Schulitz: Belo Monte, Brasilien: Eine(r) für alle, alle für eine(n)? Wenn Identitäten aufeinander prallen und wie soziale Bewegungen damit umgehen können

Kollektive Identitäten spielen in der Forschung zu sozialen Bewegungen und politischem Protest eine bedeutende Rolle. Jedoch beschränken sich die bisherigen Forschungen zu multiplen kollektiven Identitäten zumeist auf einzelne Identitätskategorien und untersuchen zum Beispiel den Einfluss von Geschlecht auf soziale Bewegungen. Am Beispiel der sozialen Bewegung gegen das Staudammprojekt Belo Monte im Amazonasgebiet Brasiliens zeigt sich, was passiert, wenn mehrere parallel existierende und potentiell konkurrierende kollektive Identitäten innerhalb einer sozialen Bewegung aufeinandertreffen und sie in ihrer Mobilisierung und ihrer Durchsetzungskraft beeinflussen: Die nicht ausreichende Integration verschiedener Gruppen in die Gesamtbewegung kann diese in enormem Ausmaß schwächen. Zeitgleich bieten sich aber auch Chancen für die einzelnen Kämpfe der Subgruppen. Es zeigt sich zudem, dass sich gesellschaftliche Hierarchien und Rassismen sowie Unterdrückung verschiedener Gruppen in der Bewegungsstruktur widerspiegeln. Um Abspaltungen und Zersplitterung der Bewegung zu verhindern, müssen diese von innen heraus aus den Bewegungen angegangen werden.

Autorin: Janne Schulitz, Politikwissenschaftlerin, derzeit Researcherin bei clarat, einem Projekt für Geflüchtete.

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Supplement zu FJ SB 2015/Heft4

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