. Raumproduktionen der Politik zwischen Hegemonie und Moment (Westfälisches Dampfboot), rezensiert von Judith Vey.

Wiemann, Anna 2018: Networks and Mobilization Processes: The Case of the Japanese Anti-Nuclear Movement after Fukushima (Iudicium), rezensiert von Jan Niggemeier. 

 

Es folgt nun Fabian Flues mit einer Doppelrezension zu Lessenich, Stephan 2018: Neben uns die Sintflut: Wie wir auf Kosten anderer Leben. München: Piper Verlag und Brand, Ulrich/Wissen, Markus 2017: Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im Kapitalismus. München: oekom verlag. Die Rezension erschien ursprünglich unter dem Titel „Alltag und Ausbeutung im Kapitalozän“ in Heft 4/2018 des Forschungsjournals Soziale Bewegungen. 

 

Neben dem Dauerthema Flucht und Migration rückten im Jahr 2018 dank des extrem heißen Sommers, des Konflikts um den Hambacher Forst und des nicht enden wollenden Dieselskandals sozial-ökologische Themen wieder verstärkt in den öffentlichen Blickpunkt. So titelte der SPIEGEL: „Der Sommer, der nie endet: Wie der Klimawandel unser Leben verändert“. Und die ZEIT fragte besorgt: „Auto fahren ohne schlechtes Gewissen: Geht das?“.

Eine sozialwissenschaftlich fundierte Analyse globaler sozial-ökologischer Konflikte und insbesondere die Rolle des globalen Nordens in ihrem Entstehen versprechen die zwei Bücher, die hier rezensiert werden.

Der 2016 erschienene Band „Neben uns die Sintflut: Wie wir auf Kosten anderer Leben“ des an der LMU München lehrende Soziologe Stephan Lessenich wurde dieses Jahr in einer aktualisierten und überarbeiteten Neuauflage herausgeben. Lessenich analysiert darin die Funktionsweise der „Externalisierungsgesellschaft“, die sich nur auf Kosten und zulasten anderer zu stabilisieren und zu reproduzieren vermag. 2017 veröffentlichten die Politikwissenschaftler Ulrich Brand und Markus Wissen ihr Buch „Imperiale Lebensweise: Zur Ausbeutung von Mensch und Natur im globalen Kapitalismus“, das es sogar in die SPIEGEL-Bestsellerliste schaffte. Durch den Begriff der imperialen Lebensweise versuchen sie zu zeigen, wie „das alltägliche Leben in den kapitalistischen Zentren wesentlich über die Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse und der Naturverhältnisse anderorts ermöglicht wird“ (43).

Zunächst fallen die Gemeinsamkeiten der beiden Bücher in den Blick: Sie starten mit ähnlichen Prämissen, nämlich dass der Kapitalismus auf ein (im globalen Süden liegendes) Außen angewiesen sei, auf das negative ökologische und soziale Auswirkungen kapitalistischen Wirtschaftens verlagert werden können und dass diese Verlagerung aber immer schwieriger durchzuführen und zu verdrängen sei. Auf der Weltsystem-Theorie aufbauend richtet sich ihr Blick dabei vor allem auf die ökologischen Aspekte des Gegenwartskapitalismus und dessen Verankerung in den Alltagspraxen des globalen Nordens. Im Gegensatz zu der derzeit sehr beliebten Heranziehung einer neuen geologischen Epoche, des Anthropozän, und der damit einhergehenden Ansicht, die menschliche Natur sei der letztendliche Verursacher der ökologischen Krise, verortet ihre Analyse deren Kern im Kapitalismus; es handelt sich somit um zwei Erzählungen des Kapitalozän. Dabei nehmen diese positiv aufeinander und ihre jeweiligen Grundkonzepte – die Externalisierungsgesellschaft und die imperiale Lebensweise – Bezug; auch Analysen und Beispiele wie der Trend zum verbrauchsintensiven SUV (Sport Utility Vehicle) finden sich in beiden Büchern.

Der Komfort der Externalisierungsgesellschaft

Stephan Lessenich nimmt in seinem Buch sowohl den Wohlstand des globalen Nordens und seine „Verankerung in den Strukturen und Mechanismen kolonialer Herrschaft über den Rest der Welt“ (17) als auch die Verdrängung und Tilgung dieses Zustandes „aus den gesellschaftlichen Erzählungen individuellen und kollektiven ‚Erfolgs‘“ (17) ins Visier. Die Analyse dreht sich dabei um den Begriff der Externalisierung, also die Auslagerung bestimmter Effekte des eigenen Handelns oder Wirtschaftens. Diese Externalisierung, so Lessenich, ist dem Kapitalismus inhärent und betrifft sowohl die Überbeanspruchung natürlicher Ressourcen als auch die Ausbeutung von menschlicher Arbeitskraft in kapitalistischen Produktionsverhältnissen.

Für Lessenich ist Externalisierung in westlichen Gesellschaften „gleichermaßen eine Struktur, ein Mechanismus und eine Praxis“ (50) geworden und drückt sich dementsprechend durch „Machtasymmetrien in der Weltgesellschaft“, einen „globalisierten Ausbeutungsmechanismus“ und in der Alltagspraxis als „Externalisierungshabitus“ aus. Diese Verankerung der Externalisierung in der Gesellschaft führt dazu, dass wir externalisieren, „weil wir es können“ und „weil wir nicht anders können“. Wie diese strukturellen Zwänge und Mechanismen konkret aussehen, versucht Lessenich in den folgenden Kapiteln zu untersuchen.

Ein Kapitel fokussiert sich dabei auf ungleiche Handelsbeziehungen zwischen Nord und Süd, ein weiteres auf das höchst diskriminierende globale Grenz- und Mobilitätsregime. Beide sind mit Beispielen gespickt, was für Anschaulichkeit und Verbindungen zum Alltagsleben sorgt. Insbesondere die Herausstellung der Widersprüche der normativen Rechtfertigungsmuster westlicher Gesellschaften, wenn es um die Verteilung von Lebenschancen durch Staatsangehörigkeit („Geburtsrechtslotterie“) geht, ist interessant, wenn auch sehr kurz gehalten. Angesichts des sich beschleunigenden Klimawandels und der anhaltender Fluchtbewegungen glaubt Lessenich, dass sich der schöne Schein der Externalisierungsgesellschaft nicht viel länger aufrecht erhalten lässt. Was diese ersetzen und wie dies geschehen könnte, bleibt allerdings äußerst vage, etwa wenn Lessenich davon spricht, „das nationale wie transnationale Institutionengerüst der Externalisierungsgesellschaft im Sinne eines demokratischen, global-egalitären Reformprojekts umzupolen.“

Leider fehlt es der mitunter auch polemischen Kritik der Externalisierungsgesellschaft teilweise an analytischer Tiefe und Differenziertheit. Wenn Lessenich die ökologisch verheerenden Soja-Monokulturen in Lateinamerika problematisiert, so fehlt ein Verweis auf die damit finanzierten Sozialprogramme ‑ und damit ein wichtiger Hinweis auf das Dilemma der Nutzung natürlicher Ressourcen, in dem sich auch (vermeintlich oder tatsächlich) progressive Regierungen im globalen Süden befinden. Auch die Betrachtung der Rolle Chinas und schnell wachsender Schwellenländer kommt im Buch deutlich zu kurz; der Autor belässt es beim ‚groben Raster‘ der Externalisierung von Nord nach Süd, was seinem Anspruch, eine Analyse der „weltgesellschaftlichen Ungleichheitsverhältnisse“ vorzulegen, wenig zuträglich ist. Somit fällt Lessenich auch hinter seine eigene Kritik am „‚methodologischen Nationalismus‘ in der Ungleichheitsforschung“ zurück und verzichtet auf eine Analyse der Rolle transnationaler Eliten jenseits des Nord-Süd-Gegensatzes.

Dennoch: wer eine unterhaltsam geschriebene Abrechnung mit dem Gegenwartskapitalismus sucht, wird bei Lessenich fündig. Für diejenigen, die auf der Suche nach einer tiefergreifenden Analyse oder Inspirationen zur Überwindung der bestehenden Verhältnisse sind, ist das Buch nicht das richtige.

Ausbruch aus der imperialen Lebensweise?

Im Ton deutlich nüchterner gehen Ulrich Brand und Markus Wissen an den Themenkomplex heran. Der Kernbegriff der beiden Politikwissenschaftler ist die „imperiale Lebensweise“. Durch das Konzept versuchen sie sowohl eine Verbindung zwischen Alltagspraxen, gesellschaftlichen Strukturen und internationalen Kräfteverhältnissen, zwischen sich verschärfenden Krisen und deren Verdrängung aufzuzeigen, als auch einen Maßstab zu entwickeln, der dazu geeignet ist, Alternativen und Transformationsvorschläge kritisch zu beurteilen. Mit dem Begriff der Lebensweise richten sie, von Gramsci ausgehend, ihr Augenmerk darauf, „dass sich eine widersprüchliche Gesellschaftsformation wie die kapitalistische nur reproduzieren kann, wenn sie in den Alltagspraxen und im Alltagsverstand verankert ist und dadurch gleichsam ‚natürlich‘ wird“ (45). Die Bestimmung als ‚imperial‘ soll „die globale und ökologische Dimension der Lebensweise betonen“ (45).

Nach einer ausführlichen Einführung in den Begriff gehen Brand und Wissen in zwei äußerst lesenswerten Kapiteln auf die historische Entwicklung der imperialen Lebensweise und ihre derzeitige Verallgemeinerung ein. Dabei gelingt es ihnen, 250 Jahre kapitalistische Wirtschaftsgeschichte gewinnbringend zusammenzufassen und zudem differenziert auf Entwicklungen und Entwicklungsmodelle in China und Lateinamerika einzugehen. Ein weiteres Kapitel veranschaulicht am Beispiel der Verbreitung von „Sport Utility Vehicles“ (SUVs), wie sich die imperiale Lebensweise in alltäglichen Praxen vertieft und wie eng die automobile Gesellschaft mit Klassen- und Geschlechterverhältnissen verwoben ist.

Schließlich versuchen die Autoren ,die „falschen Alternativen“ eines grünen Kapitalismus und der Bioökonomie von einer „solidarischen Lebensweise“ abzugrenzen. Dies gelingt nur teilweise: Die berechtigte Kritik am grünen Kapitalismus wirkt zuweilen etwas holzschnittartig und hätte mehr Platz verdient. Das hätte es auch erlaubt, von der analytischen Stärke des Konzepts der imperialen Lebensweise besseren Gebrauch zu machen. Auch die Konturen einer solidarischen Lebensweise bleiben etwas abstrakt, vor allem aber, wie sich diese gegen eine dominante und ausbreitende imperiale Lebensweise durchsetzen soll. Hier sei aber angemerkt, dass ein dieses Jahr erschienenes Buch von Ulrich Brand mit dem ecuadorianischen Wirtschaftswissenschaftler Alberto Acosta genau diese Fragen zu beantworten versucht (Brand, Acosta 2018) und den Faden dort aufnimmt, wo er in „Imperiale Lebensweise“ endet.

Insgesamt haben Brand und Wissen ein äußerst lesenswertes Buch vorgelegt, dessen zentrales Konzept sehr hilfreich für die Analyse sozialer und ökologischer Ausbeutungsbeziehungen – insbesondere im Nord-Süd Verhältnis – ist. Dass der Begriff der imperialen Lebensweise innerhalb kürzester Zeit von sozialen Bewegungen und zivilgesellschaftlichen Akteuren, besonders in der Umweltbewegung und von Nord-Süd-Solidaritätsgruppen, aufgenommen wurde, zeigt, dass hier ein zeitdiagnostisches Instrumentarium entwickelt wurde, das auch zur Veränderung der bestehenden Verhältnisse beitragen kann.

Fazit

Trotz ihrer vielen inhaltlichen Überschneidungen und einem ähnlichen theoretischen Fundament sind die beiden hier besprochenen Bücher zur sozial-ökologischen Krise des globalen Kapitalismus für unterschiedliche Lesergruppen interessant. Sozialwissenschaftlich geschulten LeserInnen bietet die „Imperiale Lebensweise“ von Ulrich Brand und Markus Wissen ein stärkeres Analyseinstrument und eine historisch-geographisch weitergehende Perspektive. Der große Anklang, den das Konzept gefunden hat, zeugt davon, dass es den (kritischen) Zahn der Zeit getroffen hat. Stephan Lessenichs „Neben uns die Sintflut“ bietet zwar eine interessante Erweiterung der Thematik um das diskriminierende Grenz- und Mobilitätsregime, kann aber in seiner Herausarbeitung globaler Ungleichheitsverhältnisse letztendlich nicht vollständig überzeugen. Dank des Verzichtes auf Fachjargon sollte es aber für ein allgemeineres Publikum zugänglich sein.

Literatur

Brand, Ulrich/Acosta, Alberto 2018: Radikale Alternativen: Warum man den Kapitalismus nur mit vereinten Kräften überwinden kann. München: oekom Verlag

 

Photo by Alexander Popov on Unsplash

Kostenlose Strafrechtsberatung in Berlin

bewegung.taz.de - 04.07.2019
10.07.2019, 17:30 Uhr - 10.07.2019, 18:30 Uhr

Kostenlose Strafrechtsberatung in Berlin | 10.07.19, 17-18.30 Uhr | Ida Nowhere

Sprühen, kleben, klauen, umsonst fahren, kiffen, Stress auf der Demo gehabt? Anwältinnen sind teuer. Nicht jeder kann sich das leisten oder hat eine entsprechende Rechtsschutzversicherung.

Im Ida Nowhere gibt es jetzt immer am zweiten Mittwoch im Monat zwischen 17–18.30 Uhr eine kostenlose Strafrechtsberatung: http://www.ida-nowhere.com/?p=8524 

Die rechtliche Beratung im Ida Nowhere findet auf Deutsch oder Englisch statt und wird von zugelassenen Anwält*innen betreut. Diese sind aus der Kanzlei für Strafrecht in Berlin Neukölln: www.strafverteidiger-neukölln.de

Die Kanzlei umfasst folgende Rechtsgebiete: Klassisches Strafrecht (z. B. Raub, Körperverletzung, Betrug, etc.), Betäubungsmittelstrafrecht, Kapitalstrafrecht (z. B. Mord, Totschlag), Jugendstrafrecht, politische Strafverfahren und Revisionsrecht.

Das Ida Nowhere in Neukölln versteht sich als offener Raum, als selbst verwaltetes Kollektiv, als gemeinnütziger Verein auf Non-Profit-Basis. Es wird ausschließlich durch ehrenamtliche Mitarbeit getragen.

IDA NOWHERE – offener Projektraum / Freiraum / Vereinslokal

Donaustrasse 79
12043 Berlin

 

[Zeichnung: Kindesperk]

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Klimawandel oder Klimakrise?

bewegung.taz.de - 04.07.2019
05.07.2019, 19:00 Uhr - 05.07.2019, 21:00 Uhr

Ein Hitzesommer jagt den Nächsten. Es scheint fast, als müsse der Mensch-Umwelt-Beziehung eine neue Sparte im Buch der Rekorde gewidmet werden: Wetter Extreme. Die Süddeutsche Zeitung titelt: "Ein Sommer wie 2090" und meint damit das unerwartet frühe Abschmelzen des arktischen Permafrosts, welches die Emission von Treibhausgasen weiter beschleunigen wird.

Überhaupt beschleunigt sich gerade so einiges: die Temperaturen steigen, der Meeresspiegel steigt und die Anzahl von Menschen, die in Kohlegruben Bagger besetzten oder Freitags von der Schule fernbleiben, steigt.

Nur wenige werden widersprechen: wir befinden uns in einer krassen Situation. Aber wie wollen wir davon erzählen? Welche Worte eignen sich zur Beschreibung einer solchen, vom Menschen gemachten, Entwicklung? Ist es Panikmache, verhungernde Eisbären zu zeigen oder von einer herannahenden Katastrophe zu sprechen? Und falls ja, ist es nicht sogar angebracht, wenn Greta sagt: "I want you to panic"?

Wie können Journalist*innen und Aktivist*innen konstruktiv von einer klimagerechten Zukunft erzählen? Das Netzwerk Degrowth-Journalismus und die taz Panter Stiftung laden zu einer partizipativen Abendveranstaltung ein.

Zu Gast sind:

Inken Behrmann, Blätter, ehemals Sprecherin von Ende-Gelände

Bernhard Pötter, taz-Redakteur und Autor

Johanna Romberg, GEO und Riffreporterin

Torsten Schäfer, Professur für Journalismus

Ute Scheub, freie Journalistin und Autorin

Moderation:

Leonie Sontheimer und Lukas Dörrie vom Netzwerk Degrowth-Journalismus

Bild: Dominik Vany | unsplash

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Stille nach dem Schuß? Rechtsterrorismus, Behörden & die Öffentlichkeit. Gespräch mit Martina Renner

bewegung.taz.de - 03.07.2019
16.07.2019, 19:30 Uhr - 16.07.2019, 21:30 Uhr

Nach dem Mord an CDU-Politiker Walter Lübcke war schnell von einer neuen Qualität des Rechtsterrorismus die Rede. Dabei waren Täter & Umfeld bereits im Zusammenhang mit der Mordserie des NSU auffällig geworden. Auch die Reaktion des Verfassungsschutzes erinnert an jene nach der NSU-Selbstenttarnung: Kontinuitäten verschleiern, Unkenntnis behaupten, Aktenzugang verhindern.
Die jüngst bekannt gewordene Vernetzung von Polizisten und Soldaten in extrem rechten Prepper-Netzwerken sowie deren illegale Bewaffnung und Mordplanungen folgen ebenfalls einem Muster, vor dem antifaschistische Expert*innen seit geraumer Zeit warnen. Breitere Diskussionen über politische Strategien zur Bekämpfung diese Bedrohung haben sie bisher nicht ausgelöst.
Wir diskutieren am Dienstag, 16. Juli 2019 ab 19:30 Uhr mit Martina Renner über antifaschistische Strategien und Analysen sowie über Rechtsterrorismus und Behördenhandeln.

Martina Renner ist Expertin für Geheimdienste und die extreme Rechte. Sie war für DIE LINKE Mitglied im NSU-Untersuchungsausschuss Thüringen und ist Mitglied im Innenausschuss des Bundestages.

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Purple Ride / Critical Mass FLINT* / 12. Juli Berlin

bewegung.taz.de - 03.07.2019
12.07.2019, 20:00 Uhr - 12.07.2019, 22:00 Uhr

Seit dem Purple Ride am 8. März treten wir ab jetzt an jedem zweiten Freitag im Monat in die Pedale, denn Frauenkampftag ist jeden Tag!
Wir sind eine kleine Gruppe feministischer Radler*innen und organisieren den Purple Ride für Frauen*, Lesben, Trans-, Non-Binary- und Inter-Personen. Wir haben unterschiedliche Hintergründe, aber das gleiche Ziel: Wir wollen gemeinsam einfach mal entspannt Fahrrad fahren - ohne Automachos, Fahrradmacker und Mansplaining. Wir wollen ins Gespräch kommen, uns austauschen, uns gemeinsam Raum nehmen auf den Straßen Berlins. Wir fahren ca. 2 Stunden in entspanntem Tempo im Verband durch Berlin.


Treffpunkt: Freitag, 12. Juli um 20 Uhr am Mariannenplatz / am Feuerwehrbrunnen.


Falls es deine erste Critical Mass sein sollte und du nicht weißt, was dich erwartet, oder aber du schon an einer Critical Mass teilgenommen hast, aber noch unsicher bist, wie man sich am besten in solch einer Gruppe auf der Straße verhalten soll, check bitte noch mal die allgemeinen Regeln und den Leitfaden der Critical Mass: http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/verhaltensregeln/

--- ENG ---

Since the Purple Ride on 8th of March we organize the Purple Ride every second Friday of the month, Women*´s Day is every day!
We are a group of feminist bikers and organize the Purple Ride for women*, lesbian, trans, non-binary and inter persons. We come from different backgrounds, but have a common goal: We simply want to ride our bikes together - without car machos, without bike blokes, without mansplaining. We want to get to know each other, exchange ideas and together take back some space on the streets of Berlin. We will ride for about 2 hours in an easy pace as a group through Berlin.

We meet: Friday, July 12th at 8 pm at Mariannenplatz / at the Feuerwehrbrunnen.

Please note that as long as the group is gonna be rather small (up to 100 participants) will we gonna ride rather slow and we are going to stop at red lights and at big intersection to ensure the security of the whole bike flow.
In case it is your first time and you don’t know what to expect, or you have already taken part to other CMs but are still unsure about the recommended behavior while on the street, please also check again Critical Mass’ general rules and guidelines here: http://criticalmass-berlin.org/critical-mass/verhaltensregeln/

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»Erzählsalon 2039«

bewegung.taz.de - 02.07.2019
26.07.2019, 18:00 Uhr - 26.07.2019, 20:00 Uhr

Der Eintritt ist frei. Eine Anmeldung ist nicht nötig.


Ort | Reinbeckhallen, Lounge (Eingang via Ausstellungshalle | Ausstellung »Roger Melis – Die Ostdeutschen«)

 

Wie wünschen wir uns die Welt in 20 Jahren? Welche Rolle möchte jede*r selbst darin spielen? Ein utopischer Erzählsalon zur besten denkbaren Zukunft 2039.

Wer »Zukunft« per Bildersuche googelt, findet belanglos blinkende Häuserschluchten, visualisierte Datenströme und weiße Wolken vor blauem Himmel. Dystopien kommen dagegen in vielen Farben und Formen: Extreme Dürren, Flutkatastrophen, neue Weltkriege… Netz, Politik und Unterhaltung kennen kaum Bilder von Utopien. Sie sind aus der Mode gekommen. Anscheinend glaubt niemand mehr daran, dass sie wahr werden können.

Dabei zeigen Beispiele wie das Futurama 1939, dass Prototypen utopischer Gesellschaftsentwürfe das Potenzial zur selbsterfüllenden Prophezeiung haben. Höchste Zeit, dieses vergessene Handwerk wiederzubeleben. Ganz im Sinne von Buckminster Fuller: »The best way to predict the future is to design it.«

Wie könnte sie also aussehen, die post-karbone, gerechte Gesellschaft, in der planetare Grenzen geachtet werden und Eigentum dem Allgemeinwohl verpflichtet ist?

Nach einer Eingangsmeditation sind alle Anwesenden eingeladen, sich mithilfe verschiedener Methoden aus dem Transition Design in die konkrete Utopie ihrer wünschenswertesten Zukunft hinein zu träumen: Wo soll die Reise für jede*n persönlich im allerbesten Fall hingehen? Welches Geräusch weckt mich oder meine Nachkommen morgens im Jahr 2039? Wie riecht die Stadt dann? Und was gibt es zu Mittag?
Im Anschluss werden in einer partizipativen Erzählrunde gemeinsam Geschichten von zukünftigen Held*innen und Zeitzeug*innen erdacht, welche den Weg für die erträumten Utopien bereitet und begleitet haben werden.

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Moderation | Lea Sauer (Co-Gründerin von transition by design)

Lea Sauer ist studierte Kulturwissenschaftlerin mit MBA. Als sie 2006 einen leeren Plattenbau an der polnischen Grenze legal besetzte und in ein internationales Studentenwohnheim transformierte, begriff sie, dass man mit utopischen Behauptungen die Welt verändern kann.

Nach Stationen in Designstudio, Stiftung und Startup weiß sie, wie Nutzerperspektive geht und spricht passabel Techie und PR. Dazwischen hielt sie als Regieassistentin die Fäden in Filmproduktionen und an der Bayerischen Staatsoper zusammen. So auch bei den 1000GESTALTEN in Hamburg im Juli 2017, als sie das Regieteam während der Performance der 800 Darsteller*innen unterstützte. Heute konzipiert und realisiert sie als Co-Gründerin von transition by design Prototypen und Erlebnisräume für utopische Zukunftsszenerien.

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Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe forum 89/90+ lädt dieser offene, partizipative Workshop dazu ein, den Blick nach vorn zu richten und gemeinsam Ideen für die Zukunftsgesellschaft zu entwickeln.

Mit Bezug auf das Format Erzählcafé, das besonders nach dem Mauerfall den Austausch von Menschen aus Ost und West förderte, rückt die Veranstaltung persönliche, biografische Perspektiven in den Fokus. Insbesondere das Publikum ist eingeladen, eigene Geschichten und Ideen zu teilen – alle Besucher*innen sind willkommen!

Die Veranstaltung ist Teil der Reihe forum 89/90+, die sich mit den innovativen und emanzipatorischen Potenzialen der Umbruchszeit in Ostdeutschland 89/90+ beschäftigt. Das Gesamtprogramm finden Sie auf der Website www.reinbeckhallen.de

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»Organizing II: Zukunft gestalten 2019«

bewegung.taz.de - 02.07.2019
17.07.2019, 18:00 Uhr - 17.07.2019, 20:00 Uhr

Der Eintritt ist für alle Veranstaltungen frei. Eine Anmeldung ist nicht nötig.


Ort | Reinbeckhallen, Lounge (Eingang via Ausstellungshalle)

 

Kann die Debatte über 1989/90 als eine Gegenwarts- oder sogar Zukunftsdebatte geführt werden? Welche Erfahrungen und Erkenntnisse aus der Geschichte können fruchtbar gemacht werden, ohne die Vergangenheit für die Gegenwart zu instrumentalisieren?

Heute, in einer von vielen so empfundenen Phase gesellschaftlichen Übergangs, in einer Zeit des »nicht mehr« und »noch nicht« scheint es an der Zeit, wieder die »großen« Fragen zu stellen: Welche Gesellschaft wollen wir gestalten und was können wir tun?

Um die Jahre 1989/90 wurde die DDR zu einer Art Labor für die Entwicklung von Zukunftsentwürfen in Theorie und in Praxis: Vor der Wiedervereinigung, als noch mehrere politische Wege offen standen, wurden an Runden Tischen, in Gruppen und Bürgerinitiativen, auf Demonstrationen und in unabhängigen Gewerkschaften zahlreiche Ideen entwickelt und erprobt. Es war eine Sternstunde von Zivilgesellschaft und politischer Teilhabe – Konzepte, die heute noch und wieder große aktuelle Relevanz besitzen.

Heute sind es zum Beispiel die Krise der repräsentativen Demokratie, die Bedrohung durch Klimawandel, Ressourcenknappheit und deren gesellschaftliche Folgen, die Zweifel daran, dass unbegrenztes Wirtschaftswachstum möglich und sinnvoll ist: Als Antwort entstehen auch heute mehr und mehr Ideen, Bürgerinitiativen und alternative Lebensräume, die mit Zukunftsentwürfen und konkreten gesellschaftlichen Utopien experimentieren.

Drei Aktivist*innen unterschiedlicher Generationen sind eingeladen, gemeinsam mit dem Publikum gleichsam einen Blick zurück und in die Zukunft zu werfen.

 

Open Talk mit

Kathrin Mahler Walther | Soziologin, Aktivistin 89/90+ & Geschäftsführerin der EAF Berlin


Jahrgang 1970, wuchs in Leipzig auf und engagierte sich seit 1987 als eine der jüngsten Aktivist*innen in verschiedenen Basisgruppen, den Vorläufern der ostdeutschen Bürgerbewegung. Im Herbst 1989 baute sie die »Initiative Frieden und Menschenrechte« in Sachsen mit auf und vertrat diese am Runden Tisch Leipzig. Später war sie als Vorstandsmitglied der »Initiative Frieden und Menschenrechte« an der Fusion zum Bündnis 90 beteiligt. Bis 1992 war sie im ersten Sächsischen Landtag tätig. Anschließend ging sie nach Berlin und legte ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg ab, danach studierte sie Sozialwissenschaften in Berlin, Jena und New York.

Kathrin Mahler Walther ist heute Geschäftsführerin der EAF (Europäische Akademie für Frauen in Politik und Wirtschaft), dem Berliner Think Tank zur Förderung von Vielfalt in Führung. Sie berät Organisationen in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf ihrem Weg in einer sich stetig verändernden Arbeitswelt. Sie leitete zahlreiche Programme zur Personal- und Organisationsentwicklung sowie Projekte zu Chancengleichheit. Damals wie heute setzt sich Kathrin Mahler Walther für den Dialog von Politik und Zivilgesellschaft ein.



Tashy Endres | Wissenschaftlerin & Mietenaktivistin


ist Architektin und Politikwissenschaftlerin. Sie forscht zu urbaner politischer Ökonomie, sozialen Bewegungen und diskriminierungskritischer Architekturlehre, dies u.a. seit 2014 als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der UdK Berlin. Sie ist in der Berliner Mieterbewegung aktiv, viele Jahre lang in der Mieterinitiative »Kotti & Co« und aktuell in der AG Starthilfe von »Deutsche Wohnen & Co enteignen«. Als politische Bildnerin, Mediatorin und Konflikttrainerin hat sie in unterschiedlichen Bewegungskontexten, z.B. auch für die »Occupy Wall Street«-Bewegung in New York gearbeitet. Sie engagiert sich seit vielen Jahren für Empowerment und Teilhabe von Bürger*innen durch Selbstorganisierung.

 

 

Michael Brie | Philosoph & Reformer 89/90+


geboren 1954 in Schwerin, Dr. phil. habil., Senior Fellow am Institut für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Um das Jahr 1989 herum war Michael Brie Mitglied der SED-Reformgruppe »Moderner Sozialismus« an der Humboldt-Universität und arbeitete dort an den konzeptionellen Grundlagen einer gesellschaftlichen Erneuerung, veröffentlicht u.a. 1990 im »Umbaupapier«. Später war er Mitglied der Programmkommissionen von PDS und Partei DIE LINKE, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats von Attac Deutschland sowie ein Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg-Stiftung und Direktor des Institut für Gesellschaftsanalyse. Seine Arbeitsschwerpunkte sind u.a. die Theorie und Geschichte des demokratischen Sozialismus und die Transformation staatssozialistischer Gesellschaften.

Er ist Herausgeber der Reihe »Beiträge zur kritischen Transformationsforschung« beim VSA-Verlag, zu seinen jüngeren Veröffentlichungen gehören u.a.: (Hg.): »Futuring. Perspektiven der Transformation im Kapitalismus über ihn hinaus« (2014, Münster: Westfälisches Dampfboot) und »Luxemburg neu entdecken: Freiheit für den Feind! Demokratie und Sozialismus« (2019, Hamburg: VSA).


Moderation | Sophie Schulz

 

Im Sinne eines »Forums« sind alle interessierten Besucher*innen herzlich eingeladen teilzunehmen, zuzuhören, Fragen zu stellen und selbst beizutragen.

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Die Veranstaltung ist Teil der Reihe forum 89/90+, die sich mit den innovativen und emanzipatorischen Potenzialen der Umbruchszeit in Ostdeutschland 89/90+ beschäftigt. Das Gesamtprogramm finden Sie auf der Website www.reinbeckhallen.de

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